14:17:45 | Freitag, 20. Juli 2007
In Deutschland landete eine freikirchliche Mutter hinter Gitter, weil sie ihre Kinder nicht in die öffentlichen Schulen schickte. Von Christa Widmer.

Erneut mußte eine neunfache Mutter wegen Hausunterrichts ins Gefängnis.
(kreuz.net) Am 17. Juni 2007 wurde Frau Elvira Block, Mutter von neun Kindern, in Beugehaft genommen,
weil sie sich weigert, ihre Kinder in die öffentlichen Schulen zu schicken.
Inzwischen hat sie ihre
13tägige Haft abgesessen und konnte wieder in den Kreis ihrer Familie zurückkehren.
Sie erzählte mir
am Telefon, wie es ihr ergangen ist. Als erstes sagte sie, es seien sehr gesegnete Tage gewesen, von denen
sie keinen einzigen missen möchte.
Als sie am Sonntag, dem 17. Juni, gerade die Koffer packte für ihre
Rückreise mit ihren Kindern nach Heidelberg, kam der Polizist, der sie verhaften sollte.
Er war ganz
freundlich und erlaubte ihr noch, sich von ihrer Familie zu verabschieden und mit ihr zu beten.
Frau
Block wurde zuerst zur Polizeiwache in Paderborn gebracht. Dort war viel los. Neu eingelieferte Betrunkene
wurden unter großem Geschrei mit Ketten gefesselt.
Frau Block mußte den Polizeibeamten vieles abgeben:
Armbanduhr, Tasche, Haarspangen, Kopftuch, Schuhe. Sie fragte, warum das sein müsse, und erhielt die
Antwort, das sei die Regel, an die man sich halten müsse.
Sie durfte dann in einer Einzelzelle übernachten,
in der es ihr nicht schlecht ging. Aber sie hörte die ganze Nacht das Kettengerassel der anderen Gefangenen
und wurde dadurch sehr lebhaft an Paulus und Silas im Gefängnis erinnert.
Den nächsten Morgen brachte
man sie nach Bielefeld-Brackwede, wo sie den Tag und die Nacht verbringen sollte. Sie wurde hier nur flüchtig
kontrolliert, weil sie ja vorher schon gründlich durchgecheckt worden war. Das Personal war freundlich.
Man führte sie in eine Einzelzelle. Dort öffnete sie das Fenster und begann zu singen – ein Lied nach
dem andern. Auf einmal rief eine Frauenstimme: „Wer bist du? Wie heißt du? Du bist ganz bestimmt neu
hier? Können wir uns ein wenig unterhalten? Heute abend komme ich zu dir in den Umschluß.“
„Umschluß“
ist die Zeit, in der sich Gefangene gegenseitig besuchen dürfen. Das dauert dort von 18 Uhr bis 20.30
Uhr.
Gegen Abend stand diese Frau plötzlich vor Frau Block. Sie war eine Aramäerin. In der einen Hand
hielt sie eine Margarineschachtel, die mit Salat gefüllt war, in der anderen Hand frischgebackene Plätzchen.
Frau Block war überrascht.
Die Aramäerin war schon lange hier. Gefangene, die lange inhaftiert sind,
dürfen dort im Gefängnis in der Zeit des Umschluß die Küche benutzen und sich etwas einkaufen lassen.
Frau Block überlegte: „Wie kann ich mich bei ihr bedanken?“ Sie nahm ein paar Bibelvers-Kärtchen aus
ihrer Bibel und einen kleinen Kalender.
Als sie der Aramäerin sagte, sie käme am nächsten Morgen in
ein anderes Gefängnis, war diese sehr traurig. Sie klagte auch, sie werde morgen vor Gericht gestellt.
Frau Block versicherte ihr: „Ich werde für Sie beten!“ Dafür bedankte sie sich sehr. Frau Block freute
sich, daß sie dieser suchenden Seele begegnet war.
Am anderen Morgen ging die Reise weiter zum Endziel,
dem Gefängnis in Gelsenkirchen, und zwar in der Zelle eines Busses, in der noch zwei Frauen waren. In
den anderen Zellen des Busses befanden sich noch sieben Männer, je zwei in einer Zelle.
Frau Block war
mit allem zufrieden. Sie war froh, daß hier nicht geraucht wurde. Dafür gab es ab und zu mal eine Rauchpause,
wo die Gefangenen aussteigen und draußen rauchen durften.
In Gelsenkirchen angekommen, wurde Frau Block
wiederum ganz durchgecheckt. Nachdem man ihre Sachen kontrolliert hatte, brachte man sie in eine Einzelzelle.
