07:06:32 | Samstag, 7. Juli 2007
Eine kirchenfeindliche Zürcher Tageszeitung weiß bereits, wen das Domkapitel von Chur gestern Freitag zum neuen Diözesanbischof gewählt hat. Ein Kommentar.

(kreuz.net) In einem unsachlichen und von persönlichem Zorn beladenen Artikel hat der Journalist Michael
Meier gestern im Zürcher ‘Tages-Anzeiger’ berichtet, wer
am Freitag morgen von den 23 Kanonikern der
Diözese zum neuen Bischof von Chur gewählt wurde.
Meier ist beim ‘Tages-Anzeiger’ seit Jahren für
die antikirchliche Berichterstattung zuständig.
Beim Neugewählten handelt es sich um den bisherigen
Generalvikar für den Kanton Graubünden, Kanonikus Vitus Huonder (65). Er wurde aus einer Terna von drei
Kandidaten gewählt.
Aufgrund der im Vorfeld der Wahl an die Öffentlichkeit
durchgesickerten Kandidaten
war es klar, daß Kanonikus Huonder, der 17 Jahre in der Diözesanverwaltung – meistens als Generalvikar –
gewirkt hat, die besten Chancen hatte.
In seinem Artikel wärmt Journalist Meier, der im Kampf gegen
den damaligen Bischof von Chur, Mons. Wolfgang Haas, an vorderster Front stand, alte kirchenkämpferische
Töne auf und bezeichnet Generalvikar Huonder als Mitglied der „Haas-Fraktion“:
„Die Wahl des strikt
romtreuen Klerikers dürfte die Basis desillusionieren“ – glaubt Meier. Mit seiner Aussage meint er wohl
nicht zuletzt sich selber.

Dunkelrot: das Diözesangebiet des Bistums Chur
Kanonikus Huonder stammt aus dem rätoromanischen Teil der Diözese Chur und
spricht neben Deutsch auch fließend Italienisch. Er ist ein promovierter Alttestamentler und habilitierter
Liturgiker.
Der damalige Bischof Haas ernannte ihn zum Generalvikar für den Kanton Graubünden. In der
Diözese Chur existiert das Kuriosum, daß es drei Generalvikäre gibt.
Schon nach kurzer Zeit ging Generalvikar
Huonder auf Distanz zu seinem vorgesetzten Bischof.
Deshalb war er einer der wenigen, die das Köpferollen
unter dem Nachfolgerbischof, Mons. Amédée Grab, überlebte.
Der ‘Tages-Anzeiger’ weiß „aus verläßlicher
Quelle“, daß Generalvikar Huonder die Wahl zum Bischof von Chur bereits angenommen hat.
Diese verläßliche
Quelle muß einer der Kanoniker sein, die bei der Wahl anwesend waren.
Einige Churer Kanoniker sind nicht
vom Bischof, sondern von den Kantonen ernannt und haben von Anfang an eine den kirchenfeindlichen Staatsvertretern
loyale Haltung gezeigt.
Ein berüchtigtes Beispiel ist der Schwyzer Kanoniker Guido Schnellmann. Er mußte
von Bischof Haas auf Vorschlag seines Kantons zum Kanoniker ernannt werden.
Nach seiner Einsetzung als
Kanoniker wartete vor der Churer Kathedrale bereits ein Fernsehteam, dem er ein Interview gegen den Bischof
von Chur gab.
Offiziell wird das Bistum erst über die Wahl informieren, wenn Rom Generalvikar Huonder
als Bischof von Chur bestätigt hat.
In seinem Artikel, der zu einer hemmungslosen Schimpftirade entartet,
bezeichnet Journalist Meier den neugewählten Bischof als einen „Selbstbeweihräucherer“.
Er habe sich
derart offensichtlich bemüht den Eindruck zu erwecken, er wolle nicht Bischof werden, daß man just auf
das Gegenteil schließen mußte – unterstellt Meier.
Bei der Ankündigung der Demission von Bischof Amédée
Grab habe Kanonikus Huonder vorauseilend seinen Rücktritt als Generalvikar eingereicht. Dann habe er
durchsickern lassen, er wolle sich in ein Frauenkloster zurückziehen.
„Alles Kalkül“ – glaubt Meier
und beruft sich sogar auf privateste und schwer überprüfbare Quellen:
„Seine inzwischen verstorbene
Haushälterin und Förderin (eine Frau adeliger Herkunft) hat daraus nie einen Hehl gemacht“ – daß der
Kanoniker angeblich Bischof werden wollte: Kanonikus „Huonder gilt als ehrgeizig, auf seine Karriere fixiert.“
Meier schlägt in seinem Artikel sogar rassistische Töne an: Als Generalvikar habe Generalvikar Huonder
in den Pfarreien „unzählige polnische“ und vor allem konservative Priester eingesetzt.
Er favorisiere
gegenüber dem ökumenischen Unterricht an der Unterstufe den „herkömmlichen konfessionellen Katechismusunterricht“.
Es ist kein Geheimnis, daß die sogenannte katholische Jugend trotz neunjährigem Religionsunterricht
in den Schulen völlig kirchenfremd und entchristlicht ist.
Sogar der liberale ehemalige Churer Weihbischof
Peter Henrici SJ scherzte einmal nach einer Firmung, daß er es mit Jugendlichen zu tun gehabt habe, die
weder von der Firmung noch davon etwas gewußt hätten, daß es den Heiligen Geist überhaupt gebe.
Meiers
Wutausbruch gegen den neuen Bischof von Chur ist eine Neuauflage der Hetzartikel, wie sie zur Zeit von
Bischof Haas, der im Jahr 1997 von Papst Johannes Paul II. abgesetzt wurde, alltäglich waren.
Doch zehn
Jahre später – Meier wird das zur Kenntnis nehmen müssen – hat sich die Situation verändert.
Gerade
in der sogenannten Staatskirche des Kantons Zürich – der Anti-Haas-Hochburg von damals – hat der kirchliche
Zusammenbruch die tiefsten Schneisen geschlagen.
Die Rädelsführer von damals sind in die Jahre gekommen
oder tot. Die Pfarreien sind vergreist. Die damalige Meinungsführerschaft der Zeitungen ist durch das
Internet gebrochen worden.
Dieses Mal wird es Michael Meier, der im Kampf gegen Bischof Haas ein erfolgreicher
Brandstifter war, schwer haben.
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