11:14:01 | Dienstag, 14. August 2007
Seit über drei Wochen liegt er im Krankenhaus, wo man ihn schwerverletzt hingebracht hatte. Jetzt wird die Frage immer lauter: Ist er wirklich die Treppe hinuntergefallen?

Bischof Donald Pelotte von Gallup im US-Bundesstaat Neu Mexiko
(kreuz.net) Am Montag, dem 23. Juli, wurde der Bischof von Gallup im US-Bundesstaat Neu Mexiko, Mons.
Donald Pelotte (62), schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert.
Nach Angaben der Diözese war der Oberhirte
im Bischofshaus eine Treppe hinuntergefallen.
Doch seine schweren Verletzungen deuteten von Anfang an
darauf hin, daß er zusammengeschlagen worden war.
Journalisten hofften, aus den Photos, die von der
Polizei am Unfall- oder Tatort aufgenommen wurden, Aufschluß über die Ereignisse zu gewinnen.
Doch
der Staatsanwalt beschloß, die Bilder nicht freizugeben, weil ihm die Diözese sonst mit einer Klage
gedroht hätte.
Daraufhin reichten die örtlichen Tageszeitungen eine Klage ein, weil sie glauben, nach
der Gesetzeslage im Bundesstaat Neu Mexiko ein Recht auf die Bilder zu besitzen.
In einem Kommentar vom
11. August bestand die örtliche Tageszeitung ‘Gallup Independent’ darauf, daß die Photos ans Licht kommen.
Man könne verstehen, daß die Diözese und der Bischof kein Interesse an der Veröffentlichung der Bilder
hätten: „Wer möchte schon Photos veröffentlicht wissen, auf denen das eigene zerschlagene Gesicht mit
aufgeschwollenen Augen zu sehen ist?“
Dennoch besteht die Zeitung auf eine Freigabe und Publizierung
der Photos:
„Die Bilder werden der Öffentlichkeit Gelegenheit geben, selber zu überprüfen, ob die
Wunden, die sich Bischof Pelotte an diesem Tag zuzog, von einem Treppensturz stammen, wie er selber sagt,
oder das Ergebnis eines Überfalls waren.“
Die Zeitung weist darauf hin, daß der Kanzler der Diözese,
der den Bischof nach den Ereignissen als erster in seinem Schlafzimmer hinter verschlossenen Türen sah,
den Eindruck hatte, der Bischof sei angegriffen worden.
Auch der herbeigerufene Notarzt kam zur gleichen
Überzeugung und alarmierte deshalb die Polizei.
Der Kriminalbeamte schloß ebenfalls auf einen Überfall:
„Sowohl der Doktor als auch der Polizist sind gesetzlich verpflichtet, Kriminalfälle zur Anzeige zu
bringen“ – so der ‘Gallup Independent’.
Die Polizei zog sich erst zurück und schloß die Akte, nachdem
Bischof Pelotte darauf beharrt hatte, kein Opfer eines Überfalls gewesen zu sein.
„Opfer von häuslicher
Gewalt erscheinen häufig zur Behandlung und leugnen eine Gewalteinwirkung durch Familienmitglieder oder
enge Freunde, um den Täter zu schützen“ – kommentiert der ‘Gallup Independent’.
Das Blatt ist davon
überzeugt, daß der Bischof überfallen wurde und jetzt versucht, die Tat zu verschleiern, „weil er den
Täter schützen oder ein Verhältnis verheimlichen will, das er mit dem Täter hat“.
Die Tageszeitung
wirft dem örtlichen Staatsanwalt George Kozeliski – der eine Veröffentlichung der Bilder abgelehnt hat
und ausdrücklich „als Katholik“ vorgestellt wird – vor, ein Freund des Bischofs zu sein und diesen schützen
zu wollen.
Der Staatsanwalt hatte in der Vergangenheit erklärt, in dieser Angelegenheit in einem Dilemma
zu stecken. Wenn er die Photos veröffentliche, werde die Diözese klagen, wenn nicht, dann werde die
Presse vor Gericht ziehen.
Der ‘Gallup Independent’ kennt offenbar weitere Personen, die Informationen
über die Ereignisse um den Bischof besitzen:
„Aber diese Leute werden sich nicht melden, solange die
Polizei bei der gegenwärtigen Verschleierungstaktik mitmacht.“
Bereits im Oktober 2005 berichtete der
‘Gallup Independent’, daß Bischof Pelotte Morddrohungen erhalten hatte.
Die Diözese gab damals bekannt,
daß die Drohung von einem gewissen Derek F. Kolb (32) stammte. Kolb ist ein ehemaliger Seminarist und
von kräftigem Körperbau. Er arbeitete in der Vergangenheit als Kellner.
Im Oktober 2004 wurde Kolb
des versuchten Mordes an einer damals 82jährigen Ordensschwester angeklagt. Kolb soll der Schwester Säure
in den Frühstücksbrei, ein flüssiges Fensterreinigungsmittel in Nahrung und Getränke beigemischt und
außerdem das Insulin der Ordensfrau manipuliert haben.
Als Motiv gab Kolb an, eifersüchtig auf die
Zuwendung gewesen zu sein, welche die Schwester von Hw. Thomas Maikowski (57) erhielt.
Hw. Maikowski
ist ein Priester der Diözese Gallup.
Er war ein enger Freund sowie ein zeitweiliger Arbeitgeber und
Wohnpartner von Kolb. Vor der Polizei erklärten beide, miteinander kein sexuelles Verhältnis unterhalten
zu haben.
Aus Polizei- und Gerichtsakten geht hervor, daß Kolb in der Vergangenheit an psychischen Problemen
litt.
Nachdem Kolb des versuchten Mordes angeklagt worden war, trat Hw. Maikowski von verschiedenen Ämtern
in der Diözese zurück.
Die Klagen gegen Kolb wurden schließlich fallengelassen. Die Staatsanwaltschaft
erklärte, daß die von Kolb bedrohte Ordensfrau die Behörden „in einem wörtlichen Sinn“ angefleht habe,
die Untersuchung abzubrechen.
Kolbs Rechtsanwalt erklärte damals, daß sein Mandant nach dem Vorfall
„ein gewaltiges Maß an Reue“ empfinde.
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