Pius XII.
Ein verständnisloser Papst
Das nationalsozialistische Deutschland war die einzige größere Staatsmacht, die zur Krönung des neugewählten Papst Pius XII. keinen Vertreter schickte. Von Ronald J. Rychlak.
Pius XII. mit Tiara
Pius XII. mit Tiara
(kreuz.net) Während seines Pontifikates schloß Pius XI. († 1939) mit mindestens 21 Nationen Konkordate ab. Es ging ihm dabei darum, den Weltfrieden zu sichern und die geistliche Mission der Kirche zu schützen.

Dennoch war die Welt, als der Papst im Februar 1939 starb, wohl labiler als je zuvor.

Deutschland hatte Österreich angeschlossen und schaute mit kriegerischen Augen nach Osten. Deutsche Truppen standen im Sudentenland. Die Tschechoslowakei, Polen und Rumänien waren schon bedroht worden.



Eine Woche nach dem Tod des Papstes richtete der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl eine diplomatische Note an das Heilige Kollegium der Kardinäle. Man hätte erwarten können, daß es sich dabei um einen üblichen Beileidsausdruck nach dem Tod des Papstes handelte.

Doch statt simple Kondolenzen zu übermitteln, sprach der nationalsozialistische Botschafter in seiner
Der nationalsozialistische Botschafter
sprach in seiner Note zum Tod von Papst Pius XI. von der „Evolution einer neuen Welt, die sich über den Ruinen der alten erheben will, die aus vielen Gründen keine Existenzberechtigung mehr hat.“
Note von der „Evolution einer neuen Welt, die sich über den Ruinen der alten erheben will, die aus vielen Gründen keine Existenzberechtigung mehr hat.“

Er kam auch auf die Wahl des nächsten Papstes zu sprechen. Dabei machte er klar, daß Deutschland eine mögliche Wahl Pacellis aufgrund der Richtung, die er als Staatssekretär eingeschlagen hatte, nicht mit Wohlwollen sehen würde.

Dagegen brachte der französische Außenminister – aus den gleichen Gründen – seine Hoffnung zum Ausdruck, daß Kardinal Pacelli gewählt würde.

Die Kardinäle wählten in einem der kürzesten Konklave der Kirchengeschichte den weitgereisten und erfahrenen Diplomaten Eugenio Pacelli zum neuen Papst.

Dazu schrieb die Zeitung ‘Canadian Jewish Chronicle’, daß die Wahl des 262. Papstes bei Juden ein beträchtliches Interesse geweckt habe, während die Wahl der 261 vorausgehenden Päpsten für Juden bisher belanglos gewesen sei.

Das Editorial fuhr weiter:

„Die Wahl von Kardinal Pacelli ist mehr als nur ein Tribut an ein persönliches Talent. Das ist die Wahl einer politischen Ausrichtung (…). Der verzweifelte Versuch der Nationalsozialisten und Faschisten, die Wahl durch Rede, Einflüsse und Ratschläge zugunsten eines Kardinals zu beeinflussen, der Hitler und Mussolini freundlicher gestimmt gewesen wäre (…) ist zuletzt gescheitert.

Der plumpe Ratschlag, den (…) der deutsche Botschafter beim Vatikan kürzlich dem Kardinalskollegium gab (…) hat eine Antwort erhalten, die so eindeutig war, wie der Ratschlag arrogant gewesen ist. Die Verschwörung, sich den Ring des Fischers unter den Nagel zu reißen, hat sich in weißen Rauch aufgelöst.“


In Jerusalem berichtete die ‘Palestine Post’ am 6. März 1939:

„Die herzlichen Reaktionen auf die Wahl – besonders in Frankreich, England und Amerika – und die lauwarme Annahme in Deutschland – überraschen nicht, wenn wir uns an die wichtige Rolle erinnern, die Pacelli im jüngsten päpstlichen Widerstand gegen verderbliche Rassentheorien spielte.“

SS-Zeitung "Das Schwarze Korps" karikiert Kardinal Pacelli als Freund der französischen Kommunisten, 1937
SS-Zeitung „Das Schwarze Korps“ karikiert Kardinal Pacelli als Freund der französischen Kommunisten, 1937
Dagegen beklagten sich nationalsozialistische Medien über die „voreingenommene Feindschaft und den unheilbaren Mangel an Verständnis“, die vom Heiligen Stuhl gezeigt wurden.

