Die Fehlentwicklungen in der Liturgie begannen nicht mit dem Zweiten Vatikanum
Am vergangenen 15. Januar sprach der Priester Dr. Gregor Hesse vor dem „Initiativkreis Wien“ zur Geschichte der Liturgie seit Papst Leo XIII. Dr. Hesse (51) ist habilitierter Theologe und ehemaliger Privatsekretär des österreichischen Kurienkardinals Alfons Stickler. Seit 1991 lebt er in Wien. Dr. Hesse ist ein gesuchter Redner, Publizist und Übersetzer.
(kreuz.net, Wien) In seinem Referat vor dem „Initiativkreis Wien“ äußerte sich Dr. Hesse über die Entwicklung
der Liturgie seit Papst Leo XIII. († 1903) bis in die Gegenwart.
Der „Initiativkreis“ ist eine international
tätige Organisation von katholischen Laien und Priestern, die sich für das Recht auf eine integrale
Verbreitung des katholischen Glaubens und gegen jede Art laizistischer Diskriminierung der Religion stark
macht.
Dr. Hesses Vortrag stellte heraus, daß die Liturgiereform des Jahres 1969, die den gegenwärtig
verwendeten Meßritus hervorbrachte, eine fast hundertjährige Vorgeschichte besitzt. Auch die Fehlentwicklungen
in der Liturgie reichten weit hinter das Vatikanische Konzil zurück.
Bereits der selige Papst Pius IX.
(† 1878) habe in seiner Bulle „Ineffabilis Deus“, mit der er die Lehre der Unbefleckten Empfängnis dogmatisierte,
einen subtilen Fehler begangen. Am Ende der Enzyklika würden nämlich auch jene Gläubigen exkommuniziert,
die „in ihrem Herzen“ gegen das neue Dogma sinnen. Nach der traditionellen Lehre der Kirche sind aber
nur jene Häretiker exkommuniziert, die einem Dogma öffentlich widersprechen. Der dogmatisch unsaubere
Text von Pius IX. wurde ins Brevier aufgenommen, womit der Fehler auch in die Liturgie der Kirche eingedrungen
sei.
Unruhe sei dann durch Papst Leo XIII. († 1903) in die Liturgie hineingekommen. Leo XIII. habe während
seines Pontifikates die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Zahl von 25 Heiligen zur Ehre der
Altäre erhoben. Zugleich sei den Festtagen der neuen Heiligen ein zu hoher Grad (Duplex) verliehen worden.
Das habe dazu geführt, daß die neuen Heiligen nicht nur die Feste altehrwürdiger Heiliger des Meßkanons,
sondern auch den normalen Sonntag verdrängt hätten, obwohl der Sonntag das Fest der Auferstehung Christi
ist.
Als Reaktion auf diese Fehlentwicklung habe der Hl. Papst Pius X. († 1914) wiederum massiv in die
Liturgie eingegriffen, indem er das Gewicht der normalen Sonntage gegenüber den Heiligenfesten erhöhte.
Papst Pius X. sei auch bemüht gewesen, Defizite im Stundengebet der Priester zu beseitigen und dessen
Verrichtung zu erleichtern. Allerdings sei durch die zu häufige Wiederholung der Sonntagspsalmen die
traditionelle Rezitation aller 150 Psalmen in einer Woche de facto fallen gelassen worden.
Unverändert
blieb die Liturgie unter Papst Pius XI. († 1939). Allerdings sei das „filioque“ bei einem päpstlichen
Hochamt aus dem Glaubensbekenntnis genommen worden, weil gerade russisch-orthodoxe Würdenträger in Rom
zu Besuch weilten. Das sei aus kirchenpolitischen Gründen geschehen.
Das „filioque“ ist jener Teil des
Glaubensbekenntnis, der sagt, daß der Heilige Geist vom Vater „und vom Sohn“ (lateinisch: „filioque“)
ausgeht. Das „filioque“ fehlt im Credo, wie es bei den Orthodoxen gebetet wird.
Papst Pius XII. († 1958)
nahm tiefgreifende Veränderungen in der Liturgie der Karwoche vor. So entfiel am Karfreitag die „Messe
der vorgeheiligten Gaben“ (missa praesanctificatorum). Sie wurde durch einen Wortgottesdienst mit Kommunionempfang
ersetzt. Das wurde sakramententheologisch begründet, sei aber liturgisch falsch und widerspreche der
Tradition. Mit diesem Schritt habe der Papst das Wesen der Karfreitagsliturgie verändert.
