[ « 487 488 489 490 491 » ]
Mittwoch, 26. Januar 2005 15:53
Die Fehlentwicklungen in der Liturgie begannen nicht mit dem Zweiten Vatikanum
Am vergangenen 15. Januar sprach der Priester Dr. Gregor Hesse vor dem „Initiativkreis Wien“ zur Geschichte der Liturgie seit Papst Leo XIII. Dr. Hesse (51) ist habilitierter Theologe und ehemaliger Privatsekretär des österreichischen Kurienkardinals Alfons Stickler. Seit 1991 lebt er in Wien. Dr. Hesse ist ein gesuchter Redner, Publizist und Übersetzer.
(kreuz.net, Wien) In seinem Referat vor dem „Initiativkreis Wien“ äußerte sich Dr. Hesse über die Entwicklung der Liturgie seit Papst Leo XIII. († 1903) bis in die Gegenwart.

Der „Initiativkreis“ ist eine international tätige Organisation von katholischen Laien und Priestern, die sich für das Recht auf eine integrale Verbreitung des katholischen Glaubens und gegen jede Art laizistischer Diskriminierung der Religion stark macht.

Dr. Hesses Vortrag stellte heraus, daß die Liturgiereform des Jahres 1969, die den gegenwärtig verwendeten Meßritus hervorbrachte, eine fast hundertjährige Vorgeschichte besitzt. Auch die Fehlentwicklungen in der Liturgie reichten weit hinter das Vatikanische Konzil zurück.

Bereits der selige Papst Pius IX. († 1878) habe in seiner Bulle „Ineffabilis Deus“, mit der er die Lehre der Unbefleckten Empfängnis dogmatisierte, einen subtilen Fehler begangen. Am Ende der Enzyklika würden nämlich auch jene Gläubigen exkommuniziert, die „in ihrem Herzen“ gegen das neue Dogma sinnen. Nach der traditionellen Lehre der Kirche sind aber nur jene Häretiker exkommuniziert, die einem Dogma öffentlich widersprechen. Der dogmatisch unsaubere Text von Pius IX. wurde ins Brevier aufgenommen, womit der Fehler auch in die Liturgie der Kirche eingedrungen sei.

Unruhe sei dann durch Papst Leo XIII. († 1903) in die Liturgie hineingekommen. Leo XIII. habe während seines Pontifikates die für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Zahl von 25 Heiligen zur Ehre der Altäre erhoben. Zugleich sei den Festtagen der neuen Heiligen ein zu hoher Grad (Duplex) verliehen worden. Das habe dazu geführt, daß die neuen Heiligen nicht nur die Feste altehrwürdiger Heiliger des Meßkanons, sondern auch den normalen Sonntag verdrängt hätten, obwohl der Sonntag das Fest der Auferstehung Christi ist.

Als Reaktion auf diese Fehlentwicklung habe der Hl. Papst Pius X. († 1914) wiederum massiv in die Liturgie eingegriffen, indem er das Gewicht der normalen Sonntage gegenüber den Heiligenfesten erhöhte. Papst Pius X. sei auch bemüht gewesen, Defizite im Stundengebet der Priester zu beseitigen und dessen Verrichtung zu erleichtern. Allerdings sei durch die zu häufige Wiederholung der Sonntagspsalmen die traditionelle Rezitation aller 150 Psalmen in einer Woche de facto fallen gelassen worden.

Unverändert blieb die Liturgie unter Papst Pius XI. († 1939). Allerdings sei das „filioque“ bei einem päpstlichen Hochamt aus dem Glaubensbekenntnis genommen worden, weil gerade russisch-orthodoxe Würdenträger in Rom zu Besuch weilten. Das sei aus kirchenpolitischen Gründen geschehen.

Das „filioque“ ist jener Teil des Glaubensbekenntnis, der sagt, daß der Heilige Geist vom Vater „und vom Sohn“ (lateinisch: „filioque“) ausgeht. Das „filioque“ fehlt im Credo, wie es bei den Orthodoxen gebetet wird.

Papst Pius XII. († 1958) nahm tiefgreifende Veränderungen in der Liturgie der Karwoche vor. So entfiel am Karfreitag die „Messe der vorgeheiligten Gaben“ (missa praesanctificatorum). Sie wurde durch einen Wortgottesdienst mit Kommunionempfang ersetzt. Das wurde sakramententheologisch begründet, sei aber liturgisch falsch und widerspreche der Tradition. Mit diesem Schritt habe der Papst das Wesen der Karfreitagsliturgie verändert.

