Benedikt XVI.
Brief an die Katholiken?
Die chinesischen Katholiken zählen in ihren Reihen unzählige Märtyrer. Werden ihre Leiden jetzt – indirekt – verhöhnt? Der Vatikan will Einheit mit dem Feind.
(kreuz.net, Vatikan) Der Vatikan hat heute den lange erwarteten Brief Papst Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken veröffentlicht.

Der Brief wurde vom Papst bereits am Pfingstsonntag unterzeichnet.

Er ist an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der Kirche in der Volksrepublik adressiert.

Der Brief wendet sich an die angeblich „gespaltene katholische Gemeinde in China“.

Diese Formulierung dürfte bedeuten, daß der Papst seine Zeilen an die Untergrundkirche und an die vom kommunistischen Regime eingesetzte Gegenkirche ‘Patriotische Vereinigung’ richtet.

Benedikt XVI. „möchte mit diesem Brief einige Orientierungspunkte in bezug auf das Leben der Kirche und das Werk der Evangelisierung in China geben“.

Zwei Teile

Das Schreiben besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil schreibt der Heilige Vater über die aktuelle Situation sowie über theologische Aspekte. Im zweiten Teil geht er auf das pastorale Leben in China ein.

Der hl. Missionar Freinademetz liebte China: "Ich will auch im Himmel ein Chinese sein".
Der hl. Missionar Freinademetz liebte China: „Ich will auch im Himmel ein Chinese sein“.
Der Heilige Vater wünscht, daß der Dialog zwischen der Kirche und dem chinesisch kommunistischen Regime voranschreite. Er richtet an alle einen innigen Aufruf zur Einheit und zur Versöhnung.

So soll eine Übereinkunft über die Ernennung der Bischöfe gefunden werden.

Der Heilige Vater gibt auch Weisungen zur Anerkennung von Geistlichen der Untergrundgemeinschaft durch die Regierung.

Dem Papst ist bewußt, daß die Verbesserungen der Beziehungen „nicht von heute auf morgen“ möglich sind.

Dieser Weg werde vom Beispiel und vom Gebet vieler Glaubenszeugen getragen, die gelitten und vergeben hätten, während sie ihr Leben für die Zukunft der Kirche in China hingaben.

In China werde die Verkündigung Christi in dem Maß möglich sein, „in dem ihr in Treue zum Evangelium und in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und mit der universalen Kirche die Zeichen der Liebe und der Einheit zu verwirklichen wißt“ – schreibt der Papst.

Ferner unterstreicht er, daß die Kirche in China die staatlichen Strukturen nicht ändern wolle. Sie beschränke sich darauf, Christus, den Retter der Welt zu verkünden.

Deshalb sei die Verbindung der chinesischen „Landeskirche“ – so die Übersetzung des vatikanischen Pressesaales – mit der Universalkirche wichtig.

Aufhebung von Sondererlaubnissen

In seinem Brief hebt der Papst alle Befugnisse der nach wie vor verfolgten Untergrundkirche – ältere und neuere – auf. Damit ist die Kirche in China vollständig dem Kirchenrecht verpflichtet.

Diese Maßnahme trifft die Kirche im Untergrund. Vielleicht geht es hier um mögliche Sondervollmachten bei der Konsekration von Bischöfen.

Der Heilige Vater begründet diesen Schritt mit den veränderten Umständen der allgemeinen Lage der Kirche in China und den größeren Kommunikationsmöglichkeiten.

Falls nötig, müßten sich die Katholiken an den Heiligen Stuhl wenden.

Warnung in den Wind geschlagen

Papst Pius XII. warnte in seiner Enzyklika über die kommunistische Gegenkirche „Ad Sinarum Gentem“ im Oktober 1954 ausdrücklich vor der chinesischen Staatskirche.

Das chinesische Regime versuche, unter den Katholiken Chinas eine nationale Kirche aufzubauen, die nicht länger katholisch ist, erklärte Pius XII. vor mehr als fünfzig Jahren.

Die ‘Patriotische Vereinigung’ sei die Verneinung der Universalität oder besser der Katholizität, durch welche die von Jesus Christus gestiftete Gemeinschaft über allen Nationen steht und sie alle umfaßt.
      