Die im Jahre
1969 eingeführte sogenannte Liturgiereform und der „Novus Ordo“ sei mit dem Römischen Ritus nicht mehr
identisch. Als Neuerung müsse sie nach den Kriterien geprüft werden, welche Papst Leo XIII. für die
Beurteilung des „Neuen Ritus“ in der anglikanischen Liturgie entwickelt hat. Die neue Messe sei der anglikanischen
Liturgie ähnlich, die von Thomas Cranmer († 1556) verfaßt wurde. Cranmer war Erzbischof von Canterbury
unter Heinrich VIII. sowie der Hauptverantwortliche für die Abschaffung der katholischen Liturgie in
England und für die Einführung der anglikanischen Reformation.
Autor des „Novus Ordo“ war Erzbischof
Annibale Bugnini, der schon die Osterliturgie unter Papst Pius XII. reformiert habe.
Der Vortrag von
Dr. Gregor Hesse kann auf Tonkassette oder CD bestellt werden bei: Herrn Erwin Dullinger, Reuchlinstr.
22, A-4020 Linz, Mobiltel. A: 0043-(0)650-2603343, Mobiltel. B: 0043-(0)664-4009128. Eine Tonkassette
(90 Min.) kostet EUR 7,--, eine CD (80 Min.) EUR 10,--. Versandkosten: Österreich ca. EUR 1,-- für ein
Stück, nach Deutschland und andere Länder etwas teurer.
Email-Adressen der Empfänger
18 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#17 Vetter Taferl 15:13:08 | Sonntag, 30. Januar 2005
Ein paar Antworten zu verschiedenen Fragen betr. Hw. DDr. Gregor Hesse @ turk: ad 1) Hw. Hesse hat sich
in Rom habilitiert, welche Hochschule, müßte ich ihn fragen; die Habilitation wäre auf jeden Fall an
einer katholisch-theologischen Fakultät in Deutschland gültig, sollte ihn dorthin der Ruf ereilen (was
natürlich nicht zu erwarten ist. ad 2) Meines Wissens in Kirchenrecht; wird international von kath. Theologie
unterschieden. ad 3) Kardinal Stickler konnte ihn nicht als Privatsekretär halten, weil er in Pension
gegangen ist und einerseits keinen Privatsekretär mehr benötigte, andererseits die Finanzierungszusage
eines Unternehmers, welcher den Gehalt bezahlte, ebenfalls an eine aktive Amtsausübung Kardinal Sticklers
gebunden war. Bitte keine persönlichen Verunglimpfungen gegen Ihnen völlig unbekannte durchführen. @
Dolfus: „supplet ecclesia“ hat seine Grenzen, dieser Grundsatz kann nicht aus einem Nichtsakrament ein
Sakrament machen. Zum Verständnis: Angehende Priester üben die Hl. Messe. Äusserlich sehen sie dabei
so aus wie Priester, die eine Messe lesen, doch fehlt ihnen die Intention (und die Weihevollmacht). Ohne
Intention gibt es kein Sakrament. Ein Priester, der sich mit Wasser übergießt, wäscht sich z.B. in
der Regel und hat keine Absicht zu taufen. Ebenso Pflegepersonal bei Pflegebedürftigen. Eine „Schwarze
Messe“ kann nicht zu einer Wandlung führen, weil sie das Gegenteil einer Hl. Messe ist. ad 1) Schlußfolgerung
richtig, die meisten NOM-Messen sind aus diesem Grund und weiteren ungültig. ad 2) Es handelt sich um
den Unterschied zwischen christlicher Erlösungslehre und antichristlicher Allerlösungslehre. Glaube
ich, dass Christus Fleisch angenommen hat in Maria der Jungfrau, um letztlich die Sünde und den Tod zu
besiegen und um die zu retten, die guten Willens sind; oder glaube ich, dass Christi Tod nutzlos war (ein
Aufrührer, spinnerter Flower-Power-68er), weil dieser Opfertod gar nicht erforderlich war, weil ohnedies
alle gerettet sind, unabhängig davon, ob sie getauft sind oder glauben? Im letzteren Falle bin ich kein
Christ und kann als Priester gar keine Wandlung bewirken, weil die entsprechende Intention fehlt. Glaube
ich tatsächlich, dass das Hl. Meßopfer für alle aufgeopfert wird, also auch für jene, welche in der
Hölle sind? Oder glaube ich – entsprechend der Tradition – dass dies nur für Seelen möglich ist, die
noch im Fegefeuer sind, also schon für den Himmel bestimmt sind, aber noch eine Zeit lang gereinigt werden
müssen von ihren Sünden und ihre Sündenstrafen erfüllen müssen. Also im Prinzip ist die Sache klar,
man muß sich nur der Konsequenzen bewußt sein.
