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Samstag, 7. Juli 2007 11:17
Warum Joseph Ratzinger Papst werden mußte
Sinnbild des nachkonziliären liturgischen Bildersturms ist der Priester, der – dem Volk zugewandt – am Altar agiert wie ein Fernsehkoch.
Joseph Ratzinger hat schon früh erkannt, "daß Absicht und Wirkung der konziliaren und nachkonziliaren Reform auseinanderfielen".
Joseph Ratzinger hat schon früh erkannt, „daß Absicht und Wirkung der konziliaren und nachkonziliaren Reform auseinanderfielen“.
(kreuz.net) Hat nicht schon die Reformation revolutionäre Kräfte entfesselt, deren Dynamik nicht zu einer Rückkehr zu den Ursprüngen des Christentums führte, sondern zu einem bilderstürmerischen Bruch mit vielem, was der Christenheit über Jahrhunderte heilig war?

Diese Frage stellt Daniel Deckers am 7. Juli in einem erleuchteten Kommentar für die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’:

„Die katholischen Bischöfe hätten also gewarnt sein müssen, als sie im Herbst 1962, gleich zum Auftakt des Zweiten Vatikanischen Konzils, einer tiefgreifenden Reform der Liturgie der römisch-katholischen Kirche den Weg bereiteten.“

Deckers zweifelt nicht an den guten Absichten der Konzilsväter: „Doch unterschätzten sie die Wirkung ihres Tuns und die Symbolkraft dessen, was sie zu ändern sich anschickten.“

In der Praxis habe sich schon bald gezeigt, daß von „behutsamen Veränderungen“ keine Rede sein konnte:

„Die »römische« Liturgie war nur eine, aber die symbolträchtigste der Bastionen, deren Schleifung als notwendige Anpassung der Kirche an die Welt von heute angesehen wurde.“

Die Zelebration der mündigen Gemeinde
Joseph Ratzinger habe schon früh erkannt, „daß Absicht und Wirkung der konziliaren und nachkonziliaren Reform auseinanderfielen“.

Nach Deckers ortete der spätere Papst zwei negative Elemente der Liturgiereform:

• die Umkehrung der Zelebrationsrichtung, in der er einen Klerikalisierungsschub sondergleichen erkannte.

• eine „Demokratisierung“ der Kirche, die vor einer Zerstörung der Liturgie aus dem Geist der „Kreativität“ der mündigen Gemeinde nicht haltmachte.

„Der Augenschein gibt Joseph Ratzinger recht“ – so Deckers:

„Mittlerweile singen zwei Generationen von Katholiken von hektographierten Zetteln neue Lieder, deren sprachliche Banalität und musikalische Abgeschmacktheit auf das Niveau volkstümlicher Schlager abgesackt ist.“

Sogenannte Familiengottesdienste würden sich dadurch auszeichnen, daß irische Märchen die biblische Lesung ersetzen.

Wer sich dem Trend verweigere, gelte als reaktionär und vorkonziliar:

„Selbst wenn er nur darauf dringt, daß die Liturgie ebenso wenig ein Übungsobjekt für klerikale Heimwerker sein sollte wie der Altarraum die Bühne, auf der verunsicherte Priester, auf Selbstdarstellung versessene Laien und Gleichberechtigung heischende Frauen ihre Rollenkonflikte austragen.“

Deckers fragt sich, ob das Grundproblem der neuen Liturgie nur in einem Vollzugsdefizit besteht, das durch wortreiche Texte wie etwa das Dokument „Über die Eucharistie“ aus dem vergangenen Frühjahr zu beheben wäre.

Wort statt Mythos
Er weist auf den Frankfurter Soziologen Alfred Lorenzer, der schon vor über 25 Jahren beschrieb, wie sich die Alte Liturgie hinter der Ikonostase der lateinischen Kultsprache in einer rituellen Eigenständigkeit und Fremdheit zugleich entfaltete, die den Laien Freiraum für Selbstbeschäftigung und einen Spielraum für Phantasie bis hin zu persönlichkeits-, gruppen- und kulturspezifischen Interpretationen des heiligen Geschehens bot.

„Das Konzil hingegen sah es als seine Aufgabe an, die Einheit von Mythos und Ritual aufzuheben, das Sinnlich-Präsentative des alten Kults durch die Intellektualität des Wortes zu ersetzen und das heilige Spiel der Formen und Gesten durch katechetisch-pädagogisierende Indoktrination zu profanieren.“

Sinnbild dieses liturgischen Bildersturms war für Lorenzer der Priester, der, dem Volk zugewandt, am Altar agiert wie ein Fernsehkoch und der das sinnlich-unmittelbar wirksame religiöse Symbolsystem der modernen hedonistischen Konsumgesellschaft anheimgegeben hat.

