Ist die Kirche sichtbar oder unsichtbar? Das ist hier die Frage
Besteht der Alleinanspruch der Katholischen Kirche in einer christologisch verengten Ekklesiologie des Theologen Joseph Ratzinger? Ein Bonner Dogmatiker weiß die Antwort.
(kreuz.net) Was will das jüngste Lehrschreiben der Glaubens- kongregation?
Es möchte klarstellen, daß eine Aussage des letzten Konzils nicht das sagt, was viele Theologen aus ihr herauslesen.
Das erklärte der Bonner Dogmatiker, Hw. Karl-Heinz Menke (57), Anfang August in einem längeren Artikel für die christliche Wochenzeitung ‘Rheinischer Merkur’.
Menke beschäftigt sich mit der berühmten Aussage der Kirchenkonstitution ‘Lumen Gentium’:
„Diese Kirche, in der Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht – »subsistit« – in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“
Sichtbarer Leib – mystischer Leib
Nach Hw. Menke ist der theologiegeschichtliche Hintergrund dieses Satzes von großer Bedeutung.
Bis zum Mittelalter habe man die Kirche als den „wahren, weil sichtbaren Leib Christi“ und die konsekrierte Hostie als „mystischen Leib“ bezeichnet.
Im Mittelalter kam es nach Hw. Menke zu einer Vertauschung dieser Begriffe: Man bezeichnete die konsekrierte Hostie als wahren, sichtbaren Leib – und die Kirche als mystischen, weil unsichtbaren Leib Christi.
Die Reformatoren hätten die Bezeichnung der Kirche als „Corpus Christi mysticum“ – mystischer Leib Christi – zum Zentralbegriff ihrer Kirchenlehre erhoben.
Als Gegenreaktion verschwand der Begriff „Corpus Christi mysticum“ für lange Zeit aus den katholischen Lehrbüchern.
Die Formulierung wurde – so Hw. Menke – im 19. Jahrhundert wieder aufgenommen, wobei die katholischen Theologen betonten, daß die „unsichtbare Kirche“ von der hierarchisch organisierten Institution untrennbar ist.
Diese Position schrieb Papst Pius XII. im Jahr 1942 in der Enzyklika ‘Mystici Corporis’ fest. Das Zweite Vatikanum hat sie nicht relativiert, sondern präzisiert – so Hw. Menke.
„subsistit“
Schon auf dem Konzil sei vor der Vieldeutigkeit des Begriffes „subsistit in“ gewarnt worden.
Dieses Verb hat die Theologie in einem doppelten Sinn verwendet:
• In der Christologie bedeutet es, daß Christus nicht teils göttliche Person, teils menschliche Person ist, sondern als einzige Person subsistiert.
• In der Trinitätslehre sagt es, daß Gott zwar ein Einziger ist, aber in drei Personen subsistiert.
Theologen, die von mehreren Subsistenzen – Erscheinungsformen – der Kirche sprechen möchten, setzten beim trinitarischen Verständnis des Begriffes ein.
Dabei wird nach Hw. Menke häufig ausgeblendet, daß ‘Lumen Gentium’ den Subsistenzbegriff in einem christologischen Sinn verwendet.
Hw. Menke bezeichnet es darum als Verzeichnung, eine angeblich „christomonistische“ Ekklesiologie Joseph Ratzingers gegen eine angeblich trinitätstheologische Communio-Ekklesiologie des Konzils zu stellen.
Orts- und Teilkirchen dürfen nach Hw. Menke nicht gegen die Universalkirche ausgespielt werden: „Die Universalkirche ist so wenig eine abstrakte Idee (»civitas platonica«) wie jede Orts- oder Teilkirche auch.“
Das protestantische Kirchenverständnis
Hw. Henke zeigt zugleich auf, daß protestantische Autoren eine ganz andere Kirchenlehre vertreten.
Als Beispiel liefert er ein Zitat aus dem Buch „Das Mißverständnis der Kirche“ des reformierten Theologen Emil Brunner († 1966):
„Ist die Kirche Institution, dann ist Rom die kirchlichste Kirche, das Ideal des Kircheseins. Denn in ihr ist die Institutionalisierung der Ekklesia vollendet – und in ihr allein.