Die im Jahre 1969 eingeführte sogenannte Liturgiereform und der „Novus Ordo“ sei mit dem Römischen Ritus nicht mehr identisch. Als Neuerung müsse sie nach den Kriterien geprüft werden, welche Papst Leo XIII. für die Beurteilung des „Neuen Ritus“ in der anglikanischen Liturgie entwickelt hat. Die neue Messe sei der anglikanischen Liturgie ähnlich, die von Thomas Cranmer († 1556) verfaßt wurde. Cranmer war Erzbischof von Canterbury unter Heinrich VIII. sowie der Hauptverantwortliche für die Abschaffung der katholischen Liturgie in England und für die Einführung der anglikanischen Reformation.

Autor des „Novus Ordo“ war Erzbischof Annibale Bugnini, der schon die Osterliturgie unter Papst Pius XII. reformiert habe.

Der Vortrag von Dr. Gregor Hesse kann auf Tonkassette oder CD bestellt werden bei: Herrn Erwin Dullinger, Reuchlinstr. 22, A-4020 Linz, Mobiltel. A: 0043-(0)650-2603343, Mobiltel. B: 0043-(0)664-4009128. Eine Tonkassette (90 Min.) kostet EUR 7,--, eine CD (80 Min.) EUR 10,--. Versandkosten: Österreich ca. EUR 1,-- für ein Stück, nach Deutschland und andere Länder etwas teurer.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 17 Lesermeinungen:
Sonntag, 30. Januar 2005 15:13
Vetter Taferl: Ein paar Antworten zu verschiedenen Fragen
betr. Hw. DDr. Gregor Hesse @ turk: ad 1) Hw. Hesse hat sich in Rom habilitiert, welche Hochschule, müßte ich ihn fragen; die Habilitation wäre auf jeden Fall an einer katholisch-theologischen Fakultät in Deutschland gültig, sollte ihn dorthin der Ruf ereilen (was natürlich nicht zu erwarten ist. ad 2) Meines Wissens in Kirchenrecht; wird international von kath. Theologie unterschieden. ad 3) Kardinal Stickler konnte ihn nicht als Privatsekretär halten, weil er in Pension gegangen ist und einerseits keinen Privatsekretär mehr benötigte, andererseits die Finanzierungszusage eines Unternehmers, welcher den Gehalt bezahlte, ebenfalls an eine aktive Amtsausübung Kardinal Sticklers gebunden war. Bitte keine persönlichen Verunglimpfungen gegen Ihnen völlig unbekannte durchführen. @ Dolfus: „supplet ecclesia“ hat seine Grenzen, dieser Grundsatz kann nicht aus einem Nichtsakrament ein Sakrament machen. Zum Verständnis: Angehende Priester üben die Hl. Messe. Äusserlich sehen sie dabei so aus wie Priester, die eine Messe lesen, doch fehlt ihnen die Intention (und die Weihevollmacht). Ohne Intention gibt es kein Sakrament. Ein Priester, der sich mit Wasser übergießt, wäscht sich z.B. in der Regel und hat keine Absicht zu taufen. Ebenso Pflegepersonal bei Pflegebedürftigen. Eine „Schwarze Messe“ kann nicht zu einer Wandlung führen, weil sie das Gegenteil einer Hl. Messe ist. ad 1) Schlußfolgerung richtig, die meisten NOM-Messen sind aus diesem Grund und weiteren ungültig. ad 2) Es handelt sich um den Unterschied zwischen christlicher Erlösungslehre und antichristlicher Allerlösungslehre. Glaube ich, dass Christus Fleisch angenommen hat in Maria der Jungfrau, um letztlich die Sünde und den Tod zu besiegen und um die zu retten, die guten Willens sind; oder glaube ich, dass Christi Tod nutzlos war (ein Aufrührer, spinnerter Flower-Power-68er), weil dieser Opfertod gar nicht erforderlich war, weil ohnedies alle gerettet sind, unabhängig davon, ob sie getauft sind oder glauben? Im letzteren Falle bin ich kein Christ und kann als Priester gar keine Wandlung bewirken, weil die entsprechende Intention fehlt. Glaube ich tatsächlich, dass das Hl. Meßopfer für alle aufgeopfert wird, also auch für jene, welche in der Hölle sind? Oder glaube ich – entsprechend der Tradition – dass dies nur für Seelen möglich ist, die noch im Fegefeuer sind, also schon für den Himmel bestimmt sind, aber noch eine Zeit lang gereinigt werden müssen von ihren Sünden und ihre Sündenstrafen erfüllen müssen. Also im Prinzip ist die Sache klar, man muß sich nur der Konsequenzen bewußt sein.
Freitag, 28. Januar 2005 11:39
Dolfus: @Stimme aus dem Tradiland
Vergelt’s Gott für ihre Ausführungen.
Es ist viel Wichtiges dabei, worin ich zustimme, bin aber wohl eher ein „gemäßigter Traditionalist“, da ich in manchen Schlußfolgerungen nicht zustimmen kann.

