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Dienstag, 5. Juni 2007 07:12
Pfarrer in Schutt und Asche
Die Niederlage eines Priesters wird von der Diözese Graz-Seckau als „Entspannung im Streit um den Volksaltar“ gefeiert. Ein Kommentar.
Die gotische Wallfahrtskirche Pöllauberg mit barockem Hochaltar
Die gotische Wallfahrtskirche Pöllauberg mit barockem Hochaltar
(kreuz.net) Im Streit um einen seit wenigen Jahrzehnten in die Wallfahrtskirche von Pöllauberg gestellten Mahltisch zeichnet sich eine Entspannung ab.

Das erklärte Pressesprecher Georg Plank am 2. Juni in einer Mitteilung des Bistums Graz-Seckau.

Pöllauberg befindet sich 60 Kilometer nordöstlich von Graz.

Der betroffene Priester, Pfarrer Roger Ibounigg, wolle „in der Altarfrage“ zukünftig stärker die zuständigen diözesanen Gremien und Verantwortlichen konsultieren.

Was das in der Praxis heißen wird, läßt der Pressetext offen.

Die Ortschaft Pöllauberg befindet sich in der Oststeiermark
Die Ortschaft Pöllauberg befindet sich in der Oststeiermark
Noch vor kurzem hatte der beliebte österreichische Jugendseelsorger bekanntgegeben, die Heilige Messe zukünftig statt an einem in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgestellten Mahltisch wieder am Altar seiner Kirche zu zelebrieren.

Doch dann stellten sich sein Pfarrgemeinderat und später auch die Diözese gegen ihn.

Jetzt erklärt die Diözese, daß Pfarrer Ibounigg kein Gegner des Volksaltares „oder der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums“ sei.

Der Pressebericht verschweigt, daß das Zweite Vatikanum für die katholische Liturgie keine Verwendung von in den Chorraum gestellten Mahltischen vorsieht.

Die offiziellen Rubriken des seit fast vierzig Jahren im deutschsprachigen Raum benutzen „Deutschen Meßbuches“ gehen davon aus, daß der Priester die Eucharistie nicht zu den Kirchenbänken, sondern zu Gott hin zelebriert.

Dagegen verschleiert der Pressetext das Problem mit vernebelnden Formulierungen:

„Gerade bei schwierigen architektonischen Verhältnissen wie in der Kirche von Pöllauberg ist eine umfassende theologische, künstlerische und architektonische Analyse Voraussetzung für eine Gestaltung des Altarraums, die eine den Intentionen des Konzils entsprechende würdige und lebendige Feier der Liturgie der versammelten Gemeinde ermöglicht.“

Erneut unterstellt der Pressetext, daß die Aufstellung eines Mahltisches in den Chorraum der Kirche mit dem Zweiten Vatikanum zusammenhängt.

Zum „sachlichen Hintergrund“ zitiert der Pressetext Punkt 299 der erneuerten allgemeinen Einführung zum römischen Meßbuch von 2002:

„Der Hauptaltar soll getrennt von der Wand errichtet werden, damit man ihn ohne Schwierigkeiten umschreiten und an ihm, der Gemeinde zugewandt, die Messe feiern kann. Dies soll überall möglich sein. Der Altar soll so aufgestellt sein, daß er wirklich den Mittelpunkt des Raumes bildet, dem sich die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung der Gläubigen von selbst zuwendet. In der Regel soll er feststehend und geweiht sein.“

Die Pressemeldung unterschlägt, daß der zitierte Text keinen Umbau alter Kirchen fordert und daß keine Bauperiode den Altar so sehr ins Zentrum der Kirche rückte wie die Barockzeit.

Der Altar in der Wallfahrtskirche in Pöllauberg stammt aus dieser Zeit.

Nach Angaben der Pressemeldung hat der Bischof von Graz-Seckau, Mons. Egon Kapellari, seinen Dompfarrer und Bischofsvikar für Liturgie, Prälat Gottfried Lafer, beauftragt, den Konflikt in Pöllauberg zu klären:

„Alle Aussagen des Pressesprechers der Diözese sind mit Bischofsvikar Lafer abgestimmt.“

Seit Jahrzehnten sei es das Ziel der vielfältigen Bemühungen in der Diözese, die „persönliche Christusbeziehung aller Gläubigen durch die Liturgie zu stärken“.

Daß in Wahrheit das genaue Gegenteil geschehen ist, zeigen nicht nur die leeren Kirchenbänke in der Diözese Graz-Seckau.

Der Pressetext zitiert auch eine Aussage des liberalen Erzbischofs von Wien, Christoph Kardinal Schönborn:

„Entscheidend ist nicht, in welcher Richtung der Zelebrant am Altar steht, sondern das, was auf dem Altar geschieht.“

Es ist unklar, was mit dieser Aussage bewiesen werden soll, da sie als Gewährstext für alle möglichen Zelebrationsrichtungen verwendet werden kann.

Am Schluß betont Georg Plank in seinem Pressetext, daß sich Pfarrer Roger Ibounigg für seine Aussage über ihn persönlich entschuldigt habe. Sie wurde am 2. Juni in der Grazer ‘Kleinen Zeitung’ veröffentlicht.

