Romano Amerio
Ein verkanntes Genie
Während des Konzilstaumels landete ein brillianter Philosoph und Konzilsperitus aufgrund seiner messerscharfen Analysen im kirchlichen Abseits. Nun ist die Tür zur Abstellkammer ein stückweit aufgegangen.
Links: Romano Amerio, ein scharfer Kritiker des Zweiten Vatikanums
Links: Romano Amerio, ein scharfer Kritiker des Zweiten Vatikanums
(kreuz.net) Bereits am 17. März veröffentlichte die vatikanische Zeitschrift, ‘Civiltà Cattolica’ einen Artikel über den italienischen Philologen und Philosophen Romano Amerio (1905-1997).

Die ‘Civiltà Cattolica’ wird von den Jesuiten publiziert und gilt als inoffizielles Publikationsorgan des vatikanischen Staatssekretariates.

Der Artikel enthält die Rezension eines im Jahre 2005 erschienen Werkes des Amerio-Schülers Enrico Maria Radaelli. Es trägt den Titel: „Romano Amerio: Über Wahrheit und Liebe“ und enthält ein Vorwort des Dekans der philosophischen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität.

Der Verfasser der Rezension ist der Psychologe Giuseppe Esposito.

Ein scharfer Denker in einer umnachteten Zeit

Amerio lehrte an der Universität von Lugano im italienischsprachigen Südschweizer Kanton Tessin.

Er war Berater der Vorbereitungskommissionen des Zweiten Vatikanums und wirkte als Konzilsperitus des damaligen Bischofs von Lugano.

Sein Hauptwerk ist das 1985 veröffentlichte Buch „Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert“.

Die Arbeiten am Manuskript begann Amerio bereits im Jahr 1935. In 42 Kapiteln kritisiert er darin die kirchlichen Veränderungen, die sich im vergangenen Jahrhundert zugetragen haben.

Er befaßt sich mit dem Zweiten Vatikanum, dem Priestertum, den Orden, dem Feminismus, dem Ökumenismus, dem Glauben, der Moral, der katholischen Kultur oder der Liturgie.

Dabei zitiert er Ideen, Ereignisse sowie Aussagen von Päpsten, Kardinälen, Bischöfen und Bischofskonferenzen und stellt sie katholischen Prinzipien gegenüber.

Auf diese Weise zeigt Amerio den Unterschied zwischen Entwicklung und Veränderung.

Amerio stellt fest, daß Bekehrung und Apologetik im nachkonziliaren Dialog von einem „positiven Austausch“ verdrängt wurden: Der Dialog könne bekehren, aber auch pervertieren und von der Wahrheit in den Irrtum führen.

Messerscharf fragt Amerio: „Oder will man annehmen, daß die Wahrheit immer wirksam ist und der Irrtum niemals?“
Romano Amerio
„Oder will man annehmen, daß die Wahrheit immer wirksam ist und der Irrtum niemals?“


Der Dialog werde zu einem unmöglichen Unterfangen, wenn es kein gemeinsames Prinzip gebe, worauf man die Argumente stütze.

„Iota Unum“ erschien auch auf Französisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch und Holländisch.

Ein zweiter Band „Stat Veritas: Fortsetzung von Iota Unum“ erschien im Jahr 1997 postum.

Außerhalb der winzigen katholischen Zirkel, die nach der kirchlichen Revolution der 60er Jahre übrigblieben, wurde Amerio nach dem Konzil totgeschwiegen.

Eine neue Zeit

Die Rezension in der ‘Civiltà Cattolica’ ist vielleicht der Startschuß zu einer weitreichenden Rezeption der Gedanken von Romano Amerio.

Das Urteil des Rezensenten ist durchwegs positiv, auch wenn er nicht Amerios Buch, sondern ein Werk darüber bespricht.

Esposito würdigt die Bedeutung von Amerios philosophisch-theologischer Arbeit für die gegenwärtige Kirche.

Er schreibt von der „Ächtung“, die sich Amerio 1985 nach dem Erscheinen von „Iota Unum“ zuzog. Das Buch über sein Werk wolle dem Philosophen den Platz zurückgeben, der im zustehe.

Amerio sei als Traditionalist, vorkonziliar und Lefebvrist abgestempelt worden. Dabei sei er sogar ein Kritiker der von Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991) im Jahr 1988 vollzogenen, unerlaubten Bischofsweihen gewesen.

Esposito stimmt dem geächteten Philosophen aber nicht in allem zu.

Seine Gedanken bräuchten eine intensivere „Diskussion“. Es sei „natürlich“ nicht möglich, Amerios negatives Urteil über das ganze Zweite Vatikanische Konzil und dessen „positiven Früchten“ zu teilen.

Doch zugleich sei es zu einfach, das Werk Amerios – und seines Schülers Radaelli – als nostalgischen, heute bedeutungslosen Traditionalismus hinzustellen.

