09:42:24 | Montag, 30. Juli 2007
Der Ritus von Papst Paul VI. ist nicht nur ein Einfallstor für subjektive Verformungen der Liturgie, sondern auch für viele Priester eine Überforderung.
(kreuz.net, Herzogenrath) Vom 27. bis 29. August findet in Herzogenrath bei Aachen eine Schulung von Priestern
und Laien im Alten Ritus statt.
Das berichtete das Sprecherteam des ‘Netzwerks katholischer Priester’
in einer Aussendung.
Das ‘Netzwerk katholischer Priester’ versammelt rund vierhundert Geistliche aus
dem deutschen Sprachraum. Es tritt für eine unzensurierte Verkündigung der kirchlichen Lehre, die Respektierung
der liturgischen Vorschriften sowie die Umsetzung der priesterlichen Leitungsaufgaben ein.
Zum Sprecherteam
des ‘Netzwerkes’ gehört Pfarrer Dr. Guido Rodheudt von Herzogenrath im Bistum Aachen, Pfarrer Uwe Winkel
von Spahl im Bistum Fulda, Pfarrer Hendrick Jolie von Mühltal im Bistum Mainz.
In der jüngsten Aussendung
teilt das ‘Netzwerk’ mit, dem Papst für das Motu Proprio zur Freigabe der Alten Messe gedankt zu haben:
„Mit dieser Danknote wissen wir uns einig mit vielen – auch jüngeren – Priestern im Weltklerus unserer
Diözesen.“
Das Motu Proprio richte sich nicht nur an einige wenige Traditionalisten, sondern solle zu
einer Reform des Neuen Meßritus beitragen:
„Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte hat sich gezeigt,
daß der Ritus von Papst Paul VI. nicht nur ein Einfallstor wurde, subjektive Verformungen in den Kult
der Kirche zu tragen, sondern auch eine Überforderung für viele Priester darstellt, ohne die eindeutigen
Rubriken eines festen Ritus die Heilige Messe objektiv und würdevoll zu feiern.“
Deshalb solle die Freigabe
des Alten Ritus für Priester und Gläubige dazu beitragen, „den Wert und die Gestalt des christlichen
Kultes wiederzuentdecken, so wie er seit den Zeiten Papst Gregors des Großen die Kirche geformt hat.“
Das Priesternetzwerk bedauert, daß offizielle Stellungnahmen aus den bischöflichen Ordinariaten diese
Aspekte des Motu Proprio nicht selten unterschlagen.
Man versuche, die Zelebration des Alten Ritus als
eine bloße Konzession an kleine traditionalistische Gruppen hinzustellen.
Dabei habe die vatikanische
Kommission ‘Eccelsia Dei’ eine großzügige Auslegung des Motu proprio gefordert, damit es nicht das Schicksal
des Indults von 1984 erleide:
„Um die Restriktionen der Vergangenheit zu vermeiden, sind daher nicht
mehr die Bischöfe die Genehmigungsinstanzen, sondern der einzelne Priester entscheidet über seine private
Zelebration und über Formen der Teilnahme von Gläubigen, die an seinen Messen als »stabile Gruppe«
teilnehmen wollen.“
Nach Auskunft von Ecclesia Dei sind – entgegen der Äußerungen mancher Bischöfe –
normale Gemeindemessen im Alten Ritus auch an Sonn- und Feiertagen und in feierlicher Form durchaus möglich.
Das Priesternetzwerk zitiert eine Stellungnahme des Sekretärs der Kommission Ecclesia Dei, Prälat Camille
Perl, in der katholischen Zeitung ‘Tagespost’ vom 14. Juli:
„Das jüngste Motu proprio ist für die ganze
Kirche des Römischen Ritus gedacht und in Zukunft überall verbindlich.
Es kann nirgends ‘grundsätzlich
nicht zur Anwendung kommen’, da es sich um ein positives Gesetz des Obersten Hirten der Kirche handelt,
der damit seine höchste, allgemeine Jurisdiktion über die ganze Katholische Kirche ausübt, der sich
eine untergeordnete Autorität nicht legitim widersetzen kann.“Auch die Sorge der Bischöfe, daß der
Alte Ritus zu „Spaltungen innerhalb der Gläubigen“ führen könnte, sei angesichts des allerorts vorfindbaren
Ungehorsams in den liturgischen Vollzügen unnötig.
Die Befreiung des Alten Ritus werde eher das Gegenteil
bewirken – eine Rückführung der Gläubigen zur kultischen Mitte der Kirche:
„Das Korrektiv, das der
Alte Ritus an die Neue Messe anlegt, wird nicht zur Spaltung, sondern zur Zukunftsfähigkeit liturgischer
Formen führen.“
Viele Mitbrüder des ‘Netzwerkes’ seien der Ansicht, daß allein die öffentliche Anwesenheit
des Alten Ritus bereits eine Gesundung des Neuen Ritus bewirken könnte.
Das Netzwerk weiß darauf hin,
daß verschiedene Gruppen Schulungen für Priester anbieten, um den Alten Ritus aus der Verbannung zu
befreien und der Öffentlichkeit zurückzuschenken.
So hat der Initiator des Priesternetzwerks – Pfarrer
Guido Rodheudt – seine Pfarrei in Herzogenrath mit ihren Kirchen für eine
Schulung von Priestern, Scholasängern
und Ministranten zur Verfügung gestellt. Diese wird vom 27. bis 29 August stattfinden.
In Herzogenrath
gibt es die notwendigen Räumlichkeiten, Kirchen und Übernachtungsgelegenheiten.
Durch diese Gastfreundschaft
der Pfarrei soll auch deutlich werden, daß der Alte Ritus nicht in ein Ghetto, sondern in die Pfarrkirchen
gehört.
Die liturgische Schulung wird von der Petrusbruderschaft durchgeführt. Für den musikalischen
Teil ist die Vereinigung ‘Sinfonia Sacra’ verantwortlich.
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