14:54:07 | Freitag, 18. Mai 2007
Wer von Zucht und Ordnung nichts hält, muß bereit sein, mit dem Gegenteil davon – Verblödung und Lernunfähigkeit – zu leben. Von Hubert Hecker.

Antiautoritäre Erziehung: Gehirnwäsche und Verdummung unserer Kinder
(kreuz.net) Bernhard Bueb ist ein pensionierter Internatsleiter. In seiner „Streitschrift: Lob der Disziplin“
setzt er sich mit den Folgen der antiautoritären Pädagogik auseinander. Diese hielt im Gefolge der 68er
Studentenbewegung im Erziehungsbereich Einzug.
Bueb war 33 Jahre als Erzieher tätig. Er zeigt, wie eine
destruktive antipädagogische Haltung immer noch Einfluß auf Erzieher und Eltern ausübt.
Das vor vierzig
Jahren propagierte Grundrecht auf
Selbst- und Mitbestimmung hat sich nach Bueb in den Köpfen vieler Kinder
und Jugendlicher als narzißtisch gefärbte Anspruchshaltung zementiert.
Hinzu komme mangelnde Anstrengungsbereitschaft,
Spaßhaltung, Selbstmitleid und eine unstillbare Konsumgier – auch auf Alkohol, Drogen und Nikotin.
Die
Prediger der antiautoritären Erziehung zogen aus, um Kinder von der angeblich krank machenden Wirkung
einer autoritären Pädagogik zu befreien.
Tatsächlich stürzten diese Nicht-Erzieher viele Menschen
in psychische Verwirrung und machten sie liebes- und arbeitsunfähig – so Bueb:
Nicht die Schulpsychologen,
sondern fürsorgliche Strenge und Disziplin führen in vielen dieser Fälle zu Heilungen verwirrter Jugendlicher.

Erziehung zu unstillbarer Konsumgier – auch auf Alkohol, Drogen und Nikotin
Bueb fordert die gesellschaftliche Wiederherstellung der pädagogischen Autorität und verdeutlicht das
an einer Geschichte:
Ein Mentor aus einem englischen Internat, der ein halbes Jahr in Deutschland Dienst
tat, beschreibt einen fundamentalen pädagogischen Unterschied in beiden Ländern:
In England würde
jede pädagogische Routine-Aufforderung von Kindern und Jugendlichen „reflexartig“ mit „Yes, Sir“ beantwortet
und damit die pädagogische Autorität anerkannt.
In Deutschland versuchten die Schüler genauso reflexartig
mit „gleich“ oder „Ich muß aber erst noch“ und anderen Ausflüchten die Durchführung der pädagogischen
Anweisung zu unterlaufen.
Dabei nehmen viele Pädagogen ihre Anweisungen schon mit „bitte“ und sanfter
Stimme zurück.
In Deutschland müßte um jede pädagogische Routineanweisung vielfach verhandelt werden.
Das gelte auch für die meisten Familien – ergänzt Bueb.
Die Nicht-Anerkennung selbstverständlicher
Autorität durch Kinder und Jugendliche sowie ein Eingehen auf die endlose Verhandlungspädagogik von
Seiten der Erzieher schade letztlich beiden Seiten.
Die Linken hätten schon aufgrund sozialistischer
Erfahrungen wissen müssen, daß eine Gemeinschaftserziehung durch Selbstregulierung bei Kindern und Jugendlichen
zu schlimmen Ergebnissen führt.
Ein gescheitertes ExperimentBueb beschreibt sein eigenes Bemühen,
als junger Mentor in einer Internatswohngruppe Selbstverwaltung einzuführen.
Damals war er vom Vertrauen
beseelt, daß junge Menschen wachsende Unordnung, störenden Lärm und starrenden Schmutz in gegenseitiger
Korrektur und gemeinsamer Regelung selber in Ordnung bringen würden.
Das war nicht der Fall. Diese Selbstverwaltungsexperimente
scheiterten schon in den Internaten der 70er Jahre.
In der Schule wurden ähnliche Projekte wie „Schüler
machen Schule“ etwas länger propagiert – teilweise bis heute.
Der Erfolg blieb aus – wie Bueb an seinem
Schulexperiment von Selbstorganisation detailliert darlegt.
Der Autor konzediert nur den Sonderfall von
scheinbarer Selbst- und Mitbestimmung der Schüler, wenn der Lehrer seine Autorität auf eine minutiös
vorgearbeitete Ordnung und vorgeplante Lernorganisation delegiert, in der die Schüler eine gewisse Freiheit
der Lernentscheidungen haben.
Demokratie in der Erziehung – einschließlich der Schülermitverwaltung
in Schule und Internat – sei erzieherisch kontraproduktiv und führe teilweise zu absurden Ergebnissen.