@Stimme aus dem Tradiland Vergelt’s Gott für ihre Ausführungen. Es ist viel Wichtiges dabei, worin ich
zustimme, bin aber wohl eher ein „gemäßigter Traditionalist“, da ich in manchen Schlußfolgerungen nicht
zustimmen kann. 1) Wieso soll die Reformierte Messe nur gültig sein, wenn der zelebrierende Priester
die rechte Intention hat? Diese Intention ist in unzählbaren Fällen sicher nicht mehr gegeben, da die
konzilskirchliche Seminar- und Theologieausbildung fast geschlossen den Opfercharakter der hl. Messe leugnet.
Die Antwort, die auch viele andere orthodoxe Theologen geben, ist: „supplet ecclesia“ (weiß nicht, ob
es dazu Einwürfe gibt) 2) Die Ungültigkeit einer hl. Messe in der Volkssprache, wenn eine ungenaue oder
auch fehlerhafte Übersetzung vorliegt. Insbesonders „alle“ statt „viele“ müßte laut griechischem Urtext
wörtlich „die vielen“ heißen“, dies könnte man theoretisch, wenn man es unpräzise handhabt, mit „alle“
übersetzen (wenngleich ich das nicht befürworte, und „die vielen“ für angebrachter, weil präziser
hielte, auch was die Einbeziehung der lateinischen Tradition betrifft). Ich glaube darum, daß man zu
voreilig ist, die volkssprachlichen NO-Messen pauschal als ungültig zu erklären, zumindest in diesem
Argumentationspunkt.
Wer ist „DDr. Gregor Hesse“? Ganz abgesehen von den Inhalten, sollte der Referent folgende Fragen beantworten:
1. Wo hat sich der Priester Hesse habilitiert? 2. Woher hat der Priester Hesse sein zweites Doktorat?
3. Warum wollte ihn Kardinal Stickler als Privatsekretär nicht halten? Da es scheint, daß der Priester
Hesse zu eigenwilligen Auslegungen neigt, könnte es sein, daß er nicht DDr. Gregor Hesse, sondern Dr.
Gregor Hesse ist, so ähnlich, wie wenn ein nicht zum Monsignore ernannter Priester trotzdem so herumläuft
wegen „irgendeines Privileges aus 1639, das sich auf den Weiheort bezieht“.
#14 FioreGraz 15:06:52 | Donnerstag, 27. Januar 2005
@Tradi Wenn ich die Messe als magisches TReiben sehe mit Zaubersprücherl magst du auch recht haben, nur
frage ich mich dann warum LAtein? Wenn schon in der Sprache des Herrn auf arramäisch. Was gibt dem LAteinischen
die KRaft das nur diese Sprache die Wandlung vollziehen mag? Die gleiche Auffasung findet man bei allen
heidnischen Kulten und Esoterikern. Also ist es ein leichtes für mich persönlich so etwas abzulehnen.
Gott lässt sich durch Worte beherrschen? Nur die wahren Worte vollziehen die WAndlung? Zum Volksaltar
und Handkomunion, bis ins 6.Jhdt. saßen die Christen noch an einem Tisch und feierten die Liturgie und
vollzogen die teuflische Handkommunion. OAg das wir 1000 Jahre brauchten bis wir echte Christen wurden.
Zur Übersetzung starb christus speziell nur für die Christen die örtlich und zeitlich genau in dieser
Messe anwesend sind für viele Christen oder für alle Christen? Lex orandi lex credendi kannst du nicht
trennen und nicht eins dem anderen vorziehen, ich kann nicht beten was ich nicht glaube und mein glaube
drückt sich im Gebet aus. Und wenn steht der Glaube über dem Gebet, denn das Gebet ist der Ausdruck
meines Glaubens und mein Zeugnis, aber mein Glaube hängt nicht vom Buchstaben des Gebetes ab. LG Fiore
Der Freimaurerritus bewahrt nicht Inhalt und Glauben des Hl. Meßopfers! Dazu nur zwei kurze Hinweise.
