13:44:31 | Montag, 21. Mai 2007
Die evangelikale Bewegung in den Vereinigten Staaten wird mehr und mehr zu einem Sammelbecken für katholische Konvertiten. Der jüngste Fall.

Das Ehepaar Francis and Frankie Beckwith
(kreuz.net) Der bekannte protestantische Philosoph Francis J.
Beckwith (47) ist zum katholischen Glauben
seiner Kindheit zurückgekehrt.
Der US-Amerikaner trat Anfang Mai vorzeitig als Präsident der bedeutenden
‘Evangelical Theological Society’ zurück. Es handelt sich um eine protestantisch-biblische Vereinigung
mit etwa 2.400 Mitgliedern.
Beckwith ist gegenwärtig Professor an der großen baptistischen Baylor Universität
im US-Bundesstaat Texas.
Er ist bekannt für seine Studien über auf dem Gebiet der Kinderabtreibung,
des
intelligenten Designs und des Verhältnisses von Kirche und Staat.
Im Gefolge seiner Rückkehr zur
Kirche wandte sich Beckwith mit einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit.
Darin erklärt er, im Januar
auf Anregung eines Freundes die frühen Kirchenväter gelesen zu haben: „Ich überzeugte mich davon, daß
die frühe Kirche mehr katholisch als protestantisch war.“
Er habe auch festgestellt, daß viele Dinge,
die er als Protestant vorausgesetzt habe – Credo, Dreifaltigkeit, Inkarnation, Menschenbild und Kanon
der Schriften – das Ergebnis kirchlicher Entscheidungen seien.
„Während der letzten Märzwoche 2007
haben meine Frau und ich nach viel Gebet, Beratung und Überlegung entschlossen, die volle Gemeinschaft
mit der Römisch Katholischen Kirche zu suchen.“
Gegenwärtig nimmt seine Frau Konvertitenunterricht.
Für Beckwith, der selber katholisch aufgewachsen ist, genügte es, zu beichten und einen formellen Akt
der Rückkehr zu setzen.
Beckwith plante zunächst, den Schritt erst im November zu setzen, um seine
Amtszeit bei der ‘Evangelical Theological Society’ zuende zu führen:
„Ich wollte zunächst sicherstellen,
daß meine Rückkehr zur Kirche in der ‘Evangelical Theological Society’ so wenig Aufsehen wie möglich
erregt.“
Doch Freunde hätten ihn darauf hingewiesen, daß eine Geheimhaltung seines Schrittes „ein schlechtes
Zeugnis für das Evangelium“ gewesen wäre und Gerüchte einer „jesuitischen Verschwörung“ gefördert
hätte.
Die konkrete Entscheidung zur Rückkehr fiel, als ihn sein 16jähriger Neffe Ende April bat,
sein Firmpate zu werden:
„Ich konnte meinem lieben Neffen, der seine Erneuerung im Glauben an Christus
auf unsere gemeinsamen Gespräche und Briefe zurückführt, nicht nein sagen.“
Da nur praktizierende
Katholiken Firmpaten werden können, empfing Beckwith am 28. April in der Heiligen Beichte die Absolution
von seinen Sünden.
Beckwith erklärt, daß er trotz seiner weltanschaulichen Nähe zu katholischen Positionen
nie geahnt hätte, daß er zur Kirche zurückkehren würde: „Es schien mir zu viele unüberwindliche Probleme
theologischer und ekklesiologischer Natur zu geben.“
In einer Stellungnahme dankte die ‘Evangelical Theological
Society’ Beckwith für seinen Einsatz und drückte den Wunsch aus, mit ihm in herzlicher Verbundenheit
zu bleiben.
Für die Gesellschaft ist Beckwiths Rücktritt als Präsident und Mitglied angemessen, weil
„die Bibel allein das geschriebene Wort Gottes“ sei.
Diese Aussage beziehe sich auf die „66 Bücher des
Alten und Neuen Testamentes“. Damit sei eine weitere Mitgliedschaft von Beckwith nicht möglich, weil
die Kirche „weitere“ biblische Bücher akzeptiere.
Das erklärte, David M. Howard – ein ehemaliger Präsident
der Gesellschaft – in einem Kommentar in der rechtsgerichteten US-Tageszeitung ‘Wallstreet Journal’.
Nur ein kleiner Teil der Evangelikalen betrachtet Beckwiths Schritt als einen „Akt des Verrates“ – führt
Howard weiter aus.
Beim Leitungsgremium der ‘Evangelical Theological Society’ habe eine „herzliche Meinungsverschiedenheit
bezüglich gewisser Fragen“ bestanden – so Howard.
Beckwiths Konversion warf in der ‘Evangelical Theological
Society’ hohe Wellen – vergleichbar mit dem Schritt des bekannten evangelikalen Literaturwissenschaftlers
Thomas Howard – einem Onkel von David M. Howard. Thomas Howard wurde im Jahr 1985 katholisch.
David M.
Howard erwähnt auch weitere US-Evangelikale, die in den letzten zwanzig Jahren konvertierten: der Sänger
John Michael Talbot, der Theologe und Bestseller-Autor Scott Hahn sowie der Philosoph Joshua Hochschild.
Bei diesen Konvertiten sei eine starke Verbundenheit mit dem Katechismus und den päpstlichen Enzykliken
feststellbar:
„Diese Katholiken sympathisieren im allgemeinen nicht mit dem theologisch liberalen Flügel
der Katholischen Kirche in den USA, sondern sind enthusiastische Unterstützer der orthodoxen Lehren und
Handlungen der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI.“
Theologisch haben sie – so Howard – mehr
gemeinsam mit Evangelikalen als mit liberalen Katholiken.
Ebenso hätten die Evangelikalen mehr gemeinsam
mit traditionellen Katholiken als mit den übrigen Protestanten.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.