Am Morgen nach Pacellis Wahl erklärte die Tageszeitung ‘Berliner Morgenpost’:

„Die Wahl von Kardinal Pacelli findet nicht die Gunst Deutschlands, weil er sich immer dem Nationalsozialismus widersetzt hat und de facto die Politik des Vatikans unter seinem Vorgänger bestimmt hat.“

‘Das Schwarze Korps’ – das offizielle Publikationsorgan der nationalsozialistischen Schutzstaffel, besser bekannt unter der gefürchteten Abkürzung „SS“ – schrieb:

„Als Nuntius und Staatssekretär besaß Eugenio Pacelli wenig Verständnis für uns. Auf ihm ruht keine große Hoffnung. Wir glauben nicht, daß er als Pius XII. eine andere Richtung einschlagen wird.“

Deutschland war die einzige größere Macht, die zur Krönung des Papstes keinen Vertreter schickte.

Drei Tage später marschierte Hitler in die Tschechoslowakei ein.

Ronald J. Rychlak ist Vizedekan für akademische Angelegenheiten und Professor für Recht an der ‘University of Mississippi School of Law’. Er ist der Autor des im Jahr 2000 erschienenen Buches „Hitler, the War and the Pope“ – Hitler, der Krieg und der Papst.
Der Artikel ist Teil der folgenden Reihe:
1. Die schwarze Legende bröckelt 2. An den Galgen mit ihm? 3. Die Enzyklika des Papstes gegen die Nationalsozialisten
4. Ein verständnisloser Papst
5. Kardinal Pacelli wird Papst 6. „Wir fürchten uns nicht, in ein Konzentrationslager zu gehen“
      