Kurze Zeit danach kam ein Wärter, sprach sie sehr freundlich an und nahm sie mit in sein Büro. Er sagte:
„Ich möchte mich gern noch mit Ihnen unterhalten.“
Der Wärter fragte, warum sie hier sei. Frau Block
erzählte es so, wie es war, und merkte bei dem Gespräch, daß er für Glaubensfragen sehr offen war.
Etwa eine Stunde, nachdem sie wieder in ihre Zelle zurückgebracht worden war, kam der Wärter wieder
und sagte: „Jetzt sind Sie kaum hier und – haben schon vier Briefe bekommen. Wie ist das möglich?“
Er
hatte sie schon alle durchgelesen. Frau Block war dann den ganzen Tag allein und hatte dadurch viel Zeit
zum Briefe- und Bibellesen und zum Beten.
In der ganzen Zeit, die sie dort in Gelsenkirchen verbrachte,
hatte der Wärter immer wieder für ein paar Minuten Zeit für Glaubensgespräche, die sehr gesegnet verliefen.
Frau Block hatte dadurch wunderbare Gelegenheit, vom Herrn Jesus zu zeugen. Sie war sehr froh darüber –
und überhaupt dankbar für die freundliche Behandlung und gute Verpflegung.
Am zweiten Tag kam nachmittags
zwischen 14 und 15 Uhr die Sozialarbeiterin in die Zelle von Frau Block. Sie schaute sich um und sagte:
„Oh, so ordentlich! – Kommen Sie mal mit mir in mein Büro. Ich bin nämlich dafür zuständig, für Ihre
Familie zu sorgen. Wie sieht es denn jetzt aus mit der Versorgung der Kinder?“
Frau Block antwortete:
„Mein Mann hat jetzt gerade Urlaub genommen, weil er eine Jugendfreizeit leiten wollte. Das hat er sicher
abgegeben und ist mit den Kindern nach Heidelberg gefahren, wo sie in eine Christliche Schule gehen. Somit
sind sie gut versorgt.“
„Und wenn das doch nicht der Fall sein sollte, daß Ihr Mann mit den Kindern
mitfahren konnte? Machen Sie sich da keine Sorgen?“
„Dann wird Gott schon für sie sorgen.“
Da sagte
die Sozialarbeiterin: „Nun, dann wollen wir mal dort hineinhören, um zu erfahren, ob der Vater mit den
Kindern klarkommt.“
Sie wirkte zwar freundlich, aber resolut – mit dem Gedanken im Hinterkopf: „Wehe,
wenn etwas schief läuft!“
Als die Verbindung mit Heidelberg zustande kam, war ihre Schwägerin, Frau
Olga Block, am Apparat und antwortete auf die Frage der Sozialarbeiterin nach dem Wohlergehen der Kinder:
„Ja, es ist alles in Ordnung.“
Frau Elvira Block sprach ein paar Worte mit ihr. Dann legte sie auf.
Daraufhin sagte die Sozialarbeiterin: „Es wäre nicht schlecht, wenn wir auch mit Ihrem Mann persönlich
sprechen könnten. Aber ich will zuerst mit ihm sprechen.“
Sie rief nochmals an, und als er an den Apparat
kam, stellte sie sich vor und fragte nach dem Ergehen, ob er klar käme, und berichtete, daß seine Frau
ihr gegenüber säße. Auch er antwortete wie zuvor die Schwägerin, daß alles in Ordnung sei. Frau Block
durfte auch mit ihm sprechen.
Nachdem sie den Hörer aufgelegt hatte, fragte die Sozialarbeiterin: „Wissen
Ihre Angehörigen überhaupt, wann Sie entlassen werden? Ist das alles klar? Sie werden doch sicher –
wie die vorigen Male bei der Entlassung der Paderborner – mit Blümchen und Gesang abgeholt. Da müssen
doch die Angehörigen genau wissen, wann das ist. So wollen wir noch einmal anrufen.“
Sie rief noch einmal
an. Frau Olga Block war wieder am Apparat, und als Frau Elvira Block mit ihr sprechen konnte, erzählte
ihre Schwägerin:
„Weißt du, es ist wunderbar, wie der Herr für uns sorgt.“ Und sie berichtete, daß
ein ihnen bekanntes gläubiges junges Mädchen gekommen ist, um ihnen zu helfen.
