Vatikan
Der Vatikan lernt – wenigstens was die Form betrifft
Die von Gott geoffenbarten Zehn Gebote kennt niemand – auch die Gläubigen nicht mehr. Ob das der Grund ist, warum der Vatikan jetzt neue geschrieben hat?
Links vorne: Renato Raffaele Kardinal Martino
Links vorne: Renato Raffaele Kardinal Martino
(kreuz.net, Vatikan) Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Seelsorge an Migranten und Menschen unterwegs, Renato Raffaele Kardinal Martino (74), hat am Dienstag Leitlinien für die Seelsorge auf der Straße veröffentlicht.

Das 60seitige Dokument enthält vier Abschnitte. Darin geht es um die Seelsorge für Straßenbenützer, die Seelsorge für die Befreiung von Straßenmädchen, die Seelsorge für Straßenkinder und die Seelsorge für Obdachlose.

Zur Prostitution verfolgt der Vatikan „die Linie der schwedischen Gesetzgebung“.

In Schweden gilt seit 1999 das „Gesetz zum Verbot des käuflichen Erwerbs sexueller Dienstleistungen“. Freier riskieren eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu sechs Monaten.

Bei der Präsentation des Dokumentes in Rom erinnerte Kardinal Martino an die 1,2 Millionen Menschen, die jährlich infolge von Regelverletzungen und Fahrlässigkeit im Straßenverkehr umkommen.

Verkehr als Versuchung?
Der Vatikan warnt vor verantwortungslosem Fahren.Während der Autofahrt soll man Rosenkranzbeten - mahnt der Vatikan. Der Rhythmus lenkt den Fahrer nicht ab.Das Auto kann als Werbefläche für den Heiland dienen…

Der Kirchenfürst gab den Kraftfahrern wichtige Hinweise. Sie sollen sich vor jedem Reiseantritt bekreuzigen und auf der Fahrt einen Rosenkranz beten. Der Rhythmus und das sich wiederholende Muster würden die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht ablenken.

Ferner erklärte der Kardinal, daß gefährliches Überholen Sünde sein könne. Flüche, unhöfliche Gesten oder Flegeleien seien für Christen ebenso unangebracht wie die Benützung eines Autos als Ort der Sünde – etwa für die Prostitution.

Der Kirchenfürst hat offenbar auch bemerkt, daß Dokumente in kurialer Schaumsprache nicht gelesen werden.

Darum wurde in dem neuen vatikanischen Dokumenten immerhin auf das von der Kurie geliebte Wort „authentisch“ fast ganz verzichtet. Es kommt nur dreimal vor: in den Formulierungen „authentische Beziehungen“, „authentischer christlicher Liebe“ und „authentischer Frieden“.

Das ansonsten langatmige Dokument glänzt auch durch etwas Kurzes: die Zehn Gebote für Autofahrer.

Zehn Gebote für Autofahrer

1. Du sollst nicht töten.

2. Die Straße soll ein Ort der Zusammenkunft von Menschen sein, kein Platz zum Sterben.

3. Höflichkeit, Fairness und Klugheit werden Dir helfen, mit unvorhergesehenen Zwischenfällen fertigzuwerden.

4. Sei wohltätig und hilf Deinem Nächsten in Not – besonders den Opfern von Unfällen.

5. Autos sollen keine Symbole der Macht und der Herrschaft sein – und keine Gelegenheit zur Sünde.

6. Überzeuge die Jugendlichen und die nicht so Jungen nicht zu fahren, wenn sie fahruntüchtig sind.

7. Unterstütze die Familien von Unfallopfern.

8. Bringe schuldige Fahrer und ihre Opfer zur richtigen Zeit zusammen, so daß sie die befreiende Erfahrung der Vergebung machen können.

