Giuseppe Alberigo
Ein Vordenker der Siegerpartei ist tot
Warum war das Pastoralkonzil ein Bruch mit der restlichen Kirchengeschichte? Warum war Johannes XXIII. ein Held des Progressismus? Der Mann, der diese Fragen beantwortet hat, ist jetzt gestorben.
Alberigo ist der Schöpfer des Mythos "Papst Johannes XXIII. als Held des katholischen Progressismus".
Alberigo ist der Schöpfer des Mythos „Papst Johannes XXIII. als Held des katholischen Progressismus“.
(kreuz.net) Der linkskatholische italienische Kirchengeschichtler Giuseppe Alberigo ist tot.

Er starb in der Nacht auf den vergangenen Freitag nach schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren. Noch im Februar war er von Papst Benedikt XVI. in Privataudienz empfangen worden.

Alberigo wurde vor allem für seine Arbeiten über das Zweite Vatikanische Konzil bekannt.

Er war ein Schüler von Giuseppe Dossetti († 1996) – einem Gründungsmitglied der italienischen Christdemokraten, der später Mönch wurde.

In der mittelitalienischen Stadt Bologna gründet Alberigo die kirchenhistorische „Schule von Bologna“.

Sie war ein wichtiges und sehr erfolgreiches Werkzeug, um die Kirchengeschichte als Instrument der Kirchenpolitik progressistischer Ausrichtung zu mißbrauchen.

Das Hauptwerk von Alberigo ist seine fünfbändige „Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils“. Sie erschien von 1995 bis 2001 und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Aus katholischen Kreisen erhielt das Werk scharfe Kritiken.

Alberigo interpretierte das Zweite Vatikanum als epochalen Bruch in der Kirchengeschichte, eine Art kirchliche Verfassungsversammlung, die nie zu Ende gegangen ist.

Diese Konzilsinterpretation hat sich nicht nur im akademischen Bereich, sondern auch in den Medien, im kulturellen Empfinden, in der Liturgie und in der praktischen Leitung der Kirche längst durchgesetzt.

Alberigo ist auch der Schöpfer des Mythos „Papst Johannes XXIII. als Held des katholischen Progressismus“. Dabei unterschlägt er zahlreiche Aspekte der Person dieses Papstes

Lebenslauf

Der Kirchenhistoriker wurde 1926 in Cuasso al Monte in der Provinz Varese geboren.

Er bildete sich in der Schule des deutschen Kirchengeschichtlers, Hw. Hubert Jedin († 1980) – der für seine Arbeiten über das Konzil von Trient bekannt wurde.

Seit 1962 leitete Alberigo das „Institut für Religionswissenschaften“ in Bologna, das im Jahr 1952 von seinem Ziehvater Dossetti gegründet wurde.

Entscheidend für sein Schaffen war das Zweite Vatikanische Pastoralkonzil.

Alberigo gehörte zum Gründerkreis der 1963 gegründeten internationalen theologischen Zeitschrift ‘Concilium’, welche die linkskatholischen Kräfte sammelte, die später siegreich aus dem Konzil hervorgingen.

Zu diesem Kreis gehörten auch der bedeutendste Konzilstheologe, Pater Karl Rahner, sowie Hw. Hans Küng, Hw. Joseph Ratzinger, Hw. Gustavo Gutierrez, Pater Edward Schillebeeckx.

Der damalige Professor Ratzinger verließ ‘Concilium’ im Jahr 1971 und gründete zusammen mit dem Schweizer Theologen, Hw. Hans Urs von Balthasar ‘Communio’ – eine theologische Zeitschrift neokonservativer Ausrichtung.

1967 erhielt Alberigo den Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Fakultät für politische Wissenschaften der staatlichen Universität von Bologna.

Dort entfaltete er eine reiche Publikationstätigkeit.

Erst vor wenigen Monaten beendete er sein letztes monumentales Werk, eine kritische Neuausgabe der Beschlüsse der ersten Ökumenischen Konzile mit dem Titel „Conciliorum oecumenicorum generaliumque decreta“.

