18:11:06 | Montag, 16. Juli 2007
Das Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ erlaubt nicht nur die Alte Messe. Es öffnet auch Blinden die Augen. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Kirchlichen Schönfärbern gehen die Augen auf. Jahrzehntelang war kein Mißstand und kein
Sakrileg groß genug, um die kirchlich- progressistische Hurrah-Fraktion aus ihrer Begeisterung zu schaukeln.
Die Konzilskirche hatte für alle Verständnis, nur für jene Defätisten nicht, die den angeblichen
Marsch der Konzilskirche Richtung Sonne in Frage stellten.
Alles war Neuaufbruch. Alles war Geist. Alles
war Frühling.
Der letzte Pessimist, der sich in den konziliären Flitterwochen nicht ganz unterkriegen
ließ, war der finstere Augustinianer und Präfekt der Glaubenskongregation. Er glaubte noch an das Böse
im Menschen – und sagte es auch ab und zu.
Im übrigen wurden leiseste Hinweise auf die allgegenwärtigen
Probleme niedergezischt. Es war doch schließlich alles in Butter auf dem sinkenden Konzilskutter.
Es
stellt geradezu eine Kulturrevolution dar, daß sich jetzt manche diözesane Bürokraten auf den Ernst
der Lage besinnen.
So machte Wolfgang Bullin – Chefredakteur des ‘Würzburger katholischen Sonntagsblattes’ –
kürzlich auf angebliche „Risiken und Nebenwirkungen“ der freigegebenen Alten Messe aufmerksam.

Risiken
und Nebenwirkungen? Darüber hat die Kirche in den letzten Jahrzehnten in der Tat zu wenig nachgedacht.
Aber was kann uns nach dem, was Päpste, Bischöfe und Priester in den letzten vierzig Jahren über die
Kirche gebracht haben, noch erschüttern?
Nein. Bullin beklagt sich nicht über die säkularisierte Liturgie,
den atheistischen Religionsunterricht, die zerrüttete Sakramentenpraxis oder den Massenabfall der Gläubigen.
Er warnt vor der Alten Messe.
Bereits im Vorfeld des Motu Proprios hätten Bischöfe, Kardinäle und
Bischofskonferenzen „massiv“ vor einer generellen Wiederzulassung der Alten Liturgie gewarnt – so Bullin
verständnisvoll.
Doch im Vatikan habe man anders entschieden: „Immerhin haben die Proteste offensichtlich
zu einer Art »Packungsbeilage« geführt, einem erläuternden Schreiben des Papstes an die Bischöfe
der Weltkirche.“
Allerdings würden darin Risiken und Nebenwirkungen von vorneherein weitestgehend ausgeschlossen –
klagt der Journalist: Auch Empfehlungen für die Anwendung würden fehlen.
Das sei umso schmerzlicher,
als den bislang dafür Zuständigen – den Ortsbischöfen – die Entscheidung darüber, ob und in welchen
begründeten Ausnahmefällen sie das „Medikament“ überhaupt einsetzen wollten, entzogen worden sei.
„Die Verantwortung dafür, daß es keinen Schaden anrichtet, hat man ihnen gelassen“ – so Bullin.
Der
Journalist sorgt sich zu Recht. Denn in Sachen Schadensverhütung haben die Diözesanbischöfe der letzten
vierzig Jahre nicht unbedingt geglänzt.
Dafür besitzen sie eine fantastische Fähigkeit, den Gläubigen
ein X für ein U vorzumachen und kirchliche Katastrophe – mögen sie noch so katastrophal sein – unter
den Teppich zu reden.

Warum, glaubt Bullin, sollte den Bischöfen diese bewährte Fähigkeit im Zusammenhang
mit der Alten Messe nicht auch zur Verfügung stehen?
Bullin kommt zum Schluß, daß die Freigabe der
Alten Messe ein Therapieversuch sei, „der in dieser Form nicht notwendig gewesen wäre“.
Diese Aussage
ist zwar falsch. Sie stellt aber trotzdem einen Schritt vorwärts dar.
Denn dem Papst ging es bei der
Freigabe der Alten Messe tatsächlich nicht – wie so manche Kommentatoren unterstellten – um einen inhaltsleeren
politischen Trick im Dienste der Beförderung einer inhaltlich undefinierten „Einheit“.
Es geht ihm in
der Tat um Therapie, Heilung.
In der Kirche können die Begriffe Heilung und Heiligung fast als Synonyme
begriffen werden.
Angesichts der verweltlichten liturgischen Feiern des Neuen Ritus – sie sind die Regel,
nicht die Ausnahme – ist diese Heiligung und Heilung dringend notwendig. Sie geschieht in der Liturgie.
Hier herrscht in der Tat ein verzweifeltes Therapiebedürfnis.
Daß Bullin nach diesem – wenigstens
indirekten – Lichtblick, in alte Bahnen zurückfällt, sei ihm verziehen:
„Das entscheidende Kriterium
wird sein, ob dieser Schritt die Einheit fördert oder ihr vielmehr schadet.“
Ist Einheit wirklich das
„entscheidende Kriterium“ – wichtiger als „Therapie“?
Nie in der Kirchengeschichte wurde das Wort Einheit
so häufig gebraucht wie heute, nie waren wir davon so weit entfernt.
Etwas stimmt tatsächlich nicht
mit dem goldigen Kalb der Einheit, das heute in der Ökumenekirche angebetet wird. Darum sorgt sich Bullin
zu Recht.
Doch es gibt eine Therapie: Die Rückkehr zur Therapie.
‘Youtube’: Tridentine Latin Mass:
Last Sunday after Pentecost
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