14:23:11 | Donnerstag, 14. Juni 2007
Am 18. Mai ertränkte sich die 17jährige Stéphanie in einer Kleinstadt in der Normandie. Sie trug ein Kind unter ihrem Herzen. Es kam mit der Mutter um.

Die junge Mutter. Erst wird sie massiv zur Abtreibung gedrängt, dann mit ihrem Trauma allein gelassen
© Tricia Scott, Creative Commons(kreuz.net/RU) Der französische Verein ‘SOS Mütter’ kümmert sich seit zwölf Jahren um junge Mütter,
die in Gefahr sind, ihr Kind abzutreiben. Der Verein hat bereits 350 Menschen vor der Abtreibung gerettet.
Hier ein winziger Auszug aus seinem „Bordbuch“. Er betrifft einige Ereignisse im Monat Mai.
Freitag,
18. Mai. Stéphanie (17) hat sich in einer Kleinstadt in der Normandie ertränkt. Das Kind, das sie in
ihrem Leib trug, kam mit ihr ums Leben. R.I.P.
Heute wird unser Geistlicher für sie eine Messe zelebrieren.
Wir haben dieses Mädchen nie gesehen. Aber sie stand bereits mit unserer jungen Mitarbeiterin Susanne
in Verbindung. Die beiden waren Gymnasialfreundinnen.
Vor einer Woche hatte Susanne der schwangeren Stéphanie
von uns erzählt. Stéphanie hatte große Probleme mit ihrer Mutter. Diese konnte Stéphanie nicht ausstehen
und schlug sie, als bekannt wurde, daß die Jugendliche schwanger war und nicht abtreiben wollte.

Familienglück
© Sean Dreilinger, CCUnsere
Helferin Susanne wollte Stéphanie darum zu uns nach Paris bringen. Aber Lea – die Pariser Leiterin von
‘SOS Mütter’ – war gerade krank.
Der Besuch wurde um eine Woche verschoben. Das war eine Woche zuviel.
Höllische GroßmutterEin ähnlicher Fall: Die schwangere Mélanie wird diesen September 18 Jahre alt
und somit volljährig.
Das Verhältnis zu Mélanies Mutter ist schlecht. Die Mutter möchte unbedingt
wissen, von wem das Baby ihrer Tochter ist.
Doch Mélanie wagt es nicht, ihr die Wahrheit zu sagen, weil
der Vater des Babys ein ehemaliger Liebhaber der Mutter ist.
Wir diskutieren mit der Mutter und bieten
Hilfe für die schwangere Tochter an, um das Kind zu retten. Die höllische Mutter fordert „jeden Monat
350 Euro, sonst ist Schluß!“.
Wir bezahlen die ersten 350 Euro auf der Stelle aus. Das Baby ist gerettet.
Die schwangere Tochter ist sichtlich erleichtert. Sie liebt ihr Kind.
Wir werden das Schicksal Mélanies
weiterverfolgen. Häufig legen sich die anfänglichen Wogen in solchen Fällen mit der Zeit. Dann könnte
Mélanie vielleicht sogar wieder zuhause wohnen.
Alles spielt gegen sieSamstag 26. Mai. Gegenwärtig
beschäftigt uns der Fall der schwangeren Pauline (16) aus Nordfrankreich. Sie wohnt aufgrund eines richterlichen
Entscheides auf Wunsch ihrer Mutter in einem Erziehungsheim.
Pauline ist seit drei Wochen schwanger.
Der Vater des Babys ist François (23), ein anscheinend solider junger Mann. Pauline hat ihn über ihr
wahres Alter getäuscht.

Fuß eines abgetriebenen Kindes, 2 Monate
François hat sich soeben ein Diplom als Gymnasiallehrer für Sport erworben
und besitzt eine Wohnung.
Die beiden lieben sich und möchten das Baby behalten. Doch es droht der Abtreiber.
Denn Paulines Mutter will absolut, daß das Kind verschwindet. Sie hat für ihre Tochter andere Pläne.
Auch der Erzieher im Heim wünscht, daß Pauline ihr Kind tötet.
Pauline ist dem Heim ausgeliefert.
Denn sie kann nicht vor ihrem 18. Lebensjahr heiraten und wird darum weiterhin dort leben müssen, wo
sie in den nächsten Monaten von der Abtreibung bedroht ist.
Was kann man machen? Es bleibt die Möglichkeit,
Pauline insgeheim in einer unserer Herbergsfamilien unterzubringen, damit sie ihr Kind dort ruhig zur
Welt bringen kann.
In der Vergangenheit haben wir diese Vorgehensweise bereits mehrmals und mit Erfolg
praktiziert.
Wir würden uns wünschen, daß das Gesetz schwangere Minderjährige besser schützten würde.
Doch geschützt sind gegenwärtig nur jene Minderjährigen, die ihr Kind abtreiben wollen – auch gegen
den Willen ihrer Eltern.
Wenn eine minderjährige Mutter nicht abtreiben will, spielt alles gegen sie.
Hier sieht man den todbringenden Charakter unserer Gesetze – ein bluttriefendes Detail unserer Kultur
des Todes.
In der letzten Zeit hatten wir wöchentlich zwei Geburten. Das ist für uns jedesmal ein großer
Trost.
Die geretteten Kinder kommen schön, unschuldig, lebenslustig und gotthungrig zur Welt – als ob
das Leben dieser Welt wieder von Null anfangen würde.
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