11:49:45 | Montag, 11. Juni 2007
Der Latrinenjournalist Frank A. Meyer hat kürzlich zum Thema Kirche randaliert – ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Kommentar.

Blick-Journalist Frank A. Meyer
(kreuz.net) Am 26. Mai gab der Schweizer Boulevard-Journalist Frank A. Meyer in einem gleichnamigen Artikel
„Neue alte Töne“ von sich.
Seine Etüde wurde in der Boulevardzeitung ‘Sonntagsblick’ publiziert. Diese
ist im Besitz des scharf kirchenfeindlichen Medienkonzerns ‘Ringier’, zu dessen Führungsriege Meyer gehört.
Die Inspirationen für seine „Neuen alten Tönen“ erhielt Frank nach eigenen Angaben beim Lesen eines
„erhellenden“ Interviews mit Kardinal Walter Kasper.
Die Aussagen des Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates
würden ein „Schlaglicht auf das Gesellschaftsverständnis der katholischen Kirche“ werfen – verkündet
Frank.
Kardinal Kasper beklage sich über das „angeblich so kirchenferne“ Europa, das „in die Hände
der Säkularisten“ gefallen sei.
Frank erregt sich: Der böse Kardinal mache den guten Begriff „säkular“
zum Schimpfwort.
„Säkular bedeutet weltlich“ – weiß Frank offenbar aus dem Fremdwörterduden. Doch
„dem Vatikan und seiner Klerisei, für die Kasper spricht, paßt das weltliche Europa nicht in den kirchlichen
Kram“.
Klerisei? Ein nettes Wort, Frank. Daß Du Vorurteile hast, war schon klar. Aber trägst Du Deine
Verachtung immer so offen zu Markt?
Wer das Europa von Merkel, Prodi, Sarkozy und, ja auch: Frau Calmy-Rey
(für Außenstehende: eine Schweizer Bundesrätin) befürworte, sei „Säkularist“ – weiß Frank:
„Christ
im Sinne Kardinal Kaspers ist er nicht!“. Frank, Du kommst in Fahrt. Man sieht es am Ausrufezeichen.
Nach Lesart des Kardinals sei der christliche Glaube unvereinbar mit einem – Franks? – Staatsverständnis,
das die Religion der Privatsphäre zuordne.
Wie Frank die Kirche – eine Gemeinschaft mit 1,1 Milliarde
Mitgliedern – privatisieren will, wird er uns bestimmt im nächsten ‘Sonntagsblick’ verraten.
Zur Übung
könnte er damit beginnen, seine Privatmeinungen für sich zu behalten.
Doch noch ist er nicht so weit.
Frank glaubt, in den Worten des Kardinals, „neue Töne aus der römischen Kommandatur“ zu erkennen – und
korrigiert sich sogleich: „alte Töne – Töne aus der Zeit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962-65
unter Papst Johannes XXIII.“
O Frank, probier’s doch mal mit ‘Wikipedia’. Du weißt doch, die Internet-Enzyklopädie.
Wenn Du kein Englisch verstehst, geht es zur Not auch mit der deutschen Variante.
Dort brauchst Du nur
„John XXIII.“ – im Notfall „Johannes XXIII.“ – einzutippen. Dann wirst Du sehen, wann Dein Gewährsmann
geboren und wann er gestorben ist.
‘Wikipedia’ hin oder her: Frank ist nicht zu bremsen, sein Aufstieg
zur Hochform unvermeidlich:
„Daß es Kardinal Kasper ernst ist mit seiner Militanz, zeigt eine weitere
Attacke: Auch die Protestanten seien nur mehr Säkularisten, wenngleich »nicht alle«, wie Kasper diplomatisch
einschränkt.“
Frank, das hört sich an wie ein Schwank: Ausgerechnet Kardinal Kasper willst Du als militanten
Protestantenfresser hinstellen?
War der Gesprächspartner des von Dir ausgegrabenen Interviews vielleicht
nicht doch Kardinal Giuseppe Siri von Genua (1906-1989)?
In Deinem Kommentar fehlt es an Grundlagenforschung.
Denk an ‘Wikipedia’, Frank. Dort gibt es einen Artikel über Kardinal Walter Kasper. Vorsicht, Frank,
beim Eintippen, Walter ohne „h“.
Besonders übel nimmt Frank dem Kardinal seine Kritik an Homos und ihren
Homo-Konkubinaten:
„Was aber ist die zentrale Sünde, die den »Säkularisten« Zorn und Bannfluch der
allerchristlichen Kirche einträgt? Es ist vor allem ihr Eintreten für die rechtliche Gleichstellung
unverheirateter und, verwerflicher noch, homosexueller Partnerschaften mit dem klassischen Ehebund. Darin
erblickt Kardinal Kasper die mutwillige Zerstörung der Familie.“
Mit Ausdrücken wie „Bannfluch“ und
„allerchristliche Kirche“ hast Du gepunktet. Wow, Frank. Und die Warmen verteidigst Du auch. Super, Frank.