12 Lesermeinungen
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#12   Benedikt   11:12:36 | Dienstag, 3. Juli 2007
@ Tradiland
Nein, erst dann, wenn die Katholikenverfolgung aufhört
Naja, meinen Sie nicht, dass die Kirche auch einiges dafür tun kann, dass diese Verfolgung aufhört? Wenn die Kirche sich nicht einmischt, warum sollten die Chinesen dann von ihrem Tun ablassen?
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#11   Stimme aus dem Tradiland   17:51:30 | Montag, 2. Juli 2007
@ Benedikt
Nein, erst dann, wenn die Katholikenverfolgung aufhört. Im antiken römischen Kaiserreich war ja der Übergang abrupt von Verfolgung zu Förderung (ein paar Jahrzehnte später sogar Staatsreligion).
Vor allem sehe ich überhaupt nicht ein, dass Rom mit der „patriotischen Kirche“ und ihren Kreaturen fraternisiert, die für ihr Tun keinerlei Rechtfertigung haben (unter der Voraussetzung, dass gültige Bischofs- und Priesterweihen vorliegen), während es bereits am nächsten Tag nach den Bischofsweihen von Ecône EB Lefebvre und die von ihm geweihten sowie Ex Castro-Mayer exkommunizierte, die sehr wohl – und zwar ausführlich – Notstandsargumente (unabhängig von deren Richtigkeit muß man ihnen Gutgläubigkeit attestieren, wenn man sie nicht als böswillig anshen will) vorbrachten.
Insbesondere die Verletzung der Tradition, die eine eigenständige Offenbarungsquelle darstellt (auf welche insb. die Liturgie zurückgeht).
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#10   Benedikt   14:00:13 | Montag, 2. Juli 2007
@ Tradiland
Mit anderen Worten: Die Kirche darf sich erst mit China befassen, wenn die chin. Staatsführung katholisch wird? Oder wie?
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#9   Stimme aus dem Tradiland   13:55:24 | Montag, 2. Juli 2007
Seit Konstantin dem Großen waren mit einer Ausnahme
(Julian Apostata) alle Kaiser Christen. Damit ist die Verständigung mit diesen keine „Verständigung mit dem Feind“ (@ Benedikt).
Davor gab es keinerlei Verständigung.
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#8   Benedikt   13:07:12 | Montag, 2. Juli 2007
Und was war mit dem Römischen Kaiser?
Die chinesischen Katholiken zählen in ihren Reihen unzählige Märtyrer. Werden ihre Leiden jetzt – indirekt – verhöhnt? Der Vatikan will Einheit mit dem Feind.
Wie beurteilt kreuz.net eigentlich die Einheit der Kirche mit dem Imperium Romanum?
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#7   Rudolfus   15:29:03 | Samstag, 30. Juni 2007
@Czibo N. / Piusbrüder als die Bannträger der alten Kirche
Die alte Kirche, wie wir sie bis zum Pontifikat des sel. Johannes XXIII. und bis zum Vatikanpastoralkonzil vorfinden, ist eine vorbildhafte katholische Kirche und sie lebt weitgehend in der Priesterlichen Bruderschaft des hl. Pius X. fort.
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#6   Czibo Nieznany   15:24:12 | Samstag, 30. Juni 2007
Rudolfus: Kultisten
Ihr Vorschlag in Ehren: er hat was. Aber da würden die Böcke ja zum Gärtner gemacht. Die Piusbrüder sind nicht repräsentativ für die Kirche. Es sind Kultisten, ähnlich wie es früher in Württemberg die Stundisten gab.
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#5   Rudolfus   14:43:43 | Samstag, 30. Juni 2007
Option der Bekehrung der Untergrundkatholiken durch die Priesterliche Bruderschaft des hl. Pius X.
Das Hauptproblem der Volksrepublik China heute ist ja weniger die Religion selbst, die inzwischen toleriert wird, sondern die ausländische Oberhoheit in Europa durch den Römischen Papst, der ein eigenes Staatsoberhaupt ist.
