Schweiz
Wer ist der verräterische Domherr?
Die Sonderrechte einiger Schweizer Diözesen bei der Bischofswahl sind alte Zöpfe, die abgeschnitten gehören. Von Markus Carloni.
Der designierte Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder
Der designierte Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder
(kreuz.net) Am Freitag, 6. Juli, wählte das Domkapitel von Chur einen neuen Bischof.

Kaum war die streng geheime Wahl vorüber und die Sakristei der Kathedrale, wo der neue Bischof gewählt worden war, verlassen, petzte ein eidbrüchiger Domherr das Wahlergebnis der antikatholischen Zürcher Tageszeitung ‘Tages-Anzeiger’.

Der ‘Tages-Anzeiger’ Journalist Michael Meier brüstete sich anschließend, daß er die Informationen über die Bischofswahl von einer „sehr zuverlässigen“ Quelle bekommen habe.

Wahrscheinlich ist es der gleiche Verräter, der bereits bei der Wahl von Mons. Amédée Grab – dem Vorgänger von Mons. Vitus Huonder – tätig war.

Blitzartig erschien die Meldung zuerst im Internet, am Samstag morgen in der Zeitung. Meiers Bericht ist ein primitiver Hetzartikel gegen den neuen Bischof.

Weitere Enthüllungen

Am Montag vernahm man, daß der stellvertretende Pressesprecher des Zürcher Generalvikariats, Domherr Franz Stampfli, sich negativ über die Dreierliste geäußert hatte, die der Nuntius am Freitag dem Domkapitel persönlich vorgelegt hatte.

Domherr Stampfli war seinerzeit ein Intimfeind von Bischof Wolfgang Haas und nahm an der jüngsten Bischofswahl teil.

Jetzt schimpfte er über ein angeblich „undurchsichtiges Wahlverfahren“. Auf der Liste seien Prälat Vitus Huonder und zwei weitere unwählbare Kandidaten gestanden, die mit dem Bistum nichts zu tun hätten.

[Anm. d. Red.: Die mittlerweile bekannt gewordenen beiden weiteren Namen auf der Dreierliste waren der Weihbischof der Diözese Genf, Freiburg und Lausanne, Mons. Pierre Bürcher (61), und der Nuntius in Korea und der Mongolei, Erzbischof Emil Paul Tscherrig (60), beide gebürtig aus dem Kanton Wallis]

Dadurch sei den Domherren nichts anderes übrig geblieben, als Mons. Vitus Huonder zu wählen.

Die Äußerungen des berüchtigten Domherrn sind verurteilungswürdig.

Man kann davon ausgehen, daß die anderen beiden Priester oder eventuell Bischöfe auch Schweizer waren. Waren sie wertlos?

Und wenn sie keine Schweizer gewesen wären? Ist die katholische Kirche nicht eine Weltkirche? Wenn es um eine Bischofswahl geht, zeigen sich gewisse Katholiken furchtbar kleinkariert.

Sie fördern in großer nationalistischer Engstirnigkeit den antirömischen Affekt.

Kündigung des Konkordats

Weil die antirömischen Querelen bei einigen Priestern und Laien schon seit Jahrzehnten anhalten, müßte der Vatikan das Konkordat mit dem Bistum Chur endlich kündigen.

Gleiches gilt für die Sonderwahlrechte in den Schweizer Bistümern Basel und St. Gallen. Das sind alte Zöpfe.

Das Zweite Vatikanum hat alle Regierungen der Welt aufgefordert, auf Privilegien bei Bischofsernennungen zu verzichten.

Gewisse Aussagen des Zweiten Vatikanums werden zwar von manchen gerne bejubelt. Dennoch werden legitime Forderungen des Konzils zur Entpolitisierung von Bischofsernennungen nicht erfüllt – und das schon seit über vierzig Jahren.

Markus Carloni ist Präsident der ‘Pro Ecclesia Zürich’ und spricht hier auch im Namen der ‘Pro Ecclesia’ der Kantone Schwyz und Uri.
      