Deckers erklärt, daß Lorenzers marxistisch und psychoanalytisch inspirierte Kritik an vielen Stellen über das Ziel hinausschoß:

„Jedoch ist nicht bekannt, daß Anfragen wie diese, zu denen auch Martin Mosebachs Klage über die „Häresie der Formlosigkeit“ zu zählen wäre, unter Bischöfen und im Klerus zu einem neuen, vertieften Nachdenken über den Umgang der katholischen Kirche mit dem ihr anvertrauten Schatz der Riten und Symbole des christlichen Abendlandes geführt hätten.“

Dazu habe erst Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. werden müssen.

© Bild: thenewliturgicalmovement.blogspot.com
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 45 Lesermeinungen:
Dienstag, 24. Juli 2007 08:54
Pünktchen: Ein ev.-luth. Pastor stimmt D. Deckers zu! – Leserbrief in der FAZ…
Dem Artikel „Heiliges Spiel“ kann ich – als evangelisch-lutheranischer „Ruhestandspfarrer“ – nur voll zustimmen… In beiden westl. „Großkonfessionen“ herrscht auf gottesdienstlichem Gebiet längst schon eine „Ökumene sinnentleerter Beliebigkeit“, die sich unter dem Siegel des Modernismus und der angeblichen Bedürfnisse des „säkularen Menschen“ im Zeitalter westlicher Demokratie-Vergötzung zu einem pseudoreligiösen Sinnersatz ausgewachsen hat. Auch in den Kirchen der Reformation propagiert man doch von kirchenleitender Stelle aus die von Daniel Deckers angesprochenen „neuen Lieder“ … Einleitendes Geschichtchen-Erzählen und plump-anbiedernde Begrüßungsfloskeln mit Festzeltcharakter sind ebenfalls im Schwange, damit man nicht gleich merkt, dass ja eigentlich Gottesdienst gefeiert werden soll!

Auch die ehrfurchtslose Massenabfertigung bei der Eucharistie ist oft gleicherweise anzutreffen. Der „Altarraum als Bühne“, auf der „auf Selbstdarstellung versessene Laien und Gleichberechtigung heischende Frauen ihre Rollenkonflikte austragen“, lässt sich ebenfalls finden! Ein Benedikt XVI., der wieder ein wenig Ordnung ins Chaos der Beliebigkeit bringt, ist nach evangelischem Kirchenverständnis nicht vorhanden. Und das vielbeschworene „Sola Scriptura“ ist keit kein sinn- und ordnungsstiftendes Prinzip mehr, nachdem das „Hineininterpretieren“ in die Heilige Schrift und selbstherrliche Kritik die Schriftauslegung in ihrer Verbindlichkeit schachmatt gesetzt hat…
Herbert Heiß-Hasala, Dombühl
Sonntag, 8. Juli 2007 23:46
santo domingo 2: @ gilbert
Unter „Sockenpuppe“ versteht man einen Zweitaccount, der nicht als solcher kenntlich gemacht ist und vorzugsweise dafür, sich selbst zuzustimmen, verwendet wird.
(Nein, ich bin nicht Sentinel.)
Sonntag, 8. Juli 2007 23:46
juergen: Mit Puppen aus Socken…
…hat das wohl nicht ganz viel zu tun.

Es scheint sich wohl um einen Internet-Slang-Ausdruck zu handeln:
http://de.wikipedia.org/…ppe_%28Netzkultur%29

Solche Begriffe finden sich selten im LThK

Übringens wird es LThK und nicht LTHK abgekürzt
Sonntag, 8. Juli 2007 23:42
Aleph: Sentinel
Wenn Sie eine Person als Sockenpuppe bezeichnen, weiß ich nicht ganz genau, was Sie damit meinen. Im „Meyer“wird der Begriff nicht erläutert, genausowenig im LTHK, dann muss ich mich halt an Sie wenden und instendig bitten, mir den Begriff zu erläutern, aber bitte nur, wenn es Ihnen nicht zuwiter ist. Vielleicht ist der Begriff heilsnotwendig und ich weiß nichts davon… und wie stehen Sie dann da vor dem Richter(.)?
Sonntag, 8. Juli 2007 19:24
Sentinel: @Heinrich von und zu und überhaupt
gratuliere! Völlig sinnfrei! Erklären Sie mir mal was Sie damit sagen wollen!
Das .chen hält mich für die Sockenpuppe von Jemanden! Kann aber keine Beweise dafür anbringen. Aber es drückt sich manchmal genauso aus wie Sie!

Dies soll nicht abwertens sein, da ich weiß, daß .chenso kleinere Probleme mit mir hat und noch nicht dazu steht.

Immerhin weiß ich, daß .chen eine Sockenpuppe ist. Ob Sie eine sind, weiß ich nicht. Glaube ich aber nicht, da sie ja unverkennbar unter mindestens 3 Namen hier schreiben,
Sonntag, 8. Juli 2007 19:13
HeinrichvonOfterdingen: Lieber Sentinel,
Wenn ich eine Sockenpuppe wäre,

so wie sie von Heinrichvonundzuundüberhaupt, könnten sie sicher sein, daß ich ihre sinnfreien Postings im Stil bestimmt nicht übertreffen könnte.

gratuliere! Völlig sinnfrei! Erklären Sie mir mal was Sie damit sagen wollen!
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