Meint man aber mit der Kirche etwas anderes als Rom, dann muß man sich darüber klar sein, daß man mit diesem ‘anders’ bis zur Wurzel gehen muß. Dann darf man Ekklesia nicht mit Kirche übersetzen.“
„Dann muß man erkennen, daß die Ekklesia des Neuen Testaments, die Christusgemeinschaft der ersten Christen keine Kirche war und keine Kirche sein wollte.“
Mit diesem Zitat zeigt Hw. Henke, „daß die Protestanten sich selbst nicht in demselben Sinne als Kirche verstehen wie die römisch-katholische Kirche oder wie die orthodoxen Kirchen.“
Sie würden sich zwar „Kirche“ nennen – aber diese Wortwahl meint bei den Protestanten entweder die unsichtbare Kirche Jesu Christi oder die sichtbaren Institutionen, die ihrer Ansicht nach von Menschen organisierte, soziologisch bedingte Einrichtungen sind.
Die Reformatoren im 16.Jahrhundert haben nach Hw. Menke „eine andere Kirche“ gewollt.
Ihre Position ist darum nach Hw. Menke nicht mit der These vereinbar, daß jede der großen christlichen Traditionen sich als eine Spielart der transzendent bleibenden Wahrheit relativiert.
Dieses vordergründig „tolerante“ Einheitsmodell transponiere die Wahrheit auf eine unsichtbare Ebene, um auf der sichtbaren Ebene „jedem das Seine“ zuzugestehen.
Zwei verschiedene Ökumenismus-Konzeptionen
In der Folge sieht Hw. Menke zwei Konzeptionen von Ökumenismus, die einander heute gegenüberstehen:
• Auf der einen Seite das Konzept der Katholiken und Orthodoxen, das die sichtbare Einheit der Kirche erstrebt.
• Auf der anderen Seite das Konzept der Protestanten, das den Status quo einer Vielheit durch wechselseitige Anerkennung der Verschiedenheiten festschreiben will.
Das moderne protestantische Konzept kann sich nicht auf die Reformatoren berufen – so Hw. Menke:
„Denn diese haben ihre Reformation als Erneuerung der Kirche in ihrer Gesamtheit und nicht als Gründung einer protestantischen Teilkirche verstanden.“
„Sie wollten nicht eine Vielzahl von Bekenntnissen, sondern glaubten an die Unteilbarkeit der Wahrheit.“
© Bild: mambo1935, Creative Commons
Es möchte klarstellen, daß eine Aussage des letzten Konzils nicht das sagt, was viele Theologen aus ihr herauslesen.
Das erklärte der Bonner Dogmatiker, Hw. Karl-Heinz Menke (57), Anfang August in einem längeren Artikel für die christliche Wochenzeitung ‘Rheinischer Merkur’.
Menke beschäftigt sich mit der berühmten Aussage der Kirchenkonstitution ‘Lumen Gentium’:
„Diese Kirche, in der Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht – »subsistit« – in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird.“
Sichtbarer Leib – mystischer Leib
Nach Hw. Menke ist der theologiegeschichtliche Hintergrund dieses Satzes von großer Bedeutung.
Bis zum Mittelalter habe man die Kirche als den „wahren, weil sichtbaren Leib Christi“ und die konsekrierte Hostie als „mystischen Leib“ bezeichnet.
Im Mittelalter kam es nach Hw. Menke zu einer Vertauschung dieser Begriffe: Man bezeichnete die konsekrierte Hostie als wahren, sichtbaren Leib – und die Kirche als mystischen, weil unsichtbaren Leib Christi.
Die Reformatoren hätten die Bezeichnung der Kirche als „Corpus Christi mysticum“ – mystischer Leib Christi – zum Zentralbegriff ihrer Kirchenlehre erhoben.
Als Gegenreaktion verschwand der Begriff „Corpus Christi mysticum“ für lange Zeit aus den katholischen Lehrbüchern.
Die Formulierung wurde – so Hw. Menke – im 19. Jahrhundert wieder aufgenommen, wobei die katholischen Theologen betonten, daß die „unsichtbare Kirche“ von der hierarchisch organisierten Institution untrennbar ist.
Diese Position schrieb Papst Pius XII. im Jahr 1942 in der Enzyklika ‘Mystici Corporis’ fest. Das Zweite Vatikanum hat sie nicht relativiert, sondern präzisiert – so Hw. Menke.
„subsistit“
Schon auf dem Konzil sei vor der Vieldeutigkeit des Begriffes „subsistit in“ gewarnt worden.
