09:44:17 | Freitag, 27. Juli 2007
Der scheidende Privatsekretär übergab seinem Nachfolger einen Umschlag mit einigen Papieren sowie die Schlüssel zu einem uralten Tresor deutscher Herkunft. Dabei sagte er nur einige wenige Worte.

Prälat Gänswein begleitet den Papst in Brasilien
(kreuz.net) Dem Papst geht es gut. Er fühlt sich wohl, arbeitet viel und legt ein hohes Tempo vor. Das
erklärte der Privatsekretär des Papstes, Prälat Georg Gänswein, im Gespräch mit dem bekannten Münchener
Publizisten Peter Seewald.
Das sehr lange Interview erschien am Donnerstag als Titelgeschichte im Magazin
des Blattes ‘Süddeutsche Zeitung’.
Kindheit und JugendPrälat Gänswein erzählt in dem Interview
über seine Kindheit. Sein Vater führte in der siebten Generation einen Schmiedehandwerksbetrieb und
später ein Landmaschinengeschäft. Dieses brachte – so der Prälat – nicht unbedingt „das große Geld“.
Bis der Erstgeborene Georg sechs Jahre alt war, betrieb die Familie Gänswein auch eine kleine Landwirtschaft:
„Wir mußten uns manchmal mächtig strecken.“

Jüngste Ausgabe des Magazins der ‘Süddeutschen’.
Sein Vater war ferner in der Kommunalpolitik und in vielen
Vereinen tätig. Die Kindererziehung übernahm eher die Mutter.
Zwischen 15 und 18 Jahren hörte Georg
die Musikgruppen seiner Zeit wie Pink Floyd, die Beatles oder Cat Stevens.
Damals trug er einen „ziemlich
langen Lockenschopf“: „Das mißfiel meinem Vater. So gab es um den Friseurtermin und um die Haarlänge
schon mal Zoff.“ Nachher habe sich das recht unspektakulär gelegt.
Seine Interessen lagen bei der Schule
sowie bei Sport, Fußball und Skifahren. Er war auch als Skilehrer seines Heimatskiclubs tätig. Sein
Studium finanzierte er sich als Briefträger.
LiebesbriefeEine feste Beziehung zu einem Mädchen hat
er nicht gehabt: „Es gab kleinere schwärmerische Jugendfreundschaften.“
Mit seinen zwei Schwestern und
mehreren Cousinen sei er ganz normal aufgewachsen. Auch deshalb habe er keine Schwierigkeiten mit dem
weiblichen Geschlecht.
Das Image als
Frauenschwarm irritierte Prälat Gänswein eher etwas: „Nicht daß
ich rot geworden wäre.“

Prälat Gänswein immer an der Seite des Papstes, Generalaudienz im August 2005
© Ben Pohl, CCEs tue nicht weh, habe ihm zunächst auch geschmeichelt und sei jedenfalls keine
Sünde: „So frontal und direkt bin ich zuvor noch nie mit meiner Schale konfrontiert worden.“
Hin und
wieder bekommt er auch Liebesbriefe.
Gott statt GeldAls Erstgeborener sollte Georg zunächst das Landmaschinengeschäft
seines Vaters übernehmen. Dann interessierte ihn die Börse. Schließlich beschäftigte er sich mit existenziellen
Fragen und begeisterte sich für die Theologie.
Er wollte nicht mit „halbem Gas“ fahren und nur ein bißchen
Theologie betreiben. Seine Devise lautete: „Entweder du machst das ganz oder du läßt es.“ Seinen Weg
zum Priestertum bezeichnet der Prälat als „mühsam“.
Nach zwei Jahren als Kaplan begann er in München
ein Doktorat im Kirchenrecht: „Nach einem halben Jahr hatte ich die Nase so gestrichen voll, daß ich
mir sagte: Jetzt gehe ich zum Erzbischof und bitte ihn, mich in die Diözese zurückzuholen, weil ich
es nicht aushalte.“
Das Studium sei so trocken gewesen, „wie Arbeit in einem staubigen Steinbruch, wo
es kein Bier gibt“. Sein Doktorvater Winfried Aymans rettete ihn, indem er ihm neue Perspektiven aufzeigte.
Der Vorgesetzte wird PapstNach dem letzten Konklave wurde Prälat Gänswein zur Schar der Kardinäle
zugelassen, als diese dem Papst in der Sixtinischen Kapelle gerade kniend Treue und Gehorsam versprachen.
Prälat Gänswein erinnert sich auch an den Anblick des Neugewählten:
„Sein Gesicht war fast so weiß
wie die neue weiße Soutane und der Pileolus auf dem Kopf.“ Er habe mächtig mitgenommen ausgesehen.
Nach den Kardinälen trat auch Prälat Gänswein vor den neuen Papst: „Heiliger Vater, ich verspreche
Ihnen meinen Gehorsam, meine Treue, meinen Einsatz in allem, was Sie von mir verlangen. Ich stehe Ihnen
mit all meinen Kräften ohne Einschränkung zur Verfügung.“
Der Papst blickte seinen Sekretär an, nickte
mit dem Kopf und dankte.
Zwei Wochen nach der Papstwahl traf sich Prälat Gänswein mit seinem Vorgänger
und gegenwärtigen Erzbischof von Krakau, Stanislaw Kardinal Dziwisz.
Der scheidende Privatsekretär
übergab seinem Nachfolger einen Umschlag mit einigen Papieren sowie die Schlüssel zu einem uralten Tresor
deutscher Herkunft. Dabei sagte er nur:
„Du hast jetzt eine sehr wichtige, sehr schöne, aber sehr, sehr
schwierige Aufgabe. Das Einzige, was ich Dir sagen kann, ist, daß der Papst von nichts und niemand erdrückt
werden darf. Wie das geht, mußt Du selbst herausfinden.“
„Punkt, Schluß. Mehr hat er nicht gesagt“ –
erinnert sich Prälat Gänswein.
Was sich in dem ausgehändigten Umschlag befand, verriet er im Interview
nicht: „Es sind Dinge, die von Papstsekretär zu Papstsekretär weitergegeben werden.“
Das Salär ändert
sich trotz Karrieresprung nicht – nur die Adresse auf dem Lohnstreifen.
Neuer ArbeitsstilPrälat Gänswein
äußerte sich in dem Interview auch über die päpstliche Arbeitsweise. Seit Benedikt XVI. werde im Apostolischen
Palast nicht weniger, aber konzentrierter gearbeitet: „Der Papst ist ein straffer und schneller Arbeiter.“

