11:08:26 | Dienstag, 21. August 2007
Auf der Webseite eines Staatsfernsehens durfte Frau Mama kürzlich ihre unverarbeiteten Religionskomplexe ausleben und einem Kardinal eine Ohrfeige knallen. Ein Kommentar.

Die Webseite zum Papstbesuch in Österreich zeigt Kardinal Schönborn lebensnah: auf Fußwallfahrt mit
seinen Mitarbeitern nach Mariazell
© Pressebild der Webseite zum Papstbesuch in Österreich(kreuz.net, Wien) Kürzlich empörte sich Frau Karin Peschka auf der Webseite des ‘Österreichischen Rundfunks’.
Anlaß war ein Kreuz aus Olivenholz und ein Brief mit blau eingedruckter Unterschrift, den ihr Sohn vom
Wiener Kardinal Christoph Schönborn zugeschickt bekam.
Die blaue Unterschrift des Kardinals suggerierte
der Mama nach eigenen Angaben: „Hier hat wer selbst unterschrieben, so gut wie. Nicht ganz.“
„Du sollst
nicht lügen“ – falle ihr zum blau Eingedruckten ein.
Ihr Sohn habe weder Brief noch Kreuz gewollt, teilt
Frau Mama als Pressesprecherin ihres Nachkommen mit.
Das Kreuz beschreibt sie als „T-förmiges Ding,
ohne den geknechteten, geschundenen Körper des gestorbenen Jesus, der mich seinerseits vom Briefkopf
her ansieht, arrogant und fern.“
Die Zusendung bewirkt bei ihr Probleme beim Luftholen: „Ich höre fast
auf zu atmen, so gewaltig drückt es auf der Seele.“
Stellvertretend für ihren Sohn erinnert sie sich
an eine vor drei Tagen absolvierte Hochzeitsmesse: „Hoch über uns wölbte sich ein steinerner Himmel.“
„Gott ist nicht nah“ – habe es aus den Steinen und Mauern und Geräuschen gesprochen.
Frau Peschka bezeugt,
während dieser Messe in ihre Kindheit zurückgepurzelt zu sein. Sie habe sich wieder wie „ein kleines
Mädchen, mit Faltenrock, weißer Strumpfhose und einem Handtäschchen aus Plastik“ gefühlt.
In der
Kirche sei „man“ wieder sieben oder acht Jahre alt – glaubt sie.
Dann wendet sich die Frau an den „lieben
Herrn Schönborn“: „Vielen Dank, wir wollen es nicht“ – solidarisiert sie sich im Wir-Stil mit ihrem Sohn,
der offenbar nicht schreiben und die Post nicht benützen kann: „Ich würde es Ihnen gerne zurückschicken“.
Der Brief an den Sohn wird zum Albtraum für die Mutter: „So sehr hat mich die Kirche noch im Griff“.
Pathetisch berichtet Frau Peschka, vor mehr als zwanzig Jahren aus der Kirche ausgetreten zu sein: „von
diesem leidenden, katholischen Gott, der in meiner Kleinmädchenfantasie frierend und nackt in einem ungastlichen
Kirchenschiff wohnte, ein geschundener Jesuskörper, hinter gotischen Säulen versteckt“.
Dann folgen
die Beschuldigungen, welche für Apostaten mit schlechtem Gewissen erfahrungsgemäß typisch sind:
„Statt
mit mir zu reden, Herr Kardinal, warum ich diese Kirche verlassen habe, sprach der damalige Dechant unserer
Kleinstadt lieber meine Mutter an.“
Aber, Frau Mama: Was ist das Problem? Sie hauen den Wiener Kardinal
doch auch stellvertretend für Ihren Sohn in die Pfanne.
Der böse Dechant habe sogar eine stadtbekannte
Wirtin in der Volksbank „vor allen Leuten“ gefragt, welcher Sekte die Ausgetretene jetzt angehöre – bejammert
Frau Peschka sich selber.
Sie haben unser Mitgefühl, Frau Peschka – auch dafür, daß sie ihren Kirchenaustritt
auch nach zwanzig Jahren noch nicht verkraftet haben.
Es sei ihr damals nicht ums Geld gegangen, rechtfertigt
sie sich, sondern „um Nähe“. Die Kirche täusche Nähe nur vor.
Akzeptiert, Frau Peschka. Das ist immerhin
eine Anklage, die über Selbstmitleid und Infantilismen hinausführt.
Ob der damalige Kirchenaustritt
dieses Verlangen nach Nähe zum Ausdruck gebracht hat?
Oder anders formuliert, Frau Peschka: Was haben
Sie dazu beigetragen, um dieses Problem zu lösen?
Erzeugt ein Kirchenaustritt Nähe? Mahnen Sie Nähe
an, indem Sie sich distanzieren?
Jetzt entdeckt Frau Peschka – Überraschung – bei ihrem getauften und
gefirmten Sohn das gleiche Problem. Die Kirche habe sich von ihm ferngehalten. Und zugleich: „Ihr Schreiben
hat meinen Sohn nicht berührt.“
Die Kirche habe ihm gezeigt, wie man demütig die Hände falte: „Über
die Demut selbst hat sie sich ausgeschwiegen“ – klagen Sie an.
Was wäre geschehen, wenn die Kirche ihrem
Nachkommen Demut beigebracht hätte? Hätten Sie dann vielleicht auch den Spruch vom „geknechteten, geschundenen
Körper des gestorbenen Jesus“ geklopft?
Leib- und lebensfeindliche Demut?
Der Text endet mit einer
letzten Ohrfeige für Kardinal Schönborn: Er habe die Chance verpaßt, von Demut und Sehnsucht zu sprechen.
Frau Peschka, Schimpfen und Anklagen taugen nicht, um die eigenen Probleme zu lösen – auch nicht in
der Kirche.
Außerdem: Lassen Sie ihren Sohn aus dem Spiel. Es geht um Sie.
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