Ökumene
Überheblich und rechthaberisch
Ein Dekan hat das Dokument der Glaubenskongregation zu einigen Fragen über die Kirche in der Mainzer Kirchenzeitung in die Pfanne hauen dürfen.
Kardinal Crescenzio Sepe (64) von Neapel bei einem ökumenischen Treffen im Januar 2007
Kardinal Crescenzio Sepe (64) von Neapel bei einem ökumenischen Treffen im Januar 2007
© Bild: Flickr-Benützer „Finizio“, Lizenz: Creative Commons
(kreuz.net, Mainz) Die Mainzer Kirchenzeitung ‘Glaube und Leben’ hat am 5. August einen scharfen Angriff gegen die Erklärung der Glaubenskongregation zu einigen Fragen über die Kirche veröffentlicht.

Es handelte sich dabei um einen Leserbrief von Dekan Helmut Grittner aus Grebenhain. Der Priester ist auch Mitglied der Schönstatt-Priesterbewegung.

Grebenhain ist ein 5.000 Seelen Ort dreißig Kilometer westlich von Fulda. Er gehört zum Bistum Mainz.

Der Leserbrief steht unter dem Titel: „Es bleibt nur das gemeinsame Zeugnis“.

Zu Beginn seines Leserbriefes erklärt Dekan Grittner, daß er die Kommentare zur römischen Erklärung nicht nur den Protestanten überlassen wolle.

Anschließend formuliert er seine Gedanken in sieben Thesen.

Vorkonziliare Interpretation des Konzils

Dabei bezeichnet der Dekan „die Hauptaussage des Dokuments“, wonach das Konzil nicht von den Kirchen der Reformation gesprochen habe, als „falsch“.

Das Konzilsdekret über den Ökumenismus spreche in der Nummer 19 viermal von den „Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“, „die aus der Reformation entstanden sind“ – behauptet Hw. Grittner.

Doch die Glaubenskongregation interpretiere das Konzil „von der vorkonziliaren Theologie“. Dadurch würden „Geist und wörtliche Wahrheit des Konzils“ weginterpretiert.

Unkompetente Glaubenskongregation?

Dekan Grittner stellt auch die theologische Kompetenz der Glaubenskongregation in Frage. Das Konzilsdekret über den Ökumenismus fordere, daß das ökumenische Gespräch von Sachkundigen geführt werde:

„Wenn das höchste Glaubensgremium unserer Kirche in Fragen des Umgangs mit den evangelischen Christen nur ein Dokument in der Art eines Grundschulkatechismus zustande bringt, ist das für Katholiken beschämend.“

Das Konzilsdekret über den Ökumenismus fordere in Nummer 9, daß zwischen den Kirchen in theologischen Fragen „von gleich zu gleich“ gesprochen werde:

„Die Überheblichkeit und Rechthaberei in dem Dokument schlägt dem ins Gesicht.“

Wenn Amts- und Eucharistieverständnis die eigentlich trennenden Dinge seien, über die gesprochen werden müsse, dann solle der „Kirchentitel“ nicht zur Keule verwendet werden, um jedes Gespräch von vornherein zunichte zu machen.

Lob für Kardinal Lehmann

Dekan Grittner lobt den Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann. Dieser habe im Fernsehen „behutsam“ Stellung genommen. Zugleich fragt der Geistliche:

„Sollte nicht deutlicher wahrheitsgemäße Argumentation und Sensibilität im Umgang mit den evangelischen Christen von der Glaubenskongregation eingefordert werden?“

Das Dokument lasse von Seiten Roms als Weg zur Einheit nur die Rückkehr zur katholischen Kirche offen – konkludiert der Dekan: „Das bewirkt nur stärkere Abgrenzung.“

Die „Kommuniongemeinschaft“ als Weg, wie es die evangelischen Kirchen versuchten, werde von der katholischen Kirche definitiv nicht mitgegangen.

Es bleibe somit nur das gemeinsame Apostolat, das Zeugnis vor der Welt in Caritas, Gebet, Gottesdiensten, Bibel- und Glaubensgesprächen:

„Das heißt für mich, hochachtungsvoll die Nähe zu den evangelischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu suchen“.

Diese Hochachtung habe er von dort immer erfahren.

