Lateinamerika
Modifiziertes Bedauern
Kürzlich legten die Bischöfe Lateinamerikas dem Vatikan ein langatmiges Dokument zur Approbierung vor. Der Vatikan mußte noch einmal kräftig Hand anlegen.
Messe am letzten Tag - 31. Mai - der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz CELAM.
Messe am letzten Tag – 31. Mai – der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz CELAM.
(kreuz.net) Am Mittwoch genehmigte Papst Benedikt XVI. das Abschlußdokument der jüngsten Versammlung der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz.

Bereits Mitte Juni hatte der sehr gut informierte Altritus-Blog ‘Rorate Coeli’ die ursprüngliche Version veröffentlicht, die von den Bischöfen an den Vatikan gesandt worden war.

Die ursprüngliche Version

Unter der Nummer 109 des ursprünglichen Dokumentes bedauerten die Bischöfe folgende angebliche Mißstände:

• einen gewissen Klerikalismus
• gewisse Absichten, zu einer vorkonziliären Ekklesiologie und Spiritualität zurückzukehren
• gewisse verkürzte Anwendungen der konziliaren Erneuerung
• das Fehlen von Selbstkritik, Gehorsam und der evangelischen Ausübung von Autorität
• Moralismen, welche die Zentralität Christi schwächen würden
• Untreue gegenüber Lehre, Moral und Gemeinschaft
• unsere kraftlosen Erfahrungen der vorrangigen Option für die Armen
• nicht wenige Säkularismen im gottgeweihten Leben
• eine Diskriminierung der Frauen und ihr häufiges Fehlen in pastoralen Organisationen.

5. Generalversammlung von CELAM, Mai 2007
Papst Benedikt XVI. bei der Eröffnung der 5. Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz im MaiMesse während der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz im MaiDie Bischöfe sitzen im Kreis rund um den Volksaltar

Die korrigierte Fassung

Der Vatikan sparte bei dieser Stelle nicht mit dem Rotstift. Im vom Papst approbierten Dokument wurde aus dem ehemaligen Absatz 109 jetzt neu die Nummer 100.

Ab sofort bedauern die Bischöfe:

• beides: die Absichten, zu einer Art von Ekklesiologie entgegen der Erneuerung durch das Zweite Vatikanische Konzil zurückzukehren und einige verkürzende Anwendung der konziliaren Erneuerung.
• das Fehlen eines authentischen Gehorsams und einer evangelischen Ausübung der Autorität
• Untreue gegenüber Lehre, Moral und Gemeinschaft
• unsere kraftlosen Erfahrungen der vorrangigen Option für die Armen
• nicht wenige Säkularismen im gottgeweihten Leben, beeinflußt von einer bloß soziologischen und nicht evangelischen Lehre vom Menschen.

Die vier geänderten Punkte

Der Weblog ‘Rorate Coeli’ faßt die Änderungen in vier Punkten zusammen:

1. Das Bedauern über einen „gewissen Klerikalismus“ wurde entfernt.

2. Die Kritik der „Absichten, zu einer vorkonziliaren Ekklesiologie und Spiritualität zurückzukehren“ wurde ersetzt durch eine Kritik der „Absichten zu einer Art von Ekklesiologie entgegen der Erneuerung durch das Zweite Vatikanische Konzil zurückzukehren“.

Gleichzeitig verweist eine neu gesetzte Fußnote auf die Rede des Papstes vor der Römischen Kurie vom 22. Dezember 2005, in welcher Benedikt XVI. die Hermeneutik des Bruches und der Diskontinuität anklagte.

Damit wurde die Kritik der lateinamerikanischen Bischöfe an der vorkonziliaren Spiritualität und Ekklesiologie – so ‘Rorate Coeli’ – gegen sie selber gewendet.

3. Das Bedauern über das „Fehlen eines Sinnes der Selbstkritik“, „die Moralismen, welche die Zentralität von Jesus Christus schwächen“ und „die Diskriminierung der Frauen und ihr häufiges Fehlen in pastoralen Organisationen“ wurde entfernt.

4. Es wurde eine Ursache für den Niedergang des Ordenslebens ergänzt: die „bloß soziologischen und nicht evangelischen Lehre vom Menschen“.

Für ‘Rorate Coeli’ ist der letzte Punkt ein großer Juwel, das die Unterminierung der Mission in Lateinamerika perfekt beschreibt.

