[ « 193 194 195 196 197 » ]
Montag, 16. Juli 2007 14:11
Modifiziertes Bedauern
Kürzlich legten die Bischöfe Lateinamerikas dem Vatikan ein langatmiges Dokument zur Approbierung vor. Der Vatikan mußte noch einmal kräftig Hand anlegen.
Messe am letzten Tag - 31. Mai - der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz CELAM.
Messe am letzten Tag – 31. Mai – der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz CELAM.
(kreuz.net) Am Mittwoch genehmigte Papst Benedikt XVI. das Abschlußdokument der jüngsten Versammlung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz.

Bereits Mitte Juni hatte der sehr gut informierte Altritus-Blog ‘Rorate Coeli’ die ursprüngliche Version veröffentlicht, die von den Bischöfen an den Vatikan gesandt worden war.

Die ursprüngliche Version
Unter der Nummer 109 des ursprünglichen Dokumentes bedauerten die Bischöfe folgende angebliche Mißstände:

• einen gewissen Klerikalismus
• gewisse Absichten, zu einer vorkonziliären Ekklesiologie und Spiritualität zurückzukehren
• gewisse verkürzte Anwendungen der konziliaren Erneuerung
• das Fehlen von Selbstkritik, Gehorsam und der evangelischen Ausübung von Autorität
• Moralismen, welche die Zentralität Christi schwächen würden
• Untreue gegenüber Lehre, Moral und Gemeinschaft
• unsere kraftlosen Erfahrungen der vorrangigen Option für die Armen
• nicht wenige Säkularismen im gottgeweihten Leben
• eine Diskriminierung der Frauen und ihr häufiges Fehlen in pastoralen Organisationen.

5. Generalversammlung von CELAM, Mai 20075. Generalversammlung von CELAM, Mai 2007Klicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 10 Bildern zu starten.

Die korrigierte Fassung
Der Vatikan sparte bei dieser Stelle nicht mit dem Rotstift. Im vom Papst approbierten Dokument wurde aus dem ehemaligen Absatz 109 jetzt neu die Nummer 100.

Ab sofort bedauern die Bischöfe:

• beides: die Absichten, zu einer Art von Ekklesiologie entgegen der Erneuerung durch das Zweite Vatikanische Konzil zurückzukehren und einige verkürzende Anwendung der konziliaren Erneuerung.
• das Fehlen eines authentischen Gehorsams und einer evangelischen Ausübung der Autorität
• Untreue gegenüber Lehre, Moral und Gemeinschaft
• unsere kraftlosen Erfahrungen der vorrangigen Option für die Armen
• nicht wenige Säkularismen im gottgeweihten Leben, beeinflußt von einer bloß soziologischen und nicht evangelischen Lehre vom Menschen.

Die vier geänderten Punkte
Der Weblog ‘Rorate Coeli’ faßt die Änderungen in vier Punkten zusammen:

1. Das Bedauern über einen „gewissen Klerikalismus“ wurde entfernt.

2. Die Kritik der „Absichten, zu einer vorkonziliaren Ekklesiologie und Spiritualität zurückzukehren“ wurde ersetzt durch eine Kritik der „Absichten zu einer Art von Ekklesiologie entgegen der Erneuerung durch das Zweite Vatikanische Konzil zurückzukehren“.

Gleichzeitig verweist eine neu gesetzte Fußnote auf die Rede des Papstes vor der Römischen Kurie vom 22. Dezember 2005, in welcher Benedikt XVI. die Hermeneutik des Bruches und der Diskontinuität anklagte.

Damit wurde die Kritik der lateinamerikanischen Bischöfe an der vorkonziliaren Spiritualität und Ekklesiologie – so ‘Rorate Coeli’ – gegen sie selber gewendet.

3. Das Bedauern über das „Fehlen eines Sinnes der Selbstkritik“, „die Moralismen, welche die Zentralität von Jesus Christus schwächen“ und „die Diskriminierung der Frauen und ihr häufiges Fehlen in pastoralen Organisationen“ wurde entfernt.

4. Es wurde eine Ursache für den Niedergang des Ordenslebens ergänzt: die „bloß soziologischen und nicht evangelischen Lehre vom Menschen“.

Für ‘Rorate Coeli’ ist der letzte Punkt ein großer Juwel, das die Unterminierung der Mission in Lateinamerika perfekt beschreibt.

31. Ordentliche Versammlung von CELAM, Juli 200731. Ordentliche Versammlung von CELAM, Juli 2007Klicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 5 Bildern zu starten.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 10 Lesermeinungen:
Sonntag, 15. Juni 2008 15:06
Meskinus: Selbstkritik
Es ist schon witzig: Da wird von der einen Stelle die fehlende Selbstkritik angemahnt, und die andere Stelle weiß sich nicht besser zu helfen, als diese Mahnung zu streichen. So was bringt echt nur die römische Kirche zustande…
Montag, 16. Juli 2007 18:13
Puchil2: an ottaviani
Es geht doch bei dem Dokument nicht um Lehraussagen, sondern schlicht um die Beschreibung von Problemen. Wenn die dann von Rom aus herausgestrichen, umgedeutet und durch andere ersetzt werden, dann ist das eine nicht zu überbietende Überheblichkeit
Montag, 16. Juli 2007 17:58
ottaviani: das ist ihre privatmeinung
den gegen welche kirchliche vorschrift hätte der vatikan den verstoßen daß man in südamerika offenbar öfter ncht weiß was katholisch ist zeigt ja das gabnze theater um die befreiungstheologie des abgefallenen priester boff und des links sympattisanden cardenal
Montag, 16. Juli 2007 17:27
Puchil2: Anmaßung
Vatkanische Dikasterien maßen sich an, Probleme in Mittel und Südamerika besser zu kennen, als die Bischöfe vor Ort. Nach dem Motto: Welche Probleme ihr habt, das sagen euch immer noch wir in Rom: Das ist blanke Entmündigung der Ortskirche!
Montag, 16. Juli 2007 17:18
ultimo: argumentum ad rem
Was den Elfenbeinturm, den alten Mercedes usw. betrifft: Glücklicherweise versucht der Vatikan wieder dem Geist der Hl. Schrift und der gesamten Tradition gerecht zu werden, dass sich nicht die Kirche der Welt anpassen muss, sondern umgekehrt. „Dem Christentum, das ihr nicht den Rücken kehrt, kehrt die Welt den Rücken“ wie der südamerikanische Philosoph N. Gomez Davila sagte, und: „Die Türme der Kirche von heute hat der progressive Klerus nicht mit dem Kreuz, dafür aber mit der Wetterfahne geziert.“
Montag, 16. Juli 2007 17:07
Benedikt: @ Puchil2: LOL
Haben sie auch eine „argumentum ad rem“?

Fragen Sie das doch auch mal Niederberger!
Alle Lesermeinungen anzeigen 4 weitere Lesermeinungen
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
Copyright © 2009 kreuz.net