Das Werk erschien in der bekannten in Belgien publizierten Reihe „Corpus Christianorum“. Den ersten Band überreichte Alberigo anläßlich seiner Februar-Audienz dem Papst.

Bei dieser Gelegenheit erklärte Benedikt XVI. die Absicht, seine persönlichen Unterlagen über das Zweite Vatikanum, an dem er als Berater des Kölner Kardinals Joseph Frings († 1978) teilnahm, dem kirchengeschichtlichen Institut in Bologna zu überlassen.
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Ein Vordenker der Siegerpartei ist tot
      
16 Lesermeinungen
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#17   Brandenburgis   15:04:29 | Samstag, 26. Juni 2010
Die Dokumente des „II. Vatikanunms“
zeugen eindeutig davon, daß das Konzil vom Modernismus durchsucht war, und daß sich dieser Modernismus, gedeckt und gefördert von den Konzils-Päpsten, auf ganzer Linie durchgesetzt hat. Konzil und Konzilsdokumente sind verurteilt durch die Modernismus-Verwerfung von Papst Pius X… HIe II. Vatikanum – hie katholische Lehre und Glaube, – das gilt auch noch heute, auch wennn die FSSPX es nicht mehr wahrhaben will.
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#16   No Comment   11:27:13 | Freitag, 22. Juni 2007
Siegerpartei?
Kreuz.net meint die (eine, „linke“) Verliererpartei. Dass das Konzil nicht die Lefebvre-Linie zementiert hat (was absurd gewesen wäre), macht das Konzil noch lange nicht zur Basis eines „Neo-Modernismus“.
Man lese die Dokumente!
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#15   Benedikt   17:31:11 | Dienstag, 19. Juni 2007
@ Rudolfus
Entweder, man ist von Gott erwählt oder eben nicht. Ein „bißchen erwählt“ oder „mehr erwählt“ gibt es nicht.
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#14   Artois †   11:55:02 | Montag, 18. Juni 2007
@rudolfus
wollen wirs hoffen!
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#13   thaumaturgos   09:19:01 | Montag, 18. Juni 2007
ch stimme dem zu, das 3. Geheimnis ist
Schließt Lourdes!!!!!
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#12   Freinsberg   09:10:13 | Montag, 18. Juni 2007
@ Rudolfus
Von wegen Fatima: Niemand ist verpflichtet, an die Echtheit der Erscheinungen zu glauben. Also kann man Johannes XXIII. wegen angeblichen Zurückhaltens des 3. Geheimnisses (von dem manche meinen, es laute: „Schließt Lourdes!“) keinen Vorwurf machen.
Verdienste im strengen Sinn gibt es vor Gott nicht. Auch nicht nach katholischer Lehre!
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#11   Rudolfus   22:41:20 | Sonntag, 17. Juni 2007
@Benedikt
Entsprechend seiner Verdienste und der Erwählung durch Gott.
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#10   Benedikt   22:40:39 | Sonntag, 17. Juni 2007
Seligkeitsgrade?
Wie kann man mehr oder weniger selig sein?
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#9   Rudolfus   22:10:13 | Sonntag, 17. Juni 2007
@Artois / Papst Johannes XXIII. als Seliger
Zwar ist bei Gott kein Ding unmöglich … doch daß Johannes XXIII. tatsächlich ein „Seliger“ ist, das dürfte wohl unmöglich sein!
Es gibt große und kleine Selige. Die Ehre der Altäre sagt ja nichts näher über die verschiedenen Grade der Seligkeit aus.
Beim sel. Johannes XXIII. ist der Seligkeitsgrad jedenfalls nicht der höchste unter den Seligen – denn er hat das III. Geheimnis für sich selbst behalten, und somit nicht der hl. Jungfrau v. Fátima gehorcht.
Seine Fürsprache mag vielleicht deswegen auch helfen, weil er als Papst die Verehrung des Kostbarsten Blutes Christi gefördert hat, und weil er auch ein entsetzliches Todesleiden erlitten hat (vielleicht als Sühne).
