15:59:31 | Montag, 23. Juli 2007
Das Diözesanblatt einer deutschen Erzdiözese hat eine Breitseite gegen das päpstliche Motu Proprio zur Freigabe der Alten Messe geritten. Ein Kommentar.

Alte Messe: Opferung
© Latin-Mass-Society.org(kreuz.net) In der Auseinandersetzung um das Motu Proprio zur Freigabe der Alten Messe gehe es „nicht
»nur« um eine Liturgie“.
Das erklärt Klaus Nientiedt (54) in einem Kommentar unter dem Titel „Notenschlüssel“,
der am 15. Juli im ‘Konradsblatt’ publiziert wurde.
Das ‘Konradsblatt’ ist die Diözesanzeitung der Erzdiözese
Freiburg. Nientiedt ist seit 1998 deren Chefredaktor.
Immer dann, wenn es um die Liturgie gehe, gehe
es nicht „nur“ um Liturgie – schreibt er in seinem Kommentar:
„Die Art und Weise, in der wir beten und
Gottesdienst feiern, sagt viel aus darüber, wie und was wir glauben, wie wir Kirche und Gemeinde sind.“
Man kann diesen weisen Worten des Chefredaktors gar nicht genug zustimmen.
Aus diesem Grund ist es nach
über vierzig Jahren Konzilsinterpretation an der Zeit, aus dem nicht enden wollenden Rattenschwanz von
Homo-, Brötchen-, Sitz-, Faschings-, Selbstbedienungs-, Disco-, Wald und Wiesen-, Öko- und Ökumene-Messen
Schlüsse auf den dadurch zum Ausdruck gebrachten „Glauben“ zu ziehen.
Außerordentlich und ordentlich

Priesterbruderschaft
St. Petrus

© Pedro Oliveira/visitadopapa.org.br

Priesterbruderschaft
St. Petrus

© Latin-Mass-Society
Die Liturgiekonstitution
sei der erste Beschluß des Zweiten Vatikanischen Konzils gewesen – fährt Nientiedt weiter:
„Sie prägte
alles weitere entscheidend vor. Im Mittelpunkt das Selbstverständnis als »communio«, als von Gott gerufene
Gemeinschaft.“
Auch darüber ist es Zeit, sich Gedanken zu machen. Wie reimt sich die nachkonziliäre
Endlosbeschwörung des Communio-Götzen auf den nicht enden wollenden kirchlichen Klassenkampf, zu dessen
Raufplatz unter anderem die Liturgie degeneriert ist?
Nientiedt fährt weiter: Den Gegnern der Liturgiekonstitution
und der darauf aufbauenden Liturgiereform gehe es auch nicht „nur“ um die Liturgie. Für sie stimmte die
ganze Richtung nicht – „die Öffnung zur ökumenischen Bewegung, die Bejahung der Religionsfreiheit, das
Sich-Solidarisieren mit der säkularen Welt.“
Auch hier sind die Zeiten vorbei, als das Herunterbeten
dieser konziliären Errungenschaften die Wirkung einer Ulbricht-Rede vor der DDR-Volkskammer besaß:
• In der ökumenischen Bewegung ist man mit Gesprächspartnern involviert, denen das Schicksal der Dinosaurier
bevorsteht – und die Kirche ist in akuter Gefahr, ihnen in diesem Schicksal nachzufolgen.
• Die Bejahung
der Religionsfreiheit scheint vor allem eine Säkularisierung und Islamisierung des ehemals christlichen
Abendlandes zu bewirken.
• Und bei dem „Sich-Solidarisieren mit der säkularen Welt“ hat sich die konzilsbeschwipste
Braut zwar eifrig ihrem Bräutigam, dem Zeitgeist, um den Hals geworfen. Man kann aber nicht behaupten,
daß letztere deswegen besonders liebestoll geworden wäre.
So kommt Nientiedt – etwas zusammenhanglos –
zum Schluß, daß die Traditionalisten Mitte des 20. Jahrhunderts noch Kämpfe des 19. Jahrhunderts und
der Gegenreformation kämpfen würden.
Da purzeln die Jahrhunderte etwas gar zufällig durch die Gegend.
Und auch hier muß mit Mythen und Blüten aufgeräumt werden.
Wären die ärgerlichen Traditionalisten
kirchenweit wirklich so gehaßt, wenn sie sich mit dem 19. oder dem 16. Jahrhundert beschäftigen würden?
Seien wir doch ehrlich. Das Problem liegt darin, daß sie in der ihr eigenen Aufsässigkeit den Finger
ständig in die offenen Wunden der Kirche – die offiziell nicht existieren dürfen – drücken. Darum werden
sie, man kann es verstehen, bis aufs Blut verabscheut.
Abschließend hat Chefredaktor Nientiedt zwar
Verständnis, daß der Papst etwas zur Bereinigung des Verhältnisses mit den Lefebvristen tun wollte.
Doch:
„Kann man in der katholischen Kirche gleichzeitig für und gegen zentrale Beschlüsse des Konzils
sein?“ – fragt er.
Nientiedt sei unbesorgt. Die Dokumente des Pastoralkonzils sind verschwommen genug –
„offen“ würde man heute sagen –, so daß es gar nicht so einfache ist, zu ihnen in Widerspruch zu treten.
Nicht weniger offen ist darum, ob die Interpretation, die man dem Konzil in den 70er Jahren des verflossenen
Jahrhunderts gegeben hat, sich auch langfristig durchsetzen wird.
Eher nicht.
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