09:49:05 | Dienstag, 26. Juni 2007
„Das, was seit den 1960er Jahren in vielen katholischen Kirchen passiert, hat nur wenig mit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu tun.“

Nonnen aus Kalifornien bei Exerzitien im buddhistischen Hsi lai Tempel. Vor der Buddhastatue steht ein Tisch für die Messe.
(kreuz.net) „Kehrt die lateinische Sprache in die Kirchen zurück?“ – fragte sich Christoph Hämmelmann
Mitte Juni in der Tageszeitung ‘Die Rheinpfalz’.
Das Blatt erscheint in Ludwigshafen am Rhein und ist
auf dem Gebiet des Bistums Speyer die am meisten verbreitete Tageszeitung mit einer Auflage von 250.000
Exemplaren. Hämmelmann ist Mitglied der Redaktion.
Er weist in seinem Artikel darauf hin, daß jene,
die sich für „moderne Katholiken“ halte, in der Diskussion um die Freigabe der Alten Messe von einem
„Rückfall in »vorkonziliare« Zeiten“ warnen:
„Dabei hat das, was seit den 1960er Jahren in vielen
katholischen Kirchen passiert, nur wenig mit den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu tun.“
Von einer Abschaffung des Lateins sei dort zum Beispiel keine Rede gewesen.
Ein Liturgie-Dokument hätten
die Konzilsväter tatsächlich verabschiedet:
„Von liturgischen Tänzen ist da allerdings nirgendwo die
Rede, genauso wenig wie vom Händchenhalten beim Vaterunser oder von sackförmigen Priestergewändern
in Batik-Design.“
Modenschau liturgischer Gewänder

© Pfarre Eisenstadt Oberberg

© Pfarre Eisenstadt
Oberberg

© Pfarre Eisenstadt Oberberg

© Pfarre Eisenstadt Oberberg

© Pfarre Eisenstadt Oberberg
Erst recht
habe das Konzil die Priester oder Liturgie-Ausschüsse nicht ermuntert, offizielle Texte und Riten der
Messe nach eigenem Gutdünken zu verändern.
Nicht einmal das Latein sei vom Konzil als Liturgiesprache
„abgeschafft“ worden:
„Die Bischöfe haben lediglich beschlossen, daß die Muttersprachen etwas mehr
Raum bekommen sollten: bei Lesungen aus der Bibel zum Beispiel.“

Drahtgestell in der steirischen Wallfahrtskirche Pöllauberg
„Grundsätzlich aber forderten die Oberhirten:
»Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll erhalten bleiben. «“
Auch von „Volksaltären“ sei in der
Liturgiekonstitution des Konzils nirgendwo die Rede:
„Trotzdem ist kaum eine alte Kirche – und sei sie
noch so klein – von einem zusätzlichen, frei im Raum stehenden Altar verschont geblieben – auch wenn
der neue Tisch in historisch gewachsene Räume hineingerammt werden mußte.“
Oberstes Ziel sei gewesen,
daß der Priester beim Beten seine Gläubigen anschaut, statt „mit dem Rücken zum Volk“ stehe. Man habe
geglaubt, daß dieses neue Gegenüber von Priester und Gemeinde der frühesten Tradition der Kirche entspreche:
„Eine Theorie, die jüngeren Historikern mittlerweile meist nur noch ein mildes Lächeln entlockt.“
Historische
Ursprünglichkeit der Zelebration zum Volk hin?
„Eine Theorie, die jüngeren Historikern mittlerweile meist
nur noch ein mildes Lächeln entlockt.“
Der gegenwärtige Papst habe diese Mißstände schon als Kardinal
angemerkt – und eine „Reform der Reform“ gefordert, „die sich bitteschön wieder stärker an der Tradition
orientieren möge“.
Das nach dem Zweiten Vatikanum komplett überarbeitete Meßbuch sei zwar viel stärker
in der kirchlichen Tradition verwurzelt als jene Formen, die sich Priester und Gemeinden selber zusammenbasteln:
„Dennoch: Aus Sicht des heutigen Papstes geschah damals eine Kulturrevolution, bei der die Kirche einem
Bruch mit ihrer Tradition gefährlich nahe kam.“

Händchenhalten beim Vaterunser
Hämmelmann erinnert daran, daß schon Papst Johannes
Paul II. in den 80er Jahren den Altgläubigen die Ausnahmegenehmigung gab, die überlieferte Messe zu
besuchen:
„Die deutschen Oberhirten allerdings bleiben zurückhaltend: Als besonders geeignete Orte gelten
ihnen oft solche Kirchen, die sich durch schlechte Erreichbarkeit auszeichnen.“
Das lange Zögern des
Papstes bei der Veröffentlichung des Motu Proprios interpretiert Hämmelmann als Zeichen einer „Distanz“.
Das Ziel des Papstes sei es nicht, mit Latein, Spitzendeckchen und viel Weihrauch der Gegenwart entrückte
Oasen für besonders Fromme zu schaffen.
Er wolle den ganzen kirchlichen Ritus wieder stärker mit der
2000jährigen Tradition verbinden, ohne ihn auf einem bestimmten Stand einzufrieren.
„»Progressiven«,
die dreißig Jahre alte Zukunftsvisionen pflegen, wird das nicht so recht gefallen. Genauso wenig wie
jenen Traditionalisten, die einer Zukunft entgegenfiebern, in der alles wieder so wird wie früher.“
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#32
liehoe 01:00:06 | Sonntag, 4. November 2007
#20
Sirilo 17:46:17 | Dienstag, 26. Juni 2007
#19
Amanda 17:45:19 | Dienstag, 26. Juni 2007