Die Gerechtigkeit verlangt es, eine staatliche Anerkennung des Homo-Konkubinats abzulehnen
Ein Hirtenbrief des Bischofs von Calgary hat in Kanada und darüber hinaus hohe Wellen geworfen, weil der Bischof die Dinge mutig beim Namen nennt: „Die Ablehnung eines sozialen und rechtlichen Status der „Ehe“ für homosexuelle Paare ist keine Diskriminierung. Sie widerspricht nicht der Gerechtigkeit. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit verlangt eine solche Ablehnung.“ Der Text.
Viele glauben, daß wir in diesem Augenblick machtlos sind. Man hat sich bei der beschlossenen staatlichen
Anerkennung des Homo-Konkubinates auf die „Charta der Rechte und Freiheiten“ berufen.
Der Oberste Gerichtshof
Kanadas hat gesprochen. Die Sache ist offenbar entschieden. Es wäre trotzdem falsch zu glauben, daß
wir machtlos sind.
Der Oberste Gerichtshof behauptet zwar, daß es dem Parlament erlaubt sei, die Ehe
neu zu definieren.
Aber das Gericht hat nicht gesagt, daß das Parlament die Ehe so neu definieren muß,
daß darin Homo-Paare eingeschlossen sind.
Die obersten Richter sprechen davon, die Verfassung „in einem
weiten Sinn“ zu lesen. Die Verfassung sei „wie ein lebendiger Baum, der die Wirklichkeiten des modernen
Lebens durch eine fortschreitende Interpretation und Anpassung einbezieht.“
Ich möchte in diesem Zusammenhang
unterstreichen, daß der Baum der kanadischen Verfassung mehr Wurzeln besitzt als nur die genannte „Charta
der Rechte und Freiheiten“.
Der Baum der Verfassung besitzt auch historische, kulturelle, philosophische,
moralische und anthropologische Wurzeln. Wenn wir uns nicht um die Gesundheit aller Wurzeln kümmern,
riskieren wir, den Baum zu töten und das Allgemeinwohl zu zerstören.
Im Gegensatz zu dem, was meistens
behauptet wird, sind die Hauptziele einer staatlichen Anerkennung des Homo-Konkubinates nicht das Erreichen
finanzieller Vorteile oder einer Gesundheits-, Erbschafts- oder Pensionsvorsorge, wie sie mit der Ehe
verbunden sind.
Die Suche nach Dauerhaftigkeit und Verpflichtung ist nicht das erste Interesse einer
Homo-Beziehung. Die Absicht hinter der Erzwingung des Homo-Konkubinats ist auch nicht die Gleichberechtigung.
Das Ziel ist vielmehr, eine wirkungsvolle psychologische Waffe in die Hand zu bekommen, um die gesellschaftliche
Ablehnung homosexueller Praktiken und Lebensweisen durch eine graduelle, wenn auch zögerliche, Akzeptanz
zu ersetzen.
Es ist nicht ohne Bedeutung zu sehen, daß 18 Monate nach der von Gerichten durchgesetzten
staatlichen Anerkennung des Homo-Konkubinats in Kanada über 95% der erwachsenen kanadischen Homosexuellen
von ihrem langersehnten neuen Recht keinen Gebrauch gemacht haben.
Man beachte weiter, daß der Oberste
Gerichtshof Kanadas es abgelehnt hat, die Frage zu beantworten, ob die „Charta“ verlangt, daß die Ehe
neu definiert werden soll.
Als Katholiken betrachten wir die Ehe als ein Sakrament und heiligen Bund,
durch den Mann und Frau ihre gegenseitige Liebe ausdrücken und sich mit Gott zusammen in der Erschaffung
eines neuen Menschen, der für das Ewige Leben bestimmt ist, verbinden.
Auch abgesehen von der sakramentalen
Wirklichkeit und dem Zeugnis der Heiligen Schrift stimmt eine Mehrheit der Kanadier mit uns überein,
welche die Ehe als eine Einheit von Mann und Frau verstehen, die einander in Liebe treu sind und zugleich
offen für das Geschenk des Lebens.
Ehe und Familie sind die Grundlagen der Gesellschaft, durch die Kinder
in diese Welt kommen und aufgezogen werden.