1) Wieso soll die Reformierte Messe nur gültig sein, wenn der zelebrierende Priester die rechte Intention hat? Diese Intention ist in unzählbaren Fällen sicher nicht mehr gegeben, da die konzilskirchliche Seminar- und Theologieausbildung fast geschlossen den Opfercharakter der hl. Messe leugnet.

Die Antwort, die auch viele andere orthodoxe Theologen geben, ist: „supplet ecclesia“ (weiß nicht, ob es dazu Einwürfe gibt)

2) Die Ungültigkeit einer hl. Messe in der Volkssprache, wenn eine ungenaue oder auch fehlerhafte Übersetzung vorliegt. Insbesonders „alle“ statt „viele“ müßte laut griechischem Urtext wörtlich „die vielen“ heißen“, dies könnte man theoretisch, wenn man es unpräzise handhabt, mit „alle“ übersetzen (wenngleich ich das nicht befürworte, und „die vielen“ für angebrachter, weil präziser hielte, auch was die Einbeziehung der lateinischen Tradition betrifft). Ich glaube darum, daß man zu voreilig ist, die volkssprachlichen NO-Messen pauschal als ungültig zu erklären, zumindest in diesem Argumentationspunkt.
Donnerstag, 27. Januar 2005 23:49
turk: Wer ist „DDr. Gregor Hesse“?
Ganz abgesehen von den Inhalten, sollte der Referent folgende Fragen beantworten:

1. Wo hat sich der Priester Hesse habilitiert?

2. Woher hat der Priester Hesse sein zweites Doktorat?

3. Warum wollte ihn Kardinal Stickler als Privatsekretär nicht halten?

Da es scheint, daß der Priester Hesse zu eigenwilligen Auslegungen neigt, könnte es sein, daß er nicht DDr. Gregor Hesse, sondern Dr. Gregor Hesse ist, so ähnlich, wie wenn ein nicht zum Monsignore ernannter Priester trotzdem so herumläuft wegen „irgendeines Privileges aus 1639, das sich auf den Weiheort bezieht“.
Donnerstag, 27. Januar 2005 15:06
FioreGraz: @Tradi
Wenn ich die Messe als magisches TReiben sehe mit Zaubersprücherl magst du auch recht haben, nur frage ich mich dann warum LAtein? Wenn schon in der Sprache des Herrn auf arramäisch. Was gibt dem LAteinischen die KRaft das nur diese Sprache die Wandlung vollziehen mag? Die gleiche Auffasung findet man bei allen heidnischen Kulten und Esoterikern. Also ist es ein leichtes für mich persönlich so etwas abzulehnen. Gott lässt sich durch Worte beherrschen? Nur die wahren Worte vollziehen die WAndlung?

Zum Volksaltar und Handkomunion, bis ins 6.Jhdt. saßen die Christen noch an einem Tisch und feierten die Liturgie und vollzogen die teuflische Handkommunion. OAg das wir 1000 Jahre brauchten bis wir echte Christen wurden.

Zur Übersetzung starb christus speziell nur für die Christen die örtlich und zeitlich genau in dieser Messe anwesend sind für viele Christen oder für alle Christen?

Lex orandi lex credendi kannst du nicht trennen und nicht eins dem anderen vorziehen, ich kann nicht beten was ich nicht glaube und mein glaube drückt sich im Gebet aus. Und wenn steht der Glaube über dem Gebet, denn das Gebet ist der Ausdruck meines Glaubens und mein Zeugnis, aber mein Glaube hängt nicht vom Buchstaben des Gebetes ab.

