16:48:01 | Samstag, 26. Mai 2007
„Auch in der Kirche haben wir zig Beratungsgremien, zum Beispiel Pfarrgemeinde-, Diözesan- und Priesterräte. Aber die Ratlosigkeit nimmt nicht entsprechend ab.“ Ein Kardinal zum Pfingstfest.

Kurienkardinal Castrillon Hoyos und Kardinal Meisner beim von ‘Kirche in Not’ organisierten „Tag der Weltkirche“
in Köln, Februar 2007
© Kirche in Not(kreuz.net) Kardinal Joachim Meisner von Köln gab dem internationalen Hilfswerk ‘
Kirche in Not’ kürzlich
ein Interview über das Hohe Pfingstfest.
Es sei schwierig, den Menschen den Heiligen Geist nahe zu bringen –
bedauerte der Kardinal:
„Ich erlebe das bei jeder Firmung, daß mir die Firmlinge sagen: »Herr Kardinal,
Sie sprechen von der hohen Wichtigkeit des Geistes Gottes. Nun legen Sie ihn mal auf den Tisch, damit
wir wissen, mit wem wir es ab heute zu tun bekommen.«
Da bringen mich die Firmlinge in große Verlegenheit.
Ich kann den Geist Gottes nicht auf den Tisch legen.“
Die pfingstliche GrammatikDer heilige Paulus
verwende für den Heiligen Geist drei Begriffe – so Kardinal Meisner: Energie, Dynamik Gottes und Pneuma,
also Atem Gottes.
Wer diese Metaphern ausschöpfe, spüre, daß der Heilige Geist das Kostbarste sei,
nämlich ein Stück von Gott, ja Gott selber:
„Nach meinem Verständnis ist Pfingsten das Anti-Babylon.“
Pfingsten lasse sich erst richtig erkennen, wenn es in Beziehung zu Babylon gesetzt werde.
Veni, Creator
Spiritus

Pfingstdarstellung des französischen Malers Jean Restout († 1768)

Pfingstdarstellung im Psalter
der französischen Königin Ingeborg von Dänemark (1200)

Pfingstdarstellung des italienischen Malers Giotto
di Bondone († 1337)

Pfingstdarstellung in einem illustrierten Stundenbuch aus dem 15. Jahrhundert.

Pfingstdarstellung
des flämischen Malers Peter Paul Rubens († 1649)

Pfingsten in einem illustrierten Stundenbuch aus dem
15. Jahrhundert
Der Kardinal versucht, die „pfingstliche Grammatik“ zu lernen: „Wer die einmal kann, braucht
keine Fremdsprachen mehr sprechen. Dann verstehen wir uns in allen Sprachen.“
Die „babylonische Konjugation“
liege all unseren europäischen Konjugationen zu Grunde. Dort heiße es: „Ich. Du. Er.“ Zuerst komme aber
immer das liebe eigene „Ich“.
Dann folge an zweiter Stelle das „Du“ des Menschen. Erst zuletzt, wenn
überhaupt, komme das „Du“ Gottes:
„Die pfingstliche Grammatik ist genau umgekehrt, sie heißt: Er. Du.
Ich. Hier hat Gott die Priorität. Dann nimmt das »Du«, die Schwester und der Bruder neben mir, die
zweite Position ein. Erst zuletzt folgt das eigene »Ich«.“
Diese Sprache werde von allen Menschen verstanden.
Die Gaben des Geistes – süffig erklärtKardinal Meisner äußert sich auch zu den sieben Gaben des
Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit, Gottesfurcht.
Die Weisheit
erklärt der Kardinal ausgehend vom lateinischen Wort „sapientia“: „Hier steckt das schöne Wort Sabbern
drin.“
Wenn ein Kind esse, dann sabbere es. Dabei falle auch etwas zu Boden: „Die Gabe der Weisheit schenkt
uns den Geschmack an Gott, macht uns Appetit auf Gott.“
Gott schmecke immer nach mehr: „Wir werden nie
davon satt.“
Zur Gabe des Rates erklärt Kardinal Meisner, daß sie bedeute, ganz Ohr auf Gott zu werden:
„Deshalb hat uns der Schöpfergott nur
einen Mund und
zwei Ohren gegeben, damit wir doppelt so viel hören
als reden.“
Würden wir die Gabe des Rates befolgen, wären viele Beratungsgremien arbeitslos – so der
Kardinal:
„Auch in der Kirche haben wir zig Beratungsgremien, zum Beispiel Pfarrgemeinde-, Diözesan-
und Priesterräte. Aber die Ratlosigkeit scheint gar nicht entsprechend abzunehmen.“
Zur Gabe der Stärke
erzählte der Kardinal eine Anekdote aus seiner Kindheit:
„Als ich ein halbwüchsiger Junge war, mußten
wir unsere schlesische Heimat verlassen und waren nach der Vertreibung als Katholiken eine absolute Minderheit.
Ich glaube, wir waren in einer Schule von 150 Kindern nur fünf Katholiken. Selbst als Kind ist es nicht
einfach, in vielen Dingen anders zu sein als die Mehrheit.
Wir hatten aber einen sehr klugen Pastor,
der hat gesagt: „Ihr braucht nicht auf der Stirn zu stehen haben, daß ihr katholisch seid. Ihr müßt
bei allem mitmachen, was gut und schön und hilfreich ist, aber nie mitmachen, was böse ist, was anderen
Menschen Unglück oder Trauer bringt.“
Dadurch haben wir Profil gewonnen. Die anderen haben unseren Glauben
kennengelernt.
Es braucht auch Mumm, nicht die Trampelpfade mitzugehen, wo alle herumlatschen – also
gegen den Strom schwimmen.“Zur Gabe der Gottesfurcht warnte Kardinal Meisner vor dem Klischée des menschenfreundlichen
Gottes, den man nicht fürchten müsse. Das sei eine „große Irrlehre“ unserer Zeit:
Gott müsse Gott
bleiben dürfen: „Wir dürfen ihn nicht auf unser Niveau herunterschustern.“
Er dürfe nicht zum Götzen
für die Bewältigung des Alltags werden. Es sei darum die erste Pflicht eines jeden Christen, Gott Gott
sein zu lassen und ihn nicht in die eigenen Lieblingsvorstellungen einzuwalzen.
Der Kardinal zitiert
einen preußischen Ausspruch: „Fürchte Gott und scheue niemand!“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#7
hlux 22:59:39 | Samstag, 26. Mai 2007