Zölibat
Zur Diskussion gestellt
Der Innsbrucker Bischof wünscht sich, daß auch die positiven Seiten der priesterlichen Ehelosigkeit dargestellt werden. Selber spricht er die Sprache der Zölibatsgegner.
Bischof Manfred Scheuer von Innsbruck
Bischof Manfred Scheuer von Innsbruck
© Pressebild Diözese Innsbruck
(kreuz.net, Innsbruck) Über den Zölibat „darf und soll auf alle Fälle“ diskutiert werden. Das erklärte der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer (52) heute Samstag vor der regionalen Tageszeitung ‘Neue Zeitung für Tirol’.

Gleichzeitig kritisierte der Bischof die Tendenz, Bereiche der Intimität öffentlich zu plakatieren.

Mons. Scheuer bezog sich offensichtlich auf den Fall des früheren Pfarrers von Leutasch, Hw. Roland Walch (46), von dem Anfang August bekannt wurde, daß er sein Priesteramt niederlegen will.

Eine Frage der Mehrheiten?

Bischof Scheuer betont nun, daß der Priester das Zölibatsversprechen freiwillig ablege. Das sei eine Grundsatzentscheidung für das Leben.

Der Bischof sieht aber auch „die Nöte“, die mit dieser Entscheidung verbunden seien: „Da mache ich mir nichts vor.“

Die Ehelosigkeit der Weltpriester müsse „nicht unbedingt“ dogmatisch sein. Mons. Scheuer erinnert an verheiratete byzantinische Weltpriester oder konvertierte verheiratete protestantische Pastoren, welche die Priesterweihe erhalten.

Der Bischof erklärt, die Priesterehe bei der Bischofssynode im Jahr 2005 zur Sprache gebracht zu haben. Doch sie sei nicht „mehrheitsfähig“. Deshalb rechnet er in absehbarer Zeit nicht mit Veränderungen.

Zudem würde die Zulassung der Priesterehe andere Fragen der Kirche „auch nicht lösen“.

Bischof Scheuer findet die Diskussion um den Zölibat zuweilen einseitig. Man solle nicht vergessen, auch die positive Seite des Zölibats hervorkehren – erklärt er, ohne eine einzige zu nennen. Zumeist kämen nur „die Gegner“ zur Sprache.

Es allen recht gemacht

In dem Interview distanzierte sich Bischof Scheuer auch von der Personalprälatur Opus Dei, das diesen Herbst in Innsbruck ein neues Bildungszentrum eröffnet: „Man sagt mir ein Naheverhältnis nach, aber davon kann keine Rede sein.“

Er unterhalte sich einmal im Jahr mit Vertretern. Die letzte Messe bei Opus Dei zelebrierte er nach eigenen Angaben vor zwei Jahren.

Immerhin gesteht der Bischof ein, bezüglich des Opus Dei „bisher keine Vorurteile bestätigt“ zu sehen.
      
