10:03:56 | Donnerstag, 5. Juli 2007
Im Jahr 1982 erschien im ‘Walter Rau Verlag’ Düsseldorf das Buch von Helmut Böger „Kaufen Sie sich einen Minister“. Von Hans-Joachim Selenz.

Blick in den Plenarsaal des deutschen Bundestags
© Pressestelle des deutschen Bundestags(kreuz.net) Kein Tag vergeht, an dem nicht ein neuer Abgeordneter bekennt, von einer Firma gesponsert
zu sein. In der Vergangenheit wurden in Deutschland die VW-Abgeordneten bekannt. Volkswagen spendiert
ihnen sogar den Dienst-Golf.
Da geht es im öffentlichen Dienst vergleichsweise korrekt zu. Dort werden
Zahlungen an Abgeordnete für die Zeit der Abordnung eingestellt – zumindest nach jetzigem Kenntnisstand.
Die Parteien bemühen sich, den öffentlichen Flurschaden zu begrenzen. Dies gelingt jedoch nur oberflächlich.
Unter der Decke brodelt es gewaltig.
Die sogenannten Volksvertreter haben Millionen Arbeitslose finanziell
völlig entblößt – mitten im kalten Konjunkturwinter.
Sie sind der Meinung, man solle eine ganze Stunde
für einen Euro arbeiten. Für diesen Euro arbeiten die Volksvertreter – unter Berücksichtigung ihrer
durchschnittlichen Arbeitszeit – nicht einmal eine Minute.
Diese Berechnung setzt voraus, daß sie zumindest
die Hälfte der Sitzungen besuchen. Das ist eine optimistische Annahme, wie der Blick in die Parlamente
zeigt.
Den Rest ihrer Zeit arbeiten unsere Volksvertreter offensichtlich für die eigene Kasse – oder
für die Kasse ihrer Sponsoren.
Bis dato ging ich – wie viele andere Bundesbürger – davon aus, daß
eine Abgeordnetentätigkeit ein Vollzeitberuf ist.
Jetzt mühen sich viele Volksvertreter – Anwälte
zum Beispiel –, staunenden Bürgern klar machen, daß man die Parlamentsarbeit durchaus auch als Nebenerwerb
betreiben kann.
Die eigentliche Anwaltstätigkeit muß unter der Parlamentsarbeit nicht über Gebühr
leiden. Und die Gebühren sind im Büro eh noch höher als im Parlament.
Das Abgeordnetenmandat eines
Anwalts soll sich auch nicht unbedingt negativ auf die Zahl der Mandanten auswirken. Es wird sogar von
einer nicht unerheblichen Steigerung der Mandantenzahl berichtet.
Da bleibt für das Parlament nicht
mehr viel Zeit. Man kann sich ja schließlich nicht zerreißen. Und der Mandant geht vor dem Mandat.
Bedenkt man ferner, daß zum Beispiel der Konzern ‘Preussag/TUI AG’ Abgeordnete und Beamte mit einer zweistelligen
Millionensumme pro Jahr betreut, wird die Heimlichkeit einiger Volksvertreter und der Justiz noch verständlicher.
Das Sponsoring der ‘Preussag/TUI’ findet unter dem Tisch statt – mit Schwarzgeld aus der Schweiz. Das
ist der Justiz bekannt.
Daß nach Informationen aus Kreisen der Justiz Richter und Staatsanwälte ebenfalls
auf der Liste stehen, stockt die Aufklärung im System. Das ist verständlich.
Es ginge auch anders.
Der niedersächsische Landtagsabgeordnete Hermann Eppers hat am 23. Dezember 2004 die kompletten Einkünfte
aus seiner Abgeordnetentätigkeit auf Euro und Cent genau aufgedeckt.
Sie belaufen sich auf exakt 110.580
Euro pro Jahr. Von dieser Summe sollte man leben können. Warum sich seine Kollegen in den Parlamenten
mit der Aufdeckung ihrer Volksvertreter-Bezüge so schwer tun, ist nicht leicht zu verstehen.
Mein Vorschlag
daher als Buch des Jahres: „Kaufen Sie sich einen Minister“. So der Titel eines Büchleins von Helmut
Böger.
Bögers Satire wurde inzwischen zur exakten Beschreibung bundesdeutscher Realität – nicht zuletzt
durch das Vorwort von Johannes Rau. Realsatire in ihrer besten Form.
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#9
Rodolfo Panetta 22:58:07 | Mittwoch, 25. Juli 2007
#8
Rudolfus 19:56:53 | Freitag, 6. Juli 2007
#7
franco.felice 19:15:57 | Freitag, 6. Juli 2007
#6
möchtegern-kathole 20:14:32 | Donnerstag, 5. Juli 2007
#5
Sentinel 17:42:09 | Donnerstag, 5. Juli 2007
#4
kali 15:28:45 | Donnerstag, 5. Juli 2007
#3
VirFortis 11:04:11 | Donnerstag, 5. Juli 2007
#2
Sirilo 10:20:20 | Donnerstag, 5. Juli 2007
#1
Rudolfus 10:12:06 | Donnerstag, 5. Juli 2007