18:03:21 | Dienstag, 18. Januar 2005
Ungeduldig marschiert der Herr Pfarrer in seinem Weinberg auf und ab. Schon vor zwei Wochen hat er eine dringende Frage an einen wichtigen Theologieprofessor geschickt. Ob die katholische Kirche heilsnotwendig sei, erkundigte er sich im Schreiben. Über die Rebzweige hinweg sieht der Pfarrer endlich den Postboten kommen. Der Theologe hat ihm geantwortet. War auch höchste Zeit.
Carissime Pater!
Vielen Dank für die Schilderung Ihrer Notlage. Verstehe ich Sie richtig? Sie wollen
wissen, ob die katholische Kirche zum Heil des Menschen notwendig ist?
Daß die verwirrten Schäfchen
Ihrer Nachbarpfarrei zu Ihnen kommen, ist verständlich. Hat der dortige Pfarrer wirklich behauptet, daß
es letztlich keine Rolle spiele, ob jemand katholisch oder protestantisch sei? Das kann nicht der Sinn
dieser – wie schreiben sie? – „Gebetswoche der Einheit der Christen“ sein. Der Pfarrer möge sich eher
darum bemühen, die getrennten christlichen Gemeinschaften in den Schoß der einen, heiligen und apostolischen
Mutter Kirche zurückzuführen. Aber ich nehme an, daß auch Ihr Mitbruder die Dinge im Grunde so versteht.
Als Vertiefung und Denkanstoß können Sie ihm folgende Zitate aus dem unfehlbaren Lehramt der Kirche
vorlegen.
Das ehrwürdige vierte Laterankonzil, das im Jahre 1215 abgehalten wurde, erklärt, daß „die
allgemeine Kirche der Gläubigen eine einzige ist und daß außerhalb von ihr niemand gerettet wird“.
Gleiches kann Ihr Mitbruder im Unionskonzil von Florenz (um 1444) nachlesen: „Die hochheilige Kirche
glaubt fest, bekennt und verkündet, daß niemand, der sich außerhalb der katholischen Kirche befindet –
keine Heiden, keine Juden, keine Häretiker und keine Schismatiker – des ewigen Lebens teilhaft werden
kann. Er wandert vielmehr in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist.“
Auch der
selige Pius IX. († 1878) formuliert ähnlich: „Auf Grund des Glaubens ist festzuhalten, daß außerhalb
der apostolischen, römischen Kirche niemand das Heil erlangen kann. Die römische Kirche ist die einzige
Arche des Heiles. Wer nicht in sie eintritt, wird in der Flut umkommen.“
Sie könnten, lieber Herr Pfarrer,
Ihrem hochwürdigen Nachbarn noch viele andere Stellen aus dem unfehlbaren Lehramt der Kirche liefern.
Doch die angeführten Texte sollten genügen. Die Stellen mögen hart erscheinen. Aber die Mutter Kirche
ist der Wahrheit und nicht dem schmeichelnden Wort verpflichtet.
Die Zugehörigkeit zur Kirche ist nicht
nur darum notwendig, weil das ein Glaubenssatz der Kirche ist. Nein, die Kirche ist als Mittel und Instrument
unabdingbar, um in der Flut der Sünden nicht zu ertrinken. Ähnlich war die genannte Arche des Noah das
nötige und einzige Mittel, um der Sintflut zu entgehen.
Die Notwendigkeit einer sichtbaren Mitgliedschaft
in der Kirche ist freilich keine absolute. In besonderen Umständen, zum Beispiel im Fall einer unüberwindlichen
Unkenntnis über die Kirche oder wenn es keine Möglichkeit gibt, die sakramentale Taufe zu empfangen,
kann die sichtbare Zugehörigkeit zur Kirche durch das Verlangen nach der Kirche ersetzt werden. Dieses
Verlangen mag in der sittlichen Bereitschaft, den Willen Gottes treu zu erfüllen, zum Ausdruck kommen.
Es stellt sich, Hochwürden, für Ihren theologisch verunsicherten Nachbarpfarrer jetzt wohl die Frage,
wie man der heilsnotwendigen Römischen Kirche zugehört.
Dazu können Sie auf eine Stelle aus der berühmten
Enzyklika „Mystici Corporis“ von Papst Pius XII. († 1958) verweisen: „Den Gliedern der Kirche sind in
Wahrheit nur jene zuzuzählen, die das Bad der Wiedergeburt empfangen haben, den wahren Glauben bekennen
und sich weder selbst zu ihrem Unsegen vom Zusammenhang des Leibes getrennt haben, noch wegen schwerer
Verstöße durch die rechtmäßige kirchliche Obrigkeit davon ausgeschlossen worden sind.“
Diese wichtige
dogmatische Erklärung des Lehramtes nennt drei Bedingungen, um ein Mitglied der Kirche zu sein:
– die
Taufe
– das Bekenntnis des wahren Glaubens
– das Verbundensein mit der Gemeinschaft der Kirche
Noch ein
Wort zur Predigt Ihres Nachbarpfarrers über die Protestanten: Jene Kinder, die außerhalb der Kirche
gültig getauft werden, sind Glieder der Kirche, bis sie ihre Vernunft gebrauchen können und sich freiwillig
vom Glaubensbekenntnis oder von der Gemeinschaft der Kirche trennen.
Ich hoffe, werter Herr Pfarrer,
daß meine Ausführungen Ihnen und Ihrem Mitbruder genügen. Sollten Fragen auftauchen, können Sie sich
jederzeit an mich wenden. Es lohnt sich, über diese Dinge im unfehlbaren Lehramt der Kirche zu lesen.
Dann steht man auf einem soliden Grund. Viel Mut beim theologischen Gespräch mit Ihrem Kollegen.
Gott
befohlen!
Herzlichst, Ihr
Ludwig Ott
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