18 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#19   Riese1835   19:57:47 | Dienstag, 21. August 2007
Was bedeutet der Begriff „Zölibat“?
Leider will ein Großteil der heutigen Kirche, Bischöfe inkludiert, diesen Begriff den Gläubigen nicht mehr erklären. Viele wissen einfach nicht, was darunter zu verstehen ist, noch kennen sie seine Entwicklungsgeschichte.
Die Weihe verheirateter Männer war wirklich lange Zeit üblich, nur mußten sie mit der Weihe das Enthaltsamkeitsversprechen abgeben. Das ist bereits in der Heiligen Schrift, sowie seit den ersten Konzilien belegt: Mt 19, 27-30; Mk 10, 20-21; Lk 18, 28-30; Konzil von Elvira Anfang 4. Jhdt „Man stimmt in dem vollkommenen Verbot überein, das für Bischöfe, Priester, Diakone, d.h. für alle Kleriker, die im Altardienst stehen, gilt, daß sie sich ihrer Ehefrauen enthalten und keine Kinder zeugen; wer aber solches getan hat, soll aus dem Klerikerstande ausgeschlossen werden.“; Konzil von Karthago 390 mit ähnlichen Aussagen, wobei man sich ausdrücklich auf die Tradition beruft. Letztlich beruft sich auch 691 das 2. Trullanische Konzil der Ostkirche in der Zölibatstradition auf das Konzil von Karthago.
Beim Zölibat handelt es sich um eine apostolische Tradition, die auch im Tempeljahr der Leviten im AT wurzelt. Bemerkenswert ist, daß sich die Konzilsväter von Trient weigerten, das Zölibatsgesetz der lateinischen Kirche als ein reines Kirchengesetz zu erklären.
Wer immer noch an das Märchen der mittelalterlichen Erfindung glaubt, möge folgendes Buch lesen:
Alfons Maria Kardinal Stickler
Der Klerikerzölibat
Maria aktuell, Abensber 1994
ISBN 3-930309-08-4
Redaktion benachrichtigen
#18   Rodolfo Panetta   14:26:27 | Sonntag, 19. August 2007
Merkwürdiges Konzil
Was ich zeit meines Lebens nie verstanden habe, ist, daß das Konzil die heilige Messe in der traditionellen Form aufgegeben hat, dem Relativismus in Glaubensdingen Tür und Tor geöffnet hat, jedoch am Zölibat eisern festgehaltenhat. Das verstehe, wer will.
Redaktion benachrichtigen
#17   Aliatus   11:26:42 | Sonntag, 19. August 2007
Hai-Fisch
Hai, Nachtlaterne [und -fisch]
Du bist ne Gute. Ich tät dir drum fürs Heil empfehlen, diese Seiten zu verlassen. Die Richtung der Redaktion paßt; das durchgepeitschte Prinzip, jede Abartigkeit zu dokumentieren, quasi ein Dia-Negativ zu zeigen, ist, rechtverstanden, eine Methode, Satan zu unterlaufen.
Es ist für einfache Leuts und Ungeübte jedoch sehr schädlich (sehr!), zu kreutz-netten. Ganz sicher!
Ali
Redaktion benachrichtigen
#16   Tridentinus   11:23:27 | Sonntag, 19. August 2007
Ich frage mich hier wirklich,
inwiefern es berechtigt ist, Bischof Scheuer zu unterstellen, „die Sprache der Zölibatsgegner“ zu sprechen. Der Zöibat ist in der Tat kein Dogma, wohl aber ist es de fide tenenda, dass nur der getaufte Mann das Weihesakrament gültig empfängt. Also kein Engel oder sonst ein a-sexuelles Wesen.
Redaktion benachrichtigen
#15   Sirilo   11:11:40 | Sonntag, 19. August 2007
@Nachtlaterne
Sie schreiben: „In einem Freudenhaus herrscht niemals Freude.“
Wie oft waren Sie denn schon in einem ‘Freudenhaus’, dass Sie das so genau wissen?
Redaktion benachrichtigen
#14   Kurt K.   10:59:14 | Sonntag, 19. August 2007
@ Nachtlaterne: eine ernsthafte Frage
Die Frage, die sich mir immer stellt, wenn ich lese, Zölibat, Ehelosigkeit, Keuschheit seien Gut und v.a. Gottgefällig ist folgende:
(und ich stelle sie nicht zur Provokation, ich verstehe das wirklich nicht!)
Wenn man a) davon ausgeht, dass Gott die Menschen nach seinem Bilde (oder Vorstelllung) erschaffen hat,
