Beerdigung mit Bierflasche: Liturgische Mißstände sprengen die Grenzen des Anstandes
Den Priestern in Australien wird der Menschenkult auf Begräbnissen zu bunt. Die Bierflasche gehörte ebensowenig ins Requiem wie schlüpfrige Witze. Die Klagen der Priester scheinen nun auf fruchtbaren Boden zu fallen. Die australische Liturgiekommission eilt ihnen zu Hilfe.
(kreuz.net, Australien) Fußballtrikots und Erinnerungsfotos sollen auf australischen Särgen in Zukunft
ebensowenig Platz finden wie Popularmusik während des Requiems. Die Begräbnisse in Australien seien
respektlos und deutlich zu personenzentriert, meinte die Liturgiekommission der Australischen Bischofskonferenz
laut eines gestrigen Artikels in der Tageszeitung „Sydney Morning Herald“. Die Liturgiekommission möchte
bei Begräbnissen den Bezug zu Gott wieder hervorheben.
Verschiedene Priester haben sich bei der Kommission
beschwert, weil es während Begräbnissen immer wieder zu eklatanten liturgischen Mißbräuchen kommt.
Ein Pfarrer klagte darüber, daß ein Angehöriger des Verstorbenen in einer Begräbnisrede schlüpfrige
Witze erzählt habe. In den langen Ansprachen der Angehörigen während der Beerdigungsfeier könne man
außerdem „oft sehr böse Worte gegen die Kirche“ hören.
Der Generalsekretär der Liturgiekommission,
der Priester Peter Williams, sprach davon, daß sich heidnische Elemente in das katholische Begräbnisritual
eingeschlichen hätten. Es gebe, so der Liturgiker, einen Zwiespalt zwischen den Riten der Kirche und
den Erwartungen der Menschen. Die Angehörigen und Freunde wollten sich bloß an jemanden erinnern, der
ihnen im Leben wichtig gewesen sei. Die Kirche dagegen sähe im Begräbnis einen Akt der Anbetung Gottes.
Beispielsweise habe ein Angehöriger während seiner langen Dankesrede an den Verstorbenen eine Bierflasche
hervorgeholt und am Ambo zu trinken begonnen: „Ich denke dergleichen sprengt die Grenzen des Anstandes,“
kommentierte Generalsekretär Williams den Vorfall.
Eine Unterabteilung der australischen Liturgiekommission
ist nun beauftragt, der Bischofskonferenz Anfang nächsten Jahres Richtlinien für Begräbnisse vorzulegen.
Auf Basis dieser Richtlinien könne jeder Bischof dann eigene Weisungen für seine Diözese erlassen.
„Wir behaupten nicht“, so Generalsekretär Williams, „daß Gegenstände wie Fußballtrikots, Spulen von
Angelruten oder Stricknadeln im Begräbnisritus keinen Platz hätten. Die Beerdigung sollte nicht kalt
und unpersönlich ablaufen. Aber wir suchen die Ausgewogenheit.“
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