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#8   Fragender   20:52:48 | Sonntag, 17. Juni 2007
De mortuis nil, nisi bene…
… aber auf einer so selbstherrlichen Haß-Homepage hat wohl auch dieses Prinzip des Anstands keinen Platz…
:'(
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#7   Artois †   16:47:45 | Sonntag, 17. Juni 2007
Zwar ist bei GOtt kein Ding unmöglich …
… doch daß Johannes XXIII tatsächlich ein „Seliger“ ist, das dürfte wohl unmöglich sein!
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#6   Rudolfus   15:20:43 | Sonntag, 17. Juni 2007
Ministrant / Seliger Papst Johannes XXIII.,
bitte für uns, dass die wilden Eber die in deinem Weinberg wüten, nicht viel Schaden anrichten können.
Heute müßte man eher beten, daß diese Horde bald wieder aus dem Weinberg vertrieben werde – denn dort wüten sie schon lange.
Die Amtskirche und die Hierarchie sollte man eher meiden, denn es gibt fast keinen rechten Glauben und keinen rechten Kult mehr.
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#5   Ministrant   15:05:19 | Sonntag, 17. Juni 2007
Seliger Papst Johannes XXIII
bitte für uns, dass die wilden Eber die in deinem Weinberg wüten nicht viel Schaden anrichten können.
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#3   Rudolfus   13:16:18 | Sonntag, 17. Juni 2007
Die hl. römische Messe des sel. Papstes Johannes XXIII.
Paul VI., der Nachfolger des sel. Johannes XXIII., ist streng von Paul VI. zu unterscheiden, auch wenn Paul ohne den sel. Johannes XXIII. wohl nicht Papst geworden wäre (denn Johannes XXIII. kreierte seinen späteren Nachfolger, Erzbischof Montini, zum Cardinal und hob ihn während des Pastoralkonzils als besondere Papstvertrauensperson hervor).
Insbesonders gilt dies in bezug auf die römische hl. Messe, die der sel. Johannes XXIII. bewahrt hat, aller gegenteiligen Geschichtsfälschungen zum Trotz (zum Beispiel im letzten TV-Spielfilm im europäischen Fernsehen über Johannes XXIII., wo Cardinal Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII. sinngemäß in den Mund gelegt wird, er hoffe, ein Papst würde die Zelebrationsrichtung verändern, nämlich zum Volk hin).
Die kleine tatsächlich durchgeführte Änderung der Meßzelebration durch den sel. Johannes XXIII. rief sogar den Unmut der damals bereits vorhandenen, am Novus Ordo planenden Modernisten hervor:
Denn der sel. Johannes XXIII. gestattete, die lateinischen Schriftlesungen der hl. Messe unmittelbar in der Volkssprache zu halten:
Damit war eine wichtige Forderung der Meßerneuerungsbewegung erfüllt, und die Novus-Ordo-Planer fürchteten, es werde jetzt wohl um so schwerer, einen völlig neuen Meßritus zu kreieren.
Sie fürchteten diesen Schritt als erfolgte Abwehr gegen weitere Meßreformen, nachdem die Lesungen nun bereits in Volkssprache da waren, aber alles innerhalb der alten Messe, die die Modernisten verabscheuten!
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#2   juergen   12:10:36 | Sonntag, 17. Juni 2007
Gehässigkeiten
Im übrigen finde ich, dass man in einem Nachruf keine Gehässigkeiten verbreiten sollte.
Wenn’s aber doch zum eigenen Denken passt. o.O
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#1   Freinsberg   12:08:23 | Sonntag, 17. Juni 2007
Scharfe Kritiken?
Die Site, auf die hier verlinkt wird, nennt nur einen Kritiker: Marchetto. Von Kriken sehe ich nichts.
Im übrigen finde ich, dass man in einem Nachruf keine Gehässigkeiten verbreiten sollte.
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