Wenn alles verhandelbar ist und über alle Regeln diskutiert wird, werde die Unreife von Kindern gefördert
und ihr Egoismus gestärkt.
In ähnlicher Art entwickelten sich die Schülervertretungen, wenn sie ihre
Aufgabe weitgehend in der Lockerung institutionell-pädagogischer Regeln sehen oder die Spaßinteressen
der Jugendlichen vertreten.
Englische und US-Internate zeigten einen besseren Weg:
Gemeinschaftsgeist
und Gemeinwohlorientierung würden besser gefördert, wenn ein strikter Regelkanon als corporate identity
respektiert wird – mit dem Ziel, ein hohes Leistungsniveau zu erreichen.
Aus Disziplin wird Selbstdisziplin
Es gelte darum, Eltern und Pädagogen den Mut zur Erziehung zurückzugeben, insbesondere mit ihrer zentralen
Kategorie Disziplin.
Disziplin fordere Verzicht, Triebunterdrückung, Einschränkung des eigenen Willens:
„Disziplin setzt an die Stelle des Lustprinzips das Leistungsprinzip.
Disziplin beginnt immer fremdbestimmt
und sollte selbstbestimmt enden. Aus Disziplin soll immer Selbstdisziplin werden. Disziplin in der Erziehung
legitimiert sich nur durch Liebe zu Kindern und Jugendlichen.“
Fürsorgliche Liebe und Disziplin sind
die pädagogischen Leitlinien, die Bueb allen Eltern, Pädagogen und pädagogischen Einrichtungen empfiehlt.
Erziehung definiert er als jene Einwirkung auf die Zöglinge, die den Jugendlichen hilft, durch unendliche
Stadien der Selbstüberwindung von Disziplin zur Selbstdisziplin zu gelangen.
Mit diesem Erziehungsziel
entfaltet sich für ihn die Freiheit des Menschen.
Die Regeln der Disziplin stellen nach Bueb den Rahmen
dar, in dem der Erzieher den Zöglingen die allgemeinen Werte der Gesellschaft als persönliche Tugenden
sowie Bildung – „das Wissen der Vorfahren“ – vermittelt.
Das Glück der SelbstüberwindungBueb erläutert
sein Erziehungskonzept auch an seiner eigenen Internatserziehung in einem der damals vielgeschmähten
katholischen Einrichtungen:
Im Jahreszyklus des katholischen Internats spielten Fasnacht und die anschließende
Fastenzeit eine große Rolle.
Die Fasnachtstage wurden aufwendig und mit erstaunlicher Freizügigkeit
gestaltet – und endeten mit dem Einstieg in die Fastenzeit. Wir nahmen beides ernst, das Feiern und das
Fasten.
Mit dem Aschermittwoch begannen vierzig Tage der verordneten Selbstdisziplin. Jeder nahm sich
Enthaltsamkeiten vor. Ganz Eifrige legten Tabellen des Verzichts an.
Außerdem sollte sich jeder gute
Taten überlegen, Werke der Nächstenliebe planen, freiwillig ungeliebte Arbeiten übernehmen.
Da die
asketischen Übungen mit katholischer Fröhlichkeit und ein wenig südlich-römischer Ungenauigkeit vollzogen
wurden, verloren sie die bedrohliche Härte, die ein Protestant fürchtet, wenn er sich Ähnliches vornimmt.
Sein Über-Ich ist sein unbarmherziges Gewissen.
Ein Katholik läßt sein Gewissen vom italienischen
Rom inspirieren.
„Die Fastenzeit empfand ich immer als weise Einrichtung. Gemeinsam übten wir Verzicht,
wodurch es uns leichter fiel“ – so Bueb:
„Es handelte sich um eine festgelegte, von höchster Warte verordnete
Zeitspanne, in der wir uns äußere Enthaltsamkeit auferlegten, aber innere Läuterung anstrebten.
Wir
übten Verzicht, um die Segnungen des Verzichts zu erfahren und uns bewußt zu werden, daß Verzicht der
Steigerung des Lebens dient.
Wir versündigen uns an unseren Kindern, wenn wir ihnen die Weisheit von
Jahrtausenden vorenthalten. Das ritualisierte Fasten hat uns diese Weisheit nicht gelehrt, sondern erfahren
lassen.
Dem Glück der Selbstüberwindung kann niemand begegnen, der nicht durch äußere Disziplin zu
solchen Erfahrungen gezwungen wird.
Wir müssen wieder den Mut aufbringen, Askese nicht als lebensfeindlich,
sondern als lebenssteigernd zu verkünden.“
Bildquellen: Die Webseite ‘worth1000.com’ veranstaltet Wettbewerbe
für Nachwuchskünstler und Photoshop-Talente
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