Vielleicht könnte man den romtreuen Untergrundbischöfen, -klerikern und -laien einen Dienst erweisen, in dem man diese auf die Lehren und auf die Position der Priesterlichen Bruderschaft des hl. Pius X. (FSSPX) aufmerksam machte.
Peking würde vielleicht die Priesterliche Bruderschaft akzeptieren, da diese dem Papst seit Paul VI. Widerstand leistet.
Für die despotischen Anordnungen des Papstes Paul VI. braucht sich doch kein chinesischer papsttreuer Katholik für ein KP-Arbeits- und -Folterlager einfangen lassen oder gar zum Blutzeugen zu werden.
Die Priesterliche Bruderschaft des hl. Pius X. müßte für Peking doch akzeptabel sein, da diese juristisch nicht in Einheit mit dem Papst im Vatikan ist – sondern lediglich mit den Päpsten bis zum sel. Johannes XXIII.: und der regiert ja auf Erden nicht mehr.
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#4   ottaviani   14:25:16 | Samstag, 30. Juni 2007
die frage
ist doch wurde den chinesischen untergrundbischöfen die möglichkeit geniommen für die eigene nachfolge zu sorgen oder nicht
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#3   Rudolfus   14:04:33 | Samstag, 30. Juni 2007
Anerkennung auch der kirchenfeindlichen Staatsautorität
Das ist die klare Lehre der göttlichen Kirche Christi von Anbeginn.
Diese grundsätzliche Anerkennung und Unterordnung jeglicher legitimer oder vorhandener und somit ebenfalls legitimer, weil realer Staatsautorität galt bereits in der Zeit des heidnischen Römischen Reiches, obwohl die heidnischen Kaiser und deren Autoritäten die Kirche und die Christen blutig verfolgten.
Diese grundsätzliche Anerkennung des Herrschers – analog des heidnischen Kaisers – gilt grundsätzlich auch für den kommunistischen oder sozialistischen Herrscher.
Wie man auch einem kirchenfeindlichen Herrscher gegenüber als Katholik zu verfahren hat, das lernt man alles aus der Zeit des heidnischen römischen Kaisertums.
Denn die Staatsgewalt eines Herrschers begründet sich immer in tatsächlicher, militärischer und exekutiver Gewalt: Und dieser Gewalt kann man als katholischer Untertane nur weichen, nämlich wenn man in diesem Land auch Untertane ist.
Wenn man den Herrscher nicht akzeptieren kann, so muß man ohnehin ins Exil gehen, damals wie heute.
Allen chinesischen Katholiken – und Katholiken in ähnlichen Situationen – ist deshalb eigentlich zu raten, ins Exil zu gehen, da keiner im 20. Jahrhundert dazu verdammt sein sollte, Untertan eines kommunistischen Regimes zu sein.
Eine andere Sache ist aber die grundsätzliche Beziehung des Papstes in Rom mit diesem Regime – die immer gut sein sollte: Und leider müssen immer einige aus irgendwelchem Gründen in ihrem Land bleiben.
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#2   Robert Ketelhohn   13:59:26 | Samstag, 30. Juni 2007
Schändlich
Dieser Artikel ist nichts als ein schändlicher Aufruf zu Spaltung und Haß. Schismata wegen persönlicher Interessen kirchlicher Personen oder wegen der Einflußnahme weltlicher Staaten oder Parteiungen gehören leider von Anbeginn zur Geschichte der Kirche. Die Kirche der Stadt selbst kann manches Lied davon singen.
Ebenso war es aber stets das Bemühen der Gläubigen und zuvörderst der treuen Hirten, solche Spaltungen zu überwinden und die vorübergehend gestörte Einheit wiederherzustellen.
Wer in einem Augenblick, da Versöhnung möglich erscheint und die Heilung eines solchen Schismas sich anbahnt, die „andere Seite“ wüst beschimpft und Haß gegen sie sät, der möge bei Dante nachlesen, welches Schicksal den Spaltern bereitet ist.
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#1   ottaviani   13:52:07 | Samstag, 30. Juni 2007
wenn das so stimmt
währe es ein schlag ins angesicht der tapferen chinesischen katholiken
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