Österreich
Die Erzdiözese verkauft das Buch nun doch
Vor knapp einer Woche stoppte die Erzdiözese Salzburg die Auslieferung der umstrittenen Lebenserinnerungen ihres ehemaligen Domdechanten. Darin äußert sich der Priester unter anderem sehr abwertend über Bischof Klaus Küng. Nun hat Erzbischof Kothgasser persönlich entschieden, den Vertriebsstop aufzuheben. Das Buch sei „doch nicht so schlimm“.
(kreuz.net, Salzburg) Die Erzdiözese Salzburg hat den Vertriebsstop über die Autobiographie des ehemaligen Domdechanten Leonhard Lüftenegger (92) aufgehoben. Das berichtete heute der ‘Österreichische Rundfunk’ ORF. Die Entscheidung wurde von Erzbischof Alois Kothgasser persönlich getroffen.

Ende Dezember stellte der ehemalige Domdechant der Öffentlichkeit seine Autobiographie vor. Darin verrät der greise Priester unter anderem, wie sich die geheime Wahl des Erzbischofs von Salzburg im Jahre 1988 zugetragen hat. Aus dieser Wahl ging der inzwischen zurückgetretene Erzbischof Georg Eder als neuer Oberhirte von Salzburg hervor. In Salzburg wählt das Domkapitel den Erzbischof aus einem in Rom zusammengestellten Dreiervorschlag. Der geheime Dreiervorschlag enthielt nach Lüftenegger die Namen von Klaus Küng, Andreas Laun und Georg Eder. In seinem Werk bezeichnet Lüftenegger diesen Dreiervorschlag als „Schock“ und „Zumutung“.

Am 14. Januar meldete der ORF, daß die Erzdiözese Salzburg die Auslieferung der Autobiographie gestoppt habe. Gegenüber der ‘Österreichischen Presseagentur’ gab der Sprecher der Erzdiözese Salzburg, Karl Roithinger, jetzt bekannt, man sei beim zweiten Hinsehen zur Einsicht gekommen, daß das Buch „doch nicht so schlimm“ sei.

Die Lebenserinnerungen mit dem Titel „Der Freiwillige Gottes“ können nur beim Amt für Kommunikation der Erzdiözese Salzburg bezogen werden. Ursprünglich war vorgesehen, das Werk auch über den Buchhandel zu vertreiben.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Kreuzfidel   23:11:33 | Donnerstag, 20. Januar 2005
Ita est!
Die Lebenserinnerungen stellen den damaligen Domkapitel ein schlechtes Zeungnis aus, nicht den Erzbischof!
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#3   Catholicus   22:53:35 | Donnerstag, 20. Januar 2005
„Offene Kirche“ – einer, der dies ernstnimmt!
Man soll jetzt nicht über den alten Prälaten Lüftenegger herfallen. Er ist ein ehrlicher Mann, der zu dem steht, was er vertreten hat, auch wenn es objektiv falsch war. Im Gegensatz dazu gibt es andere, die zwar Aktionen gegen Glaube und Kirche durchführen, sich aber geschickt zu tarnen wissen und im entscheidenden Moment ihre Verantwortung verleugnen. In gewisser Weise muss man dem Priester Lüftenegger sogar dankbar sein, dass er diese Abgründe der Opposition gegen Papst und Bischof offengelegt hat. Dass Erzbischorf Kothgasser die Verbreitung des Buches nun zuläßt, ist in diesem Sinn nur gerecht; er würde sonst mit zweiterlei Maß messen und in Wirklichkeit den Falschen bestrafen.
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#2   bonifatius   22:20:55 | Donnerstag, 20. Januar 2005
Salzburg
Erzbischof macht gute Reklame für schlechte Taten! O arme Kirchenführung. Wen wunderts, daß ihnen die Leute davonlaufen.
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#1   Dolfus   20:08:52 | Donnerstag, 20. Januar 2005
„doch nicht so schlimm“
Das dürfte die Standardwertung der heutigen kirchlichen Zensoren sein, jeder Katholik – ob Priester oder Laie – darf schreiben, was er will, und das ist wörtlich zu nehmen: die meisten sog. Theologen verkaufen uns die alten Häresien im neuen Gewand, besonders aber den Modernismus des 19. Jahrhunderts, der in brillianter Weise vom letzten heiliggesprochenen Papst demaskiert wurde.
Wie schrecklich ist die Verantwortung Pauls VI., der all das zugelassen hat … Dieser Stellvertreter Christi scheint dies in seinen letzten Jahren auch erahnt zu haben.
Schande in diesem Fall besonders über Primas Alois, daß er ein Buch zuläßt, in dem sein Mitbruder in St. Pölten also diffamiert wird.
Mit der Mitbrüderlichkeit scheint es in der ÖBK ja nicht weit her zu sein, aber wen wundert es, wenn ein intrigierender Cardinal der Präsident ist, der jahrelang versucht hat, Bischof Kurt zu eliminieren. Es lief mehr hinter den Coulissen als bekannt ist. Leute wie Schönborn sind leicht zu durchschauen.
Mir ist bekannt, daß sich gerade eben jener Bischof Klaus Küng sehr aufrichtig und loyal seinen Mitbrüdern gegenüber verhalten hat. Der „13.“ tut dem Krenn-Nachfolger Unrecht. Krenn war nicht mehr zu retten. Er kann Gott danken, daß er einen Nachfolger hat, der ihm zumindest Achtung entgegenbringt. Das ist nicht selbstverständlich.
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