9. Schütze die schwächeren Verkehrsteilnehmer auf der Straße.

10. Fühle Dich für andere verantwortlich.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Lutheraner   21:21:29 | Mittwoch, 20. Juni 2007
Hat Gott den Hörer aufgelegt?
Wie wäre es mit einem 11ten Gebot? Wenn auf der Autobahn jemand mit 60 vor dir herumschleicht, reg’ dich nicht auf, das ist ein Kardinal, der entweder den Rosenkranz betet oder die Beichte abnimmt. Sollte auch möglich, oder?
Hoffentlich kommen jetzt keine Forderungen nach Voodoo-Heilungen oder Feuerlauf …
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#9   Benedikt   11:30:15 | Mittwoch, 20. Juni 2007
@ Tradiland
Im übrigen ist deutlich erkennbar, dass es sich um ein „pastorales post-V2-Dokument“ handelt, was zu ausuferndem Geschwafel und fehlender Beschränkung auf das Wesentliche führt.
Deutlich erkennbar ist lediglich, dass Ihnen nicht allzuviele vorkonziliaren Dokumente bekannt sind. Nehmen Sie mal alte kirchliche Amtsblätter aus der Zeit Pius’ XII. in die Hand, dann wissen Sie, was wirklich langatmig ist. Von der Sprache mal ganz zu schweigen.
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#8   Stimme aus dem Tradiland   10:10:31 | Mittwoch, 20. Juni 2007
Kreuzzeichen & Rosenkranz
Ich mache deswegen vor – fast – jeder Fahrt ein Kreuzzeichen, weil wir bei unserer Eingangstür ein kleines Weihwasserbecken haben, welches ich beim Hinausgehen zur Entnahme von Weihwasser und Schlagen des Kreuzzeichens nutze.
Rosenkranz: Sich bei der Fahrt zu konzentrieren, wenn man diesen allein beten muß, halte ich nach eigener Erfahrung für ausgeschlossen, weswegen ich diesen nur dann bei einer Fahrt bete, wenn ein Mitbeter (meistens die Gattin) vorhanden ist.
Im übrigen ist deutlich erkennbar, dass es sich um ein „pastorales post-V2-Dokument“ handelt, was zu ausuferndem Geschwafel und fehlender Beschränkung auf das Wesentliche führt.
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#7   Karl Murx   09:43:00 | Mittwoch, 20. Juni 2007
Ich mache durchaus ein Kreuzzeichen vor jeder Fahrt
Allerdings sind andere Dinge in diesem Dokument maßlos übertrieben und weltfremd: „Bringe Opfer und Täter zusammen, damit sie befreiende Erfahrung…blablabla…“
Soll es meine Aufgabe sein, Opfer und Täter aufzuspüren und den Gruppenpsychologen zu spielen?
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#6   Tridentinus   09:15:07 | Mittwoch, 20. Juni 2007
Man soll sich
vor jedem Reiseantritt bekreuzigen und den Rosenkranz beten? Was ist eine Reise? Ist jede Fahrt gemeint? In letzterem Fall gilt: Man kann auch alles übertreiben, Eminenz!
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#5   r.ruhrgebietler   07:06:05 | Mittwoch, 20. Juni 2007
@Fundamentalist – ja, tuen die!
Sie passen sogar auf V-II’ler auf und SIE!!
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#4   Fundamentalist †   23:16:21 | Dienstag, 19. Juni 2007
Ihr lieben Piusbrothers!
Passt auf beim Verkehr!!!!
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#3   matt2 †   22:50:57 | Dienstag, 19. Juni 2007
Keuschheit im Straßenverkehr…
bin ich sehr dafür! man soll die verschiedenen Verkehrensweisen nicht miteinander mischen. So, wie man etwa auch nicht mit Ochs und Esel pflügen soll (ich weiß der Vergleich hinkt ein wenig). Ausserdem finde ich es wieder mal bezeichnend, dass sich der Gotthard nur für die Straßenmädchen interessiert.
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#2   Gotthard   22:43:20 | Dienstag, 19. Juni 2007
Strassenmädchen
Warum ist die Redaktion nicht auf den Abschinitt über die Strassenmädchen eingegangen?
Waren die Hinweise schwerer einzuhalten wie die Gebote zum Straßenverkehr?
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#1   Czibo Nieznany   22:08:52 | Dienstag, 19. Juni 2007
Konzentration auf den Verkehr
Wer könnte denn gegen diese Gebote etwas einzuwenden haben. Die können von allen Menschen befolgt werden. Da braucht man sich keine Gedanken über den kryptischen Begriff Keuschheit zu machen. Alles konzentriert sich auf den Verkehr (!) und das ist doch gut so… O:)
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