Liturgie
Wir brauchen beides
Was haben „Stay & pray“ in München, Nightfever in Trier, ‘Summorum Pontificum’ in Rom und weltweit und die niederländischen „Ritual Studies“ gemeinsam? Ein deutscher Liturgiker weiß eine erstaunliche Antwort.
Die Alte Messe stillt den Hunger nach Tiefe.
Die Alte Messe stillt den Hunger nach Tiefe.
© Vernon Quaintance, traditionalcatholic.org.uk
(kreuz.net) Der Hunger nach Tiefe und nach einer Spiritualität, die sich nicht in billiger Esoterik erschöpft und mit wortreichen Ratschlägen für ein glückliches Leben zufrieden gibt, sei gegenwärtig nicht zu übersehen.

Das erklärte jüngst Eduard Nagel, Redaktor der vom ‘Deutschen Liturgischen Institut’ in Trier publizierten Zeitschrift ‘Gottesdienst’.

Nagel eruiert auch einen Hunger nach Identität – „nach etwas, woran man sich festmachen kann“.

In einer Welt der Unverbindlichkeit und eines zusammengebastelten Glaubens würden Angebote ansprechen, die dazu in einem krassen Gegensatz stehen.

Nagel nennt ein Beispiel: „»Anbetung« vor einer in Gold gefaßten weißen Brotscheibe, von der die Kirche, ohne zu erröten, sagt, dies sei real der Leib ihres Herrn, ist ebenso eine Herausforderung wie eine Feier, bei der in einer unverständlichen Sprache und kaum hörbar einer für alle etwas murmelt.“

Die Teilnehmer der beiden Veranstaltungen seien nicht identisch. Doch seien beide von einer ähnlichen Sehnsucht getrieben.

Das Meßbuch von 1962 lebe ganz im Gedanken der Stellvertretung urteilt Nagel scharf: „Nur der Priester handelt; wieweit sich die Einzelnen innerlich dem Geschehen nähern, bleibt ihr Geheimnis.“

Das sei bei denen, die in einer von Kerzen erleuchteten Kirche und vor dem strahlend ausgesetzten Allerheiligsten ihre Gedanken kommen und gehen lassen, ähnlich:

„Beide Male wird kein laut gesprochenes öffentliches Credo verlangt, wie es die erneuerte Liturgie fordert.“

Hier erweise sich, wie richtig die Forderung sei, das eine nicht gegen das andere auszuspielen:

„Wir brauchen Beides“ – so Nagel: „das Sich-Unverbindlich-Nähern-Dürfen, aber auch das klare Bekenntnis, damit die Sehnsucht letztlich nicht ins Leere geht, sondern weiß, worauf ihre Hoffnung gründet.“

Zu letzterem trage die Volkssprache in der Liturgie viel bei.
      
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