Protestantismus
Ich verkündige euch große Probleme
Wer heute bei der Predigt um den Brei redet, gilt als theologisch gebildet und differenziert.
Theo Lehmann
Theo Lehmann
© Theo Lehmann: Geschenke der Hoffnung e.V
(kreuz.net) Theo Lehmann (73) war ein bekannter Evangelist in der DDR und ist heute pensionierter evangelischer Pfarrer.

Ein einem Beitrag für das protestantische Online-Magazin ‘idea’ äußerte er sich kürzlich über das Verhältnis der protestantischen Evangelisten zur ihrer Großkirche:

„Mir ist aufgefallen, daß die Arbeit des Evangelisten in letzter Zeit mehrmals von der kirchlichen Obrigkeit mit dem Begriff »holzschnittartig« beschrieben wurde.“

Damit sei gemeint, daß der Evangelist in seiner grobschlächtigen Beschränktheit nicht in der Lage sei, die theologischen Einzelheiten, Verästelungen und Feinheiten zu erfassen oder zu berücksichtigen:

„Mit anderen Worten: Der holzschnittartig arbeitende Evangelist trampelt wie ein grober Holzfäller im sanft duftenden Rosengärtlein der Theologie herum – ein Waldschrat eben, dem für die feinere theologische Florettfechterei nur seine plumpe Bekehrungskeule zur Verfügung steht.“

Theo Lehmann predigt lieber wie ein Holzfäller
Theo Lehmann predigt lieber wie ein Holzfäller
© A K M Adam, Creative Commons
Man predige ja nicht nur vor Hans und Grete, sondern da würden oft kritisch gestimmte Pastoren in der Menge sitzen.

Das seien häufig „Berufsbedenkenträger, die immer so tun, als ob der Verkündigungsengel den armen, ungebildeten Hirten nicht zugerufen hätte: »Ich verkündige euch große Freude«, sondern »Ich verkündige euch große Probleme«.“

Die Versuchung bestehe nun darin, diesen Kollegen mal so nebenbei zu zeigen, daß man kein theologischer Blödmann sei.

Lehmann berichtet, dieser Versuchung einmal in Potsdam erlegen zu sein und dabei über die Köpfe von Hans und Grete hinweggepredigt zu haben. Danach habe er einen Schlußstrich gezogen.

Seitdem ziehe er es vor, lieber unter dem Verdacht zu leben, gar kein richtiger Theologe zu sein, als seinen Hörern die klare Botschaft durch intellektuelle Angebereien zu vernebeln:

„Mit anderen Worten: Ich bin lieber Theo der Holzfäller als ein theologischer Süßholzraspler.“
      