b) davon ausgeht, dass Gott ein „lieber“ Gott ist, wie erklärt man sich dann, dass der Mensch seine (logischerweise von Gott geschaffenen) Triebe nicht ausleben solle?
Ich verstehe den Gedanken nicht.
Redaktion benachrichtigen
#13   Nachtlaterne   08:58:58 | Sonntag, 19. August 2007
wer bedenkt schon…
…den zölibat der ehe. wer ernsthaft an gott glaubt, der geht den weg des zölibat in der ehe oder in der ehelosigkeit. die priester aber werden, nach den worten der bibel, gottes besonderes eigentum sein. einsamkeit ist doch überall. nach nietzsche ist der zölibat der größte beweis für den lebendigen glauben. die welt nimmt anstoß am zölibat, weil sie völlig versexualisiert ist und das gegengewicht zur h urerei nicht begreifen und akzeptieren will. erinnert euch an die jünger, die wegen jesus alles verließen und denen er darum das ewige leben und ein besonderes leben hier auf erden versprach.
die hurerei versucht allem zu entfliehen: der ehe und dem zölibat. sie richtet sich ein gegenparadies, ein freudenhaus zu gottes liebe auf. in eionem freudenhaus herrscht aber niemals freude denn es ist ein totenhaus. der mensch kann in sich selbst ein freudenhaus tragen, wenn er nach möglichst vielen gelüsten strebt. damit aber legt er sich selber brach, entwertet sich und andere aufs schwerste und wird zu einem lebenden toten von denen schon jesus so warnend spricht.
Redaktion benachrichtigen
#12   Krak des Chevaliers   07:06:03 | Sonntag, 19. August 2007
Opus Dei und NOM
Immerhin kann man beim Opus Dei eine ritengerechte Zelebration des NOM erleben, was sonst eher selten anzutreffen ist. Das Opus Dei steht für eine unbedingte Papsttreue und für einen unbedingten und unverwässerten Katholizismus. Kein Wunder also, dass es unter Dauerbeschuss der Gegner steht, die eine „andere“ Kirche mit (noch) mehr Ökumene, mit Frauenpriestern, Bibel in gerechter Sprache, und verheirateten Priestern fordern.
Redaktion benachrichtigen
#11   Kurt K.   03:29:36 | Sonntag, 19. August 2007
Ich find das Zölibat gut,…
und zwar in zweierlei Hinsicht:
1) Es bleiben mehr Frauen „übrig“, was dür mich als Mann ja nur positiv sein kann. >:)
2) Es werden nicht viele Priester „ berufen“. :-O
Redaktion benachrichtigen
#10   Dagmar Kunze   00:11:23 | Sonntag, 19. August 2007
ehelos oder single ??
40% der berliner sind single und stolz darauf.
bei priestern heisst das „ehelos“ und unterstellt, einen knacks zu haben.
mehr mut zu modernen lebensformen, meine herren!
dagmar kunze
Redaktion benachrichtigen
#9   Sentinel   00:06:28 | Sonntag, 19. August 2007
@Bruder Theophil
Wunderbar!
Sie haben mich also sehr genau verstanden!
Ich sprach übrigens von Männern, nicht von Frauen!
Deshalb zählt die Käßmann an dieser Stelle nicht! Oder hat diese sich endlich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen?
Redaktion benachrichtigen
#8   Bruder Theophil   00:03:31 | Sonntag, 19. August 2007
@ Sentinel
Bei den Protestanten funktioniert es ja auch ohne dies sehr gut. Sogar besser als bei den Katholiken.
Und dies wird immer wieder übersehen.
Lach. Aus welchem Märchenbuch haben Sie das denn per Copy/Paste hier reingeschrieben.
Frau Bischöfin Käßmann lässt grüssen.
Redaktion benachrichtigen
#6   Sentinel   22:11:43 | Samstag, 18. August 2007
@Bruder Theophil
Vielleicht machen deshalb so viele Priester in diesem Alter (40 bis 50 Jahre) erst ihre Kinder, damit sie von diesen gepflegt werden können, wenn sie alt sind!
Man darf dabei nicht den Egoismus der Priesterkaste vergessen.