Dieses Verb hat die Theologie in einem doppelten Sinn verwendet:
• In der Christologie bedeutet es, daß Christus nicht teils göttliche Person, teils menschliche Person ist, sondern als einzige Person subsistiert.
• In der Trinitätslehre sagt es, daß Gott zwar ein Einziger ist, aber in drei Personen subsistiert.
Theologen, die von mehreren Subsistenzen – Erscheinungsformen – der Kirche sprechen möchten, setzten beim trinitarischen Verständnis des Begriffes ein.
Dabei wird nach Hw. Menke häufig ausgeblendet, daß ‘Lumen Gentium’ den Subsistenzbegriff in einem christologischen Sinn verwendet.
Hw. Menke bezeichnet es darum als Verzeichnung, eine angeblich „christomonistische“ Ekklesiologie Joseph Ratzingers gegen eine angeblich trinitätstheologische Communio-Ekklesiologie des Konzils zu stellen.
Orts- und Teilkirchen dürfen nach Hw. Menke nicht gegen die Universalkirche ausgespielt werden: „Die Universalkirche ist so wenig eine abstrakte Idee (»civitas platonica«) wie jede Orts- oder Teilkirche auch.“
Das protestantische Kirchenverständnis
Hw. Henke zeigt zugleich auf, daß protestantische Autoren eine ganz andere Kirchenlehre vertreten.
Als Beispiel liefert er ein Zitat aus dem Buch „Das Mißverständnis der Kirche“ des reformierten Theologen Emil Brunner († 1966):
„Ist die Kirche Institution, dann ist Rom die kirchlichste Kirche, das Ideal des Kircheseins. Denn in ihr ist die Institutionalisierung der Ekklesia vollendet – und in ihr allein.
Meint man aber mit der Kirche etwas anderes als Rom, dann muß man sich darüber klar sein, daß man mit diesem ‘anders’ bis zur Wurzel gehen muß. Dann darf man Ekklesia nicht mit Kirche übersetzen.“
„Dann muß man erkennen, daß die Ekklesia des Neuen Testaments, die Christusgemeinschaft der ersten Christen keine Kirche war und keine Kirche sein wollte.“
Mit diesem Zitat zeigt Hw. Henke, „daß die Protestanten sich selbst nicht in demselben Sinne als Kirche verstehen wie die römisch-katholische Kirche oder wie die orthodoxen Kirchen.“
Sie würden sich zwar „Kirche“ nennen – aber diese Wortwahl meint bei den Protestanten entweder die unsichtbare Kirche Jesu Christi oder die sichtbaren Institutionen, die ihrer Ansicht nach von Menschen organisierte, soziologisch bedingte Einrichtungen sind.
Die Reformatoren im 16.Jahrhundert haben nach Hw. Menke „eine andere Kirche“ gewollt.
Ihre Position ist darum nach Hw. Menke nicht mit der These vereinbar, daß jede der großen christlichen Traditionen sich als eine Spielart der transzendent bleibenden Wahrheit relativiert.
Dieses vordergründig „tolerante“ Einheitsmodell transponiere die Wahrheit auf eine unsichtbare Ebene, um auf der sichtbaren Ebene „jedem das Seine“ zuzugestehen.
Zwei verschiedene Ökumenismus-Konzeptionen
In der Folge sieht Hw. Menke zwei Konzeptionen von Ökumenismus, die einander heute gegenüberstehen:
• Auf der einen Seite das Konzept der Katholiken und Orthodoxen, das die sichtbare Einheit der Kirche erstrebt.
• Auf der anderen Seite das Konzept der Protestanten, das den Status quo einer Vielheit durch wechselseitige Anerkennung der Verschiedenheiten festschreiben will.
