09:53:21 | Freitag, 20. Juli 2007

Landesbischof Frank Otfried July
(kreuz.net) Vom 11.bis 14. Juli 2007 weilte der evangelische Landesbischof von Württemberg, Frank Otfried
July, zu Gast in Rom.
Das berichtete das „Amt für Information“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
July kennt Kardinal Walter Kasper noch aus der Zeit, als dieser Bischof von Rottenburg-Stuttgart war.
Heute ist der Kardinal Präsident des Päpstlichen Einheitsrates.
In einem gemeinsam mit July gestalteten
Gottesdienst in der lutherischen Christuskirche in Rom sagte der Kardinal: „Bruder July ist ein guter
Freund.“
Und weiter: „Wir haben uns die Hand gereicht. Und lassen uns nicht mehr los!“
Vor Journalisten
goß Landesbischof July Wasser in den brausenden Wein der heißen, ökumenischen Liebeserklärungen des
Kardinals.
July sprach in Rom von seiner „Enttäuschung über die Sorglosigkeit, dieses Papier [der Glaubenskongregation]
heute zu bringen“.
Wer könnte leugnen: Die Wahrheit kommt selten gelegen und häufig ungelegen.
Nur
die Söhne der Wahrheit ertragen sie unabhängig von Tageszeiten, geographischen Breiten und anderen unangenehmen
Seiten.
Wann wird man auch bei Ökumenikern lernen, nach der Wahrheit und nicht nach deren Umständen
zu fragen? Ob der Ökumenismus deshalb zum Stillstand gekommen ist, weil ihm eine starke Liebe zur Wahrheit
fehlt?
Statt dessen agiert man nach dem Modell politischer Verhandlungsrunden. Es stimmt, daß Politik
und Rechtssprechung immer mehr auf das Begreifen der Wahrheit verzichten. Aber zu welchem Preis?
July
weiter: Die Katholische Kirche habe keine Definitionsmacht, allein zu bestimmen, was Kirche sei und was
nicht.
Fast korrekt. Die richtige Formulierung hätte gelautet: Die Katholische Kirche hat gar keine
Definitionsmacht über sich selber. Sie kann und darf – nach den Worten des Heiligen Paulus – nur das
weitergeben, was sie vom Herrn empfangen hat.
Das sind drei grundlegende Dinge: die apostolische Sukzession
und die sieben Sakramente und die rechte Lehre.
Wer von Kirche redet, spricht nicht von einem leeren
Sack.
Es war eine Entscheidung Luthers und ist heute ein Entscheid der Protestanten, auf eine ganze Reihe
dieser Dinge zu verzichten. Darum befremdet, daß die Protestanten jetzt so tun, als ob das nie geschehen
oder nicht „wichtig“ wäre.
Wären diese Dinge tatsächlich „unwichtig“, wäre nicht einzusehen, warum
die Lutheraner Probleme haben, sich diesbezüglich anzupassen. Sie könnten das wenigstens aus „ökumenischen
Gründen“ tun.
Wenn sie aber trotzdem „wichtig“ sind, dann verwundert, daß sie nicht auf den Tisch kommen
dürfen.
Oder besteht der Dialog der Protestanten mit der Katholischen Kirche darin, daß sich letztere
so lange selbstamputiert, bis beide auf gleicher – protestantischer – Augenhöhe miteinander sprechen?
Aber was hätten sich die zwei dann noch ökumenisch zu sagen?
July weiter: Ökumene sei immer auch
mit Mühe verbunden, man müsse die Dinge klar beim Namen nennen.
Es stellt sich die Frage: War das Dokument
der Glaubenskongregation nicht klar genug? Oder sind ökumenische Rufe nach Klarheit in Wahrheit als Aussagen
des Gegenteils zu verstehen?
Der evangelische Oberkirchenrat Heiner Küenzlen, der den Landesbischof
nach Rom begleitete, setzte noch eines drauf und erklärte, daß es um so wichtiger sei, „daß wir zeigen
konnten, daß auch diese Sendschreiben unsere Gemeinschaft nicht stören können“.
Merkwürdige Aussage:
Die ökumenische „Gemeinschaft“ will sich von theologischen Aussagen „nicht stören“ lassen.
Damit verlangt
Küenzlen ein fatales Auseinanderklaffen zwischen dem, was man tut, und dem, was man denkt.
Aber der
Theologie entkommt man nicht so leicht. Eine religiöse „Gemeinschaft“, die ihre Theologie tabuisiert,
besitzt trotzdem eine.
Offenbar schämt sich die ökumenische Praxis, sich im hellen Tageslicht der Wahrheit
des Wortes Gottes zu zeigen. Warum wohl?
Wie will man theologisches Nachdenken – zum Wohl des Ökumenismus –
niederringen? Der Oberkirchenrat gibt ein Beispiel:
„Die Gemeinschaft der Christen darf sich nicht durch
persönliche oder institutionelle Eitelkeiten stören lassen.“
Das heißt: Theologische Aussagen des
letzten Dokumentes der Glaubenskongregation werden subjektivisiert und als Ausdruck eines privaten emotionalen
Empfindens uminterpretiert.
Der ökumenische Dialog ist einfach geworden. Zu einfach.
Bild: Pressefoto;
Evanglische Landeskirche in Württemberg – Amt für Information / Eidenmüller
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