„Leere im liturgischen Raum“: In Deutschland streitet sich eine Pfarrei
In Oberlohberg in der Diözese Münster hängt der Haussegen schief. Gläubige beschuldigen ihren Pfarrer eines schleichenden Abbaus in der Pfarrei. Der Geistliche habe eine Stilllegung der Kirche zum Ziel. Die Heiligenstatuen sind schon außer Hauses geschafft.
(kreuz.net, Münster) Der katholische Pfarrer von Oberlohberg im Ruhrgebiet wünscht sich mehr Leere in
der Kirche und hat sich daran gemacht, seine Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Als der Priester die
Heiligenstatuen aus der Pfarrkirche tragen ließ, war das Maß voll: Letzte Woche versammelte sich die
beunruhigte Pfarrei zu einem Gesprächsabend, wo klare Forderungen gestellt wurden. Darüber berichtete
die täglich erscheinende Neue Ruhr/Rhein Zeitung.
Vor rund einer Woche fanden sich über 100 Pfarreiangehörige
im Pfarrheim der Herz-Jesu-Kirche in Oberlohberg ein. Oberlohberg gehört zur Diözese Münster. Es ging
dabei um die Frage, ob die Veränderungen, die der Pfarrer im Innenraum der dortigen Kirche vorgenommen
hat, der „notwendigen Leere im liturgischen Raum“ dienen oder eher die Schließung der Kirche vorbereiten.
Als Wortführer der Kritiker von Pfarrer Peter Liebens sprach bei der Versammlung der ehemalige Kirchenvorstand
Rudi Pastoors. Er habe mit vielen anwesenden Gemeindemitgliedern den Eindruck, daß der gegenwärtige
Pfarrer bewußt auf eine andere Verwendung der Herz-Jesu-Kirche hinarbeite. Mit dem Abtransport der Heiligenfiguren
habe Pfarrer Liebens „viele Gefühle verletzt und mit Füßen getreten“.
Es sei „ein Hammer“, wenn der
Pfarrer so tue, als ob er von nichts wisse und die Kunstkommission in Münster beauftrage, die abgeschleppten
Figuren künstlerisch zu bewerten: „Wenn Sie sich nur an die Denkmalschutzbestimmungen gehalten hätten“,
so Kritiker Pastoors. Der ehemalige Kirchenvorstand sprach von einer „Anti-Liebens-Stimmung“, die Pfarrer
Liebens allein und selbst zu verantworten habe: „Bis auf wenige Ausnahmen haben Sie keinen Kontakt zur
Basis.“
Pfarrer Liebens mußte noch weitere Kritiken hören: Mit seiner Aussage, keine Taufen und Erstkommunionfeiern
mehr in der Herz-Jesu durchführen zu wollen, „entfremden Sie unseren Kindern diese Kirche“, zu der diese
ein besonderes Vertrauensverhältnis hätten.
Auch die Kosten für Umbaumaßnahmen im Chor der Kirche
kamen zur Sprache. Für die Absenkung des Altars seien 16.500 Euro ausgegeben worden. 300 Euro für einen
längeren Schwanenhals am Ambo seien zu teuer, meinte Kritiker Pastoors. Auch Hinweise, das Ambo zwecks
besserer Beschallung an die alte Stelle zu setzen, würden vom Pfarrer ignoriert.
Zum Gerücht, wonach
das Pfarrheim verkauft werden soll, fragte Pastoors, warum der Pfarrer sich die lebendigen Vereine nicht
zu Nutzen mache, um bei der Diözese in Münster gegen eine Schließung der Pfarrei vorzugehen.
Doch
Pastoors hatte nicht nur Kritik für seinen Pfarrer: „Ihre Predigten sind durchwegs gut und hörenswert.“
Am Ende der Versammlung sah Wortführer Pastoors eine „überwiegend sachliche Diskussion“. Der Herr Pfarrer
habe ihn angehört, aber leider nicht auf alle Vorwürfe reagiert. Pastoors Fazit: „Wir verlangen, daß
die Herz-Jesu-Kirche in ihren Urzustand zurückversetzt wird, Figuren, Bilder und Blumengestecke ihren
angestammten Platz finden.“
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1 Lesermeinung
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#1 Zarathustra 12:04:18 | Samstag, 22. Januar 2005
Leere im liturgischen Raum Es scheint immer noch einige Theologen zu geben, die an die „Leere im liturgischen
Raum“ glauben und dabei rücksichtslos auf dem Rücken der Gemeinde (die meist nicht gefragt wird) eine
Art klerikalen Paternalismus ausüben, wie es ihn in den 50er Jahren gegeben hat. Es bleibt nur zu hoffen,
daß diese Generation baldmöglichst in den Ruhestand geht und nicht allzuviel an Nachwuchs herangezüchtet
hat.