LG
Fiore
Donnerstag, 27. Januar 2005 13:53
Stimme aus dem Tradiland: Der Freimaurerritus bewahrt nicht Inhalt und Glauben
des Hl. Meßopfers! Dazu nur zwei kurze Hinweise. Die hwst. Cardinäle Ottaviani und Bacci erklären schon 1969 in ihrer Kurzen Kritischen Untersuchung des NOM dass der neue Ritus nicht mehr ex vi verborum (aus der Kraft der Worte) wirke, sondern nur noch durch die Intention des Zelebranten. Weiters führen sie aus, dass diese Intention aufgrund der abgeänderten Priesterausbildung in Zukunft immer seltener zu erwarten sei, weil die Anzahl der traditionell ausgebildeten Priester kontinuierlich abnehme. 35 Jahre nach dieser Aussage dieser glaubenstreuen Cardinäle muß man also davon ausgehen, dass es kaum noch gültige Hl. Messen gibt, weil die richtige Intention fehlt. Dazu kommen weitere Abänderungen, die die Cardinäle Ottaviani und Bacci noch nicht einmal in ihre Untersuchung einbeziehen konnten. Am schädlichsten ist dabei die fast ausschließliche Übersetzung von „pro multis“ mit „für alle“ (mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden), sehr schädlich weiters die Einführung des „Volksaltares“ (ein Widerspruch in sich – entweder Altar Gottes oder Tisch des Volkes) und der Handkommunion (die die satanistische Verwendung in „schwarzen Messen“ erleichtert hat). Um wieder Hw. DDr. Hesse zu zitieren: Der NOM ist (mit Blick auf das trid. Konzil, Quo Primum und den Krönungseid – so meine Interpretation) unerlaubt und nach den Kriterien Papst Leos XIII. zu untersuchen, die jener für die Überprüfung der (häretisch-schismatischen) anglikanischen Liturgie entwickelt hat. Die Gültigkeit des NOM ist unter dem Blickwinkel von „pro multis“ zu untersuchen. Das letztere hat Hw. DDr. Hesse nicht näher ausgeführt, ich traue mir aber zu, hier interpretatorisch fortzusetzen. Also: Wenn ein Priester den lateinischen Wortlaut des Kanon verwendet: Gültig. Wenn er die falsche landessprachliche Übersetzung verwendet, jedoch nur dann, wenn er eine gegenläufige Intention hat dahingehend, dass das Hl. Meßopfer nicht für alle, sondern nur für viele aufgeopfert wird. Hat er keine besondere Intention oder stimmt er mit der Falschübersetzung überein: Ungültig. Im Regelfall daher: NOM-Messen ungültig. Es geht beim NOM längst nicht mehr um äußere Formen, der Inhalt ist bis ins Mark getroffen. Im übrigen gilt: Lex orandi – lex credendi. Das Gesetz des Betens bestimmt das Gesetz des Glaubens. Auch diesbezüglich hat Papst Pius XII. Unfug gesprochen, indem er diesen Grundsatz umgedreht hat. Nochmals Hw. Hesse zitiert: Wenn Papst Pius XII Recht gehat hätte, das Gesetz des Glaubens das Gesetz des Betens bestimmen würde, wäre der NOM gerechtfertigt. Ist er aber nicht. Dixi.
Donnerstag, 27. Januar 2005 13:36
FioreGraz: @TRadi
Noch zum unsinnigen Gefasel unterhalb über „statische Tradition“ udgl.: Es gibt absolute, ewig gleiche, unabänderliche Wahrheiten,…

Weiß nicht wer dem widerspricht? Basilius nennt dies eine „traditio constitutiva“, nebenher gibts aber auch eine göttlich apostolische TRadition diese ist in der menschlichen manifestiert. Die Orthodoxen bezeichnen alle Konzilien wo der Glaube niedergeschriebn wurde als „traditio constitutiva“, wir katholischen holen wir etwas weiter aus. Aber man hat hier sehr wohl die Traditionen unterschieden. Die göttlich apostolische TRadition ist auch dafür verantwortlich das die „traditio constitutiva“ erhalten bleibt, erga auch für Form und Symbolik die nicht dieser unabänderlichen Wahrheit nagehören mit ihr aber verbunden sind. So kann ich die Liturgie nicht in dem Sinne abändern das sie die direkte Fleischwerdung Christi in der Eucharistie leugnet oder verschleiert. Ich kan sie aber abändern im sinne der menschlichen tradition um diese „traditio constitutiva“ zu erhalten. Wenn ich die Form nicht ändere laufe ich gefahr das ich zwar Form erhalte und somit ein „Stadium“ der apostolischen TRadition bewahren verliere aber dann die eigentlichen unabänderlichen WArheiten die du zitiert hast. Es ist also sehr wohl eine Frage der statischen Tradition und der sich ändernden um die göttlichen Wahrheiten zu erhalten und auszudrücken. Eine starre Traditon nur um der Form willen, läuft gefahr genau das Gegenteil zu bewirken.

LG
Fiore
Alle Lesermeinungen anzeigen 11 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2008 kreuz.net