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Dienstag, 25. Januar 2005 11:31
In Zukunft muß in der Schweiz der kirchliche „Alleingang“ begründet werden
Eine stark mediatisierte Feier fand am vergangenen Sonntag in der jurassischen Stiftskirche St. Ursanne statt. Zehn Vertreter verschiedener christlicher Gruppen unterzeichneten ein ökumenisches Konsenspapier. Es soll den Weg Richtung Einheit weisen.
Stiftskirche St. Ursanne, Kanton Jura
Stiftskirche St. Ursanne, Kanton Jura
(kreuz.net, St. Ursanne) Am vergangenen Sonntag unterzeichneten zehn Vertreter der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz“ ein Konsenspapier, das sich „Charta Oecumenica“ nennt. Das berichteten verschiedene Schweizer Medien. Der Rahmen für die Unterzeichnung war ein Ökumenischer Gottesdienst in der Kirche des ehemaligen Klosters von Saint-Ursanne im Kanton Jura. Als Datum für die Unterzeichnung wurde der Sonntag der „Gebetswoche der Einheit der Christen“ gewählt. Die Leitung der Feier hatte der christkatholische Bischof Fritz-René Müller.

Der Bischof von Chur, Amédée Grab (74), nahm an der Feier als Präsidenten des „Rates der europäischen Bischofskonferenzen“ teil. Anwesend war auch der Generalsekretär der „Konferenz Europäischer Kirchen“, Keith Clements. Insgesamt fanden sich in der Kirche zwischen 300 und 400 Menschen ein. Der Gottesdienst wurde vom Schweizer Fernsehen landesweit übertragen.

Der Churer Bischof Grab erklärte, die „Charta“ unterstreiche die zunehmende Zusammenarbeit der Kirchen in Europa. Diese Zusammenarbeit müsse man nicht erfinden: „Sie besteht.“ Die Kirchen würden ihre Traditionen, ihre Kräfte und ihre Hoffnungen verbinden. Bischof Grab, der auch Präsident der Schweizer Bischofskonferenz ist, betonte weiter, daß die sichtbare und vollständige Einheit der Kirchen nur eine Gabe sein könne. Um diese müsse man bitten. Aber es gelte auch, für sie etwas zu tun: „Man muß sie erbauen – jeder nach seiner Berufung.“

Der Basler Bischof Kurt Koch (54) nannte die Unterzeichnung einen ökumenischen Meilenstein in der Schweiz. Damit sei das Ziel der sichtbaren Einheit aller Christen aber noch lange nicht erreicht.

Die Ökumenische Charta stützt sich auf einen Vorschlag der „Europäischen Ökumenischen Versammlung“, die 1997 in Graz stattfand. Diese produzierte eine „verbindliche Grundlage“, um Dialog und Zusammenarbeit der europäischen Konfessionen zu unterstützen. Bei der Verabschiedung des Konsenspapiers zu Ostern 2001 spricht die Charta nicht mehr von einer „verbindlichen Grundlage“ sondern von einer frei gewählten „Selbstverpflichtung“.

Die neue „Charta Oecumenica“ zeigt in zwölf Punkten auf, wie die christlichen Kirchen in Europa gemeinsam leben und handeln können und was sie gemeinsam hoffen dürfen. Durch die Unterzeichnung des Dokuments stimmen die Konfessionen einem „Paradigmenwechsel“ zu: „Auf der Grundlage der Charta sollen nämlich die Kirchen nicht mehr begründen, warum sie etwas gemeinsam tun, sondern erklären, warum sie im Alleingang handeln.“

Beobachter stellten sich am Rande der Unterzeichnung die Frage, ob dieses neue Prinzip auch auf das Verhältnis der Schweizer katholischen Staatskirche zur römisch katholischen Weltkirche Anwendung finden werde.

Mit der Unterzeichnung der Charta versichern die Kirchen außerdem ihren Einsatz für die Einheit Europas, ihren Eintritt für die Menschenrechte, ihr Engagement für die Erhaltung der Schöpfung und des Friedens, ihren Beitrag zur Versöhnung unter den Völkern und ihren Dienst für die Ökumene. Auch die Abendmahlsgemeinschaft ist dem Papier ein Anliegen.

Die Unterzeichnung der „Charta Oecumenica“ besitzt keinen lehramtlich-dogmatischen Charakter und ist kirchenrechtlich nicht bindend. Die katholischen Bischöfe der Schweiz verstehen die gemeinsame Erklärung als Wunsch aller Kirchen, verstärkt auf die Einheit zuzugehen.
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2 Lesermeinungen:
Dienstag, 26. April 2005 16:50
sttn: Ganz so einfach ist es nicht…
Wenn die katholische Kirche in den letzten 2000 Jahren nicht den einen oder anderne Fehler nicht gemacht hätte, dann würde ich Dir Recht geben.
Aber sei es der Überfall auf Konstatinopel durch die Kreuzfahrer, sei es der Reformunwille der katholischen Kirche zu Luthers Zeiten und vieles mehr. So ganz Unschuldig ist die katholische Kirche an der aktuellen Zerspitterung der Christen nicht.
Um so wichtiger ist es die Fehler von früher nicht zu wiederholen und zu versuchen wieder eine Gemeinschaft aller Christen zu schaffen der mehr als nur 58 % angehören.
… ich denke das ist auch einer der wichtigsten Ziele von Papst Benedikt XVI.
Dienstag, 26. April 2005 16:16
Peccator: Die sichtbare Einheit
ist verwirklicht in der Hl. römisch-katholischen Kirche. Dies ist eine seit Jahrhunderten stets wiederholte und dogmatische Aussage der Kirche Christi. Wer meint, diese Einheit müsse noch hergestellt werden, wie dies bspw. Bischof Koch tut, der widerspricht der Lehre der Kirche, er vertritt kurz gesagt eine Häresie. Wo gibt es noch einen Bischof in der Schweiz, der den katholischen Glauben verkündet?
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