Die hwst. Cardinäle Ottaviani und Bacci erklären schon 1969 in ihrer Kurzen Kritischen Untersuchung
des NOM dass der neue Ritus nicht mehr ex vi verborum (aus der Kraft der Worte) wirke, sondern nur noch
durch die Intention des Zelebranten. Weiters führen sie aus, dass diese Intention aufgrund der abgeänderten
Priesterausbildung in Zukunft immer seltener zu erwarten sei, weil die Anzahl der traditionell ausgebildeten
Priester kontinuierlich abnehme. 35 Jahre nach dieser Aussage dieser glaubenstreuen Cardinäle muß man
also davon ausgehen, dass es kaum noch gültige Hl. Messen gibt, weil die richtige Intention fehlt. Dazu
kommen weitere Abänderungen, die die Cardinäle Ottaviani und Bacci noch nicht einmal in ihre Untersuchung
einbeziehen konnten. Am schädlichsten ist dabei die fast ausschließliche Übersetzung von „pro multis“
mit „für alle“ (mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden), sehr
schädlich weiters die Einführung des „Volksaltares“ (ein Widerspruch in sich – entweder Altar Gottes
oder Tisch des Volkes) und der Handkommunion (die die satanistische Verwendung in „schwarzen Messen“ erleichtert
hat). Um wieder Hw. DDr. Hesse zu zitieren: Der NOM ist (mit Blick auf das trid. Konzil, Quo Primum und
den Krönungseid – so meine Interpretation) unerlaubt und nach den Kriterien Papst Leos XIII. zu untersuchen,
die jener für die Überprüfung der (häretisch-schismatischen) anglikanischen Liturgie entwickelt hat.
Die Gültigkeit des NOM ist unter dem Blickwinkel von „pro multis“ zu untersuchen. Das letztere hat Hw.
DDr. Hesse nicht näher ausgeführt, ich traue mir aber zu, hier interpretatorisch fortzusetzen. Also:
Wenn ein Priester den lateinischen Wortlaut des Kanon verwendet: Gültig. Wenn er die falsche landessprachliche
Übersetzung verwendet, jedoch nur dann, wenn er eine gegenläufige Intention hat dahingehend, dass das
Hl. Meßopfer nicht für alle, sondern nur für viele aufgeopfert wird. Hat er keine besondere Intention
oder stimmt er mit der Falschübersetzung überein: Ungültig. Im Regelfall daher: NOM-Messen ungültig.
Es geht beim NOM längst nicht mehr um äußere Formen, der Inhalt ist bis ins Mark getroffen. Im übrigen
gilt: Lex orandi – lex credendi. Das Gesetz des Betens bestimmt das Gesetz des Glaubens. Auch diesbezüglich
hat Papst Pius XII. Unfug gesprochen, indem er diesen Grundsatz umgedreht hat. Nochmals Hw. Hesse zitiert:
Wenn Papst Pius XII Recht gehat hätte, das Gesetz des Glaubens das Gesetz des Betens bestimmen würde,
wäre der NOM gerechtfertigt. Ist er aber nicht. Dixi.
#12 FioreGraz 13:36:07 | Donnerstag, 27. Januar 2005
@TRadi Noch zum unsinnigen Gefasel unterhalb über „statische Tradition“ udgl.: Es gibt absolute, ewig
gleiche, unabänderliche Wahrheiten,… Weiß nicht wer dem widerspricht? Basilius nennt dies eine „traditio
constitutiva“, nebenher gibts aber auch eine göttlich apostolische TRadition diese ist in der menschlichen
manifestiert. Die Orthodoxen bezeichnen alle Konzilien wo der Glaube niedergeschriebn wurde als „traditio
constitutiva“, wir katholischen holen wir etwas weiter aus. Aber man hat hier sehr wohl die Traditionen
unterschieden. Die göttlich apostolische TRadition ist auch dafür verantwortlich das die „traditio constitutiva“
erhalten bleibt, erga auch für Form und Symbolik die nicht dieser unabänderlichen Wahrheit nagehören
mit ihr aber verbunden sind. So kann ich die Liturgie nicht in dem Sinne abändern das sie die direkte
Fleischwerdung Christi in der Eucharistie leugnet oder verschleiert. Ich kan sie aber abändern im sinne
der menschlichen tradition um diese „traditio constitutiva“ zu erhalten. Wenn ich die Form nicht ändere
laufe ich gefahr das ich zwar Form erhalte und somit ein „Stadium“ der apostolischen TRadition bewahren
verliere aber dann die eigentlichen unabänderlichen WArheiten die du zitiert hast. Es ist also sehr wohl
eine Frage der statischen Tradition und der sich ändernden um die göttlichen Wahrheiten zu erhalten
und auszudrücken. Eine starre Traditon nur um der Form willen, läuft gefahr genau das Gegenteil zu bewirken.