Du warst schon immer ein eigenständiger Denker.
Wer kann der Gewalt Deines verbalen Trommelfeuers widerstehen,
großer Frank – und Du trommelst weiter:
Jetzt kritisierst Du den von Dir praktisch schon zur Wurst verarbeiteten
Restkardinal für den Satz:
„1945, als in Deutschland nichts mehr da war von den Institutionen, habe
ich erlebt, daß Familie das Einzige war, was noch trug.“
Im fernen Jahr 1945 war das jetzige Meyer-Opfer
Walter Kasper ein 12jähriger Gymnasiast im kriegszerstörten Deutschland.
Aber Du, Frank, der Du ohne
Dein Zutun irgendwann nach 1945 irgendwo in der kriegsverschonten Schweiz geboren wurdest, weißt besser
als Dein beklagenswertes Opfer, wie es 1945 den Familien in Deutschland ging:
„1945, »als in Deutschland
nichts mehr da war«, waren auch Familien kaum mehr da!“
Toll Frank. Wir sind stolz auf Dich. Das hast
Du bestimmt irgendwo gelesen.
Nicht so toll ist das folgende:
„Wenn ein deutscher Priester mit deutscher
Vergangenheit renommiert, um seinem konservativen Katholizismus argumentative Kraft zu verleihen, dann
sind Fragen angebracht.“
Das war unter der Gürtellinie. Schon klar, Frank, daß es eine Schande ist,
ein Deutscher zu sein. Aber „mit deutsche Vergangenheit renommiert“? Irgendwie hinterfotzig. Bist Du privat
auch so, Frank?
Aber Du weißt Dich, unwiderstehlicher Frank, auch aus dieser peinlichen Situation zu
retten. Denn im weiteren geht es Dir nicht um den kleinen Walter aus Wangen im Allgäu, der bei Kriegsausbruch
sechs Jahre alt war. Nein, Du steigst jetzt in die große Welt- und Kirchengeschichte ein:
„Wer hat durch
Konkordate mit Mussolini und Hitler dem Faschismus und Nazismus erst zu Reputation bei den katholischen
Gläubigen verholfen? Wer hat durch geschmeidige Anpassung an die Diktaturen, wer hat durch Schweigen
zu Krieg und Judenvernichtung sämtliche christliche Werte verraten?“
Frank, Du bist alt genug, um Rolf
Hochhuth und den Sowjets beim Erfinden ihrer Geschichtslügen geholfen zu haben. Hältst Du es auch mit
dem Wort „Lügen, bis sich die Balken verbiegen“?
Schon klar, daß die Kirche an allem schuld war. Bisher
hat man geglaubt, daß Pius XII. der Kaplan von Hitler war. In Wahrheit war es umgekehrt. Frank weiß
es – und die Sowjets auch.
Als Antwort auf den unterstellten „kirchlichen Verrat“ verteidigt Frank das
„säkulare, das demokratische und rechtsstaatliche Europa“ gegen „katholische Enge“, die sogar – wer hätte
das gedacht – die „Waffenbrüder aus dem Morgenland“ in Europa willkommen heißt.
Rassist Frank meint
mit seiner militanten Wendung Männer, Frauen und Kinder muselmanischer Religion.
Daß sein bejubeltes
„säkulares, demokratisches und rechtsstaatliches Europa“ mehr Waffen produziert, verwendet und exportiert
als alle Staaten der „moslemischen Waffenbrüder“ zusammen, hat er auf Wikipedia noch nicht gelesen.
Statt dessen randaliert Frank: „Für den Vatikan sind die Werte und Regeln, die unsere Vorfahren in erbitterten
Kämpfen nicht zuletzt gegen die Pfaffen errungen haben, offenbar nicht mehr als eine verhandelbare Petitesse.“
Wie man sieht, kann Frank auch ein bißchen Französisch. „Pfaffen“ ist übrigens ein Ausdruck, den auch
der nationalsozialistische Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) gerne in seinen nuancierten
Stellungnahmen zur Katholischen Kirche verwendete.
Im Goebbels-Stil geht es auch bei Frank weiter:
„Wir
Protestanten, wir Agnostiker, wir kirchenfernen Demokraten, wir Bürger-Katholiken, wir modernen Europäer –
wir alle sind gemeint, wenn die neuen alten Papisten zum Kulturkampf Sturm läuten. Nehmen wir die Herausforderung
an!“
Kulturkampf? – Frank, vergiß nicht, dieses Stichwort in ‘Wikipedia’ nachzuschlagen.
Doch Dein
Schlachtruf im ‘Sonntagsblick’ soll nicht ungehört verhallen:
Wehe Dir, Katholische Kirche! Es geht
Dir an den Kragen. Von ferne hört man die stampfenden Stiefel des neuen Saubannerzuges eidgenössischer
Kulturkämpfer:
Heil Dir, Helvetia, hast noch der Söhne, ja!
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.