Das moderne protestantische Konzept kann sich nicht auf die Reformatoren berufen – so Hw. Menke:
„Denn diese haben ihre Reformation als Erneuerung der Kirche in ihrer Gesamtheit und nicht als Gründung einer protestantischen Teilkirche verstanden.“
„Sie wollten nicht eine Vielzahl von Bekenntnissen, sondern glaubten an die Unteilbarkeit der Wahrheit.“
© Bild: mambo1935, Creative Commons
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Dienstag, 4. September 2007 00:21
Bokrug †: Trinität: Gottes Dreiheit – des Menschen Freiheit
Bibelstellen, wo der heilige Geist (Sophia) als Person handelt und mit anderen Personen in Beziehung tritt:
Besonders deutlich sehen sie das z. B. in Joh 16,13f, wo sich ein männliches Pronomen auf das im Griechischen
neutrale Wort πνευμα pneuma (Geist) bezieht. In Röm 8,26 tritt der Geist für uns ein, in Apg 8,39
wirkt er Wunder, in Joh 16,8 überführt er von der Sünde. Er kann belogen werden (Apg 5,3), betrübt
werden (Eph 4,30), gelästert werden (Mt 12,31). Die Apostel verwenden ihn in Apg 15,28 zusammen mit sich
selbst als Subjekt des Satzes („Der Heilige Geist und wir haben entschieden…“).
Der Begriff des Pneuma spielt eine zentrale Rolle in der Person Jesu. Bereits seine Empfängnis geschieht unter Einwirkung des Heiligen Geistes (Matthäusevangelium 1,18-20). Vom Pneuma wird er in die Wüste getrieben, um dort den Versuchungen zu widerstehen (Markusevangelium 1,12). Als Geistträger übernimmt er sein öffentliches Amt (Lukasevangelium 4,14); auf ihm ruht nun das Pneuma des Herrn (Mt 12,1. Mit seiner Hilfe ist Jesus in der Lage, die Herrschaft des Satans zu brechen (Mt 12,2. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Jesus dämonische Kräfte unterstellt werden dürften (Mk 3,29f). Die Auferweckung Jesu von den Toten bedeutet einen Übergang in die Seinsweise des Pneuma (Römerbrief 1,4), womit Jesus als Herr (Kyrios) identifiziert wird (2. Korintherbrief 3,17).
Der Begriff des Pneuma spielt eine zentrale Rolle in der Person Jesu. Bereits seine Empfängnis geschieht unter Einwirkung des Heiligen Geistes (Matthäusevangelium 1,18-20). Vom Pneuma wird er in die Wüste getrieben, um dort den Versuchungen zu widerstehen (Markusevangelium 1,12). Als Geistträger übernimmt er sein öffentliches Amt (Lukasevangelium 4,14); auf ihm ruht nun das Pneuma des Herrn (Mt 12,1. Mit seiner Hilfe ist Jesus in der Lage, die Herrschaft des Satans zu brechen (Mt 12,2. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Jesus dämonische Kräfte unterstellt werden dürften (Mk 3,29f). Die Auferweckung Jesu von den Toten bedeutet einen Übergang in die Seinsweise des Pneuma (Römerbrief 1,4), womit Jesus als Herr (Kyrios) identifiziert wird (2. Korintherbrief 3,17).
Samstag, 11. August 2007 23:44
maliems: Prima, der gute
Menke macht sich ja.
Vor Jahren hieß es noch, er sei nicht episcopabile (ich glaube bei der Besetzung Osnabrücker Stuhles), weil Bonner qua Lehrort automatisch disqualifiziert seien.
Vor Jahren hat er schon mal Ratzi gegen die „pluralistische Religionsphilosophie“ (Heißt das so? Habe ich einigermaßen vergessen) verteidigt und kam ganzseitig im Osservatore heraus.
Vielleicht hat er ja noch Ambitionen. Ich würde es ihm gönnen. Wäre nicht der schlechteste. (Aber sicher der sarkastischste – eine seiner großen Stärken.)
Vor Jahren hieß es noch, er sei nicht episcopabile (ich glaube bei der Besetzung Osnabrücker Stuhles), weil Bonner qua Lehrort automatisch disqualifiziert seien.
Vor Jahren hat er schon mal Ratzi gegen die „pluralistische Religionsphilosophie“ (Heißt das so? Habe ich einigermaßen vergessen) verteidigt und kam ganzseitig im Osservatore heraus.
Vielleicht hat er ja noch Ambitionen. Ich würde es ihm gönnen. Wäre nicht der schlechteste. (Aber sicher der sarkastischste – eine seiner großen Stärken.)
Samstag, 11. August 2007 19:11
Aleph: SpaceRat: Die sichtbare Kirche etablieren
Bestimmt gab es eine Notwendigkeit dies zu tun, nachdem der Protestantismus zu dem Zeitpunkt schon für
genügend Aufregung gesorgt hatte. Da war es notwendig, die sichtbare Kirche zu etablieren.