LG Fiore
#11 FioreGraz 13:22:37 | Donnerstag, 27. Januar 2005
@Joerg „Praeterea declarat, hanc potestatem perpetuo in Ecclesia fuisse, ut in sacramentorum dispensatione,
salva illorum substantia, ea statueret vel mutaret, quae suscipientium utilitati seu ipsorum sacramentorum
venerationi, pro rerum, temporum et locorum varietate, magis expedire iudicaret… Außerdem erklärt
es: Stets lag bei der Kirche die Vollmacht, bei der Verwaltung der Sakramente – unbeschadet ihrer Substanz –
das festzulegen oder zu verändern, was nach ihrem Urteil dem Nutzen derer, die sie empfangen, bzw. der
Verehrung der Sakramente selbst entsprechend der Verschiedenartigkeit von Umständen, Zeiten und Gegenden
zuträglicher ist. „ Das Konzil von Trient, Die Vollmacht der Kirche in der Ausspendung des Sakramentes
der Eucharistie. Man darf nicht die Aussage oder den Glauben ändern aber sehr wohl die Form. Und diese
Gewalt hat die Kirche und diese Gewalt wurde mit dem NOM wahrgenommen. Der Glaube wurde ohne den Inhalt
anzutasten in die Sprache der MEnschen dieser zeit transponiert. LG Fiore
Noch ein paar Klarstellungen zur Tradition Ich habe die Kassette des hier besprochenen Vortrages gehört
und kann darauf hinweisen, dass Hw. DDr. Gregor Hesse auch zum Konzil von Trient und zur Bulle Quo Primum
etwas gesagt hat. Das Konzil von Trient enthält – so sinngemäß die Ausführungen Hesses – eine Bestimmung,
wonach welcher Hirte auch immer – also auch der Papst – Neuerungen oder Abänderungen eines Sakraments
durchführen würde, außerhalb der Kirche stehe. Übersetzt wird es regelmäßig falsch mit „irgendein
Hirte“ und dazu – völlig falsch – interpretiert, dass der Papst nicht damit gemeint sei, weil dieser
die Sakramente, insb. die Liturgie, abändern könne. Zu Quo Primum führte Hw. Hesse aus, dass sich alle
nachfolgenden Päpste so stark daran gebunden gefühlt haben, dass bei allen folgenden Neuauflagen des
römischen Meßbuches Quo Primum abgedruckt wurde und Päpste wie Clemens VIII. und Urban der VIII (hoffe,
die Namen stimmen auch) sich in ihren eigenen, ebenfalls am Beginn des Meßbuches abgedruckten Dekreten
dafür entschuldigt haben, warum sie dennoch etwas zu ändern gefunden hätten, wobei es sich aber nur
um Hinzufügungen, nicht um Abänderungen oder Weglassungen gehandelt habe. Sogar Papst Johannes XXIII.
handhabte dies beim Meßbuch von 1962 (Abdruck von Quo Primum, Begründung für die Abweichung) noch so.
Nicht so aber Papst Pius XII., der in einer Enzyklika (Name fällt mir jetzt nicht ein) sogar – wahrheitswidrig –
ausgeführt hat, dass die Päpste nie Bedenken getragen hätten, die Liturgie zu ändern, dies entgegen
der ganz klaren – völlig conträren – Tradition. Durch die Einführung des Freimaurerritus (kein Zitat
v. Hw. Hesse) vulgo Novus Ordo hat Papst Paul VI. nicht nur gegen das Konzil v. Trient (auch dessen Definitionen
des Hl. Meßopfers) und Quo Primum, sondern auch gegen den Krönungseid verstoßen. Dieser Krönungseid
gilt nach wie vor (ist in den amtlichen Sammlungen auch unter Johannes Paul II. enthalten), obwohl die
Krönung seit Papst Johannes Paul I. nicht mehr stattfindet (auch ein schwerer Verstoß gegen die Tradition).