Pfarrer Ibounigg hatte vor der – deutlich gegen ihn eingenommenen – Zeitung erklärt:

„Plank hat sich blamiert. Das Konzil erwähnt den Volksaltar mit keinem Wort. Nach vierzig Jahren wäre es Zeit, die Dokumente genau zu lesen.“

Hat der Pfarrer etwas Falsches gesagt?

Von einer Entschuldigung des Pressesprechers, Georg Plank, der dem Priester öffentlich in den Rücken fiel, wurde nichts bekannt.

© Titelbild: Marion Schneider und Christoph Aistleitner, Creative Commons
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 14 Lesermeinungen:
Sonntag, 10. Juni 2007 23:54
J’sus †: Von der Redaktion entfernt
Freitag, 8. Juni 2007 12:39
Benedikt: @ Eichendorff
Dann vergleichen Sie das doch mal mit allen anderen Stilepochen! Sie werden feststellen:

1. Der Altar stand immer an der Wand.


Ganz und gar nicht. Romanische Kathedralen und alles was zuvor kam hatten zunächst keine Wandaltäre oder nur sehr selten. Ziborienaltäre sind wesentlich ältere Altarformen (finden sich auch an der Wirkungsstätte des Hl. Nikolaus). Diese Form lässt einen Wandaltar gar nicht zu.

Wandaltäre kamen vermehrt auf, als sich aufgrund der sich durchsetzenden täglichen Zelebration und der Vermehrung der Anzahl von Priestern und Kollegiatkirchen immer mehr Altäre errichtet werden mussten. Die Wandaltäre sparten vor allem Platz. Welche Kirche hat schon genug Raum um 30 oder 40 Altarinseln mit Ziborium usw darum zu errichten.
Mittwoch, 6. Juni 2007 12:00
Dann vergleichen Sie das doch mal mit allen anderen Stilepochen! Sie werden feststellen:

1. Der Altar stand immer an der Wand.
2. In karolingischer, romanischer, gotischer Zeit und der Renaissance war der Kirchenbau an sich (architektonisch) der Blickfang. Im Barock und im Rokoko (was ja in gewisser Weise ein später Barock ist) sind es der Altar und das Bild / die Skulptur darüber. Im Klassizismus geht es wieder um die architektonische Kunst, im 19. Jhdt. mit der Neoromanik, Neogotik usw. ebenso, der Neobarock und das Neorokoko hingegen rücken wieder den Altar in den Mittelpunkt. Eine Ausnahme im Vergleich zu den nichtbarocken Stilepochen bietet der Jugendstil bzw. Art deco. Auch diese beiden Stile sind meines Erachtens auf den Altar ausgerichtet. Wildwüchsig wird es erst ab den 60er Jahren, in denen meist häßliche Betonbunker auf einen Platz gestellt wurden, die dann als Kirche bezeichnet wurden. Ich bin selber in meiner Heimatpfarrei mit so einem Ding gestraft!
Mittwoch, 6. Juni 2007 01:19
Typ: Auweh
Die Pressemeldung unterschlägt, daß der zitierte Text keinen Umbau alter Kirchen fordert und daß keine Bauperiode den Altar so sehr ins Zentrum der Kirche rückte wie die Barockzeit.

Unsinn. Barockaltäre stehen erstens an der Wand und nicht im Zentrum, und zweitens ist in Barockkirchen in aller Regel nicht der Altar der optische Anziehungspunkt, sondern irgendein Bild oder eine Skulptur, die sich über dem Altar bzw. im Altaraufbau befindet. In den meisten größeren Barockkirchen, die ich kenne (Oberbayern, Schwaben, Tirol), ist der Altar selbst praktisch gar nicht sichtbar.

Von einer Entschuldigung des Pressesprechers, Georg Plank, der dem Priester öffentlich in den Rücken fiel, wurde nichts bekannt.

Hat sich schon kreuz.net jemals für irgendwas entschuldigt? z.B. Bischöfen in den Rücken zu fallen?
Dienstag, 5. Juni 2007 21:01
möchtegern-kathole: @Joseph von Eichendorff
Sie haben Recht – es war das falsche Wort. Ich wollte damit nur sagen, dass bei der Altarweihe der Alte Ritus „vorgesehen“ war.
Dienstag, 5. Juni 2007 09:25
Dismas: Verstoß gegen das Gebot: „Du sollst nicht lügen…falsch aussagen!“
Verwundert es die „Restchristen“ das die Kirchenbänke sich immer mehr leeren?…Bei solchen „Vorbildern“ wie Prälat Gottfried Lafer und den Pressesprecher Georg Plank und den vielen anderen Kardinälen, Bischöfen und Priestern, die offensichtlich KEINE GEBOTE mehr kennen, oder nie gelernt haben – ist es doch nachvollziehbar.
Beide gehören offensichtlich zur „Charge“ der schlechten Schauspieler mit regelmäßigen guten Bezügen seitens des Bistums.
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