Dekan Grittner will an einem Apostolatsverband, einer Zeugnisallianz „basteln“, die jeden „in seinem Kirchesein voraussetzt und gemeinsam Zeugnis für unsere Hoffnung gibt.“
      
13 Lesermeinungen
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#13   aurelia   09:47:55 | Dienstag, 14. August 2007
Überheblich und rechthaberisch
An wen und was erinnert mich das nur?
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#12   Gotthard   23:51:51 | Mittwoch, 8. August 2007
Begründungen
Ich denke, die getrennten Kirchen müssen gut begründen, warum sie was noch getrennt machen.
Welche Dienste und Strukturen haben die Kirchen vor Ort noch getrennt – und warum nicht gemeinsam?
„Die Liebe Christi drängt uns…“ DAS kann nur das zeugnis für Christus sein.
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#11   Graf von Galen   23:29:56 | Mittwoch, 8. August 2007
Wider VII
Daß sich auch ein führendes Mitglied der Schönstatt-
Bewegung an dem Ökumenezirkus beteiligt, wundert
mich nun doch.
In einem gebe ich ihm jedoch recht.
VII ist mit dem Dogma „Extra ecclesiam nulla salus“
nicht vereinbar.
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#10   st.georg   23:16:25 | Mittwoch, 8. August 2007
bischof koch
man lese zu diesem thema den offenen brief des baseler bischofs kurt koch an den vorsitzenden der reformierten schweizer kirche – abgedruckt auf kath.net – sehr! lesenswerte stellungnahme…
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#9   ExBochumer †   20:23:23 | Mittwoch, 8. August 2007
Typisch.
Typisch. – Mehr kann man nicht dazu sagen.
Typisch.
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#8   möchtegern-kathole   19:58:35 | Mittwoch, 8. August 2007
Grittner und Fellay …
… sind also einer Meinung: das Dokument der Glaubenskongregation kann nicht den Widerspruch zwischen vorkonziliarer Lehre und Vat.II aufheben oder nivellieren.
Ein kurioser Schulterschluss, der jedoch vollkommen logisch ist.
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#7   Aleph †   17:47:18 | Mittwoch, 8. August 2007
Wie es Sektierer gern haben
Als vorkonziliar Denkender, muss man ja so viel wie möglich herausquetschen, weil es danach ja nichts mehr Herausquetschbares gibt, falls man nicht zu den sektiererischen Denominationen wie Sedvakantisten, Pius- und Petrusbrüder, Wigratzbader Marienkinder, Lefebvreisten und andere Paradiesvögel. Also quetschen und nochmals quetschen und wenn nur Halbwahrheiten daraus hervor kommen. Diese aber dann groß Herausbringen, dass alle das große Mene-Tekel-Phares erkennen mögen, wie es die Sektierer gern haben.
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#6   Benedikt   17:06:32 | Mittwoch, 8. August 2007
Wahrheitsgemäß
„Sollte nicht deutlicher wahrheitsgemäße Argumentation und Sensibilität im Umgang mit den evangelischen Christen von der Glaubenskongregation eingefordert werden?“
Das Dokument ist doch wahrheitsgemäß. Es deckt sich voll mit der Auffassung des Konzils, auf das es an etlichen Punkten rekurriert. Nicht wahrheitsgemäß handelt jedoch, wer den Protestanten hinsichtlich des kath. Kirchenverständnisses Illusionen macht, indem er eine private Ekklesiologie zur angeblichen Lehre der Kirche erhebt.
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#5   stat crux   15:50:52 | Mittwoch, 8. August 2007
Oh Wunder, oh Wunder…
Man muss sich schon gewaltig anstrengen, um aus der lapidaren Antwort 5 zur Frage 5 so viel „Vorkonziliares“ herauszuquetschen. Ich halte die ganze Panikmache für inszeniert, um vom Jesusbuch des Papstes abzulenken. Denn das lesen ev. Theologen, die Beschlüsse der eigenen Gremien lesen die schpon lange nicht mehr.
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#4   ExBochumer †   15:38:50 | Mittwoch, 8. August 2007
Typen wie der …
sind für den katholischen Glauben irrelevant
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#3   Fabianus   15:31:11 | Mittwoch, 8. August 2007
Naja…
Doch die Glaubenskongregation interpretiere das Konzil „von der vorkonziliaren Theologie“. Dadurch würden „Geist und wörtliche Wahrheit des Konzils“
Gemeint ist wohl die wörtliche Wahrheit von unpräzisen Phrasen, die aufgrund ihrer Substanzlosigkeit und uneindeutiger Aussagekraft zu vielen Mißbräuchen geführt haben.
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#2   Stimme aus dem Tradiland   14:56:44 | Mittwoch, 8. August 2007
Bruder Lehmann & Bruder Sepe…
@ Rudolfus: „Bruder im Geiste“ ist Em. Sepe von Em. Lehmann wohl schon… :-S
Schönstatt-Bewegung: Der Artikel zeigt am Beispiel von Schönstatt gut, wohin die „Movimenti“ mit V2, NOM und falschen „Erscheinungen“ gelangt sind: Zu Irrlehren in der Ecclesiologie und der Sakramentenlehre (keine Vollständigkeit!)… o.O
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#1   Rudolfus   14:30:36 | Mittwoch, 8. August 2007
Vom Aussehen her könnte man den Cardinal von Neapel
für den Vetter des Cardinals von Mainz halten.
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