31. Ordentliche Versammlung von CELAM, Juli 2007
Messe anläßlich der 31. Versammlung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz am 12. Juli 2007.Drei Bischöfe am Altar……und die übrigen in den Bänken.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Meskinus   15:06:53 | Sonntag, 15. Juni 2008
Selbstkritik
Es ist schon witzig: Da wird von der einen Stelle die fehlende Selbstkritik angemahnt, und die andere Stelle weiß sich nicht besser zu helfen, als diese Mahnung zu streichen. So was bringt echt nur die römische Kirche zustande…
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#9   Puchil2 †   18:13:29 | Montag, 16. Juli 2007
an ottaviani
Es geht doch bei dem Dokument nicht um Lehraussagen, sondern schlicht um die Beschreibung von Problemen. Wenn die dann von Rom aus herausgestrichen, umgedeutet und durch andere ersetzt werden, dann ist das eine nicht zu überbietende Überheblichkeit
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#8   ottaviani   17:58:30 | Montag, 16. Juli 2007
das ist ihre privatmeinung
den gegen welche kirchliche vorschrift hätte der vatikan den verstoßen daß man in südamerika offenbar öfter ncht weiß was katholisch ist zeigt ja das gabnze theater um die befreiungstheologie des abgefallenen priester boff und des links sympattisanden cardenal
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#7   Puchil2 †   17:27:46 | Montag, 16. Juli 2007
Anmaßung
Vatkanische Dikasterien maßen sich an, Probleme in Mittel und Südamerika besser zu kennen, als die Bischöfe vor Ort. Nach dem Motto: Welche Probleme ihr habt, das sagen euch immer noch wir in Rom: Das ist blanke Entmündigung der Ortskirche!
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#6   ultimo   17:18:44 | Montag, 16. Juli 2007
argumentum ad rem
Was den Elfenbeinturm, den alten Mercedes usw. betrifft: Glücklicherweise versucht der Vatikan wieder dem Geist der Hl. Schrift und der gesamten Tradition gerecht zu werden, dass sich nicht die Kirche der Welt anpassen muss, sondern umgekehrt. „Dem Christentum, das ihr nicht den Rücken kehrt, kehrt die Welt den Rücken“ wie der südamerikanische Philosoph N. Gomez Davila sagte, und: „Die Türme der Kirche von heute hat der progressive Klerus nicht mit dem Kreuz, dafür aber mit der Wetterfahne geziert.“
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#5   Benedikt   17:07:10 | Montag, 16. Juli 2007
@ Puchil2: LOL
Haben sie auch eine „argumentum ad rem“?
Fragen Sie das doch auch mal Niederberger!
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#4   ottaviani   17:04:56 | Montag, 16. Juli 2007
ganz kurz
wenn ich einer übergeordneten stelle etwas zur genehmigung vorlege muß ich damit rechnen das es abgelehnt oder korrigiert wird
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#3   Puchil2 †   16:55:05 | Montag, 16. Juli 2007
argumentum ad hominem
Haben sie auch eine „argumentum ad rem“?
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#2   ottaviani   16:51:35 | Montag, 16. Juli 2007
nun…
besagter sohn des hl ignatius kann seine gelübte nicht halten da ist ihm natürlich jede argumentation recht
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#1   Puchil2 †   16:35:31 | Montag, 16. Juli 2007
Vatikanischer Stil?
Wenn der Bericht stimmt, dann halte ich diese Vorgangsweise für eine ausgesprochene Sauerrei und Lukas Niederberger, Direktor und zukünftiger Geschäftsführer des Schweizer Lassalle-Hauses, hat Recht wenn er schreibt:
„Die Männer im Vatikan bewegen sich in einem Elfenbeinturm. Sie haben den Bezug zur Realität absolut verloren. Es herrscht ein kollektiver Autismus.“
Die sagen: «Wir sind die Auserwählten, wir müssen uns nicht der Postmoderne anpassen. Die Nachfrage interessiert uns gar nicht. Wir haben ein Angebot. Jene, die das wollen, können daran teilnehmen. Das wäre, wie wenn Mercedes noch immer das Modell von 1950 anbieten würde, obwohl dieses weder den Sicherheitsvorschriften noch der Abgasverordnung von heute entspricht.“
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