Deutschland
Die Narrenrede des Narrenritters
Kardinal Lehmann nahm gestern den Orden „Wider den tierischen Ernst“ entgegen. Bei seiner Narrenrede rügte der Hirte vor allem die politische Herde. Ernsthafte Worte: Der Kardinal sprach von einem Schaf.
(kreuz.net) Heute publizierte die „Welt am Sonntag“ Auszüge der „Ritter-Rede“ des Mainzer Bischofs, Karl Kardinal Lehmann (68), anläßlich der Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“. Der Kardinal ist der 55. Träger der Auszeichnung und der erste Bischof und Kardinal in der prominenten Schar der Aachener Narrenritter. Im Kostüm des Hirten nahm der Kardinal gestern abend im „Eurogress Aachen“ die untierische Ehrung entgegen.
In seiner „Ritter-Rede“ verbarg der Mainzer Bischof nach alter Narrentradition die oft unliebsame Wahrheit in Reimversen. „Er reimte feste drauflos“, kommentierte die „Welt am Sonntag“, „traf dabei nicht jeden Reim, dafür aber oft ins Schwarze.“
Kardinal Lehmann fand dabei sogar klare Worte gegen das sogenannte Klonen.

Ich frage hier mal ganz dezent,
wer denn hier von Ihnen Dolly kennt?
Ich denke nicht an manches Laster,
ich mein’ das Schaf und nicht Frau Buster,
das Tier, das für uns Ungewohnte,
das man in England damals klonte,
das weltweit großen Ruhm erwarb
und das doch nach kurzer Zeit schon starb.
Nachdem das Herz nun nicht mehr klopft,
da hat man Dolly ausgestopft.
Und die Moral von der Geschicht’,
dies ist zu sagen meine Pflicht:
Der Schöpfergott ist doch nicht dumm,
drum murkst an seinem Werk nicht rum.


Auch ein Wort zur Politik, ließ sich der närrische Oberhirte nicht nehmen.

In Koblenz dann am Deutschen Eck,
da wollt’ die Herde kaum noch weg,
weil an dem Reiterstandbild klar
und deutlich doch zu lesen war:
Lieber Wilhelm, steig hernieder,
regiere deine Preußen wieder
und laß’ in diesen schweren Zeiten
doch lieber Gerhard Schröder reiten.


Dem Narrenritter fand auch eine Erklärung für die Farbe des Priesterrocks:

Schwarz ist die Farbe der Kleriker, weil die Unschuld weiß ist …

In jahrzehntelanger Tradition verleiht der Aachener Karnelvalsverein (AKV) seinen Narrenpreis an bekannte Größen aus Politik und Kultur. Der Orden „Wider den tierischen Ernst“ möchte „Individualität, Beliebtheit und Mutterwitz“, vor allem aber „Humor und Menschlichkeit im Amt“ auszeichnen.

Der Aachener Karnelvalsverein begründete seine Entscheidung, Kardinal Lehmann zu küren, mit folgenden Worten.

„Diesem katholischen Oberhirten wird Neugier für das Komplizierte nachgesagt. So nahm er in der Vergangenheit öffentlich Stellung zu Themen, die nicht immer in Übereinstimmung mit der jeweils aktuellen Politik des Vatikans standen.

Er regte an, sowohl die Rolle der Frau in der Kirche zu überdenken, wie auch Laienpredigten, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, Laienmitwirkung im Gottesdienst zuzulassen und trat bis 1999 zum „Schutz des Lebens“ für den Verbleib der Kirche im staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung ein.

Kardinal Lehmann gilt als ein Mann des Ausgleichs und des Dialogs, zeigt sich nicht nur für die Ökumene christlicher Kirchen gesprächsbereit, sondern vertritt in der Arbeitshilfe für Priester und Gemeinden „Christen und Muslime in Deutschland“ den Standpunkt, daß der Bau von Moscheen als wichtiger Bestandteil der Religionsfreiheit zu sehen sei und unterstützt die Forderung nach islamischem Religionsunterricht.“
      
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