14:42:51 | Sonntag, 23. Januar 2005
Bei uns hinterläßt es Empörung, wenn Paul Spiegel einen Kardinal Meisner und den Abgeordneten Hohmann in einem Atemzug mit Sprengstoff-Terroristen und Grabschändern auflistet. Ist Paul Spiegel auch bereit, statt Diffamierungen zu verbreiten, Fakten zu akzeptieren? Ein Kommentar von Felizitas Küble.
(kreuz.net) Was sich Paul Spiegel, der Vorsitzende des „Zentralrates der Juden in Deutschland“ in der
vergangenen Zeit gegenüber Kardinal Meisner geleistet hat, ist mit dem judendeutschen Begriff „Chuzpe“
(Dreistigkeit, Frechheit) eher sanft umschrieben.
Der Vorsitzende des „Zentralrats der Juden in Deutschland“
verhielt sich gegenüber dem Erzbischof von Köln, als sei er der (un)heimliche Kanzler Deutschlands und
überdies soeben in Rom zum Papst gewählt worden. Päpste nehmen freilich schon seit Jahrhunderten keinen
„Bannstrahl“ in jener Art und Weise vor, wie Paul Spiegel das vor laufender Kamera tut.
Nicht nur für
uns stellt sich die Frage, worüber man sich
mehr ärgern soll: darüber, daß Paul Spiegel einen hohen
katholischen Amtsträger wie einen Laufburschen behandelt – oder darüber, daß er mit seinen Attacken
das Ansehen von Juden in Deutschland massiv beschädigt? Ich weiß aus vielen Gesprächen mit jüdischen
Freunden, daß sie mit dem, was ihre „Verbandsfunktionäre“ schreiben und treiben, oft nicht einverstanden
sind.
Meine Bitte an die vernünftigen Juden: Halten Sie Paul Spiegel einen kritischen Spiegel vor, weisen
Sie ihn in seine Schranken, reduzieren Sie ihn auf seine natürliche Größe. Das ist zugleich eine ausgezeichnete
Aktion gegen „Antisemitismus“, ein wirkungsvoller Beitrag zur Beseitigung von Vorurteilen. Leider ist
sich nicht jeder darüber im klaren, daß der Zentralratsvorsitzende bei weitem nicht die Meinung aller
jüdischen Bürger vertritt.
Inzwischen hat sich der jüdisch-ultraorthodoxe Oberrabbiner Moische Friedman
aus Wien öffentlich gegen die Medienschlammschlacht gewandt, mit der Kardinal Meisner konfrontiert wurde.
Hier ein Rückblick auf die Ereignisse, zumal die letzten zwei Stationen kaum bekannt sind:
1. Erzbischof
Joachim Meisner hält am Dreikönigs-Fest eine Predigt im Kölner Dom. Keiner hätte sich über irgendeinen
Satz gewundert, wenn es nicht Paul Spiegel gäbe, dessen Polit-Fantasie schon beim „Fall Hohmann“ ins
Kraut schoß.
Die vom Zentralratsvorsitzenden angegriffenen Aussagen des Kardinals boten keinen Anlaß
zur Aufregung, sorgten aber gleichwohl für ein mediengewaltiges Kesseltreiben gegen den Prediger. Sogar
der neue CDU-Generalsekretär Volker Kauder distanzierte sich hurtig vom angeblichen Schreckgespenst im
Kardinalspurpur.
2. Daß Kardinal Meisner noch am Abend des gleichen Tages eine
„Relativierung“ der betreffenden
Passage vornahm, hat viele enttäuscht, weil dies in den Medien als „Entschuldigung“ ausgegeben wurde.
Was den Kölner Erzbischof hierzu bewogen hat, wird er selbst am besten wissen.
3. Doch der Zentralratsvorsitzende
schaukelte weiter auf seiner Empörungswelle. Am 13.1.2005 erklärte er allen Ernstes, daß er den Rückzieher
des Kardinals nicht als „Entschuldigung“ annehme. Bei der Es-tut-mir-leid-Aussage Meisners handle es sich
lediglich um eine „Erklärung“.
