11:57:10 | Dienstag, 7. August 2007
Seit Jahren profiliert sich ein Erzbischof in seinem Land als Oppositionsführer. Doch jetzt hat er sich selber ein Bein gestellt.

Bild auf der Titelseite der staatlichen Zeitung ‘Harald’ unter dem Titel „In flagranti erwischt“. Kleines Bild: Erzbischof Pius Ncube wartet in seinem Schlafzimmer auf seine Geliebte. Großes Bild: Der Erzbischof zieht sein Hemd aus, während seine Geliebte (zum Teil verdeckt) auf dem Bett sitzt.
(kreuz.net, Bulawayo) Der Erzbischof von Bulawayo, Mons. Pius Ncube (60), gilt in Zimbabwe als eigentlicher
Oppositionsführer. Die südwestliche Erzdiözese Bulawayo umfaßt 69.456 Quadratkilometer mit einer Bevölkerung
von fast zwei Millionen, von denen 140.000 katholisch sind.
Nach Angaben von Thomas Scheen in der ‘Frankfurter
Allgemeinen Zeitung’, hat Mons. Ncube eine Vorliebe für „deutliche Worte“.
Vor einiger Zeit bot er seinem
Volk sogar an, einen Aufruhr gegen Präsident Robert Mugabe im Kugelhagel anzuführen.
Im vergangenen
März forderte er Großbritannien als ehemalige Kolonialmacht auf, in Zimbabwe einzumarschieren und Präsident
Mugabe zu entmachten.
Mons. Ncube betete sogar für einen guten Tod des Präsidenten: Schließlich sei
er 83 Jahre alt und habe ein erfülltes Leben geführt.
Mons. Ncube gehört zur ethnischen Minderheit
der Ndebele. Diese widersetzten sich in den 80er Jahren der Machtergreifung Mugabes und seines Stammes.
Das Ergebnis: Mehr als 20.000 Ndebele wurden zwischen 1982 und 1985 getötet. Die Massaker fanden unter
den Augen von Mons. Ncube statt, der damals als einfacher Priester arbeitet.
Anschließend stellt er
mit dem damaligen Erzbischof von Bulawayo eine Liste der Ermordeten zusammen und sammelte Augenzeugenberichte.
Die Unterstützung der zimbabwischen Bischofskonferenz erhielt er nicht. Denn der Erzbischof von Harare,
Mons. Patrick Chakaipa († 2003) war ein Freund von Mugabe.
Das änderte sich mit der Ernennung des neuen
Erzbischofs von Harare, Mons. Robert Christopher Ndlovu (51) – eines Gegners des Präsidenten.
Seither
nennt Präsident Mugabe den Erzbischof von Bulawayo einen „Satan“ und läßt keine Gelegenheit ungenutzt,
den populären Kirchenmann anzuschwärzen.

Mons. Ncube verabschiedet sich von Frau Rosemary Sibanda
Der große Coup gelang Mugabe am 16. Juli. Er konnte den Erzbischof
in der nationalen Presse als Zölibats- und Ehebrecher hinstellen.
Der Geheimdienst hatte im Schlafzimmer
des Erzbischofs eine Kamera montiert. Die geschossenen Photos zeigen Mons. Ncube mit einer Frau.
Die
vom Staat kontrollierte Zeitung ‘The Chronicle’ publizierte acht Fotos, auf denen Mons. Ncube mehr oder
weniger eindeutig zu erkennen ist.
Bei der Frau handelt es sich um eine verheiratete Sekretärin der
Pfarrei St. Pius in der Stadt Bulawayo. Laut Staatsmedien hat sie ihre Beziehung zu Mons. Ncube gestanden.
Jetzt hat der Ehemann der Dame den Bischof wegen Ehebruchs angeklagt und fordert 120.000 Euro Wiedergutmachung,
obwohl er offenbar von seiner Frau geschieden ist.

Der Erzbischof blickt zum Abschied auf die Uhr
Der Ehemann ist ein Soldat der nationalen Armee und
soll zu seinem Schritt gedrängt worden sein, berichtete die Tageszeitung ‘The Zimbabwe Times’ am 23.
Juli.
Mons. Ncube gab das Verhältnis vor dem staatlichen Fernsehen indirekt zu, als er sagte: „Wir haben
alle Schwächen. Das ist der Grund, warum wir beten. Wir bitten Gott immer um Vergebung.“
„Wir sind eine
sündige Kirche“ – fuhr der Erzbischof wortreich weiter: „Wir tun unser bestes, ja, aber wir versagen,
ja, wir leugnen nicht unser Versagen. Ich werde diese Fragen [ob er sein Keuschheitsgelübde gebrochen
hat] nicht beantworten, Fragen, die mein Privatleben betreffen. Ja, ich habe ein Gelübde abgelegt, ja.
Es gibt eine Menge anderer Umstände, die im Leben eines Menschen stattfinden, darum wäre ich nicht in
der Lage, diese Dinge zu beantworten.“
Die Geliebte des Erzbischofs bejahte die Frage eines Reporters,
ob Kondome verwendet worden seien.
Der Diktator – der selber katholisch ist – hat seinerseits angekündigt,
für den Erzbischof beten zu wollen, daß Gott ihm seine Sünden vergeben möge.

Die Geliebte Rosemary Sibanda
Vor Gericht bemühen
sich die Rechtsanwälte des Erzbischofs jetzt zu zeigen, daß die Forderungen des Ehemannes unbegründet
sind, weil die Ehe zwischen Rosemary und ihrem Ehemann gar nicht mehr bestand. Ehebruch ist nach der Rechtslage
in Zimbabwe ein Verbrechen.
Heute berichtete die in Bulawayo erscheinende Tageszeitung ‘Chronicle’, daß
die Anklage gegen den Erzbischof – entgegen anderen Presseberichten – nicht modifiziert wurde.
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mrnka 12:50:49 | Dienstag, 7. August 2007