Das war vorher in dem Umfang nicht offensichtlich notwendig gewesen. Da hat der mystische Leib der von Christus gegründeten Kirche genügt. Die römische Kirche war beim tridentinischen Konzil im Zugzwang, wenn sie weiter bestehen wollte. Das wird immer gern übersehen.
Erst nach dem Konzil war die Kirche überhaupt in der Lage und konnte über die Instrumente verfügen, um die teils unseligen Rekatholisierungsaktionen anzugehen, die nicht nur für die ganz große Freude gesorgt haben.
Das war vorher in dem Umfang nicht offensichtlich notwendig gewesen. Da hat der mystische Leib der von Christus gegründeten Kirche genügt. Die römische Kirche war beim tridentinischen Konzil im Zugzwang, wenn sie weiter bestehen wollte. Das wird immer gern übersehen.
Erst nach dem Konzil war die Kirche überhaupt in der Lage und konnte über die Instrumente verfügen, um die teils unseligen Rekatholisierungsaktionen anzugehen, die nicht nur für die ganz große Freude gesorgt haben.
Samstag, 11. August 2007 18:05
SpaceRat: @Alkuin: Kirchengründung
Man beachte aus dem Artikel diese Passage:
Das protestantische Konzept kann sich nicht auf die Reformatoren berufen. Denn diese haben ihre Reformation als Erneuerung der Kirche in ihrer Gesamtheit und nicht als Gründung einer protestantischen Teilkirche verstanden. Sie wollten keine neue Kirche, sondern die Reinigung beziehungsweise Wiederherstellung der alten.
Insofern wurde die römisch-katholische Kirche (oder soll ich „Gemeinschaft“ sagen?) 1534 auf dem Konzil von Trient gegründet.
Die lutherische Kirche hingegen geht auf das zurück, was in der Kirche schon immer geglaubt hat, wurde also A.D. 33 gegründet, wie sie es datieren.
Das protestantische Konzept kann sich nicht auf die Reformatoren berufen. Denn diese haben ihre Reformation als Erneuerung der Kirche in ihrer Gesamtheit und nicht als Gründung einer protestantischen Teilkirche verstanden. Sie wollten keine neue Kirche, sondern die Reinigung beziehungsweise Wiederherstellung der alten.
Insofern wurde die römisch-katholische Kirche (oder soll ich „Gemeinschaft“ sagen?) 1534 auf dem Konzil von Trient gegründet.
Die lutherische Kirche hingegen geht auf das zurück, was in der Kirche schon immer geglaubt hat, wurde also A.D. 33 gegründet, wie sie es datieren.
Samstag, 11. August 2007 17:39
virOblationis: möglicher Sinn einer Passage des Textes
Da ich schrieb:
„Bereits Ratramnus bezeichnete die Kirche im 9. Jh als corpus Christi mysticum im Unterschied zum corpus Christi verum, dem eucharistischen Leib des Heilands.“
entgegnete Typ:
„Sie haben halt ein sehr frühes Beispiel gewählt, in dem schon im 1. Jtsd. die Bedeutung vertauscht ist. In der patristischen Literatur ist das aber noch ganz anders.“
Dann könnte der Sinn des Textes:
„Im Mittelalter kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe.“
eigentl. folgender sein:
„[Bei Ratramnus] kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe.“
Dies würde stimmen.
Im Artikel wäre also gemeint:
„Man kann diesen Text nur dann angemessen verstehen, wenn man seinen theologiegeschichtlichen Hintergrund kennt. [Bei Ratramnus] kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe. Hatte man bis dahin die Kirche als ,wahren, weil sichtbaren Leib Christi’ und das konsekrierte eucharistische Brot als ,mystischen Leib’ bezeichnet, so verfuhr man jetzt umgekehrt: Man bezeichnete den eucharistischen Leib als wahren, weil sichtbaren Leib und die Kirche als mystischen, weil unsichtbaren Leib Christi.
Mystischer Körper
In der Folgezeit haben die Reformatoren die Bezeichnung der Kirche als ,corpus Christi mysticum’ zum Zentralbegriff ihrer Ekklesiologie erhoben.“
Nur: Dies trifft in bezug auf die Reformatoren, so weit ich sehe, nicht zu.
Und: Ein Sprung vom 9. ins 16. Jh wird verdeckt, vom Mittelalter statt Ratram. die Rede ist!