4. Ob der vierte Akt – zweifellos die Krönung des famosen Schauspiels –
nur eine primitive Retourkutsche von Paul Spiegel darstellt oder von deutscher Gründlichkeit in seiner
Kampagne zeugt, entzieht sich unserer Kenntnis. Die „Kölner Kirchenzeitung“ berichtet folgendes:
Am
9.1.2005 hielt Paul Spiegel in der evangelischen Gemarker-Kirche (Wuppertal-Barmen) einen Vortrag über
„Jüdisches Leben“ und sagte dort:
Ob es sich nun um die Affäre um Kardinal Meisner, den Bundestagsabgeordneten
Hohmann, die geplanten oder vollzogenen Sprengstoffanschläge auf jüdische Einrichtungen, die fast alltäglichen
Schändungen von jüdischen Friedhöfen handle – bei ihm hinterlasse das immer wieder tiefe „Ratlosigkeit“,
„Trauer“ und manchmal einfach „schlichte Wut“.
Bei uns hinterläßt es Empörung, wenn Kardinal Meisner
und der Abgeordnete Hohmann in einem Atemzug mit Sprengstoff-Terroristen und Grabschändern aufgelistet
werden.
In seiner schriftlich verbreiteten Rede hat Paul Spiegel seine peinlichen Ausrutscher gegen Kardinal
Meisner korrigiert und dessen Namen wieder gestrichen. Den Parlamentarier Hohmann gesellt er aber weiterhin
zu Gewalttätern und Friedhofsschändern.
Ist Paul Spiegel auch bereit, statt Diffamierungen zu verbreiten,
Fakten zu akzeptieren? Beim Thema „Hohmann und die Schändung jüdischer Friedhöfe“ sagen Tatsachen mehr
als viele Worte.
Als der inzwischen „fraktionsfreie“ Bundestagsabgeordnete 1984 zum Bürgermeister von
Neuhof gewählt wurde, sorgte er in einer seiner ersten Amtshandlungen dafür, daß der kommunale jüdische
Friedhof renoviert wurde. Er ließ alle umgefallenen Grabsteine neu aufrichten.
Im Jahr 2004 machte sich
Hohmann zudem an die Renovierung des dortigen Mahnmals. Er ließ die verwitterten Tafeln mit den Namen
von jüdischen Opfern gegen neue Tafeln austauschen. Ist das in den Augen Spiegels ein Beispiel für die
Schändung jüdischer Gräber?
Als der Kardinal am 7. Januar durch den braunen Dreck gezogen wurde, haben
wir als KARDINAL-von-GALEN-Kreis sofort eine Pressemitteilung herausgebracht. Dieser Kreis, den ich seit
drei Jahren leite, setzt sich für das Lebensrecht aller Menschen ein, auch der Babys im Mutterleib.
Diese Presse-Erklärung wurde in der Kölner Kirchenzeitung vom 14.1.2005 zitiert und die Überschrift
dort auf der Titelseite sinngemäß übernommen. Auch die „Aktion Leben“ veröffentlichte am selben Tag
eine klare Verteidigung von Kardinal Meisner. Sodann folgte Martin Hohmann mit einer Pressemitteilung,
die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Der christliche Parlamentarier stellt darin klar,
daß die eigentliche „Affäre“ nicht etwa in Meisners Predigt besteht, sondern im grausigen Skandal des
Abtreibungsmordes, der weltweit laut der Weltgesundheitsorganisation jährlich ungefähr 60 Millionen
Opfer fordert.
Gottlob unterstützten weitere Verbände öffentlich den Erzbischof von Köln, so die
„Christdemokraten für das Leben“ und das „Forum deutscher Katholiken“.
Besonders verdienstvoll ist die
an den Kölner Generalstaatsanwalt gerichtete
Beschwerde des Rechtsanwalts Leo Lennartz gegen Paul Spiegel.
Dr. Lennartz ist als Vorstandsmitglied der „Christdemokraten für das Leben“ bekannt. Er bescheinigt dem
Zentralratsvorsitzenden unter anderem rechtswidrige Androhung eines empfindlichen Übels zwecks Nötigung.
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