Insofern ist die Familie eine soziale Einrichtung, die grundlegender
ist als der Staat. Eine gesunde Familie ist für das Wohlergehen unserer Gesellschaft lebensnotwendig.
Weil Homosexualität, Ehebruch, Prostitution und Pornographie die Familie und somit das Fundament der
Gesellschaft untergraben, muß der Staat eingreifen, um diese Dinge im Interesse des Allgemeinwohls zu
verbieten oder einzuschränken.
Es wird manchmal behauptet, daß das, was wir im privaten Bereich unserer
Wohnung tun, niemanden etwas angeht.
Die Privatsphäre des Hauses ist zweifellos heilig, aber sie ist
nicht absolut. Eine üble Handlung bleibt eine üble Handlung, ob sie nun zuhause oder in der Öffentlichkeit
ausgeführt wird.
Der Entscheid zu heiraten und die Wahl des Ehepartners ist ein persönlicher Entscheid.
Aber die zukünftigen Eheleute haben nicht das Recht, den Sinn oder die Wesensmerkmale der Ehe zu verändern.
Diese hängen nicht vom Belieben oder von der sexuellen Orientierung der Eheleute ab.
Sie gründen im
Naturrecht und können sich nicht ändern.
Das Zusammenleben, zu dem sich zwei Personen des gleichen
Geschlechtes verpflichten, ist nicht die gleiche menschliche Wirklichkeit wie das Eheband zwischen Mann
und Frau.
Das Konkubinat zwischen zwei Homosexuellen ist keine körperliche Verbindung, die Kinder zeugen
und menschliches Leben weitergeben kann.
Ein solches Konkubinat ist nicht die Vereinigung zweier komplementärer
Naturen, die einander vervollständigen.
Kurz: ein Konkubinat zwischen Homosexuellen ist keine Ehe. Die
Meinung, daß Homosexuelle aufgrund eines persönlichen Entscheides eine Homosexuellen-„Ehe“ erfinden
können, ist falsch.
Alle Verpackung dieser Welt, kann den Inhalt nicht ändern.
Einige mögen behaupten,
daß der Widerstand gegen das Homo-Konkubinat ein Vorurteil ist. Auch diese Behauptung ist falsch.
Es
gibt Menschenrechte, die sagen: Mann und Frau sollen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen.
Oder: Ein Arbeitgeber darf jemanden wegen seiner Hautfarbe nicht diskriminieren.
Oder: Vermieter dürfen
niemanden aufgrund einer sexuellen Orientierung zurückweisen.
Diese Bestimmungen verteidigen das Recht
des Einzelnen und stärken zugleich die kanadische Gesellschaft. Sie bestärken uns darin, das Menschsein
des anderen anzuerkennen.
Mann und Frau, die einander heiraten, können zwar in ihren Eigenschaften ganz
verschieden sein: Farbe, Volkszugehörigkeit, Wohlstand, sozialer Status, körperliche Eigenschaften und
Erziehung.
Keine dieser Unterschiede sind unüberwindliche Hindernisse für die Ehe. Zwei Personen des
gleichen Geschlechtes sind aber, unbeschadet ihrer Rasse, sozialen Stellung, Erziehung oder ihres Ansehens
wegen eines unüberwindlichen biologischen Unvermögens niemals in der Lage zu heiraten.
Die Ablehnung
eines sozialen und rechtlichen Status der „Ehe“ für Homo- Paare ist keine Diskriminierung. Sie widerspricht
nicht der Gerechtigkeit. Im Gegenteil: Die Gerechtigkeit verlangt eine solche Ablehnung.
Aller Bürger,
die über das Ansinnen, die Institution der Ehe neu zu erfinden besorgt sind, haben das Recht und die
Verantwortung an dieser Debatte teilzunehmen und ihre Ansicht mit Wahrheit und Liebe vor den Mitbürgern
und den politischen Repräsentanten kundzutun.
Bitte nehmen sie sich die Zeit, an die Mitglieder der
Regierung oder an den Abgeordneten ihres Wohngebiets zu schreiben.
Machen Sie ihre Widerstände zur Gesetzesvorlage
bekannt, die den Anspruch stellt, die Institution der Ehe neu zu erfinden.
Januar 2005
+ Frederick Bernard
Henry, Bischof von Calgary (Kanada)
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