14:50:02 | Freitag, 1. Juni 2007
Pius XII.
Im Jahr 1983 behauptete ein kirchenfeindlicher Autor, daß man Papst Pius XII. vor die Nürnberger Richter hätte stellen müssen. Seine Verbrechen seien der Todesstrafe würdig gewesen. Von Ronald J. Rychlak.
(kreuz.net) Während des Zweiten Weltkrieges versteckte die Katholische Kirche auf direkte Anweisung von
Papst Pius XII. Juden und andere Opfer des Nationalsozialismus.
Für Verfolgte, die davon profitieren
konnten, stellte die Kirche falsche Reisedokumente aus. Sie verteilte Nahrung und Kleider an Leidende.
Sie tröstete die Verwundeten und Trauernden und ließ den Alliierten vitale Informationen zukommen.
Aber weil Pius XII. nicht öffentlich und wiederholt Adolf Hitler anklagte, wird seine Rolle gerne als
kontrovers dargestellt.
Einige Autoren beschuldigen Pius XII. daß sein „Schweigen“ eine moralische Feigheit
zum Ausdruck gebracht habe und daß es ihm nicht gelungen sei, seine Herde zu führen.
Von anderen wurde
behauptet, daß der Vatikan sich nur um katholische Opfer gekümmert habe – nicht um Juden; oder daß
die Kirche offen von weltlichen Überlegungen beeinflußt gewesen sei; oder daß der Heilige Stuhl antisemitisch
gewesen sei; oder daß der Schrecken vor dem Kommunismus den Papst für die Wahrheit über die Nationalsozialisten
blind gemacht habe.
Ein Autor – Jack Chick, Smokescreens, 1983 – ging so weit zu behaupten, daß „Papst
Pius XII. vor die Nürnberger Richter hätte gestellt werden müssen.“ Seine Verbrechen seien der Todesstrafe
würdig gewesen.
Wir wollen diese Beurteilungen auf der Seite lassen
und uns den historischen Fakten zuwenden, die zwar ziemlich leicht zugänglich sind, aber dennoch eher
wenig bekannt sind.
Die Fakten zeigen nicht nur, daß Pius XII. eine riesige Leistung zugunsten der leidenden
Menschheit vollbrachte, sondern auch, daß seine Wahl, entschlossen hinter den Kulissen zu arbeiten, die
beste Entscheidung war, die er hätte treffen können.
Als Nuntius in BayernWir müssen beim Ersten
Weltkrieg beginnen, als Eugenio Pacelli – der Mann, der später Papst Pius XII. werden sollte – in München
als vatikanischer Nuntius im Freistaat Bayern tätig war.
Deutschland war einer der großen Kriegsteilnehmer
und wurde von vielen als der Hauptaggressor betrachtet.
Nuntius Pacelli bekam den Auftrag, den deutschen
Politikern den von Papst Benedikt XV. († 1922) ausgearbeiteten Friedensplan vorzustellen. Er führte den
Auftrag aus. Das führte allerdings nicht direkt zum Frieden.
Doch ein Jahr später wurden verschiedene
der Vorschläge von Papst Benedikt in den 14-Punkte-Plan von Präsident Woodrow Wilson († 1924) eingefügt.
Dieser Plan trug dazu bei, den Feindseligkeiten ein Ende zu bereiten.
Nuntius Pacelli blieb nach dem
Ersten Weltkrieg in München und erreichte im Auftrag des Heiligen Stuhls ein Konkordat zwischen dem Vatikan
und dem Freistaat Bayern.
Solche Konkordate waren für den Heiligen Stuhl lebenswichtig, weil der Kirche
ohne sie das Recht verweigert werden konnte, Jugendgruppen zu organisieren, kirchliche Ernennungen vorzunehmen,
Schulen zu führen oder Gottesdienste abzuhalten.
Später zog Nuntius Pacelli als vatikanischer Vertreter
bei der Weimarer Republik nach Berlin. Dort versuchte er ohne Erfolg, ein Konkordat abzuschließen, um
die Rechte der Kirche in ganz Deutschland zu sichern.
Konkordat mit HitlerIm Dezember 1929 wurde er
nach Rom zurückgerufen, kurz darauf zum Kardinal erhoben und 1930 zum vatikanischen Staatssekretär ernannt.
Im Jahr 1933 übernahm Adolf Hitler die Macht in Deutschland. Eine seiner ersten internationalen Handlungen
war der Abschluß eines Konkordates mit dem Vatikan. Das war jene Art von Abkommen, die Nuntius Pacelli
zehn Jahre vorher vergeblich zu erreichen versucht hatte.
Reichskanzler Hitler stimmte Vertragsbedingungen
zu, die für die Kirche günstig waren. Aber er machte auch deutlich, daß er den deutschen Katholiken
harte Bedingungen auferlegen würde, wenn der Vatikan sein Angebot ablehnen würde.
Das Konkordat wurde
von Papst Pius XI. auf Anraten von Staatssekretär Pacelli unterzeichnet. Kardinal Pacelli, der den Vertrag
auch im vatikanischen Auftrag verhandelt hatte, besaß keine Illusionen über Hitlers Vertrauenswürdigkeit.
Damals scherzte Pacelli, daß „die Nationalsozialisten wenigstens nicht alle Bestimmungen gleichzeitig
brechen könnten“. Allerdings muß sogar er darüber überrascht gewesen sein, wie schnell und regelmäßig
die deutsche Führung das Konkordat ignorierte.
Ganze fünf Tage nach der Unterzeichnung des Konkordates,
verabschiedeten die Nationalsozialisten bereits ein Gesetz über Sterilisierungen, welches das Abkommen
klar verletzte.
Vom Aufstieg der Nationalsozialisten im Jahr 1933 bis zum Sommer 1936 reichte der Vatikan
bei der deutschen Regierung mehr als fünfzig Proteste ein.
Der erste Protest richtete sich gegen den
Boykott von jüdischen Geschäften. Er war einer von 45, welchen die Nationalsozialisten nicht einmal
beantworteten.
Nächstes Mal: Die Enzyklika des Papstes gegen die NationalsozialistenRonald J. Rychlak
ist Vizedekan für akademische Angelegenheiten und Professor für Recht an der ‘University of Mississippi
School of Law’. Er ist der Autor des im Jahr 2000 erschienenen Buches „Hitler, the War and the Pope“ –
Hitler, der Krieg und der Papst.
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