Ich bin nach wie vor für die generelle Abschaffung des Zölibats. Bei den Protestanten funktioniert es ja auch ohne dies sehr gut. Sogar besser als bei den Katholiken.
Und dies wird immer wieder übersehen.
Redaktion benachrichtigen
#5   Bruder Theophil   21:07:01 | Samstag, 18. August 2007
@ Gunsenum
Er zieht daraus seine Konsequenzen und entscheidet sich entweder für das Amt, oder die Frau. Aber er macht keinen Spagat zwischen beiden, denn das schadet dem Amt und der Kirche. Und letztlich auch seiner Beziehung zu der Frau.
Ausserdem sollte er zwischen 40 und 50 noch an folgendes denken:
1. Andere Menschen haben auch eine Midlife Crisis. Das geht vorüber. Man braucht halt Disziplin dazu.
2. Für Kinder ist es eh schon etwas spät, wenn man mit den Kindern noch was erleben möchte, anstatt von ihnen gepflegt zu werden.
Redaktion benachrichtigen
#4   Gunsenum   20:19:00 | Samstag, 18. August 2007
Prüfung vs. Leben
Korrekt, die Prüfung muß erfolgen. Ich kenne dienstlich und privat jedoch zuviele hervorragende Priester und Kapläne, die sagen und spüren, daß jugendlicher Idealismus im späteren Lebensverlauf fehlt. Was macht der wirklich gute Seelenhirte, wenn er mit, sagen wir 40, 50 Jahren die fehlende Nähe nicht mehr erträgt und nicht aus dem amt scheiden will…
Bruder Theo – antworten Sie nicht mit moralischen Floskeln!
Redaktion benachrichtigen
#3   Bruder Theophil   20:01:00 | Samstag, 18. August 2007
@ Gunsenum
Und durch diese Machtorientierung, diese hierarchischen Zwänge, da werden die persönlichen Sorgen, Ängste und Nöte unterdrückt, bis es eben zum „Big-Bang“ kommt, und der Priester im eigenen Scherbenhaufen steht.
Jeder, der diesen Weg wählt, hat lange genug Zeit, sich zu prüfen, ob es der richtige Weg für ihn ist. Ebenso im Möchtum bis zur ewigen Profess. Niemand ist gezwungen, diesen Weg auch zu Ende zu gehen. Also sparen Sie sich Ihr Lamento.
Redaktion benachrichtigen
#2   Gotthard   19:43:12 | Samstag, 18. August 2007
Sprache?
Selber spricht er die Sprache der Zölibatsgegner.
Wie klingt die Sprache der Zölibatsgegner, derer sich der Bischof angeblich bedient hat?
Redaktion benachrichtigen
#1   Gunsenum   19:28:24 | Samstag, 18. August 2007
Sehr richtig!
„Der Bischof sieht aber auch „die Nöte“, die mit dieser Entscheidung verbunden seien“
Recht so – und das sollte den Forumspiushanseln hier zu denken geben. Ihr Priesterbild, das bei der Piusbrudersekte aus- und vorgelebt wird, ist was für machtgeile, neurotische Kleiderpuppen, denen man Priestergewänder anwarf. Und durch diese Machtorientierung, diese hierarchischen Zwänge, da werden die persönlichen Sorgen, Ängste und Nöte unterdrückt, bis es eben zum „Big-Bang“ kommt, und der Priester im eigenen Scherbenhaufen steht.
Thematisieren Sie die seelischen Nöte der Priester, öffnen Sie sich!!!
Redaktion benachrichtigen
Es wurden 2 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
Erzbischof MilingoEr wartet gegenwärtig auf die Anweisungen Gottes ZölibatUnd was schaffen wir nach dem Zölibat ab? ZölibatEr ist an allem schuld ZölibatMagere Ernte Priesterweihe in WienAustritt, Übertritt und Rücktritt Dompfarrer Toni Faber„Leider habe ich mich getäuscht“ Dompfarrer Toni FaberGeistlicher mit reichlicher sexueller Erfahrung Öffentliche BeichteJesuit und Ordensschwester – seit dreißig Jahren ein Liebespaar Verheirateter Ex-RegensSchuld am eigenen Scheitern sind die anderen Rücktritt mit 50Bischof vor der Hochzeit? Priester suspendiertDie Oase verfehlt und verdurstet ZölibatEine Zwangsjacke? ZölibatBalast über Bord ZölibatScheinbare Kehrtwende ZölibatBarmherziger Jesuit
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net