Noch zum unsinnigen Gefasel unterhalb über „statische Tradition“ udgl.: Es gibt absolute, ewig gleiche,
unabänderliche Wahrheiten, die sich besonders im außerordentlichen Lehramt der Kirche (Dogmen, dogmatische,
wahrhaft ökumenische Konzilien, also ohne V2) manifestieren. Unser nicaenisches Glaubensbekenntnis ist
seit 325 unabänderlich, die christologischen Dogmen von Chalkedon seit 453. Allen Dogmen ist gemeinsam,
dass sie immer schon in der göttlichen Offenbarung enthalten waren, aber erst aus bestimmten Anlässen
(nämlich wenn best. Inhalte der Offenbarung bestritten oder falsch ausgelegt werden) dogmatisiert wurden.
#9 joergx2000 12:56:04 | Donnerstag, 27. Januar 2005
Kirchenrat von Trient Hallo @FioreGraz Für mich ist die kirchliche Welt bis einschließlich dem hl. Pius
X noch in Ordnung. Das schließt den Kirchenrat von Trient mit ein. Aber nenne mir doch mal die Stelle
wo es gesagt hat, daß die Liturgie änderbar sei. Ich habe nämlich 2 Dokumente dieses Konzils übersetzt
von Karl Haselböck… Die nach Pius X folgenden Päpst sind wie alle auch nur die Diener des Glaubens
und der Wahrheit. Sie sind nicht die Wahrheit selbst uns können auch keine solche neu erfinden. Das ist
es wonach man am meisten alle späteren Päpste nach Pius X beurteilen muß. Ihren Beschlüssen die nicht
mit der Tradition und der Wahrheit übereinstimmen muß man widerstehen. ( z.B. der Beschluß des 2.Vat.Konzils
die Katholische Kirche „subsistiert“ in der Kirche Christi anstatt wie früher die Katholische Kirche
ist die Kirche Christi ) Gelobt sei Jesus Christus
#8 FioreGraz 10:42:15 | Donnerstag, 27. Januar 2005
@Joerg Das ist total falsch, da der damalige heilige Papst Pius V lediglich Fehlentwicklungen seit Papst
Gregor dem Großen beseitigt hat die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hatten. Tja das ist wohl eher
dein Wunschdenken, denn Liturgien (auch nicht lateinische) die älter als 200 Jahre waren blieben erlaubt.
Außer du bist mit deinem „seit“ der Meinung Gregor habe 700 Jahre gelebt. Aber wir können auch gerne
zur Liturgie und Form eines GRegor oder dieser Zeit übliche Formen zurückkehren, ich nehme mal stark
an man würde uns „Protestantismus“ und „Modernismus“ vorwerfen. Er hat mit nichten die Liturgie reformiert
sondern im Gegenteil die Tradition wieder hergestellt und sämtliche Abänderungen an der Messe für alle
Zeiten in seiner Bulle Quo Primum vom 14.7.1570 verboten. Wenn er dies statisch meint widerspräche er
nicht nur Vat. II (oder umgekehrt) sonder dem so oft zitierten „Konzil von Trient“. Im übrigen führte
der hl.Papst Pius X den Antimodernisteneid für alle Diener Christi ein und untersagte so überhaut jegliche
Ändeung die der Tradition wiederfährt. Tja da sind wir wieder beim ist Tradition starr in Form und Inhalt
oder starr in Inhalt und änderbar in Form um die Aussage und Inhalt für die Menschen zu erhalten? Er
will in Pascendi immer die Aussage und den Sinn erhalten und stemmt sich daher gegen Modernisten die ihn
acuh mit Hilfe der Form verändern wollen. Und sagt sehr wohl aus das Änderungen in der Umgerenzung bzw,
mit beibehaltung des ursprünglichen Sinns gestatet sind. Er schreibt z.B. auch „Was zunächst die Studien
angeht, so wollen und verordnen Wir in aller Form, daß die scholastische Philosophie zur Grundlage der
kirchlichen Studien gemacht wird. Wenn sich allerdings etwas bei den Scholastikern findet, das allzu spitzfindig
ausgeklügelt oder ohne die nötige Überlegung vorgebracht wird, oder etwas, das mit den sichergestellten
Ergebnissen einer späteren Zeit nicht übereinstimmt, oder schließlich etwas, das in irgendeiner Weise
unwahrscheinlich ist, so liegt es Uns durchaus fern, das unserer Zeit zur Nachahmung zu empfehlen.“ Also
wenn man später draufkommt das da irgendwo (in der traditionellen Lehre) was nicht stimmt kann man es
korrigieren. Er wendet sich nicht gegen Änderungen solange der Ursprung (Tradition) erhalten bleibt.