„Bereits Ratramnus bezeichnete die Kirche im 9. Jh als corpus Christi mysticum im Unterschied zum corpus Christi verum, dem eucharistischen Leib des Heilands.“
entgegnete Typ:
„Sie haben halt ein sehr frühes Beispiel gewählt, in dem schon im 1. Jtsd. die Bedeutung vertauscht ist. In der patristischen Literatur ist das aber noch ganz anders.“
Dann könnte der Sinn des Textes:
„Im Mittelalter kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe.“
eigentl. folgender sein:
„[Bei Ratramnus] kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe.“
Dies würde stimmen.
Im Artikel wäre also gemeint:
„Man kann diesen Text nur dann angemessen verstehen, wenn man seinen theologiegeschichtlichen Hintergrund kennt. [Bei Ratramnus] kam es zu einer folgenreichen Vertauschung zweier zentraler Begriffe. Hatte man bis dahin die Kirche als ,wahren, weil sichtbaren Leib Christi’ und das konsekrierte eucharistische Brot als ,mystischen Leib’ bezeichnet, so verfuhr man jetzt umgekehrt: Man bezeichnete den eucharistischen Leib als wahren, weil sichtbaren Leib und die Kirche als mystischen, weil unsichtbaren Leib Christi.
Mystischer Körper
In der Folgezeit haben die Reformatoren die Bezeichnung der Kirche als ,corpus Christi mysticum’ zum Zentralbegriff ihrer Ekklesiologie erhoben.“
Nur: Dies trifft in bezug auf die Reformatoren, so weit ich sehe, nicht zu.
Und: Ein Sprung vom 9. ins 16. Jh wird verdeckt, vom Mittelalter statt Ratram. die Rede ist!
Samstag, 11. August 2007 15:21
Aleph: Alkuin: Aufeinander angewiesen, gut miteinander auszukommen
Das ist alles bekannt, was Sie hie den Protestanten zum Vorwurf machen. Das weiß ein Katholik hinlänglich.
Dennoch ist ein unchristlich, so zu tun, als wären die Protestanten völlig überflüssig. Sie sind für
die Katholiken mitunter sehr notwendig.
Zu denken, wenn es die Protestanten nicht gäbe, wäre alles ganz bestimmt einfacher, dann würde nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, ist recht banal. Ich habe meine ganz großen Zweifel, ob das denn bestimmt so viel einfacher wäre.
Dagegen vertrete ich die Meinung, dass der Protestantismus genau zum richtigen Zeitpunkt entstanden ist, dass die römische Kirche gerade noch glimpflich davon kommen konnte.
Sonst wäre sie nämlich vor lauter Verweltlichung (Alexander Borgia) von den Pforten der Hölle verschluckt worden. Der Protestantismus hat dazu beigetragen, dass die katholische Kirche wieder zur Besinnung kommen konnte. Das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn man den Protestantismus kritisiert.
Gerade in Deutschland sind Katholizismus und Protestantismus auf einander angewiesen, miteinander gut auszukommen. Das ist gut so. Das ist eine unauflösliche Klammer, eine Symbiose.
In anderen europäischen Ländern mag das anders sein und was über dem großen Teich abgeht, ist eigentlich nicht Thema, weil da vieles ohnehin anders geht.
Zu denken, wenn es die Protestanten nicht gäbe, wäre alles ganz bestimmt einfacher, dann würde nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt, ist recht banal. Ich habe meine ganz großen Zweifel, ob das denn bestimmt so viel einfacher wäre.
Dagegen vertrete ich die Meinung, dass der Protestantismus genau zum richtigen Zeitpunkt entstanden ist, dass die römische Kirche gerade noch glimpflich davon kommen konnte.
Sonst wäre sie nämlich vor lauter Verweltlichung (Alexander Borgia) von den Pforten der Hölle verschluckt worden. Der Protestantismus hat dazu beigetragen, dass die katholische Kirche wieder zur Besinnung kommen konnte. Das sollte man sich immer vor Augen halten, wenn man den Protestantismus kritisiert.
Gerade in Deutschland sind Katholizismus und Protestantismus auf einander angewiesen, miteinander gut auszukommen. Das ist gut so. Das ist eine unauflösliche Klammer, eine Symbiose.
In anderen europäischen Ländern mag das anders sein und was über dem großen Teich abgeht, ist eigentlich nicht Thema, weil da vieles ohnehin anders geht.
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