09:57:09 | Donnerstag, 2. August 2007
Wer hätte das gedacht: Die Bemühungen um ehrfurchtsvolle Liturgien sind in den Gemeinden „übergroß“. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Die Klagen über Mißstände in der Liturgie der katholischen Kirche sind seit Monaten nicht
zu überhören.
Das beklagt Matthias Gierth in seinem Artikel „Die Schönheit der deutschen Liturgie“.
Er wurde am 12. Juli in der ‘Rheinischen Merkur’ veröffentlicht.
Gierth ist stellvertretender Chefredakteur
der Wochenzeitung.
Seiner Feststellung, daß diese Klagen in der Mehrzahl von numerisch kleinen, das
Ohr einzelner Kirchenmänner gleichwohl erfolgreich erreichenden Gruppierungen vorgebracht werden, kann
man zustimmen.
Aber zeichnen diese Kritiken wirklich – wie Gierth meint – eine „Karikatur des sonntäglichen
Lebens der Kirche“?
Gierth ist jedenfalls davon überzeugt: Wer Gottesdienste besuche und die Ausnahme
nicht zum Normalfall hochstilisiere, wisse, daß das Bemühen, ehrfurchtsvoll Liturgie zu feiern, in den
Gemeinden „übergroß“ sei.
Vielerorts würden Liturgiekreise, in denen Laien mit Priestern ihre „Verantwortung
für die Gottesdienste“ ernst nehmen und sie in einer Tiefe vorbereiten, wie es sie zuvor kaum gegeben
hat.
Womit Gierth das anspricht, was der damalige Kardinal Ratzinger meinte, als er sagte, daß sich
die „gewordene Liturgie“ der Kirche zu einer „gemachten“ verwandelt habe.
Pfarr- und Liturgiealltag

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cathcon.blogspot.com

Bild der Zeitung: cathcon.blogspot.com

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breviarium.blogspot.com

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Riten, die Sonntag für Sonntag „in ihrer Tiefe“
neu erfunden werden, sind nicht in sich schlecht.
Aber sie können nicht als Liturgie der Kirche bezeichnet
werden, weil sie nicht Ausdruck des katholischen – allumfassenden – Glaubens sind, sondern den zweifellos
gutgemeinten liturgischen Ego-Tripp einzelner Liturgiebegeisterter darstellen.
Doch genau das scheint
Gierth zu wollen: „So ist es gelungen, das Leben des Einzelnen zur Sprache zu bringen.“
Wieder ist ihm
zuzustimmen, wobei eine Korrektur der Formulierung angebracht ist: „So ist es gelungen, das Leben
vereinzelter
zur Sprache zu bringen.“
Auch das ist in sich gut, richtig und wichtig. Dies ist vor allem die Aufgabe
des persönlichen Gebetes oder der Gebetsgruppen.
Etwas anderes ist dagegen die öffentliche Liturgie
der Kirche. Sie bringt das Leben der katholischen – allumfassenden – Kirche zur Sprache. Es ist zwar peinlich,
aber offensichtlich nötig, hier das Wort „Globalisierung“ zu bemühen.
Gierth weiter: Vor allem dort,
wo der Gläubige geistige Nahrung in verständlichen Worten für seine persönliche Situation finde, suche
er auch den Weg in die Messe.
Noch einmal ist Gierth zuzustimmen. Es ist ihm wohl nicht aufgefallen,
daß er mit diesem schönen Satz das zusammengefaßt hat, was im seit dem Konzil de facto abgeschafften
Sakrament der Beichte geschah.
Auch wo Gierth eine Vielzahl von gottesdienstlichen Feiern fordert, hat
er Recht.
Warum? Weil diese dazu dienen, die heute liturgisch entfremdeten sogenannten Gläubigen wieder
zur Liturgie der Kirche zurückzuführen.
Die meisten Gläubigen sind nicht einmal mehr in der Lage,
sich zu sammeln, geschweige denn, die Kirche alleine aufzusuchen und dort für sich zu beten. Hier braucht
es noch viel Hinführung.
Anschließend bedient Gierth den Leser mit einem Schuß Polemik:
„Überflüssig
dagegen sind Verdächtigungen, die Mißstände über Mißstände behaupten, um die muttersprachliche Messe
als Normalfall des sonntäglichen Gottesdienstes zu diskreditieren.“
„Contra facta non valent argumenta“:
Es ist sinnlos gegen Tatsachen zu argumentieren.
Man muß vermuten, daß die liturgische Ahnungslosigkeit
auch bei Gierth so weit fortgeschritten ist, daß er Gebrauch von Mißbrauch nicht mehr unterscheiden
kann.
Diese Vermutung wird durch seine folgende Aussage erhärtet:
„Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanums,
in deren Mittelpunkt die Umkehrung der Zelebrationsrichtung des Priesters hin zum Volk stand, war nicht
Ausgangspunkt einer unheilvollen Entwicklung, die zum Verlust des Gottesdienstes als Ort mystischer Begegnung
führte.“
Was es mit der nachkonziliär verkehrten Zelebrationsrichtung auf sich hat, ist inzwischen
des Langen und des Breiten diskutiert worden. Es ist eine infame Verleumdung, diese liturgische Absurdität,
die es nicht einmal bei Luther gab, dem letzten Konzil in die Schuhe zu schieben.
Völlig jenseits des
Bodens einer seriösen Diskussion begibt sich Gierth mit der folgenden Aussage: „Vielmehr hätte die Kirche
ohne das Konzil ihrerseits den Kontakt zu den Gläubigen verloren.“
Meint Gierth hier vielleicht, daß
der Priester, der in die leeren Kirchenbänke hineingrinst, sich auf diese Weise darin bestärken kann,
daß dort hinten noch „etwas“ vorhanden ist?
Zweifellos stimmt es, daß der Papst – wie Gierth formuliert –
nicht „auf ein Zurück hinter das Konzil“ abzielt. Aber hat das jemand behauptet?
Im gleichen Atemzug
wäre es unehrlich, hier nicht sofort zu sagen, daß Kardinal Ratzinger in den letzten Jahrzehnten der
prominenteste Kritiker der
nachkonziliären liturgischen Mißwirtschaft geworden ist.
Das Hauptproblem
von Gierths Artikel besteht darin, daß er beharrlich die nüchterne und notwendige Unterscheidung zwischen
Gebrauch und Mißbrauch leugnet.
Es ist klar, daß es dieser Taktik darum geht, den unhaltbaren Status
quo zu zementieren.
Heute haben die liturgischen Mißbräuche ein solches Maß angenommen, daß es in
den meisten Gemeinden genügen würde, eine Novus-Ordo-Messe so zu zelebrieren, wie sie von Papst Paul
VI. promuligiert wurde, um bei den Leuten den Eindruck einer Messe im Alten Ritus zu erwecken.
Gierth
muß in den vergangenen Jahren Mitglied einer Alt-Ritus-Gemeinde gewesen ist, daß ihm die harte Realität
des unordentlichen „ordentlichen römischen Ritus“ unbekannt geblieben ist.
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