13:19:19 | Mittwoch, 26. Januar 2005
Nach jahrelangem Streit um das Leben von Frau Terri Schiavo hat der Oberste Gerichtshof des US-Bundesstaates Florida ein Todesurteil gegen die hirngeschädigte Patientin ausgesprochen. Die junge Frau soll verhungern.
(kreuz.net, Florida) Letzten Montag lehnte der Oberste Gerichtshof von Florida eine Berufung von Gouverneur
Jeb Bush ab, die im Zusammenhang mit dem Schicksal der seit 1990 im Halbkoma lebenden Frau Terri Schiavo
(40) steht.
Wegen einer Eßstörung erlitt die US-Amerikanerin Terri Schiavo, geborene Schindler, 1990
im Alter von 26 Jahren einen Zusammenbruch. Der Kollaps hatte einen schweren Hirnschaden zur Folge. Seitdem
liegt Frau Schiavo in einem Pflegeheim im US-Bundesstaat Florida. Bisher hat Frau Schiavo überlebt, weil
sie über eine Magensonde künstlich ernährt wird. Auf andere lebensrettende Maßnahmen ist sie nicht
angewiesen.
Um das jetzt vom Gouverneur von Florida verlorene Berufungsverfahren zu verstehen, muß man
ins Jahr 2003 zurückblicken. Damals erwirkte der Ehemann von Frau Schiavo, der schon seit langem mit
einer anderen Frau zusammenlebt und mit dieser zwei Kinder gezeugt hat, einen gerichtlichen Beschluß,
den Ernährungsschlauch, der seine behinderte Frau am Leben erhält, zu entfernen.
Gouverneur Bush, ein
Bruder des gegenwärtigen Präsidenten der USA, erwirkte im letzten Augenblick ein Gesetz, das die Ernährung
der bereits ausgehungerten Patientin wieder erlaubte. Im letzten Frühjahr wurde dieses durch den Obersten
Gerichtshof von Florida außer Kraft gesetzt. Jeb Bush appellierte gegen diesen Entscheid des Gerichtes,
um das Leben von Frau Terri Schiavo zu retten. Dieser Appell wurde vergangenen Montag abgelehnt.
Das
Gericht gab keine Begründung für den Entscheid. Er könnte es dem Ehemann von Terri Schiavo, der sich
sonst um sie nicht kümmert und sie nie besucht, endgültig erlauben, Terri durch Entzug der Magensonde
verhungern zu lassen.
Die Eltern von Terri sind vom Gerichtsentscheid erschüttert: „Das ist ein gerichtlicher
Mord. Sie wollen sie töten“, kommentierte Terris Vater, Robert Schindler, vergangenen Montag die Entscheidung
des Gerichtes: „Ich habe keine Ahnung, was wir tun sollen. Aber wir werden um das Leben unserer Tochter
mit allen Kräften weiterkämpfen. Sie verdient eine Chance.“ Man habe die Fakten einfach ignoriert. Seine
Tochter sei nicht in einem „vegetativen Zustand“.
Sie reagiere auf ihre Familie. Sie reagiere auf Anweisungen.
Die Frage ist offen, wann Terris Ehemann, Michael Schiavo, die Erlaubnis erhalten wird, die Magensonde
seiner Frau entfernen zu lassen. Als frühesten Termin nennt die US-amerikanische Presse den Anfang des
nächsten Monats. Es ist nicht voraussehbar, wie lange Terri ohne Essen und Trinken überleben und unter
welchen Umständen sie genau verhungern wird.
Gouverneur Jeb Bush, der vor Jahren zum Katholizismus konvertiert
ist, gibt sich noch nicht geschlagen. Er werde alle legalen Möglichkeiten ausschöpfen, um Terris Leben
zu retten: „Ich werde tun, was immer in meiner gesetzlichen Macht steht.“ Es müsse jetzt geprüft werden,
welche Möglichkeiten noch offen stünden. Er werde auch der geringsten Chance nachgehen. Bush deutete
an, daß er von der Entscheidung des Gerichtes „enttäuscht, aber nicht überrascht“ sei.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#3
1+1=7 08:39:25 | Freitag, 28. Januar 2005
#2
FioreGraz 14:39:30 | Mittwoch, 26. Januar 2005
#1
Dolfus 13:32:43 | Mittwoch, 26. Januar 2005