Frau Elvira Block sagte
dann zur Sozialarbeiterin: „Sehen Sie, Gott läßt uns nicht allein. Dieses Mädchen ist auch noch gekommen,
um die Kinder versorgen zu helfen.“
Da antwortete diese sehr erstaunt: „Wirklich? Sie haben aber ein
großes Gottvertrauen! Das findet man heutzutage nur noch selten in unserer Gesellschaft. Um für Gott
zu zeugen, gehen Sie sogar ins Gefängnis. Das will wirklich etwas heißen! – Sie werden ganz sicher mit
Blümchen abgeholt. Sie brauchen also sicher kein Fahrgeld?“
– „Nein.“
– „Wissen Sie, andere Gefangene
werden nicht so abgeholt. Beten Sie für diese!“
Frau Block antwortete: „Nicht nur für diese, sondern
auch für Sie bete ich.“
„Oh, danke schön!“ – antwortete die Sozialhelferin, tief bewegt von diesem
Zeugnis.
Wenn Frau Block sie später ab und zu traf, grüßte sie immer freundlich.
Jeden Tag hatten
die Gefangenen auch eine Stunde Freigang, das heißt, sie konnten in den Gefängnishof hinaus, wenn es
das Wetter zuließ.
Frau Block merkte mit traurigem Herzen, daß es nicht leicht ist, den Drogenabhängigen,
die dort einsaßen, die Evangeliumsbotschaft weiterzugeben.
Als sie an einem Tag alle wegen Zelleninspektion
im Aufenthaltsraum zusammengepfercht wurden, randalierten die Frauen, weil der Raum etwas klein war für
15 Personen – und doch hatte jede einen Stuhl.
Es wurde sehr viel geraucht, herumgeschrieen. Das war
so ein schlimmes Chaos, das Frau Block als grauenhaft empfand. Man griff sie mit Hohn und Spott an. Neben
ihr saß eine Frau, die ihr so gern Fragen stellen wollte.
Aber wegen des Geschreis konnte man kaum ein
Wort verstehen. Unter den Gefangenen befand sich auch eine Satanistin, die über Frau Block lästerte:
„Du hast bestimmt eine Bibel geklaut, und deshalb bist du hier!“
Manchen Gefangenen konnte sie die Botschaft
des Heils in Wort und Schrift weitergeben. Die andern wollten nichts wissen vom Glauben. Da konnte Frau
Block nur für sie beten.
In den letzten Tagen der Gefangenschaft aber faßten auch diese langsam Zuneigung
zu ihr und grüßten sie freundlich.
Frau Block sagte mir: „Bei solchen Menschen müßte man längere
Zeit verweilen, damit sie den Wandel beobachten können. Dann kommt es leichter zu Gesprächen.“
Zwei
Tage vor ihrer Entlassung begegnete sie einer Rumänin, die aber leider noch kein Deutsch sprach, weil
sie erst einen Monat in Deutschland verbracht hatte. So konnten sie sich nur mit Handzeichen unterhalten.
Die Rumänin weinte so sehr, während Frau Block mit ihr sprach und dann mit ihr betete. Sie knieten
sich dazu beide hin.
Diese Frau war eine völlig mittellose Zigeunerin. Frau Block schenkte ihr alles,
was sie nur entbehren konnte, und sang ihr viele Lieder vor. Die Geschenke lehnte die Rumänin zuerst
sehr ängstlich ab, während sie sagte:
„Oh nein, denn dann meint das Personal, ich hätte das wieder
alles gestohlen!“
Da antwortete Frau Block: „Ich spreche mit dem Personal und bitte drum, daß man es
Ihnen läßt, weil ich es Ihnen geschenkt habe.“
Als sie sich am letzten Tag verabschiedete, sagte der
Wärter: „Es wäre gut, wenn wir öfters solch ein Licht hier hätten. Das brauchen wir hier. Es kommen
sicherlich noch einige von den Paderborner Frauen hierher, nicht wahr?“
Frau Block erklärte dann, daß
die anderen zwei Frauen zurzeit nicht ins Gefängnis können, weil sie beide noch ihre Babies stillen.
Als sie zur Tür hinausging, standen da schon die Glaubensgeschwister, die sie mit Liedern und Blumen
herzlich begrüßten.
Sie kamen dann alle mit zu ihr nach Hause, wo sie sich bei einer Mahlzeit miteinander
austauschten und mit Liedern und Gebeten erquickten.
Frau Block beendete den Bericht mit den Worten:
„Das war wirklich so eine segensreiche Zeit. Einmalig. Das ist so ein Segen, den man dabei empfängt,
wenn man in solch einer Finsternis vom Herrn zeugen darf!“
Sie grüßt alle herzlich und bedankte sich
noch für die Gebete und die Post. Sie hatte über 110 Briefe bekommen. Nur drei der Briefe erhielt sie
erst beim Abschied, weil zu viele Traktate drin waren.
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