kreuzfalsch: „Der Ökumenismus ersäuft in Leerformeln“
Zum Abschluß der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ hat sich Kardinal Kasper, der Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, in einem Artikel der „Tübinger Quartalsschrift“ zu „neuen Perspektiven“ in der Ökumene geäußert. Der römische Kardinal zitierte dabei sogar die Sprache Luthers.
(kreuz.net, Tübingen) In seinem jüngsten Artikel zieht Walter Kardinal Kasper, der vatikanische Verantwortliche
für die Ökumene, eine Bilanz seiner bisherigen Tätigkeit. Anlaß dazu ist die soeben zu Ende gegangene
„Gebetswoche für die Einheit der Christen“. Der Artikel des Kardinals erschien im Januar-Heft der „Tübinger
Quartalsschrift“, die von der dortigen katholisch-theologischen Fakultät herausgegeben wird. Bis zu seiner
Ernennung zum Bischof von Stuttgart-Rottenburg lehrte Kasper als Professor in Tübingen.Kardinal Kasper erklärt in seinem Artikel, daß es ihm diesen Januar nach einem jahrelangen Engagement im ökumenischen Dialog während der end- und zahllosen Veranstaltungen zur „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ wie Schuppen von den Augen gefallen sei. Er habe klar erkannt, daß es mit der ökumenischen Bewegung so nicht weitergehen könne.
Die Kirche benötige eine neue Ökumene, für die Begriffe wie „Wahrheit und Ehrlichkeit“ keine Fremdwörter mehr seien.
Damit sei die bisherige „Ökumene der zweideutigen Aussagen und verschwommenen Begriffe“ an ein definitives Ende gelangt. Es gebe kein Zurück mehr zu diesem gescheiterten und veralteten Modell. Der Weg des neuen „Ökumenismus der Wahrheit und Ehrlichkeit“ sei irreversibel.
Im Artikel übte der Kardinal Kritik an den zahlreichen ökumenischen Erklärungen und Konsenspapieren. Sie seien fast regelmäßig von einer kaum überbietbaren theologischen Banalität. Deshalb würden sie auch von niemandem mehr gelesen, geschweige den ernst genommen. Hier sei eine Hebung des intellektuellen Niveaus und somit ein Übergang vom Ökumenismus zum IQ-menismus vonnöten.
Auch ihm persönlich, so der Kardinal, sei die Zeit zu schade, um sie mit einem unaufhaltbaren Schwall von ökumenischen Papieren zu verbringen, bei deren Lektüre man am Ende nicht wisse, was man am Anfang gelesen habe: „Ich möchte das ohne ökumenisches Umschweifen in der Sprache Luthers formulieren: Die Ökumene versäuft in Leerformeln.“
Auch sei es für ihn eine zunehmende Qual, die ökumenischen Gottesdienste durchzustehen, an denen er von Amtes wegen teilnehmen müsse. Insbesondere sei es ihm bei diesen Anlässen eine lästige Pflicht, Tauben fliegen zu lassen, Öllämpchen anzuzünden, Bäume zu pflanzen und Bärte zu küssen. Wegen des dort üblichen permanenten ökumenischen Lächelns habe er bei seinem letzten Heimaturlaub in Deutschland sogar einen Gesichtschirugen aufsuchen müssen. Er leide an einer chronischen Verkrampfung der Beißmuskulatur.
Während der endlosen Predigten, verschwommenen Erklärungen und klerikalen Selbstdarstellung, die in ökumenischen Gottesdiensten typisch seien, leide er auch zunehmend an Nervosismen und – jawohl – an Aggressionen: „Dialog“, „Gemeinsames Abendmahl“, „Tisch des Herrn“, „LutheranerInnen und KatholikInnen“, „differenzierter Konsens“, „versöhnte Verschiedenheit“, „Vielfalt in der Einheit“, „Geist der Geschwisterlichkeit“, „Ökumene als Bereicherungs- und Wachstumsprozeß“, „Spiritualität der ‘communio’“. Hilfe! Phrasen über Phrasen. Es sei nicht mehr zum Aushalten. Und eine Arche Noah, die ihn vor diesem gottlosen Wortschwall rette, sei nicht in Sicht, sagte der knapp 72-jährige Kardinal, der noch drei lange Jahre bis zu seiner Pensionierung durchstehen muß.
