11:40:21 | Sonntag, 27. Mai 2007
Zweimal Wehe den Sündern: Es öffnet sich ihnen die Höllenpforte nur zum Eintritt, nicht mehr zum Austritt. Vom Heiligen Alfons Maria von Liguori, Kirchenlehrer († 1787).

Darstellung des Heiligen Geistes im Petersdom
(kreuz.net) Der Gedanke an die Ewigkeit wird von dem Heiligen Augustinus der große Gedanke genannt –
magna cogitatio.
Dieser Gedanke ließ ihm alle Schätze und Herrlichkeiten dieser Welt nur als Spreu,
Dunst und Kot erscheinen.
Dieser Gedanke bewog viele Einsiedler, sich in Wüsten und Höhlen zu vergraben,
und so viele vornehme Jünglinge und sogar Könige und Kaiser, sich in Klöster einzuschließen.
Dieser
Gedanke gab so vielen Märtyrern den Mut, die Qualen der Folter, der eisernen Krallen, des glühenden
Rostes und des Feuertodes zu erdulden.
Nein, wir sind nicht für diese Erde erschaffen. Das Endziel,
zu dem uns Gott in die Welt gesetzt, ist, daß wir durch gute Werke das ewige Leben verdienen.

Portrait des Hl. Alfons im Mutterhaus seines Ordens bei Neapel
Darum
haben wir in diesem Leben, wie der Heilige Eucherius († 738) sagt, unser Augenmerk nur auf eine Angelegenheit
zu richten: auf die Ewigkeit, das heißt, auf den Gewinn der seligen und die Vermeidung der unseligen
Ewigkeit.
„Der Gerechte lebt aus dem Glauben“ – sagt der Römerbrief 1, 17.
Der Glaube ist es, der die
Gerechten in der Gnade Gottes erhält und den Seelen das Leben verleiht, indem er sie von den irdischen
Anhänglichkeiten losmacht und sie der ewigen Güter gedenken läßt, die Gott denen bereit hält, die
ihn lieben.
Alle Sünden – sagt die Heilige Theresia († 1582) – haben ihren Ursprung im Mangel an Glauben.
Daher ist es zur Überwindung der Leidenschaften und Versuchungen notwendig, oft den Glauben zu beleben
und zu sprechen:
Ich glaube, daß auf dieses Leben, das für mich bald endigen wird, ein ewiges Leben
folgt, das für mich je nach meinen Verdiensten oder Sünden entweder voll Freuden oder voll Leiden sein
wird.
Wer an die Ewigkeit denkt und sich doch nicht zu Gott bekehrt, hat nach dem Heiligen Augustinus
entweder den Verstand oder den Glauben verloren.
Darauf bezieht sich, was der Heilige Johannes Chrysostomus
von den Heiden erzählt. Diese nannten die Christen, welche sie sündigen sahen, Lügner oder Toren:
„Wenn ihr nicht glaubt“ – sagten sie – „was ihr öffentlich zu glauben vorgebt, dann seid ihr Lügner.
Glaubt ihr aber an die Ewigkeit und sündigt doch, dann seid ihr Toren.“
„Weh den Sündern“, ruft der
Heilige Cäsarius aus, „sie treten in die Ewigkeit ein, ohne sie zu kennen, weil sie an dieselbe nicht
denken wollten.“
„Aber zweimal Weh“ – fährt er fort – „sie gehen hinein, aber nicht mehr heraus.“ Die
Unglücklichen! Es öffnet sich ihnen die Höllenpforte nur zum Eintritt, nicht mehr zum Austritt.
Die
Heilige Theresia wiederholte ihren Mitschwestern: „Töchter, eine Seele, eine Ewigkeit!“ „Töchter“ –
wollte sie sagen: „Wir haben nur eine Seele: Ist diese verloren, so ist alles verloren. Ist sie einmal
verloren – so ist sie für immer verloren.“
Kurz, von dem letztmaligen Öffnen unseres Mundes beim Verscheiden
hängt es ab, ob ewiger Friede oder ewige Verzweiflung unser Anteil sein wird.
Selbst wenn die Ewigkeit
des anderen Lebens, wenn Himmel und Hölle nur eine Meinung der Gelehrten, und etwas Ungewisses wären,
so müßten wir doch mit aller Sorgfalt eines guten Wandels uns befleißen, um uns nicht der Gefahr auszusetzen,
die Seele für immer zu verlieren.
Aber nein, hier handelt es sich nicht um ungewisse, sondern um gewisse
Dinge, um Sachen des Glaubens, die viel gewisser sind als alles, was wir mit leiblichen Augen wahrnehmen.
Bitten wir darum den Herrn um Mehrung des Glaubens. Herr, vermehre in uns den Glauben! Denn wenn wir
nicht fest im Glauben wurzeln, können wir noch schlechter werden als Luther und Calvin.
Dagegen kann
ein Gedanke des lebendigen Glaubens an die uns erwartende Ewigkeit uns heilig machen.
Wer an die Ewigkeit
denkt – bemerkt der Heilige Gregor – wird im Glücke nicht aufgeblasen und im Unglücke nicht niedergeschlagen.
Denn weil die Welt nichts hat, wonach er verlangt, so hat sie auch nichts, wovor er sich zu fürchten
braucht.
Haben wir etwas zu leiden – sei es Krankheit oder Verfolgung – so wollen wir an die Hölle denken,
die wir durch unsere Sünden verdient haben.
Dann werden wir jedes Kreuz leicht finden und dem Herrn
danken mit den Worten:
„Barmherzigkeit des Herrn ist’s, daß wir nicht vernichtet sind“ (Klagelieder
3, 22).
Soviel an mir lag, war ich bereits verloren: Du, o Gott der Barmherzigkeit, warst es aber, der
Seine Hand ausstreckte und mich der Hölle entrissen hat.
Aus dem Werk „Elemente einer Spiritualität
der Liebe“ des Heiligen Kirchenlehrers Alfons Maria de Liguori († 1787).
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