LG Fiore
#7 joergx2000 09:55:42 | Donnerstag, 27. Januar 2005
Statischer Traditionsbegriff @Thomisticus Zegegeben habe ich ebenfalls einen sehr statischen Traditionsbegriff.
Das ist aber eine Folge der vielen und noch nie dagewesenen Veränderungen der Kirche seit Mitte des 20.Jhd.
Daher lehne ich alle böswilligen falschen Änderungen ab die der Tradition des Glaubens, dem wahren Lehramt
der Kirche und der heil.Schrift ( hier gemeint : z.B. die Allioli-Bibel von 1874 mit jeder Menge super
Fußnoten und nicht die Einheitsübersetzung ) nicht entsprechen. Gelobt sei Jesus Christus
#6 joergx2000 09:38:49 | Donnerstag, 27. Januar 2005
modernistisches Wunschdenken @FioreGraz Du Sagst : Und das das Konzil v. Trient selbst die Messe reformiert
hat. Das ist total falsch, da der damalige heilige Papst Pius V lediglich Fehlentwicklungen seit Papst
Gregor dem Großen beseitigt hat die sich im Laufe der Zeit eingeschlichen hatten. Er hat mit nichten
die Liturgie reformiert sondern im Gegenteil die Tradition wieder hergestellt und sämtliche Abänderungen
an der Messe für alle Zeiten in seiner Bulle Quo Primum vom 14.7.1570 verboten. Im übrigen führte der
hl.Papst Pius X den Antimodernisteneid für alle Diener Christi ein und untersagte so überhaut jegliche
Ändeung die der Tradition wiederfährt. Dieser wurde von jedem Neupriester schriftlich abgelegt und wurde
dann sorgsam aufbewahrt. Gelobt sei Jesus Christus
#5 joergx2000 09:23:35 | Donnerstag, 27. Januar 2005
Fehlentwicklungen unter Pius XII Vielen Dank für den Interessanten Artikel. Habe Ihne gleich ausgedruckt
und gestern Abend in der trid.Indultmesse verteilt. @Dolfus: Danke auch für Deine gute Ergänzung. Eine
kritische Beurteilung von Pius XII ist voll gerechtfertigt und notwendig, vor allem wenn man an die 20-Jährige
sehr enge Mitarbeit des schon damals geplanten zukünftigen Montini-Papstes Paul VI unter PIUS XII denkt.
In den 50èr Jahren trennte PIUS XII sich dann von seinem Freund um ihn in Mailand zum Bischof zu ernennen.
Da er aber beim Konklave von 1958 noch kein Cardinal war, mußte ein Übergangspapst her. (Man fragt sich
natürlich warum Pius XII Ihn nicht schon Zeit seines Lebens zum Cardinal gemacht hat…) Dieser war dann
auch der schon alte Roncalli-Papst, dessen wichtigste Aufgabe eben die Cardinalsernennung von Montini
war, damit er nach seinem Tod zum Nachfolger werden würde um die „Revolution“ zu sichern. Joh.XIII hat
in seiner kurzen Zeit aber noch andere wichtige und hauptsächlich liberale Bischöfe zu Cardinälen gemacht.
Dazu hielt in seiner kurzen Amtszeit 3 Konsistorien ab. Diese Neuen waren dann auf dem Konzil die wichtigsten
Meinungsmacher. ( z.B. waren das die Card. Frings, König, Suenens etc ,auch als die Rheinische Allianz
bezeichnet die das Konzil mit perfekter Organisation massenhaft mit modernistischen Dokumenten überschwemmt
hat. Dagegen konnte die internationale Vätergruppe um Erzbischof Marcel Levebvre nicht mithalten. ) Alle
Einzelheiten und den Ablauf des Konzils beschreibt ausführlich das Buch : „ Der Rhein fließt in den
Tiber „ von Ralph Wiltgen, Lins-Verlag 1988, zu bekommen bei Sarto-Verlagsbuchhandlung in Stuttgart, EMAIL :
Bestellung@SartoBuch.de Gelobt sei Jesus Christus
#4 Thomisticus 22:20:01 | Mittwoch, 26. Januar 2005
@ FioreGraz Dass liegt tatsächlich daran, dass diese allzu oft, wie der Heilige Vater richtig festgestellt
hat, einen völlig defizienten, weil statischen Traditionsbegriff haben (von daher ist die Selbstbezeichnung
„Traditionalisten“ leider auh zutreffend): seinen Höhepunkt erreicht dieser im liturgischen Archäologismus,
wie er etwa von wichtigen Vertretern der Una Voce vertreten wird …
Bitte Könnte kreuz.net nicht ein photographisches und ein literarisches Portrait der facettenreichen
Persönlichkeit dieses gesuchten, sogar habilitierten (nicht nur doktorierten?) Redners offerieren? Vielleicht
unter der Rubrik „kreuzfidel“? Ich weiß schon, wir sollen unsere Aufmerksamkeit dem Inhalt, nicht den
Autor zuwenden. Aber manchmal ist es eben doch auch interessant, wer etwas sagt, nicht wahr?
