10:28:18 | Montag, 14. Mai 2007
Gestern feierte die Kirche den 90. Jahrestag der Marienerscheinungen in Fatima. Der Papst und sein Staatssekretär sind sich sicher, daß die gesamte Botschaft von Fatima veröffentlicht und richtig interpretiert wurde.

Kardinal Bertone und Papst Benedikt XVI. vor dem Abflug am Flughafen von Brasilien nach Rom.
© Ângela
Barbour; visitadopapa.org.br(kreuz.net, Vatikan) Anläßlich des 90jährigen Jubiläums der Erscheinungen von Fatima hat Kardinalstaatssekretär
Tarcisio Bertone ein neues Buch veröffentlicht. Das berichtete die Nachrichtenagentur der US-Bischofskonferenz,
‘Catholic News Service’.
Das Buch heißt „Die letzte Vision von Fatima: Mein Treffen mit Schwester Lucia“.
Es besteht aus einem 140seitigen Interview mit dem Kardinal. Als Vorwort dient ein Brief von Papst Benedikt
XVI.
Von der Seherin bestätigtDer Erscheinungen der Heiligen Jungfrau im portugiesischen Ort Fatima
begannen am 13. Mai und endeten am 13. Oktober 1917.
Die Seher waren die zehnjährige Lucia zusammen
mit dem Geschwisterpaar Jacinta und Francisco Marto. Sie erlebten sechs Muttergotteserscheinungen auf
der Weide Cova de Iria – jeweils am 13. des Monats.
Dabei wurden ihnen auch drei Geheimnisse mitgeteilt.
Die ersten beiden Teile der Fatima-Visionen wurden bereits in den späten 30er Jahren bekannt gemacht.

Basilika von Fatima mit den Bildern der Seherkinder Jacinta und Francisco Marto.
©
GNUSie beinhalten eine Höllenvision und Prophezeiungen über den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den Aufstieg
des Kommunismus und den Endtriumph des Unbefleckten Herzen Mariens – sofern Rußland dem Unbefleckten
Herzen Mariens geweiht wird.
Das dritte wurde erst von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 öffentlich
gemacht. Kardinal Bertone und der damalige Kardinal Ratzinger waren an der Veröffentlichung beteiligt.
Johannes Paul II. sandte damals Erzbischof Bertone als Sekretär der Glaubenskongregation zu Schwester
Lucia, um mit ihr die bevorstehende Veröffentlichung zu besprechen.
Kardinal Ratzinger verfaßte einen
offiziellen Kommentar zum Geheimnis. Dabei deutete er die Passage in der Vision über einen „weiß gekleideten
Mann“, der in einer zerstörten Stadt getötet wird – als prophetische Vision des Attentats auf Papst
Johannes Paul II. im Jahr 1981.
Kardinalstaatssekretär Bertone versichert jetzt, daß die Fatima-Seherin
und spätere Karmelitin,
Schwester Lucia dos Santos ( † 2005), die Auslegung des Vatikan bestätigt habe.
Warum die Veröffentlichung 2000 stattfandKardinal Bertone sagt in seinem Buch, daß das Jahr 2000
dem damaligen Papst für die Veröffentlichung des Geheimnisses angemessen erschien.
Im selben Jahr fand
die Seligsprechung von Francico und Jacinta Marto statt.
Ein weiterer Grund für die Veröffentlichung
seien anhaltende Gerüchte gewesen, wonach der Vatikan Ungereimtheiten zurückhalten würde. Diese Gerüchte
hätten auch Schwester Lucia irritiert.

Kardinal Bertone mit Sr. Lucia
Um diesen Spekulationen ein Ende zu setzen, habe Johannes Paul
II. beschlossen, das Geheimnis zu veröffentlichen: „Der Druck der ‘Fatimisten’ war sehr stark“ – so Kardinal
Bertone.
Er kritisiert in diesem Zusammenhang „unverbesserliche Fatimisten“ – Anhänger von Hw. Nicholas
Gruner und seines
‘Fatima Kreuzfahrer Magazins’. Diese Gruppe zeigte sich vom dritten Geheimnis enttäuscht.
Hw. Gruner ist ein suspendierter kanadischer Priester. Er hat wiederholt die Befürchtung geäußert,
daß der vom Vatikan veröffentlichte Text nicht mit anderen Darstellungen von Schwester Lucia übereinstimme.
Außerdem sei der veröffentlichte Text nicht beunruhigend genug, um drei Päpste – Johannes XXIII.,
Paul VI. und Johannes Paul II. – so lange von seiner Veröffentlichung abgehalten zu haben.
Verwirrende
apokalyptische SpekulationenEs seien im Zusammenhang mit dem dritten Geheimnis von Fatima wildeste Thesen
über Weltkatastrophen oder Häresien an der Spitze der Kirchenführung verbreitet worden.
Somit habe
ein „pastorales Anliegen bestanden, die Frage aufzuklären“ – so Kardinal Bertone.
Der Eröffnungsbrief
des Papstes in Kardinal Bertones Buch nimmt auch auf dieses Anliegen Bezug:

Sonnenwunder in Fatima am 13. Oktober 1917
Die Veröffentlichung des
dritten Geheimnisses „war eine Zeit des Lichts, nicht nur, weil die Botschaft allen bekannt gemacht wurde,
sondern auch, weil es die Wahrheit enthüllte in einem verwirrenden Rahmen apokalyptischer Interpretationen
und Spekulationen, die in der Kirche kursierten und die Gläubige verwirrten machten, statt sie zu Gebet
und Buße anzuleiten“.
Der Papst bezeugt, den Kommentar zu dem dritten Geheimnis nach intensivem Gebet
geschrieben zu haben. Seine Meditationen habe er über den von Schwester Lucia niedergeschriebene Originalzetteln
abgehalten.
Nach Benedikt XVI. kann das dritte Geheimnis in dem „tröstenden Versprechen der Heiligsten
Jungfrau Maria“ zusammengefaßt werden: „Mein unbeflecktes Herz wird triumphieren.“
Warum starb der Papst
beim Attentat nicht?Der dritte Teil des Geheimnisses erreichte den Vatikan im Jahr 1957. Die aufeinanderfolgenden
Päpste kannten dessen Inhalt, enthüllten ihn aber nicht.
Dem Einwand, daß das dritte Geheimnis nicht
auf Papst Johannes Paul II. zu beziehen sei, weil dieser beim Attentat im Jahr 1981 nicht starb, antwortet
Kardinal Bertone, daß dieses Argument von einer Ignoranz gegenüber dem spirituellen Zweck einer Prophetie
zeuge:
„Prophezeiungen werden nicht von einem deterministischen Fatalismus begleitet. Gebet und Buße
sind stärker als das Böse und Gewehrschüsse.“
Während die Prophezeiung davor warne, was passieren
könnte, wenn die Menschen nicht beten und nicht umkehren, veranschauliche sie auch die Tatsache, daß
„Umkehr, Buße und Gebet den Lauf der Geschichte ändern können“.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.