15 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#15   wiener   10:20:53 | Donnerstag, 26. Juli 2007
@ litterae
nun ja. aber da auf dieser seite sonst immer gern von „sog.“ gesprochen wird (z.b. wurde madonna als „sog. sängerin“ tituliert), halte ich es doch für spannend, dass hier in den sog. „katholischen nachrichten“ plötzlich kritiklos eine protestantische titulatur übernommen wird ;-)
ich hatte die anmerkung zum „evangelisten“ schon ein wenig früher gemacht.
Redaktion benachrichtigen
#14   litterae sunt divitiae   20:40:39 | Mittwoch, 25. Juli 2007
@Elendster Sünder
Das Wort „Evangelist“ bezeichnet bei den Protestanten auch eine Sorte von Predigern.
Redaktion benachrichtigen
#13   Elendester Sünder   16:03:23 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Potestantische Evangelisten
Mir waren bisher nur vier Evangelisten bekannt.
Redaktion benachrichtigen
#12   matt2 †   13:54:50 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Ich glaube predigen ist heute nicht mehr so angesagt…
oder wenn, dann ist es dort notwendig, wo das Unrecht oder die Unmoral vonstatten geht. Da darf man sich eben nicht in der Kirche verkriechen, sondern muss rausgehen und den Leuten einheizen ob gelegen oder nicht. Ich habe das schon des öfteren so gemacht. Die Menschen, die in die Kirche kommen denen braucht man nicht hochtrabende Predigten halten. Die Kranken brauchen den Arzt, nicht wahr. Man nehme z.B. den Pornojäger Humer, der ist sich nicht zugut diese Sexindustrie öffentlich anzuprangern. Oder eben die Lebensschützer. Die predigen ja im Grunde auch für das Recht der Ungeborenen und gegen die Abtreibung. Man muss seine Predigt öffentlichwirksam gestalten und nicht darauf warten, dass die Leute eintrudeln in ein Kirchengemäuer. Die, welche es nötigsten haben, kommen sowieso nicht. Das ist alles schöne Worte für nichts. Man muss sich unter das Volk trauen, die Leute ergreifen in ihrem täglichen Dasein, spontan, inspiriert, verwegen sein, energisch. Das sind alles Attribute, die ich in der Gangart der jetzigen Kirche vermisse und nur gewissen charismatischen Persönlichkeiten von aussen zukommt.
Redaktion benachrichtigen
#11   Sirilo   13:09:25 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Holzschnittartig?
Wer „holzschnittartig“ als „grobschlächtig“ versteht, kennt wohl keine wirklichen Holzschnitte wie etwa die von Albrecht Dürer, Martin Schongauer, Frans Masereel…
Redaktion benachrichtigen
#10   stimme aus dem lutherland   13:03:48 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Der gute alte Theo…
na ja ihn muss man eben mal erlebt haben… aber da hier wohl kaum jemand aus sachsen kommt wundert es mich schon das theo hier mit so einem positiven artikel wegkommt und auch kreuznet schon bei idea abschreibt wie man das bei kath net oft liest.
Immerhin ist der theo ja auch doktor der theologie… das kann er aber wirklich gut verstecken :-)
Und wenn er, wie ich es mal gehört habe, einen ausfall über unser volk von kindesmördern bekommt dann sind
schon viele ganz schön beklommen…
Trotzdem hat er viele junge menschen geprägt und zu christus gerufen… danke !
Redaktion benachrichtigen
#9   wiener   13:00:44 | Mittwoch, 25. Juli 2007
bekannter evangelist?
also mir ist ein evangelium nach lehmann (egal nach welchem …) bisher nicht als kanonisch geläufig …
mir reichen matthäus, markus, lukas und johannes vollkommen ^-^
Redaktion benachrichtigen
#8   Johannes Damaszenus   12:57:31 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Vorbild?
schon fragwürdig, wie hier immer wieder Häretiker und Schismatiker hochgejubelt werden. Ich möchte daran erinnern, daß es gute katholische Tradition ist, genau zu differenzieren. Das hat nichts mit Bedenkenträgerei zu tun, sondern damit, daß das Leben sehr vielschichtig ist. Warum sonst sind die Werke großer Theologen, wie zb. die des hl Thomas von Aquin so umfangreich?
Redaktion benachrichtigen
#7   Rudolfus   12:44:06 | Mittwoch, 25. Juli 2007
@Freinsberg / Sehen Sie sich doch die Predigten
von vielen Geistlichen an, die schwere Irrtümer und Unmoral im Volk lehren.
Redaktion benachrichtigen
#6   Freinsberg   12:35:06 | Mittwoch, 25. Juli 2007
@ Rudolfus
Also gibt’s unanständige Theologien?
Redaktion benachrichtigen
#5   Rudolfus   12:33:58 | Mittwoch, 25. Juli 2007
@Freinsberg / „zweideutig“
ist völlig angebracht.
Redaktion benachrichtigen
#4   Freinsberg   12:28:10 | Mittwoch, 25. Juli 2007
@ Rudolfus
Bitte: nicht „zweideutig“ (das heißt was Anderes), sondern „mehrdeutig“… :-|
Redaktion benachrichtigen
#3   matt2 †   12:23:57 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Mir hat man auch schon vorgeworfen unsensibel zu sein…
grobschlächtig vorzugehen. Bitte, soll sein. Ich weiß, dass ich innen drin ein sensibler und vielschichtiger Mensch bin, aber manchmal fehlen mir die Worte es auszudrücken und auch das rechte Publikum. Die Leute lieben es ja einen festzulegen auf ein Rollenbild, die Leute lieben ja solche Schubladisierungen. Nun es ist zumeist nicht eine Sache des Nicht-Könnens, sondern des Nicht-Wollens, weil ewiges Herumgerede mich ermüdet, denn irgendwo hat man das ja alles schon gehört. Ich habe mir schon manchmal gedacht bei manchen Kommentaren hintendrein: hätte ich da jetzt so profan sein, oder so auftrumpfen müssen. Aber man sieht halt oft im Vorfeld so ein süßliches Gefasel in das man nicht wirklich einstimmen will. Da kann es auch durchaus verwegen erscheinen mal den Grobschlächtigen herauszukehren und die Theologenkinder ein bißchen durcheinanderzuwürfeln.
Redaktion benachrichtigen
#2   Rudolfus   12:14:23 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Die Meinung dieses evangelischen Pastors über die Volksunterweisung ist sehr katholisch.
Denn auch die Dogmen der katholischen Religion zeichnen sich durch eine präzise und klare Sprache aus.
Die Kirche hat zweideutige Theologien auch als bereits schwer häresieverdächtig gebrandmarkt, z.B. auch der hl. Papst Pius X. (1903-1914).
Redaktion benachrichtigen
#1   Freinsberg   11:58:19 | Mittwoch, 25. Juli 2007
Holzfäller?
Ich verstehe nicht, was der Artikel soll. Der Wiener Homiletiker Bruno Dreher hat uns, gerade was Verständlichkeit und Einfachheit der Sprache betrifft, sehr streng erzogen. Jeder Predigt musste genaue exegetische Arbeit vorausgehen. Den Text selbst hat Dreher regelrecht zerlegt – inhaltlich wie sprachlich – und auf die Redesituation hin genau durchbesprochen.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
ProtestantismusFriedelig, feminin und tolerant ProtestantismusZuwenig Relativismus ProtestantismusWo bleibt eigentlich der VW-Hybrid? ProtestantismusÖkumenisch fatal oder fataler Ökumenismus? ProtestantismusEvangelische Freiheit ProtestantismusAn den Trendsetter, Pastor Armin Beuscher ProtestantismusEs regnet überall hinein ProtestantismusDem Dachdecker eins aufs Dach Evangelischer KirchentagGott ist langweilig – Sex ist interessant KonversionDoch nicht die gleiche Bibel ProtestantismusLandesbischöfin Käßmann reicht die Scheidung ein Protestantische TheologenHeim ins Reich Gottes Kirche wird SynagogeGlücksfall ProtestantismusDasselbe Trauerspiel ProtestantismusGemeinsamer Lehrer im Glauben?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net