18:36:22 | Sonntag, 5. August 2007
Pius XII.
Das nationalsozialistische Deutschland war die einzige größere Staatsmacht, die zur Krönung des neugewählten Papst Pius XII. keinen Vertreter schickte. Von Ronald J. Rychlak.
(kreuz.net) Während seines Pontifikates schloß Pius XI. († 1939) mit mindestens 21 Nationen Konkordate
ab. Es ging ihm dabei darum, den Weltfrieden zu sichern und die geistliche Mission der Kirche zu schützen.
Dennoch war die Welt, als der Papst im Februar 1939 starb, wohl labiler als je zuvor.
Deutschland hatte
Österreich angeschlossen und schaute mit kriegerischen Augen nach Osten. Deutsche Truppen standen im
Sudentenland. Die Tschechoslowakei, Polen und Rumänien waren schon bedroht worden.
Eine Woche nach
dem Tod des Papstes richtete der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl eine diplomatische Note an das
Heilige Kollegium der Kardinäle. Man hätte erwarten können, daß es sich dabei um einen üblichen Beileidsausdruck
nach dem Tod des Papstes handelte.
Doch statt simple Kondolenzen zu übermitteln, sprach der nationalsozialistische
Botschafter in seiner
Der nationalsozialistische Botschafter
sprach in seiner Note zum Tod von Papst Pius
XI. von der „Evolution einer neuen Welt, die sich über den Ruinen der alten erheben will, die aus vielen
Gründen keine Existenzberechtigung mehr hat.“
Note von der „Evolution einer neuen Welt, die sich über
den Ruinen der alten erheben will, die aus vielen Gründen keine Existenzberechtigung mehr hat.“
Er kam
auch auf die Wahl des nächsten Papstes zu sprechen. Dabei machte er klar, daß Deutschland eine mögliche
Wahl Pacellis aufgrund der Richtung, die er als Staatssekretär eingeschlagen hatte, nicht mit Wohlwollen
sehen würde.
Dagegen brachte der französische Außenminister – aus den gleichen Gründen – seine Hoffnung
zum Ausdruck, daß Kardinal Pacelli gewählt würde.
Die Kardinäle wählten in einem der kürzesten
Konklave der Kirchengeschichte den weitgereisten und erfahrenen Diplomaten Eugenio Pacelli zum neuen Papst.
Dazu schrieb die Zeitung ‘Canadian Jewish Chronicle’, daß die Wahl des 262. Papstes bei Juden ein beträchtliches
Interesse geweckt habe, während die Wahl der 261 vorausgehenden Päpsten für Juden bisher belanglos
gewesen sei.
Das Editorial fuhr weiter:
„Die Wahl von Kardinal Pacelli ist mehr als nur ein Tribut an
ein persönliches Talent. Das ist die Wahl einer politischen Ausrichtung (…). Der verzweifelte Versuch
der Nationalsozialisten und Faschisten, die Wahl durch Rede, Einflüsse und Ratschläge zugunsten eines
Kardinals zu beeinflussen, der Hitler und Mussolini freundlicher gestimmt gewesen wäre (…) ist zuletzt
gescheitert.
Der plumpe Ratschlag, den (…) der deutsche Botschafter beim Vatikan kürzlich dem Kardinalskollegium
gab (…) hat eine Antwort erhalten, die so eindeutig war, wie der Ratschlag arrogant gewesen ist. Die
Verschwörung, sich den Ring des Fischers unter den Nagel zu reißen, hat sich in weißen Rauch aufgelöst.“
In Jerusalem berichtete die ‘Palestine Post’ am 6. März 1939:
„Die herzlichen Reaktionen auf die Wahl –
besonders in Frankreich, England und Amerika – und die lauwarme Annahme in Deutschland – überraschen
nicht, wenn wir uns an die wichtige Rolle erinnern, die Pacelli im jüngsten päpstlichen Widerstand gegen
verderbliche Rassentheorien spielte.“
SS-Zeitung „Das Schwarze Korps“ karikiert Kardinal Pacelli als Freund der französischen Kommunisten, 1937
Dagegen beklagten sich nationalsozialistische Medien über die
„voreingenommene Feindschaft und den unheilbaren Mangel an Verständnis“, die vom Heiligen Stuhl gezeigt
wurden.
Am Morgen nach Pacellis Wahl erklärte die Tageszeitung ‘Berliner Morgenpost’:
„Die Wahl von
Kardinal Pacelli findet nicht die Gunst Deutschlands, weil er sich immer dem Nationalsozialismus widersetzt
hat und de facto die Politik des Vatikans unter seinem Vorgänger bestimmt hat.“‘Das Schwarze Korps’ –
das offizielle Publikationsorgan der nationalsozialistischen Schutzstaffel, besser bekannt unter der gefürchteten
Abkürzung „SS“ – schrieb:
„Als Nuntius und Staatssekretär besaß Eugenio Pacelli wenig Verständnis
für uns. Auf ihm ruht keine große Hoffnung. Wir glauben nicht, daß er als Pius XII. eine andere Richtung
einschlagen wird.“Deutschland war die einzige größere Macht, die zur Krönung des Papstes keinen Vertreter
schickte.
Drei Tage später marschierte Hitler in die Tschechoslowakei ein.
Ronald J. Rychlak ist Vizedekan
für akademische Angelegenheiten und Professor für Recht an der ‘University of Mississippi School of
Law’. Er ist der Autor des im Jahr 2000 erschienenen Buches „Hitler, the War and the Pope“ – Hitler, der
Krieg und der Papst.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#6
stat crux 12:00:23 | Dienstag, 7. August 2007
#4
santa rita 23:32:23 | Sonntag, 5. August 2007
#3
stat crux 19:51:07 | Sonntag, 5. August 2007
#2
Rudolfus 19:31:08 | Sonntag, 5. August 2007
#1
Fabianus 18:57:04 | Sonntag, 5. August 2007