„Wenn sich jemand von fundamentalistischen Vorurteilen befreit, wird der Kern von Amerios Überlegung zum Denkanstoß.“
      
9 Lesermeinungen
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#9   Pünktchen   16:05:27 | Montag, 2. Juli 2007
Daß Sie diese Meinung
vertreten, verlange ich nicht.
Aber welche Meinung diejenigen vertreten, die die Konzilsteilnehmer und die sich bis heute auf das Konzil berufenden modernistischen Theologen „wie von einem Taumel ergriffen“ sehen, das ist zumindest selbst Ihnen klar! Was mit „Konzilstaumel“ gemeint ist, ist also unstrittig!
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#8   RJH   15:58:19 | Montag, 2. Juli 2007
@Pünktchen
Insofern unverständlich, als daß ich die Meinung nicht vertrete, daß im Zusammenhang mit dem II. Vatikanischen Konzil ein „Taumel“ entstanden wäre.
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#7   Pünktchen   15:43:41 | Montag, 2. Juli 2007
RJH, maliems
Und mit „Taumel“ wird eine Form von Besinnungslosigkeit und Bewußtseinstrübung bezeichnet, durch die jemand aus dem Gleichgewicht geraten kann (infolgedessen „taumelt“ er). „Konzilstaumel“ wäre also eine durch das Konzil (mit-)verursachte oder auf dem Konzil anzutreffende Trübung der Bewußtseins und des gesunden Gleichgewichtssinnes, die Teile der Kirche/Konzilsteilnehmer ganz oder vorübergehend erfaßt hätte.
Was soll an dem Begriff „Konzilstaumel“ unverständlich sein?
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#6   maliems   15:34:22 | Montag, 2. Juli 2007
@ RJH
Das Wort Konzilstaumel besteht aus den Teilen „Konzils“ und Taumel“. Offensichtlich gibt „Konzils“ den zeitlichen Bereich an, in dem ein „Taumel“ stattfand.
maliems
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#5   Pünktchen   15:21:51 | Montag, 2. Juli 2007
lando
Das ist Voraussetzung um das Buch überhaupt zu verstehen
Soll ich daraus entnehmen, daß Sie das Buch kennen?
Ich muß Sie enttäuschen, lando! Die kurze Würdigung Amerios stammt wörtlich von mir und ich hatte das Buch nach Erwerb – mit Hinweis auf die zahlreichen zitierten Quellen, bes. auf Paul VI. – schon vor Monaten Dr. Otterbeck empfohlen!
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#4   landorganist   15:09:01 | Montag, 2. Juli 2007
@.chen
Mit Ihrer Sprechblasen-Rezension (wo haben Sie die Allgemeinplätze abgeschrieben?) wollen Sie uns doch nicht weismachen, Sie hätten Ihre fundamentalistischen Vorurteile, mit denen Sie hier täglich glänzen, aufgegeben. Das ist Voraussetzung um das Buch überhaupt zu verstehen. Sie sollten Amerio nicht für Ihre speziellen Zwecke instrumentalisieren.
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#3   Pünktchen   14:22:16 | Montag, 2. Juli 2007
Ich besitze das Buch „Iota unum“ und kann nur sagen, daß der Autor die Themen
1) systematisch behandelt, 2) die Quellen zu Wort kommen läßt (eine wahre Fundgrube!), 3) völlig unpolemisch-nüchtern die „Veränderungen“ in Ursache und Wirkung beschreibt und 4) auch den konzilsgeschichtlichen und geistesgeschichtlichen Kontext ausleuchtet. „Modernisten“ tuen gut daran, das umfangreiche Werk zu ignorieren und totzuschweigen, denn es widerlegen zu wollen wäre schwierig und (am Ende womöglich:) erfolglos!
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#2   Rudolfus   13:54:53 | Montag, 2. Juli 2007
Ein Rufer in der Wüste wie zu vielen Zeiten
Rufer in der Wüste gab es ja auch zu Zeiten der barbarischen Hexenverfolgungen in den christlichen Völkern, zuerst in Gegnerschaft zur Autorität der Kirche, erst später bemächtigte sich der Hexenwahn auch der kirchlichen Autoritäten bishin zum Papsttum selbst.
Ebenso gabe es diese, bevor die NSDAP die Macht in Deutschland übernehmen konnte – solche Rufer gab es zu allen Zeiten.
„Es ist ein offenes Geheimnis“, diagnostizierte auch der heilige Opus-Dei-Gründer, der spanische Priester Josephmaria Escrivá de Balaguer (1902-1975), „daß es Weltkrisen gibt, weil es an Heiligen mangelt.“
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#1   RJH   13:47:11 | Montag, 2. Juli 2007
„Konzilstaumel“ – Neu erfundenes Wort?
Was soll damit ausgedrückt werden?
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