09:51:01 | Mittwoch, 13. Juni 2007
Sind Staat und Gesellschaft in Israel rassistisch geprägt? Von Leo G. Schüchter.
(kreuz.net) Es sei „von allerhöchster Wichtigkeit“, schrieb der spätere US-Präsident Theodore Roosevelt
(† 1919) im Jahre 1889, daß sein Land von einem „Herrenvolk“ regiert würde – auch wenn dabei die einheimische
Bevölkerung „in schreckliches Elend gestürzt“ werden müßte.
Diese Rechtfertigung eines Herrenvolk-Rassismus’
schrieb der Präsident bezüglich der Vertreibung und dem Völkermord an den Indianervölkern Nordamerikas.

Theodore Roosevelt auf Safari
Theodore Roosevelt stammte aus einer jüdisch- niederländischen Familie von Geschäftsleuten. Er war
Mitglied einer lutherischen Religionsgemeinschaft sowie Ehrenmitglied in verschiedenen Freimaurerlogen.
Auf ähnliche Weise wie Roosevelt rechtfertigt der israelische Historiker Benny Morris (59) die anfängliche
Verdrängung und spätere gewaltsame Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung in Israel bis 1948:
„Es gibt Fälle, in denen harte und grausame Maßnahmen, die im Lauf der Geschichte ergriffen werden,
gerechtfertigt sind, um am Ende ein hohes Ziel zu erreichen.“
Möglicherweise ist es diese Rassismus-Leiche
im Keller der Geschichte beider Länder, der die beiden Staaten USA und Israel bis heute zusammenschweißt.
Die Gründung des Staates Israel auf der Grundlage von ethnischen Säuberungen und zionistischen Zielvorstellungen
war eine logische Konsequenz der Vorgeschichte, die 1917 mit der Balfour-Erklärung begann, als der britische
Außenminister Arthur James Balfour († 1930) in einem Brief dem englischen Zionistenführer Lord Walter
Rothschild († 1937) die Schaffung einer jüdischen „Heimstätte“ in Palästina zusicherte.

Der englische Zionistenführer Lionel Walter Rothschild mit seiner Zebra-Kutsche in London
Balfour selbst
war von dem gleichen Herrenvolk-Rassismus besessen wie Theodor Roosevelt, wenn er notierte:
„Wir weigern
uns ganz bewußt und mit Recht, das Prinzip der Selbstbestimmung für die gegenwärtigen Bewohner Palästinas
anzuerkennen. Denn die Judenfrage außerhalb Palästinas ist für die ganze Welt von Bedeutung:
Der Zionismus
wurzelt in uralten Traditionen, gegenwärtigen Nöten und zukünftigen Hoffnungen, die sehr viel schwerer
wiegen als die Wünsche und Vorstellungen der 700.000 Araber, die derzeit dieses alte Land bewohnen.“
Aus diesen Motiven begünstigte die britische Mandatsmacht ab 1919 die jüdische Einwanderung sowie deren
eigentumsrechtliche Verwurzelung und ökonomische Ausbreitung in Palästina und hielt die einheimische
arabische Bevölkerung in Schach und Schikane – bis es in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts deshalb
unter den Palästinensern zu Protesten und Unruhen kam.
1936 wurde ein königlich-britischer Untersuchungsausschuß
mit Namen Peel-Kommission damit beauftragt, herauszufinden, welche Ursachen dem Palästinakonflikt zugrunde
lägen und wie er gelöst werden könnte.

Modell der Peel-Kommission: dunkelgrau jüdischer Staat, hellgrau britisches Mandat, gelb arabischer Staat
Der damalige Politiker Winston Churchill († 1965) gab vor der
Peel-Kommission zu Protokoll, daß die einheimische Bevölkerung in seinen Augen genauso wenig ein Recht
auf Palästina habe wie ein „Hund im Zwinger ein Recht auf diesen Zwinger hat, auch wenn er dort schon
einige Zeit gelegen hat“.
Churchill glaubte, daß diesen Menschen dadurch kein Unrecht geschähe, „daß
eine stärkere Rasse, eine höherstehende oder weltgewandtere Rasse ihren Platz eingenommen hat.“
Schließlich
erklärte die Peel-Kommission, daß die zugewanderten Juden ein Recht auf einen eigenen Staat hätten
und plädierte für eine Teilung des Landes.
Diese – nach üblichem Völkerrecht – Unrechtsentscheidung
wurde neben der rassistischen Begründung auch marxistisch gerechtfertigt. Man benützte dazu die sozialistische
Enteignungsformel:
Wem sollen Land und Kapital gehören: Dem, der untätig daraufsitzt oder dem, der
es tatkräftig und produktiv bearbeitet?
In diesem Sinne plädierte auch der marxistische Historiker
Isaak Deutscher († 1967) für die Staatsgründung Israel und räumte gleichzeitig ein, daß die zionistische
Bewegung von Anfang an auf die Schaffung eines „rein jüdischen“ Staates hingearbeitet habe.
Der eingangs
erwähnte Benny Morris erläutert dazu in seinen zwei in Cambridge publizierten Büchern von 1988 und
2004 die Einzelheiten:

Kaffeehaus in Palästina um 1900
Es sei das Ziel der Führer des jüdischen Gemeinwesens gewesen, mit allen Mitteln
von Drohung, Krieg und Terror die Palästinenser aus ihren Dörfern zu vertreiben.
Nach seinen Archivstudien
geht Morris von etwa 700.000 palästinensischen Flüchtlingen in den Kriegsjahren 1947 bis 1948 aus.
228 Palästinenser-Dörfer sind danach wegen des Angriffs israelischer Truppen evakuiert worden. Die Bewohner
von 41 Dörfern wurden von militärischen Einheiten vertrieben. Aus 90 Dörfern flohen die Dorfbewohner
in Panik, nachdem Nachbardörfer angegriffen worden waren.
Es ist angesichts dieser Vor- und Entstehungsgeschichte
des Staates Israel nicht überraschend, daß die jüdische Bevölkerung Israels bis heute von einer rassistischen
Grundstimmung beherrscht wird.
Ein Bericht der Tel Aviver Zeitung Haaretz vom März 2006 zeigte einen
weitverbreiteten Rassismus in der israelischen Gesellschaft.
Nach einer Befragung sagten 68 Prozent der
befragten jüdischen Israelis, sie würden es ablehnen, mit einem Araber im gleichen Mietshaus zu wohnen.
41 Prozent der befragten israelischen Juden sprachen sich für die Trennung von Juden und Arabern in
Freizeiteinrichtungen aus – ein signifikantes Element jedes Apartheidsystems.
Schließlich zeigten sich
34 Prozent der Befragten überzeugt, daß die „arabische Kultur gegenüber der israelischen minderwertig“
sei.
Ein Anteil von 18 Prozent sagte, sie würden Haß empfinden, wenn sie hörten, daß jemand Arabisch
spricht.
Dieser gesellschaftliche Rassismus ist nicht durch staatliche Gesetze gestützt, wird aber von
der Staatsführung geduldet und häufig sogar gefördert:
Der Chef des israelischen Generalstabs, Mosche
Yaalon (56), verglich vor einigen Jahren die Palästinenser mit einem Krebsgeschwür, das er vorläufig
durch „Chemotherapie“ unschädlich machen wolle.
Der damalige israelische Premier Ariel Scharon antwortete
auf die Frage, was er von diesem Vergleich halte, daß der General ein zutreffendes Bild gebraucht habe.
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