„Wie oft will man noch den „Gott des Dialogs“, die „neue ökumenische Sprechweise“, die „wahre ökumenischen Spiritualität“ und die „Einheit“ beschwören?“ fragt sich ein besorgter Kardinal.
Der ökumenische Dialog müsse endlich von politisch korrekten „Freundlichkeiten um der Freundlichkeiten willen“ Abschied nehmen und einem sachlichen und ernsthaften theologischen Disput Raum lassen.
Auch die selbst von ihm geforderte „neue ökumenische Sprechweise“ müsse endlich wirklich „neu“ werden. Dieses Ziel wäre dann erreicht, wenn man sich um Gottes und der Heiligen willen endlich vom „gegenwärtigen unerträglichen ökumenischen Kirchenchinesisch“ verabschiedete und sich in einer Sprache unterhielte, die auch von normalen Menschen gesprochen und verstanden würde.
Was die in jüngster Zeit vielbeschworene „ökumenische Spiritualität“ sei, wisse er immer noch nicht, so Kardinal Kasper. Erst kürzlich habe er im Katechismus gelesen, daß die Heilige Kommunion in unserem geistlichen Leben vollbringe, was die materielle Speise für das körperliche Leben tue (KKK 1392). Wenn diese Aussage wahr sei – und davon gehe er aus, da der Katechismus doch vom Papst selber publiziert wurde – dann sei die „ökumenische Spiritualität“ ein Hungerbunker, da die heilige Eucharistie in der „ökumenischen Spiritualität“ aus ökumenischen Gründen keinen echten Platz habe.
Abschließend äußerte sich der Kardinal auch kritisch zum Einheitsbegriff, der in der ökumenischen Diskussion verwendet wird.
Man könne nicht mehr länger so tun, als ob der katholischen Kirche die „Einheit“ fehlte. Wäre dem so, dann wäre die katholische Kirche nicht mit jener Kirche identisch, die im Glaubensbekenntnis als die „eine, heilige, katholische und apostolische“ Kirche genannt wird. Die katholische Kirche wäre folglich auch nicht die Kirche Christi. Unter diesen Umständen würde er, Kasper, sich fragen, ob er sein Leben als Katholik, Priester, Theologieprofessor, Bischof und Kardinal nicht in der falschen Kirche verschwendet habe.
Der Kardinal betonte, daß er nicht katholisch sei, weil er im katholischen Allgäu von katholischen Eltern geboren wurde. Seinen Katholizismus habe er nie als eine geographische Größe oder kulturelle Tradition verstanden. Diese Art von Traditionalismus sei ihm, dem fortschrittlichen Theologieprofessoren, schon seit jeher fremd gewesen. Er sei sein Leben lang davon ausgegangen, in der „Kirche Christi“, nicht in der „Kirche des Allgäu“ zu leben.
„Entweder ist die katholische Kirche die eine Kirche Christi oder sie ist es nicht.“ Wer darüber im Zweifel sei, tue besser daran, sich dem örtlichen Golfclub anzuschließen. Der möge vielleicht nicht viel zum Seelenheil beitragen, sei aber immerhin auf unmißverständliche Weise das, wofür er sich ausgebe.
Weiterlesen:
Montag, 27. Februar 2006 18:53
Agiafortuni: Kasper’s späte Einsicht
Wäre es nicht endlich an der Zeit, dass dieser hochintelligente Kardinal sich endlich jenen Büchern zuwendet, die er bei der Abfassung seiner Habilitation benützte unter anderen Giovanni Perrone’s: Il Protestantesimo e la regola di fede. Davon kann er bestimmt mehr lernen als aus den Konzilstexten und vielleicht zieht er auch Moratlium animos zu Rate.
Mittwoch, 26. Januar 2005 22:17
Catholicus: „Kasper-Simulation“ oder „Kasper mit Echtheitszertifikat“
Die Story ist nicht einfach „kreuzfalsch“. Tatsächlich hat der echte, nicht von kreuz.net simulierte Kardinal Kasper „liberale Auslegungen des Christentums und die Gleichgültigkeit von Katholiken gegenüber Grundpositionen ihres Bekenntnisses kritisiert“ (Radio Vatikan). Statt sich hinter einem „Pseudo-Kaspar“ zu verstecken, sollte kreuz.net auch ad personam propriam Farbe bekennen und die eigene Anonymität baldigst aufgeben. Es wäre nur zum Guten!
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