7 Lesermeinungen
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#7   landorganist   13:35:30 | Montag, 16. Juli 2007
Genau,
aufräumen heißt die fundamentaltraditionalistische Devise! Weg mit dem Modernismus, weg mit dem Humanismus, weg mit Toleranz und Nächstenliebe, weg mit der Frohen Botschaft…ähm, naja, nicht so ganz, nur soweit, wie es in den fundamentalistischen Kram passt, her mit Antimodernisteneid und Inquisition, …dann werden die Kirchen wieder voll…
Übrigens: Das Domkapitel der Hohen Domkirche zu Münster hat neben dem Recht der Bischofswahl noch ein weiteres: Je nach Anlass können die Mitglieder zwischen einer wollenen und einer seidenen Mozetta wählen. Unglaublich und einmalig! Weg mit der Wolle, her mit der Seide! Sicher ist da auch der NOM dran schuld, gleichwohl es dieses Recht schon seit erdenklichen Zeiten gibt, egal, was stört das die traditionalistische Logik?
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#6   RJH   22:28:53 | Samstag, 14. Juli 2007
Da gehört einmal richtig aufgeräumt
Diese krampfhaft betonte „Sonderstellung“ die sich etliche schweizer Gruppierungen und Gemeinden meinen innerhalb der einen katholischen Kirche sich rausnehmen zu müssen sind ein einziges Ärgerniss. Ein Skandalon. Was dabei für Zustände entstehen können sieht man ja z.B. in Röschenz. Ich hoffe die Schweiz bekehrt sich irgendwann.
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#5   Pünktchen   20:01:03 | Samstag, 14. Juli 2007
Marina,
>>>Hier www.forum-pfarrblatt.ch/…t-fuer-mich-im-gebet/ <<< geht’s zum Bischofsinterview!
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#4   Marina   19:38:18 | Samstag, 14. Juli 2007
hier gehts zum neuen Bischof-Interview
der neu gewählte Bischof ist auf www.bistum-chur.ch zu finden, und das Interview hier draufklicken evtl. mit dem draufklick-link oder sonst auf www.forum-pfarrblatt.ch/archiv/2007/forum-nr-16-2007/ein-wichtiger-akzent-liegt-fuer-mich-im-gebet/
gruss an alle Interessierten
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#3   HeinrichvonOfterdingen   18:11:26 | Samstag, 14. Juli 2007
Lieber Gotthard,
eher nicht! Das sind Missstände!
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#2   Gotthard   17:19:38 | Samstag, 14. Juli 2007
Bischofsernennungen
Die freie Bischofsernennung durch den Papst im allgemeinen gehört zugunsten einer Beteiligung der Bistümer geändert.
Die Churer und die deutschen Regeln könnten dabei wegweisend sein.
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#1   Römisch-Katholisch   17:11:42 | Samstag, 14. Juli 2007
Stampfli und Konkordate
Domherr Stampfli war Pfarrer der Pfarrei St. Peter und Paul in Zürich. Seinerzeit 2004, als die Protestanten in Zürich den 500-jährigen Geburtstag von Reformator Heinrich Bullinger, Nachfolger von Ulrich Zwingli, feierten, war Domherr Stampfli in einer aktiven Rolle beim Gottesdienst dabei: Er half nämlich beim Austeilen des reformierten Abendmahles!
Zu den Konkordaten: Bei der Bischofswahl in Chur kann Rom wenigstens mitreden und eine Dreierliste erstellen, währenddem Rom in St. Gallen und Basel gar nichts zu sagen haben. In Basel dürfen sogar die Regierungen der zehn Bistumskantone einen ihnen nicht genehmen Namen auf der vom Domkapitel erstellten Zehnerliste streichen. Aber ich bin da zuversichtlich, dass diese alten Zöpfe bald abgeschnitten werden.
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