07:12:06 | Dienstag, 5. Juni 2007
Die Niederlage eines Priesters wird von der Diözese Graz-Seckau als „Entspannung im Streit um den Volksaltar“ gefeiert. Ein Kommentar.

Die gotische Wallfahrtskirche Pöllauberg mit barockem Hochaltar
© Marion Schneider und Christoph Aistleitner,
Creative Commons(kreuz.net) Im Streit um einen seit wenigen Jahrzehnten in die Wallfahrtskirche von Pöllauberg gestellten
Mahltisch zeichnet sich eine Entspannung ab.
Das erklärte Pressesprecher Georg Plank am 2. Juni in einer
Mitteilung des Bistums Graz-Seckau.
Pöllauberg befindet sich 60 Kilometer nordöstlich von Graz.
Der
betroffene Priester, Pfarrer Roger Ibounigg, wolle „in der Altarfrage“ zukünftig stärker die zuständigen
diözesanen Gremien und Verantwortlichen konsultieren.
Was das in der Praxis heißen wird, läßt der
Pressetext offen.

Die Ortschaft Pöllauberg befindet sich in der Oststeiermark
Noch vor kurzem hatte der beliebte österreichische Jugendseelsorger bekanntgegeben,
die Heilige Messe zukünftig statt an einem in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgestellten
Mahltisch wieder
am Altar seiner Kirche zu zelebrieren.
Doch dann stellten sich sein Pfarrgemeinderat
und später auch die Diözese gegen ihn.
Jetzt erklärt die Diözese, daß Pfarrer Ibounigg kein Gegner
des Volksaltares „oder der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums“ sei.
Der Pressebericht verschweigt,
daß das Zweite Vatikanum für die katholische Liturgie keine Verwendung von in den Chorraum gestellten
Mahltischen vorsieht.
Die offiziellen Rubriken des seit fast vierzig Jahren im deutschsprachigen Raum
benutzen „Deutschen Meßbuches“ gehen davon aus, daß der Priester die Eucharistie nicht zu den Kirchenbänken,
sondern zu Gott hin zelebriert.
Dagegen verschleiert der Pressetext das Problem mit vernebelnden Formulierungen:
„Gerade bei schwierigen architektonischen Verhältnissen wie in der Kirche von Pöllauberg ist eine umfassende
theologische, künstlerische und architektonische Analyse Voraussetzung für eine Gestaltung des Altarraums,
die eine den Intentionen des Konzils entsprechende würdige und lebendige Feier der Liturgie der versammelten
Gemeinde ermöglicht.“
Erneut unterstellt der Pressetext, daß die Aufstellung eines Mahltisches in den
Chorraum der Kirche mit dem Zweiten Vatikanum zusammenhängt.
Zum „sachlichen Hintergrund“ zitiert der
Pressetext Punkt 299 der erneuerten allgemeinen Einführung zum römischen Meßbuch von 2002:
„Der Hauptaltar
soll getrennt von der Wand errichtet werden, damit man ihn ohne Schwierigkeiten umschreiten und an ihm,
der Gemeinde zugewandt, die Messe feiern kann. Dies soll überall möglich sein. Der Altar soll so aufgestellt
sein, daß er wirklich den Mittelpunkt des Raumes bildet, dem sich die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung
der Gläubigen von selbst zuwendet. In der Regel soll er feststehend und geweiht sein.“
Die Pressemeldung
unterschlägt, daß der zitierte Text keinen Umbau alter Kirchen fordert und daß keine Bauperiode den
Altar so sehr ins Zentrum der Kirche rückte wie die Barockzeit.
Der Altar in der Wallfahrtskirche in
Pöllauberg stammt aus dieser Zeit.
Nach Angaben der Pressemeldung hat der Bischof von Graz-Seckau, Mons.
Egon Kapellari, seinen Dompfarrer und Bischofsvikar für Liturgie, Prälat Gottfried Lafer, beauftragt,
den Konflikt in Pöllauberg zu klären:
„Alle Aussagen des Pressesprechers der Diözese sind mit Bischofsvikar
Lafer abgestimmt.“
Seit Jahrzehnten sei es das Ziel der vielfältigen Bemühungen in der Diözese, die
„persönliche Christusbeziehung aller Gläubigen durch die Liturgie zu stärken“.
Daß in Wahrheit das
genaue Gegenteil geschehen ist, zeigen nicht nur die leeren Kirchenbänke in der Diözese Graz-Seckau.
Der Pressetext zitiert auch eine Aussage des liberalen Erzbischofs von Wien, Christoph Kardinal Schönborn:
„Entscheidend ist nicht, in welcher Richtung der Zelebrant am Altar steht, sondern das, was auf dem Altar
geschieht.“
Es ist unklar, was mit dieser Aussage bewiesen werden soll, da sie als Gewährstext für
alle möglichen Zelebrationsrichtungen verwendet werden kann.
Am Schluß betont Georg Plank in seinem
Pressetext, daß sich Pfarrer Roger Ibounigg für seine Aussage über ihn persönlich entschuldigt habe.
Sie wurde am 2. Juni in der Grazer ‘Kleinen Zeitung’ veröffentlicht.
Pfarrer Ibounigg hatte vor der –
deutlich gegen ihn eingenommenen – Zeitung erklärt:
„Plank hat sich blamiert. Das Konzil erwähnt den
Volksaltar mit keinem Wort. Nach vierzig Jahren wäre es Zeit, die Dokumente genau zu lesen.“
Hat der
Pfarrer etwas Falsches gesagt?
Von einer Entschuldigung des Pressesprechers, Georg Plank, der dem Priester
öffentlich in den Rücken fiel, wurde nichts bekannt.
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