Deutschland
Kardinal Lehmann im Narrenkäfig
Karl Kardinal Lehmann nimmt morgen als 55. närrischer Ritter und erster Kleriker im Kardinalsrang den Orden „Wider den tierischen Ernst“ entgegen. Als Hirte verkleidet wird der Kirchenfürst in Aachen in den Narrenkäfig steigen. Dabei, so der Kardinal, sei er gar nicht besonders humorvoll.
(kreuz.net, Aachen) Als 55. Preisträger des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ reiht sich Karl Kardinal Lehmann (68) morgen als erster Bischof und Kardinal in die prominente Schar der Aachener Narrenritter ein. Erscheinen wird er – standesgemäß – als Hirte. Mit einem „farblich munteren“ Umhang und einem Hirtenstab wird er am Samstagabend im „Eurogress Aachen“ die untierische Ehrung entgegennehmen und, wie für einen Narrenritter angemessen, in den Aachener Narrenkäfig steigen.

In jahrzehntelanger Tradition verleiht der Aachener Karnelvalsverein (AKV) seinen Narrenpreis an bekannte Größen aus Politik und Kultur. Letztes Jahr erhielt ihn der protestantische Bremer Bürgermeister, Henning Scherf. Der Orden „Wider den tierischen Ernst“ möchte „Individualität, Beliebtheit und Mutterwitz“, vor allem aber „Humor und Menschlichkeit im Amt“ auszeichnen. Die närrische Trophäe rühmt sich, die einzige Ehrung zu sein, die nicht für sondern gegen etwas verliehen wird.

In einem Gespräch mit der „Aachener Zeitung“ bekundete der Bischof von Mainz seinen Stolz darüber, mit der Narrenwürde ausgezeichnet zu werden. Das bedeute für ihn „erheblich mehr Aufmerksamkeit und öffentliches Interesse“. Außerdem fühle er sich durch die illustre Schar seiner Vorgänger geehrt.

Bescheidener sprach der Mainzer Kardinal über seinen Humor. Er sei nicht besonders humorvoll und kein Mensch, der von Hause aus einen Witz nach dem anderen erzähle: „Papst Johannes XXIII. hatte übrigens viel mehr Humor als ich“, meinte er und dachte dabei an das Motte des Seligen: „Johannes, nimm dich nicht so ernst.“ Lachen würde den Ernst unterbinden, die Verbissenheit bekämpfen und von Druck befreien, erklärte Kardinal Lehmann weiter.

Auf seinen närrischen Vorgänger Oberbürgermeister Henning Scherf angesprochen, drückte Kardinal Lehmann seine Weiterschätzung, sowohl für dessen persönliches als auch politisches Auftreten aus. Bei seinen früheren Begegnungen mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister von Bremen, der ein überzeugter Protestant ist, habe er „ziemlich schnell eine Wellenlänge mit ihm“ gefunden. „Ich freue mich auf seine Laudatio“, gestand der Kardinal im Hinblick auf die bevorstehenden Lobesworte, die jeweils vom Narrenritter des Vorjahres gesprochen werden.

Neben der Laudatio darf am Samstag auch die Rede des neuen Narren nicht fehlen. Sie sei – gemeinsam mit närrischen Beratern – fertiggestellt worden. Der Fußball werde erwähnt, konnten Journalisten dem Kardinal entlocken. Mehr wollte der angehende Narrenritter allerdings nicht verraten. Das sei ein „Betriebsgeheimnis“.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Kurti   17:20:31 | Samstag, 22. Januar 2005
Narrenkappe und Purpur
Gebt ihm des öfteren eine Narrenkappe, ist doch glaubwürdiger als sein Purpur.
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#1   bonifatius   17:24:44 | Freitag, 21. Januar 2005
Alaaf!
Nichts gegen Humor und befreiendes Lachen. Wäre aber alles halb so schlimm, wenn der untergehende Glaube für uns Menschen nicht so tierisch ernst wäre! Ansonsten ist diese story eher peinlich.
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