21:00:01 | Sonntag, 24. Juni 2007
Haben die Kirchen in Deutschland einen Anspruch auf Förderung und Wohlwollen des Staates? Antwort: Nur solange sie stark und mächtig sind.

Kölner Dom – wie lange ist die katholische Kirche noch mächtig?
© Bruno D Rodrigues, Creative Commons(kreuz.net) Letzte Woche erklärte der Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, daß sich aus der deutschen
Geschichte und Verfassungstradition ein Vorrang für die christlichen Kirchen ergebe.
Der Kardinal erklärte
das vor Vertretern der obersten Bundesgerichte Deutschlands in Karlsruhe.
Neutralität des Staates dürfe
nicht als „unreflektierte Toleranz“ verstanden werden, sondern müsse angesichts der tiefen Wurzeln des
Christentums auch in der europäischen Rechtskultur im Falle der Kirchen „fördernd und wohlwollend“ sein.
Das Modell der „Körperschaft des öffentlichen Rechts“, als welche die Kirchen in Deutschland anerkannt
sind, sei zuerst für diese geschaffen worden.
Doch jetzt widersprach der Münsteraner Professor für
öffentliches Recht Christian Walter dem Kardinal. Das berichtete der ‘Tagesspiegel’ am 22. Juni.
Walter
ist Experte für Religionsverfassungsrecht. Er erklärte, daß Kardinal Lehmann mit seiner Aussage „einseitig
eine Seite des sogenannten Weimarer Kirchenkompromisses“ betone, den das Deutsche Grundgesetz übernommen
hat.

Der Staat mit seinen christlichen Wurzeln müsse die Kirchen fördern.
© Bruno D Rodrigues, Creative
CommonsDie Deutsche Linke habe 1919 auf eine Trennung von Staat und Kirche nach französischem Modell verzichtet
und dem Erhalt des Körperschaftsstatus zugestimmt:
„Im Gegenzug wurde aber der Zugang zum Körperschaftsstatus
grundsätzlich allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften geöffnet.“
Walter stimmt mit dem Kardinal
überein, daß der Körperschaftsstatus nicht beliebig vergeben werden könne.
Man dürfe „die Bedingungen
aber auch nicht so eng führen, daß „überspitzt gesagt“ nur die Katholische Kirche Körperschaft des
öffentlichen Rechts sein könne.
„Ich finde, daß man den Weimarer Grundgedanken erhalten soll: Man
bewahrt das historisch und kulturell Gewachsene und öffnet sich gleichzeitig dem Neuen“ – so der Professor.
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#4
Nachtlaterne 11:28:42 | Montag, 25. Juni 2007
#3
Czibo Nieznany 10:47:50 | Montag, 25. Juni 2007
#2
Genoveva 09:44:47 | Montag, 25. Juni 2007
#1
Beobachterin 08:40:21 | Montag, 25. Juni 2007