7 Lesermeinungen
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#7   Jörg Guttenberger, Köln   14:34:24 | Dienstag, 7. August 2007
stat crux
Die genannte Auffassung führt aber zu Problemen. Nicht umsonst haben sich in der alten Kirche Provinzsynoden gebildet, deren Vorsitzender den Titel Metropolit führte. Dasselbe Problem tauchte auf Reichsdiözesanebene (mehrere Provinzen waren zu einer Diözese zusammengefaßt, die Reichsdiözese hatte also nichts mit unerem Bistum = ebenfalls Diözesezu tun) an deren Spitze ein Patriarch stand. Die Zusamenfassung mehrerer Diözesen zu einem Reichsthema hatte keinerlei kirchenorganisatorische Auswirkung.
Auch heute sehen wir, daß es ohne Zwischenstufen nicht geht, nicht umsonst wurden die vorkonziliaren Landesbischofskonferrenzen vom Konzil gestärkt und darüber hinaus übergeordnte Bischofskonferrenzen geschaffen (z. B. Europa, Amerika usw.), d. h. unsere Heutigen wollen die alte Ordnung abschaffen, merken aber das es ohne in einer Weltkirche eben doch nicht geht und tuen sich damit schwer. Organsiatorisch lehnt man sich damit an das 1. Jahrtausend an,eine Übertragung von Jurisdiktion wird schon aus Gründen der besseren Praktikabilität ganz sicher folgen.
Den von Joh. XXIII neu geschaffenen, mit Jurisdiktion ausgestatteten Titel „Großerzbischof“ (ecclesiae sui iuris) tragen heute die Ersthierarchen der griechisch-kath. Ukrainer und Rumänen sowie der Syro-Malabaren und -Malankaren. Der Titel der Rumänen und Syro-Malakaren wurde immerhin von BXVI verliehen.
Der christliche Osten besteht unachgiebig auf der Ordnung des 1. Jahrtausends, zumindest als Verhandlungsgrundlage.
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#6   stat crux   12:00:23 | Dienstag, 7. August 2007
@Jörg G.
Tatsächlich lässt B XVI. die „patriarchale Systematik“ nicht gelten und folgt darin Vat. II. Es gibt das Kollegium und Petrus, „dogmatisch“ ohne Zwischenstufen. Das übrige sind Fragen der Organisation. Petrus ist zuerst und vor allem Bischof, episcopus catholicae ecclesiae; die andern sind im Vollsinn nur „mit und unter“ dem Papst überhaupt Bischöfe, wegen dieses Bandes aber untereinander Kollegen, nicht „Teilhaber“.
Das ist ein Fall von „development“ (J.H. Newman) der Lehre, die im 1. Jtsd. in dieser Prägnanz noch nicht gegeben war, m.E. aber die einzige Möglichkeit von Kirchesein im 3. Jtsd. bezeichnet; „sans tiare“.
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#5   Jörg Guttenberger, Köln   23:04:25 | Montag, 6. August 2007
stat crux: Tiara
Die Gesamtkirche kennt 2 ordnungsgemäße Päpste: Rom und Alexandrien. Letzerer führt den Titel „Papst und Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika“ (derzeitiger Amtsinhaber: Shenuda III) und trägt, genauso, wie unser Papst bis Paul VI, eine Krone. Damit ist klar, daß die Krone keinen weltlichen Machtanspruch bedeutet, wie vielfach, jedoch fälschlicherweise, nach dem de-facto-Kronverzicht Pauls VI behauptet wurde.
Die geistliche Bedeutung der Tiara ergibt sich aus ihrer Dreiheit: bischöfliche, metropolitan- und Patriarchalgewalt.
Laut einem Brief Papst Leo d. Gr. an den Metropoliten und apostolischen Vikar von Thesalloniki sind die Bischöfe gleich in ihrer Würde durch die Weihe, jedoch unterschiedlich in ihrer Jurisdiktion. Der Bischof ist für seine Diözese, der Metropolit für seine Kirchenproviunz und die die Patriarchen mit dem Papst an der Spitze für die Gesamtkirche verantwortlich.
Die eingeschränkte apostolische Gewalt wird in der Krümmung des Bischofstgabs ausgedrückt. Nur der Patriarchenstab läuft als Ausdruckder vollen apostolischen Gewalt oben gerade aus.
In der römischen Kirche übt der Papst alleine Patriarchalgewalt aus. Lissabon, Venedig und Jerusalem sind leere Titel, wie sich schon aus dem Wappen ergibt: sie führen nicht das dreifache Patriarchenkreuz, sondern das zweifache Metropolitenkreuz.
Der Verzicht Benedikts XVI auf den Patriarchentitel des Abendlandes ist im Osten auf völlige Verständnislosigkeit gestoßen.
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#4   santa rita   23:32:23 | Sonntag, 5. August 2007
Hier das Video zur Papstkrönung:
video.google.de/videoplay?docid=-4126646…
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#3   stat crux   19:51:07 | Sonntag, 5. August 2007
@Fabianus
Die kreuz.ritter sind offenkundig keine Experten in Papstliturgie usus antiquior. Das Foto ist vom 12. März 1939, dem Tag der Papstkrönung. Pius XII. wurde außerhalb der Liturgie auf der Loggia gekrönt, teils, wegen der unzähligen Römer, die das sehen wollten, teils als Geste der riconziliazione. Die Päpste haben die Tiara extrem selten getragen (Benedikt XV. nach der Krönung gar nicht mehr), zumal ihre jedenfalls außerliturgische Bedeutung seit Verlust des Kirchenstaates 1860/70 bereits unsicher war.
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#2   Rudolfus   19:31:08 | Sonntag, 5. August 2007
Es ist geradezu absurd, sich vorzustellen, daß die SS auch Zeitung gelesen hat.
Die SS war ein unbarmherziger Menschenschlächterorden – wie können solche bestialische Menschen auch noch eine eigene Schlächterzeitung herausgeben?
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#1   Fabianus   18:57:04 | Sonntag, 5. August 2007
Das Foto
zeigt Pius XII nicht im Petersdom, sondern auf der Benedktionsloggia. Wäre schön zu erfahren, aus welchem Jahr die Tonaufnahme ist. Er hört sich bereits ziemlich alt/fremd an, wenn man es mit anderen Aufnahmen vergleicht.
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