Prälat Gänswein bedankt sich nach der Bayernreise im September 2006 bei den Maltesern
© Eva Lütcke,
CCDie engsten Mitarbeiter empfängt Benedikt XVI. regelmäßig: „Der Papst hört zu, holt Rat, bedenkt,
entscheidet.“
Im Studieren der Akten sei er „blitzschnell“. Er besitze ein Elefantengedächtnis.
Bei
Johannes Paul II. sei im Vergleich zu früheren Pontifikaten alles in die Superlative gestiegen – so Prälat
Gänswein:
„Denken Sie nur an die Zahl der Audienzen, der Reisen, der Dokumente, der liturgischen Feiern,
oder auch an die frühmorgendlichen heiligen Messen in der päpstlichen Privatkapelle, wozu ja immer Menschen
eingeladen waren.“
Das koste Tag für Tag eine Menge Zeit, die ausgespart werden müsse. Für Benedikt
XVI. wäre ein solcher Rhythmus undenkbar.
Gleichzeitig erklärt der Prälat, daß sich Papst Johannes
Paul II. „nicht sehr stark“ um die römische Kurie gekümmert habe: „Das ist keine Kritik, sondern einfach
ein Faktum.“
Als Schwachstelle in der gegenwärtigen Kurie benennt Prälat Gänswein die Indiskretionen:
„Es ist leider so, daß es bezüglich Ernennungen, Erarbeitung von Dokumenten, disziplinärer Maßnahmen
et cetera immer wieder poröse Stellen gibt.“
Das sei nicht nur ärgerlich, sondern berge die Gefahr,
daß von außen bewußt Einfluß ausgeübt werden könne und Irritationen entstünden.

Benedikt XVI. überreicht brasilienischen Kindern Geschenke, Mai 2007
© visitadopapa.org.brEin Gerücht,
wonach er zum Erzbischof von München ernannt werde, dementierte der Prälat: „Das sind ungelegte Eier.
Frei erfunden, an den Haaren herbeigezogen.“
Warnung vor dem IslamDie Regensburger Rede des Papstes
ist für Prälat Gänswein „so wie sie gehalten wurde“ prophetisch. Die ersten groben Reaktionen hätten
den Papst überrascht.
„Islamisierungsversuche im Westen“ sind nach Ansicht des Prälaten nicht wegzureden:
„Die damit verbundene Gefahr für die Identität Europas darf nicht aus falsch verstandener Rücksicht
ignoriert werden.“
Freiheit der Alten MesseZum jüngsten Motu Proprio erklärte Prälat Gänswein,
daß es Streit schlichten und vorhandene Entzweiungen überwinden solle.
Es werde „nicht wenigen“ Gläubigen
eine geistlich-spirituelle Heimat eröffnet:
„Ich bin überzeugt, daß der Brief des Heiligen Vaters
an die Bischöfe, der zugleich mit dem Motu Proprio veröffentlicht wurde und in dem der Papst die Motive
des Dokuments ausführlich erläutert, den Schlüssel zum richtigen Verständnis bietet.“
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