@Dolfus DAs Konzil von Trient stellt fest das die Kirche die Form ändern kann. Das vergessen die TRaditionalisten
nur alzuger. Und das das Konzil v. Trient selbst die Messe reformiert hat. LG Fiore
Interessanter Vortrag! Man muß dem Hochwürden nicht in allen seinen Schlußfolgerungen und Kommentaren
zustimmen (über diese könnte man noch lange diskutieren), aber seine Chronologie der diversen liturgischen
Eingriffe durch die Päpste der letzten 100 Jahre finde ich sehr interessant. Endlich erfahre ich, was
es mit der Besonderheit der Karfreitagsliturgie auf sich hat, wieso es an diesem Tag keine Hl. Messe gibt.
Ich habe mich das schon oft gefragt. Daß die Persönlichkeit Pius’ XII. sehr facettenreich war, habe
ich schon von verschiedenen Seiten gehört: ein Bugnini-König-Prälat nannte ihn leicht „schizophren“,
und ein traditionalistischer Priesteramtskandidat nannte ihn „den ersten Modernisten“. Interessant wäre
aber auch ein Vergleich mit den liturgischen Eingriffen der Päpste vor dem seligen Pius IX. Festzuhalten
ist, daß alle Änderungen vor Paul VI. (ob man diese nun persönlich für richtig oder falsch hält,
je nach Geschmack) das Wesen des Lateinischen Ritus nicht verändert haben. Das historisch Beispiellose
war die Kreation eines völlig neuen Ritus „auf dem Reißbrett“, wie Cardinal Ratzinger sinngemäß analysierte,
bei gleichzeitigem Verbot des überlieferten Ritus, der vorher das Heiligste der Kirche schlechthin war.
Erzbischof Marcel Lefèbvre hatte nach meinem Dafürhalten recht: Im päpstlichen Verbot der überlieferten
Liturgie hat auch ein Statthalter Christi und Bischof von Rom seine Vollmachten überschritten. (Auffällig,
daß derselbe Papst, Paul VI., eine ebensolche Verfolgung der modernistischen Theologen nicht zuließ.)
Nicht umsonst hatte einst Papst St. Pius V. für genau diesen Fall – das Verbot der überlieferten Messe –
mittels Bulle einen Protektionsmechanismus eingesetzt. Dieses Dokument ist noch heute von entscheidender
Bedeutsamkeit. Ich glaube, daß viele den Fehler begehen, Erzbischof Marcel wegen der Exkommunikation,
und insbesondere wegen des Grundes der Exkommunikation, in die „Ablage gebrauchter Utensilien“ zu stellen.
Je mehr man über die Montini-Bugnini-Liturgiekreation nachdenkt, desto mehr wird einem die Bedeutsamkeit
seines Kampfes im Sinne und Geiste der Päpste vor Paul VI., insbesondere St. Pius’ V., deutlich. Um es
kurz zu formulieren: Ein Papst ist kein Despot, er darf nur innerhalb festgelegter Grenzen Regelungen
treffen. Paul VI. und mit ihm Johannes Paul II. haben diese vorgegebenen Grenzen überschritten. Die einzige
kirchliche Gruppierung, die den überlieferte Ritus gegen die – illegitime! – päpstliche Verfolgung bewahrte,
war die Priesterbruderschaft St. Pius X. Ein Ende der Priesterbruderschaft hätte ein Ende des letzten
Refugiums der Alten Messe bedeutet. Ansonsten muß man logisch weiterdenken, was 1988 zwischen Johannes
Paul und Marcel wirklich geschehen ist.