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Montag, 24. Januar 2005 10:51
Schweiz: Bischof Amédée Grab auf schwierigem Pflaster?
Die Schweizer Katholiken legten eine gewisse Tendenz an den Tag, ihre Kirche losgelöst von der Weltkirche zu betrachten. Das sei für die Verantwortlichen im Vatikan nicht immer leicht nachzuvollziehen. Bischof Amédée Grab (74), Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, im Interview.
(kreuz.net, Chur) Was tut ein Bischof den ganzen Tag? Welche sind die bischöflichen Sorgen in der schweizerischen Wohlstandsgesellschaft? Ist die Schweiz für einen Bischof ein schwieriges Pflaster?

Letzten Freitag veröffentlichte die Tageszeitung „Zürcher Oberland“ ein Interview mit Bischof Amédée Grab OSB. Bischof Grab ist der Bischof von Chur (Südostschweiz) und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Zürich, die größte und wichtigste Schweizer Stadt, ist dem Bistum Chur angegliedert.

Zur Frage, was ein Bischof den ganzen Tag mache, meinte Bischof Grab, daß der Arbeitstag eines Bischofs wie derjenige einer Führungsperson in Wirtschaft oder Verwaltung von verschiedensten Aufgaben geprägt sei. Der Empfang von Besuchern, die Erledigung der Post und die Anhörung der Sorgen von Mitarbeitern gehörten in den sitzungsfreien Tagen ebenso zum Alltag wie die eigentliche Seelsorge. Diese, so Bischof Grab, sei ihm eine bevorzugte Aufgabe, für die leider immer weniger Zeit bleibe.

Die Förderung des Glaubens sei nicht nur seine Hauptaufgabe, sondern auch sein größtes Anliegen. Es brauche die Einheit im Bistum, damit der Glaube überzeugend vermittelt und ebenso überzeugend gelebt werden könne. Die beste Werbung für Gott sei der gelebte Glaube.

Auf die Frage, wie man Bischof werde, meinte Bischof Grab, das sei keine Frage der Karriere, sondern der Berufung. Das Kirchenrecht verlange, daß ein Bischofskandidat seit mindestens zehn Jahren Priester sei. Daneben gebe es aber die inneren Bedingungen: „Es ist dies die Bereitschaft des Kandidaten, dieses schwere Amt zu übernehmen, sowie die Bereitschaft der Kirche, ihre Entwicklung in die Hände gerade dieses Menschen zu legen. Ein Anspruch auf eine Stufe in der ‘kirchlichen Karriereleiter’ gibt es ebenso wenig wie bei der Priesterweihe.“

Als Bischof weiß Amédée Grab, daß „derjenige verloren hat, der seine Worte in der Öffentlichkeit nicht sorgfältig auswählt. Gerade heute ist das wichtiger denn je.“

Im Interview wurde der Bischof auch gefragt, ob die Schweiz ein schwierigeres Pflaster sei, als andere Gegenden der Welt. „Da muß man unterscheiden“, antwortete Bischof Grab. „Denkt man an die vielen Verfolgungen, die Kirchenleute in den kommunistischen Staaten zu erleiden hatten, die Verleumdungen, welchen Bischöfe in Lateinamerika wegen ihres Eintretens für die Armen ausgesetzt waren, oder an die Grausamkeiten von Bürgerkriegen, die Bischöfe in einigen Ländern Schwarzafrikas – etwa in Ruanda – haben ansehen müssen, dann sind die Schwierigkeiten eines Schweizer Bischofs erträglich.“

Auf die Frage nach den spezifischen Sorgen eines Bischofs in der Schweiz antwortet Bischof Grab: „Es sind deren viele, sie betreffen nicht nur die schweizerische Gesellschaft, sondern alle Gesellschaften in der westlichen Welt.“ Das Christentum werde von einigen Kreisen systematisch lächerlich gemacht. Durch Nichtwissen in religiösen Belangen entfalte sich eine Gleichgültigkeit, die im besseren Fall ‘nur’ zu einer Betonung des Laizismus führe und im schlechteren zu einem Aufblühen von Sekten.

Wurde die Kirche in der jüngeren Vergangenheit am stärksten von den Kommunisten und von den Verehrern der Aufklärung herausgefordert, machten uns in der Gegenwart Sekten und Privatpersonen das Leben schwer. Am schlimmsten sei für einen Bischof, der in seinem Bistum ja für Gott werben sollte, die sehr verbreitete Glaubenskrise, der Teufelskreis von Gleichgültigkeit und Konsumismus.

Die Frage nach dem Verhältnis der Schweiz zur katholischen Welt ist, so der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, gerade in seiner Position eine besondere Herausforderung. Er müsse in Rom immer wieder Verständnis dafür wecken, daß die Ortskirche gerade in der Schweiz eine andere Organisation hat als anderswo in der katholischen Welt. „In unserem Land ist die Kirchgemeinde zentral, die Schweiz ist gemeindezentrisch organisiert. Das ist für die Verantwortlichen im Vatikan nicht immer leicht nachzuvollziehen.“

Gleichzeitig legten die Schweizer Katholiken eine gewisse Tendenz an den Tag, ihre Kirche losgelöst von der Weltkirche zu betrachten. Hier sei es seine Aufgabe, auf die weltweite Ausdehnung und die Einheit der Kirche aufmerksam zu machen.
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